Generäle, Milliardäre, Twitter. Und Romney? Wie Donald Trump regieren will

„Man sollte Donald Trump eine Chance geben. Es wird schon nicht so schlimm werden.“ Einer meiner Leser empfahl mir nach meinem Kommentar zum neuen US-Präsidenten sogar mit der „Klugscheißerei“ aufzuhören und erst einmal „sechs Monate in den Urlaub zu gehen“.

Vier Wochen später wissen wir schon mehr darüber wie Trump denkt, wie er regieren will. Einen Grund zur Entwarnung gibt es nicht!

Stimmungsmache auf Twitter

Trump spricht selbst nach seinem Sieg weiterhin von „manipulierten Wahlen“, von zwei Millionen illegalen Stimmen für Hillary Clinton. Ohne die hätte er nicht nur das Electoral College der Bundesstaaten gewonnen, sondern auch die Mehrheit der „popular vote“. Beweise hat Trump nicht. Aber es ärgert ihn, dass Hillary mehr als 2,6 Millionen Wähler mehr gewonnen hat als er.

Auch über die „Lügenpresse“ schimpft Trump weiter, über die New York Times, CNN, generell über alle unliebsamen Journalisten. Wollen die, die von „Lügenpresse“ sprechen, nicht einen anderen Staat?

Konsequenzen fordert Trump in einem Tweet für Demonstranten, die die US-Flagge verbrennen. Er droht, sie ins Gefängnis zu werfen, ihnen die Staatsbürgerschaft wegzunehmen. Er stellt sich damit gegen den Supreme Court und die Verfassung. Das Oberste Gericht erlaubt diesen Protest als freie Meinungsäußerung. Und Amerikanern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, verstößt gegen die US-Constitution.

Alt_pruasdienten schauen Nachfolger

Entsetzen: Amerikas Präsidenten John F. Kennedy, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt, George Washington und Franklin. D. Roosevelt verfolgen im Fernsehen ihren „Nachfolger“ Donald Trump. Quelle: Titelblatt The New Yorker, Februar 2016

Trump-Chefstratege: Leninist, Nationalist, Rechtsextremist

Deutliche Zeichen setzt Donald Trump auch bei der Besetzung der wichtigsten Posten seiner Regierung.

Der gefürchtetste unter ihnen ist Trumps Chefstratege Steve Bannon. Ein Harvard-Absolvent, der die Internetplattform Breitband zum Sammelbecken der „Alternativen Rechten“ gemacht hat. Rechtsradikale, Neo-Nazis, Antisemiten und Rassisten haben hier ihre Heimat gefunden und feierten Bannons Ernennung mit Hitler-Gruß.

„Ich bin kein weißer Nationalist. Ich bin ein Nationalist“, sagt Bannon über sich selbst. „Finsternis ist gut. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.“ Manchmal vergleicht er sich mit Lenin – einer, der die Regierung von innen zerstören will. „Amerika, fürchte dich“, warnen selbst Republikaner vor Bannon.

Trump-Regierung: Generäle, Milliardäre und ein durchgeknallter Rechter

Hartliner besetzen auch die wichtigsten Ministerposten. Nur beim Außenminister zögert Trump noch. Vier-Sterne-General David Petraeus, Rudy Giuliani und Mitt Romney sind im Gespräch. Letzterer, einst ein erbitterter Trump-Gegner, scheint sich jetzt ins Amt buckeln und kriechen zu wollen. Selbst öffentliche Demütigungen von Trumps Sprecherin können Romneys Anstand und Ehre nicht erschüttern.

David Petraeus wäre der dritte General unter Trump. Auch der künftige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn trägt drei Sterne und gilt als Falke. Der 57-Jährige musste 2014 wegen seines Führungsstils als Chef des Militärgeheimdienstes zurücktreten. Den Islam verallgemeinerte Flynn „als einen Krebs, der sich hinter dem Label einer Religion versteckt“. Mit Russland dagegen pflegt der General dubiose Geschäftsbeziehungen. Während des Wahlkampfes hatte Flynn falsche Nachrichten (Fake-News) und Verschwörungstheorien über Hillary im Internet gestreut. Außenminister Colin Powell, ein Republikaner, nennt Flynn „einen durchgeknallten Rechten“.

General als Verteidigungsminister: „Es macht Spaß, ein paar Leute zu erledigen.“

Im Pentagon setzt Trump auf einen Marine (Slogan: The Few, The Proud – die Wenigen, die Stolzen). Verteidigungsminister James Mattis nennen sie „Mad Dog“, einen „verrücktet Hund“. Der erste General an der Spitze des Pentagons seit George Marshall im Jahr 1950.

Macht es nicht Sinn, die weltweit größte und stärkste Militärmacht von einem Zivilisten führen und kontrollieren zu lassen? Für den Pentagon-General muss sogar das Gesetz umgangen werden. Das schreibt vor, dass Militärs erst sieben Jahre nach ihrem Ausscheiden einen zivilen Regierungsposten einnehmen dürfen. Mattis ist 2013 in Pension gegangen.

Davor leitete der General Kriegseinsätze in Afghanistan und im Irak. Berühmt ist Mattis für Sätze wie: „Es macht Spaß, ein paar Leute zu erledigen.“ Oder: „Sei freundlich, professionell aber habe einen Plan jeden zu erschießen, den du triffst.“ Eine Friedenstaube ist Mattis wirklich nicht.

An Trumps Kabinettstisch sitzt ein Vermögen von 35 Milliarden Dollar

Wenn es um die Finanzen und Wirtschaft gehen, setzt Trump dagegen auf die Milliardäre der Wall Street. Das reichste Kabinett in der Geschichte der USA. Hatte er im Wahlkampf nicht über die Macht der Banker und Börsianer geschimpft?

Sein Finanzminister Steven Mnuchin war Hedgefonds-Manager, Hollywoodfinanzier und Goldman Sachs Banker. Er machte sich einen Namen als „Foreclosure-Machine“, der während der Finanzkrise ins Straucheln geratene Eigenheimbesitzer gnadenlos aus ihren Häusern werfen ließ.

Auch Handelsminister Wilbur Ross muss sich als Nummer 232 unter den reichsten Menschen der Welt keine Sorgen mehr ums Geld machen. Dessen Vize soll der Milliardär Todd Ricketts werden, dem das Baseball-Team der Chicago Cubs gehört. Insgesamt sitzt künftig ein Vermögen von 35 Milliarden Dollar mit am Kabinettstisch – Präsident Trump mit eingerechnet.

Mnuchin, Ross und Ricketts, die neuen Kämpfer für die vergessene weiße Arbeiterklasse, um die sich Trump kümmern wollte? Bisher hat das Wirtschaftsteam nur der Wall Street geholfen. Sie meldet neue Höchststände.

Amerikas Opposition in kollektiver Depression

Was ist eigentlich mit den Demokraten los? Trump bietet viele Angriffspunkte. Doch die Opposition scheint in eine Schockstarre verfallen zu sein. Der einzige, der öffentlich gegen Trump auftritt, ist der 75 Jahre alte Bernie Sanders, der bei den Vorwahlen gegen Hillary verloren hatte. Und die Grüne Jill Stein, die für eine Neuauszählung der Stimmen in drei Bundesstaaten kämpft.

Als ihre Anführerin im Senat haben die Demokraten die 76 Jahre alte Nancy Pelosi wiedergewählt. Ein Neuanfang ist das nicht. Und auch im Repräsentantenhaus ist Chuck Schumer als der oberste Demokrat schon 18 Jahre dabei und alles andere als ein Aufbruch. Viel gelernt haben die Demokraten von ihrer bitteren Niederlage noch nicht.

Amerika geht schweren Zeiten entgegen. Die Opposition liegt am Boden. Donald Trump kann durchregieren. Und die Hoffnung, dass er doch anders sein würde, als im Wahlkampf, bleibt nur eine Hoffnung.

Donald Trump ist eine politische Katastrophe für Amerika und die Welt

Präsident Donald Trump. Drei Worte, an die ich mich gewöhnen muss.

Ich habe zu keinem Zeitpunkt geglaubt, dass dieses Wahlergebnis möglich ist. Ich dachte Amerika sei besser. Ich habe mich getäuscht.

Nach einem schwarzen Mann, eine Frau zur Präsidentin zu wählen, war offenbar zu viel Fortschritt für das Land.

Als Demokrat muss und werde ich die Wahl anerkennen. Ich weigere mich aber, mir jetzt die positiven Seiten von Donald Trump herauszupicken, wie es einige Kommentatoren machen.

Haben wir schon alles vergessen, was Donald Trump gesagt hat. Er hat Mexikaner als Vergewaltiger und Drogendealer diffamiert, Moslems mit Terroristen gleichgesetzt, Kriegshelden beleidigt, sich über Behinderte lustig gemacht und Frauen zu Sex-Objekten degradiert. Ein Präsident für alle Bürger? Nun wirklich nicht.

Die Wahl von Donald Trump ist eine Katastrophe und eine Schande für Amerika.

Eine Demokratie kontrolliert sich selbst, beruhigen mich viele. Richtig. Aber wie? Trump ist nicht nur Präsident, er hat eine Mehrheit in beiden Kammern des Kongress. Etwas, was Präsident Obama nicht hatte.

Wahlergebnis

Vorläufiges Endergebnis. Auch ohne Michigan und New Hampshire, die noch nicht entschieden sind, hat Donald Trump die Mehrheit des Electoral College und damit die Präsidentschaft gewonnen. Auch in den beiden Kammern des Kongress verfügt der neue Commander-in-Chief über eine Mehrheit. Screenshot: RealClearPolitics.com

Trump kann durchregieren. Wer will ihn aufhalten? Die Demokraten sind in Senat und im Repräsentantenhaus in der Minderheit. Moderate Republikaner? Eine schwache Hoffnung. Was bleibt ist die Presse, die vierte Gewalt wie es heißt. Doch die hat schon während des Wahlkampfes versagt. Und die Bürger. Erste Demonstrationen gibt es gegen Trump. Es werden nicht die letzten bleiben.

Präsident Donald Trump: Wird alles viel schlimmer als man heute denkt?

Das war doch alles nur Wahlkampf, höre ich jetzt. Trump hat das alles nicht so gemeint. Wirklich? Woher nimmt man diese Erkenntnis?

Rudy Giuliani (72) soll außenpolitischer Berater oder Justizminister werden, alternativ auch Chris Christie, gegen den gerade Ermittlungen laufen. Newt Gingrich (73) wird Außenminister, Sarah Palin bekommt das Innenressort. Saraaaaah Palin!!!! Es wäre ein Horrorkabinett, wenn sich diese ersten Berichte bestätigen sollten.

Es wird schon nicht so schlimm werden, sagen einige. Ist das so? Hat man das nach der Wahl von George W. Bush nicht auch gesagt? Wo hat das geendet: Irak-Krieg, Wirtschaftsdepression.

Warum soll es bei Trump nicht so schlimm werden? Ich sehe keine Anzeichen. Ich befürchte eher das Gegenteil.

Trump will Obamacare abschaffen. Er wird es tun. Mehr als 20 Millionen Menschen verlieren ihre Krankenversicherung. Wer wegen eines Notfalls in den Emergency Room muss, weiß, was das bedeutet. Dort sitzen all die, die sich keinen Arzt leisten können.

Mindestlohn? Kann man vergessen. Steuererleichterungen für das “obere eine Prozent”, die Top-Verdiener? Ganz sicher. Bessere Waffengesetze? Eher das Gegenteil. Abschiebung illegaler Einwanderer? Darauf kann man wetten, auch wenn es aus logistischen Gründen nicht elf Millionen sein werden.

Angst macht auch die angekündigte „Starker-Mann“ Außenpolitik. TTIP-Handelsabkommen? Am Ende. NAFTA? Neu verhandeln. Handelskrieg mit China? Wird man sehen. ISIS? Wegbomben. Syrien? Keine Idee. Eine Bromance mit Putin muss helfen. Überhaupt dürfte Russlands Präsident mit der US-Wahl zufrieden sein.

Konservative Revolution durch neuen Supreme Court

Trump will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen, Umweltauflagen in den USA lockern, wenn nicht ganz aufheben. Ein Mann, der glaubt, dass der Klimawandel Quatsch und “eine Zeitungsente” ist, wird das machen. Trumps möglicher Kandidat für die US-Umweltbehörde EPA glaubt nicht an einen von Menschen verursachten Klimawandel.

Eine konservative Revolution könnte die Neubesetzung des Supreme Courts auslösen. Das Recht der Frauen auf Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehen, die Stärkung der Rechte der LGBT-Gemeinde, der Angestellten und Arbeiter stehen auf dem Spiel. Trump wird bald einen neuen Richter nominieren und ihn im Gegensatz zu Obama auch im Kongress durchbekommen. Es wird ein Konservativer sein.

Noch reicht das nicht für eine Kehrtwende. Doch zwei weitere liberale Richter sind 83 und 78 Jahre alt und wollen in den Ruhestand gehen. Das würde dem Land auf Jahrzehnte einen konservativen Supreme Court beschweren.

Was bleibt also? Viel mehr als Hoffnung ist es nicht. Die Hoffnung, dass ich mich erneut täusche. So wie beim Ausgang der Wahl.

Electoral Votes: So funktioniert das US-Wahlsystem

Es ist alles gesagt. Jetzt wird gewählt. Und ausgezählt. Doch wie funktioniert das US-Wahlsystem eigentlich?unnamed Eine Erklärung.

Wer in den USA Präsident werden will, braucht bundesweit nicht die meisten Wählerstimmen zu gewinnen. Auch eine Minderheit kann eine Hillary Clinton oder einen Donald Trump ins White House bringen.

George W. Buhs reichte Minderheit an Stimmen, um Präsident zu werden

Zuletzt schaffte das George W. Bush im Jahr 2000. Damals stimmten nur 50.456.062 US-Bürger für den Republikaner, mehr als eine halbe Million weniger als für seinen Konkurrenten Al Gore (50.996.582).

Doch George W. Bush gewann in einer denkwürdigen Wahl die meisten Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten, 271 so genannte Electoral Votes. Al Gore brachte es nur auf 265. Auch ein wochenlanges Nachzählen der Stimmen im umstrittenen Florida halfen Gore damals nicht. Am Ende gestand der Demokrat seine Niederlage ein, obwohl er vor Gericht die Wahl hätte anfechten können.

Electoral Votes: Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten entscheiden die Wahl

Auch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump entscheiden die Electoral Votes der Bundesstaaten darüber, wer im Januar 2017 ins White House einziehen wird.

Dabei gewinnt nach dem Mehrheitswahlrecht derjenige alle Wahlmänner, der auch die meisten Stimmen in dem jeweiligen Bundesstaat gewinnt. Dabei gilt: The Winner takes it all! Eine Aufteilung der Wahlmänner gibt es bis auf zwei kleine Ausnahmen nicht. Insgesamt braucht ein Kandidat 270 Electoral Votes!

Hillary Clinton ist nach den letzten Analysen klare Favoritin

Und so sieht es nach den letzten Umfragen aus.

Hillary Clinton ist in allen drei ausgewählten Analysen Favoritin. Der Weg von Donald Trump, die erforderlichen 270 Wahlmänner zu gewinnen, ist deutlich schwerer und eigentlich nur theoretisch möglich. Hillarys “Wand von blauen Staaten”, also Bundesstaaten, die demokratisch und für sie wählen, hält. Trump muss sich dagegen sogar um einige seiner “roten Staaten”, wo traditionell republikanisch gewählt wird, sorgen.

Nate Silver, FiveThirtyEight.com

Letzte Analyse Nate Silver

Die Analyse des Daten Gurus Nate Silver. Screenshot: FifeThirtyEight.com

Geht es nach Nate Silver, dem Daten-Guru der letzten Jahre, hat Hillary Clinton eine 71,4 Prozent Chance die nächste Präsidentin zu werden. Donald Trump liegt abgeschlagen bei nur 28,6 Prozent. Silver geht davon aus, dass alle wichtigen Swing States (Nevada, Florida, North Carolina und New Hampshire) von Hillary gewonnen werden. Einen Weg für einen Trump-Sieg sieht der Mann von FiveThirtyEight. com nicht.

RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screetshot: RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screenshot: RealClearPolitics.com

Die letzte Electoral Vote Karte von RealClearPolitics.com, eine Seite, die aus allen Umfragen einen Durchschnitt errechnet, sieht Hillary Clinton knapp in Front. Danach wird sie 272 Electoral Votes gewinnen, Donald Trump schafft 266. New Hampshire mit seinen nur vier Wahlmännern macht Hillary dabei zur Präsidentin.

Die letzte Umfrage der Los Angeles Times.

Eine sehr positive Prognose der Los Angeles Times

Eine sehr positive Prognose kommt von der Los Angeles Times. Erstaunlich: Das Blatt sah in seinen nationalen Umfragen Trump fast immer vor Hillary, zuletzt am Montag mit 48-43 Prozent.

Ein Hillary-Sieg von 352 zu 186 Electoral Votes, den die Los Angeles Times errechnet hat, würde für Clinton einem Erdrutschsieg gleichkommen. Donald Trump hätte Mühe, diese klare Niederlage anzuzweifeln und sie mit „rigged Election“, also „manipulierten Wahlen“ zu rechtfertigen.

Der Wahlkampf ist zu Ende. Endlich! Es war unerträglich!

Ich habe fünf Präsidentschaftswahlen in den USA erlebt. Und nicht gedacht, dass es noch schmutziger geht als in den Jahren zuvor. Ich habe mich getäuscht.

80 Prozent der US-Bürger fanden den Wahlkampf „widerlich“ – Recht haben sie!

Noch nie wurde beim Kampf um das White House so viel gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Fakten verdreht und die Wähler verarscht. Melanie Trump will sich als First Lady gegen Mobbing im Internet einsetzen. Spätestens danach hätte es auch dem letzten US-Bürger auffallen müssen, dass er für dumm verkauft wird.

Hillary Clinton ist an der Schlammschlacht nicht unschuldig. Auch sie hat kräftig ausgeteilt. Auch sie hat in Debatten gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Dinge zu ihrem Gunsten zurechtgebogen. Doch dass es so schlimm werden sollte, hat Donald Trump zu verantworten.

Es hat noch nie einen Präsidentschaftskandidaten gegeben, der so viele Gruppen an Menschen seines eigenen Landes diffamiert und beleidigt hat: Mexikaner, Moslems, Behinderte, Kriegshelden und Frauen.

Wer das leugnet, lebt in einer anderen, in einer Trump-Welt.

Die Wähler sind angewidert und wenden sich von der Politik ab. Wer will sich in einem Umfeld, wo es längst nicht mehr um Fakten geht oder um bessere Argumente, noch engagieren?

Die Sorge, dass eine immer kleinere Politkaste die Dinge bestimmt, wird sich weiter verstärken. Für eine Demokratie ist das auf Dauer tödlich. Die Radikalen werden das nutzen.

Am Dienstag wird einer an Schmutz hoffentlich nie mehr zu überbietender Wahlkampf einen Gewinner hervorbringen. Ich glaube nicht an einen knappen Sieg, an Nachzählungen, die sich über Wochen hinziehen werden. Es wird eine klare Entscheidung geben.

Eine sehr optimistische Prognose der LA Times

Eine sehr optimistische, letzte Prognose der Los Angeles Times. Danach gewinnt Clinton mit Ohio, Florida und North Carolina alle drei der wichtigsten Swing States. Erstaunlich: Das Blatt hatte in seinen nationalen Umfragen in den vergangenen Wochen immer Trump vor Clinton, zuletzt noch am Montag mit 48%-43% (Screenshot: LA Times)

Doch egal ob es Hillary Clinton schafft oder Donald Trump eine Sensation gelingt. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Spätestens in drei Jahren geht es wieder los. Ein kaum zu ertragender Gedanke!

Donald Trump wird die Wahl nicht anerkennen – die Republikaner sich weiter spalten. Wird House-Sprecher Paul Ryan zurücktreten?

Donald Trump wird das Ergebnis nicht akzeptieren. Er wird von „rigged Election“ sprechen, von „manipulierten Wahlen“. Ein Demokrat und Patriot würde sich anders verhalten.

Einige Enttäuschte werden durchdrehen. Am Ende werden aber die Milizen des Landes nur heiße Luft versprühen. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein paar Wahnsinnige in Tarnkleidung aus Georgia, von denen die New York Times berichtet, Washington angreifen wird.

Die Republikaner werden sich weiter spalten: In Trump-Anhänger und Gegner. House-Sprecher Paul Ryan wird die Partei nicht zusammenhalten können. Und am Ende zurücktreten? Er wollte den Posten ohnehin nie.

Der Rücktritt von FBI-Chef James Comey ist überfällig

Die Trumpisten und Falken unter den Republikanern werden Hillary jagen. Die E-Mail-Affäre wird sie bis ins Oval Office verfolgen. Es wird weitere Posts geben, vielleicht sogar neue Ermittlungen. Allerdings nicht von FBI-Chef James Comey. Nach seinem aktiven Eingreifen in den Wahlkampf ist sein Rücktritt überfällig.

Die Republikaner werden Untersuchungsausschüsse einrichten, es wird Vorladungen geben, Zeugenbefragungen. Sie werden versuchen, Hillary zum Rücktritt zu zwingen. Nur ein Sieg der Demokraten im Senat könnte ein Impeachment-Verfahren verhindern.

Hillary geht geschwächt ins Oval Office. Eine zweite Amtszeit wird es nicht geben

Hillary selbst wird angeschlagen ins Oval Office einziehen. Die Hälfte der Amerikaner traut ihr nicht. Die E-Mail-Affäre, so klein sie bisher im Vergleich zu Nixons Watergate oder Reagans Iran-Contra-Affäre auch ist, hat dieses Misstrauen nur verstärkt. Viele haben Hillary nur gewählt, weil sie Trump verhindern wollten. Das ist ein ehrbares Motiv. Ein Vertrauensbeweis ist es nicht.

Eine zweite Amtszeit wird es für Hillary Clinton nicht geben. Das Land hat genug von ihr und dem Clinton-Clan. Und wenn doch noch E-Mails auftauchen, in denen sie Staatsgeheimnisse verschickt hat, ist Hillary Clinton ohnehin nicht zu halten. Dann muss sie zurücktreten. Das wissen auch ihre Anhänger.

Amerika stehen schlimme vier Jahre bevor. Egal wer am Ende gewinnt. Hoffen wir auf ein Wunder.

Immer locker bleiben, Hillary Clinton!

Und auf einmal ist alles ganz anders.

Aus einem sicher geglaubten Sieg für Hillary Clinton ist eine bittere Niederlage geworden. Wirklich?

Wenn man die Nachrichten verfolgt, könnte man das eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen glauben. Das Rennen ist gelaufen! Mal wieder, muss man sagen. So wie nach dem Prahlhans-Video von Trump, als “The Donald” damit angab, Frauen ungefragt und ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, nur weil er ein Star ist.

Schon vergessen? Davon erholt sich Trump nicht mehr, waren sich die Kommentatoren einig. Glückwunsch Madame President Hillary Clinton!

Das war vor knapp drei Wochen. Und heute? Auf einmal ist der “Bullie der Fifth Avenue” auf dem sicheren Weg ins White House. Donald Trump führt in den Umfragen, lauten die neuesten Prognosen. Und die Medien stürzen sich darauf wie Hyänen auf einen von einem Löwen erlegten und zurückgelassenen Büffel. Eine Kombination aus E-Mail-Affäre, neuen Ermittlungen von FBI-Chef James Comey (Republikaner), die Hillary Vertraute Huma Abedin und ihr krankhafter Sexting-Ehemann Anthony Weiner haben die Wende gebracht.

Hillary Clinton hat weiterhin eine deutliche Mehrheit bei den Swing States

Doch ist das wirklich so? Tatsache ist doch: Der Weg von Donald Trump ins White House ist und bleibt nicht nur schwer, er ist eigentlich unmöglich. In den entscheidenden Swing States kann Trump nicht genügend Electoral Votes sammeln, um die Wahlen für sich zu entscheiden. Daran hat sich bisher nichts geändert.

Nate Silver

Donald Trump hat trotz Hillarys E-Mail-Affäre in den so genannten Swing States keine Mehrheit der Electoral Votes. Vorhersage am 1. 11.2016 von Statistik-Guru Nate Silver, Screenshot @ http://fivethirtyeight.com

In New Hampshire, North Carolina, Colorado und Nevada liegt Hillary weiterhin in Führung. Auch in Florida ist es ein Kopf an Kopf Rennen. Trump muss diese Bundesstaaten ALLE gewinnen, um Präsident zu werden. Und dazu noch einen “blauen, demokratischen Staat” in Republikaner-Land verwandeln. Ach ja, und Texas, Arizona und Georgia muss er halten, genauso wie Utah, wo ein Unabhängiger mit Trump fast gleich aufliegt. Ist das alles möglich? Vielleicht. Wahrscheinlich? Nein.

E-Mail Affäre ist Hillarys Chance die „Never-Trump“ Wähler zu motivieren

Die neuen Ermittlungen in der E-Mail-Affäre waren für Hillary Clinton ein schwerer Schlag  und haben Donald Trump eine neue Lifeline beschert. Für Hillary bedeuten die FBI Untersuchungen aber nicht gleich eine Niederlage. Sie sollte sie als Chance verstehen, um ihre Anhänger und die vielen Trump-Gegner neu zu motivieren.

Nach dem Prahlhans-Skandal dachten viele, das Rennen um das White House ist gelaufen und die eigene Stimme sei am 8. November nicht mehr wichtig. Donald Trump hat auf diese Nicht-Wähler nicht nur gehofft. Es war lange seine Taktik: Seine eigene, treue Anhängerschaft bei Laune halten und die Hillary-Wähler von der Urne fernhalten.

Diese Rechnung könnte für den Republikaner am Ende nicht mehr aufgeben. Denn die Angst, dass Trump doch noch gewinnt, wird viele Hillary- und “Never-Trump”-Wähler am kommenden Dienstag doch noch dazu bewegen ihre Stimme abzugeben.

Hillary wackelt: Hat Donald Trump doch noch eine Chance?

Neue Hoffnung für Donald Trump?

Zehn Tage vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November scheint der Kampf um das White House doch noch einmal spannend zu werden. Grund ist nicht Trump, die neuentdeckte Liebe der US-Bürger für den „Bully der Fifth Avenue“, der Frauen, Latinos und Behinderte diffamiert. Es ist die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton, die ihren Wahlkampf von Anfang an überschattet hatte und in der es neue Beweise geben soll.

FBI-Direktor James Comey, ein Republikaner, will auf einem Computer „Tausende von E-Mails“ gefunden haben, die bei den Ermittlungen gegen Hillary Clinton wegen möglichem Geheimnisverrat in ihrer Zeit als Außenministerin relevant sein könnten.

FBI-Chef James Comey: Entcheidet er die Wahl?

E-Mail Affäre: FBI-Chef James Comey ermittelt gegen Hillary Clinton: Entscheidet er damit auch die Präsidentschaftswahlen?

Eine Meldung, die in Washington wie eine politische Bombe einschlug und im Trump-Camp zu Freudentänzen führte.

Zweite „Lifeline“ für Donald Trump

Die Hillary-E-Mails sind bereits die zweite „Lifeline“ für den eigentlich längst geschlagenen Trump. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung eingestehen müssen, dass die von den Republikanern verhasste Krankenversicherung im kommenden Jahr für jeden im Schnitt um 25 Prozent teurer werde. Trump, der „Obamacare“ ablehnt und in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit abschaffen will, fühlte sich bestätigt und machte den Wahlkampf zu einem Referendum zu „Obamacare“. Die mehr als 20 Millionen US-Bürger, die durch den „Affordable Care Act“ endlich eine Krankenversicherung bekommen haben, müssen jetzt wieder zittern.

Die Hillary E-Mails hatten politisch aber eine ganz andere Sprengkraft. Es war die Oktober-Überraschung, auf die Trump gehofft hatte und die sein Einpeitscher Rudy Giuliani im Fernsehen angekündigt hatte. Wusste er etwa davon?

Doch um was geht es eigentlich? Bekannt ist bisher, dass die E-Mails nicht von Hillary Clinton selbst geschrieben wurden, sondern von ihrer engsten Beraterin Huma Abedin. Die hatte dafür den Computer ihres Noch-Mannes, Anthony Weiner, benutzt. Und genau hier wird die Geschichte für Hillary im wahrsten Sinne „schlüpfrig“.

Hillarys Albtraum-Kombination: E-Mail, FBI und Weiner

Denn Anthony Weiner ist der zurückgetretene, demokratische Kongressabgeordnete, der auf seine Manneskraft so stolz zu sein scheint, dass er regelmäßig Fotos von sich in Unterhose an andere Frauen twittern muss. Gegen ihn ermittelt das FBI. Eine seiner Bilder-Empfängerinnen war erst 15 Jahre alt.

E-Mail, FBI und Weiner – viel schlimmer hätte es für Hillary Clinton nicht werden können. Dass sie in allem unschuldig sein könnte, ist Nebensache. Wahlkampf hat viel mit Psychologie zu tun. Und mit Vertrauen. Die Mehrheit der US-Bürger traut Hillary nicht über den Weg. Das hat sie allerdings mit Donald Trump gemein.

Werden die Hillary-E-Mails jetzt auch den Wahlausgang entscheiden?

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die E-Mail Affäre Trump doch noch zum Präsidenten machen könnte. Doch selbst wenn Hillary Clinton ihren deutlichen Vorsprung in den aktuellen Umfragen ins Ziel rettet. Was passiert dann? Die Ermittlungen des FBI werden auch nach der Wahl weitergehen, vielleicht bis zu ihrer Vereidigung im Januar 2017. Vielleicht sogar darüber hinaus, wenn Hillary bereits im Oval Office sitzt! Und dann?

Nehmen wir einmal an, Hillary hat auf ihrem privaten E-Mail-Server in ihrer Zeit als Außenministerin keine Geheimnisse ausgeplaudert. Die Republikaner wird das nicht wirklich interessieren. Sie werden neue Untersuchungsausschüsse einberufen und nicht davor zurückschrecken, Hillary auch als Präsidentin vorzuladen.

Egal ob Hillary oder Trump? Amerika steht vor einer ungewissen Zukunft

Und was ist, wenn das FBI tatsächlich einen Geheimnisverrat in den neuen E-Mails findet. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Hillary Clinton als Präsidentin wäre dann zumindest nicht mehr zu halten. Das sollten auch ihre Anhänger wissen.

Amerika stehen turbulente Zeiten bevor. Donald Trump als Präsident wäre für das Land und die Welt eine Katastrophe. Und Hillary? Sie wäre als erste weibliche White House Chefin vom ersten Tag an angeschlagen. Viele Reformen wird sie aus dieser Position der Schwäche kaum durchsetzen können. Die Republikaner werden sie blockieren, sie jagen und das FBI wird weiter gegen sie ermitteln. Rosige Aussichten für Amerika sind das nicht.

Gefährlich: Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage!

Donald Trump hat in diesem Wahlkampf Dinge gesagt, für die Schüler in Amerika zum Direktor zitiert oder für ein paar Tage von der Schule suspendiert werden würden. Er hat Mexikaner als Kriminelle und Vergewaltiger beschimpft, Moslems mit Terroristen gleichgestellt. Er hat sich über Behinderte lustig gemacht, Kriegshelden diffamiert, Frauen als „dick“ und als „Schweine“ beleidigt und zuletzt Hillary Clinton als „nasty woman“, als „abscheuliche Frau“, bezeichnet.

Vieles schien in den vergangenen Monaten an „Teflon-Donald“ abzupeilen und seinen Umfragewerten nicht zu schaden. Erst nach dem Prahlhans-Video, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, hat sich das geändert. Viele seiner weiblichen Fans haben sich seitdem angewidert von Trump abgewendet.

Was er in der dritten und letzten Debatte von sich gegeben hat, dürfte diese Abkehr weiter beschleunigen. Auch unter „weißen Männern“, bisher Trumps treueste Anhänger, hat Hillary Clinton mittlerweile eine Mehrheit.

Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage

Denn mit seiner öffentlichen Weigerung, das Wahlergebnis am 8. November anzuerkennen, hat Donald Trump ein Tabu gebrochen und dürfte selbst seine Anhänger ins Grübeln gebracht haben. Das bleibt zumindest zu hoffen.

„Ich werde es ihnen sagen, wenn es soweit ist“, antwortete Trump einem verdutzten Moderator Chris Wallace auf die Frage, ob er das Wahlergebnis akzeptieren werde. „Ich werde es spannend machen.“ Zwei Sätze, die nicht nur Hillary Clinton „horrifying“, also erschreckend fand. Selbst Wallace von Fox-News, ein Sender, der Trump hofiert, zeigte sich entsetzt.

Trump hatte etwas gemacht, was kein Präsidentschaftskandidat vor ihm gewagt hatte. Er hatte die Demokratie des Landes in Frage gestellt. Das Fundament, was Amerika, bei aller Kritik am Wahlsystem, wirklich „great“ gemacht hat. Der Verlierer akzeptiert die Entscheidung des Wählers, gratuliert dem Gewinner und das Land kann sich nach einer harten Kampagne der Kandidaten wieder versöhnen.

Donald Trump: Antiamerikanisch und unpatriotisch

Trumps scheint daran kein Interesse zu haben. Geht es ihm bei den Wahlen also nur um sich, seine Marke. Ist alles nur eine große Reality-Show? Oder geht es dem Mann, der mit dem Slogan kandidiert „Make America Great Again“ auch um das Land? Wie steht es um den Patriotismus eines Donald Trumps?

Dabei kommt seine Weigerung, das Wahlergebnis nur im Falle eines Sieges anzuerkennen,  nicht überraschend. Sie ist eine logische Folge seiner Verschwörungstheorien, mit denen er seit Tagen versucht, seine bevorstehende Niederlage rechtfertigen zu wollen.

Nicht er sei schuld, wenn Hillary gewählt werde. Es sind die treulosen Republikaner, die ihn im Stich gelassen haben, wütet Trump gegen die Partei. Es ist ein Zusammenschluss von ausländischen Kräften und den manipulierten, korrupten Medien, der ihm die Präsidentschaft stiehlt. Von einer „Verbrecherin Hillary, fähig zu allem“, spricht Trump und von „einem massiven Wahlbetrug“. Beweise hat er für seine wilden Phantasien von angeblich Millionen an toten Amerikanern und illegalen Einwanderer, die Hillary wählen werden, nicht.

Das Wahlergebnis in Frage zu stellen, ist gefährlich. Es ist antiamerikanisch und unpatriotisch!

Donald Trump: Von Wahlbetrug und anderen Phantasien

Noch drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen am 8. November. Es sieht nicht gut aus für Donald Trump. Der Republikaner weiß das und bereitet sich auf seine Niederlage vor.

Ein „Loser“ will und kann Trump nicht sein. Eine Niederlage einzugestehen, passt nicht zu seinem Image. Also sucht er die Schuld bei anderen. Bei den treulosen Republikanern zum Beispiel, die ihn im Stich gelassen haben, bei der „korrupten Betrügerin Hillary“ und bei den „manipulierten, verlogenen und voreingenommenen Medien“. Oder war es doch dieser Zusammenschluss ausländischer Kräfte?

Donald Trump und seine Kumpels sprechen von „massivem Wahlbetrug“ – Beweise gibt es nicht und Studien widersprechen

Nein, ein „massiver Wahlbetrug“ wird seine Präsidentschaft verhindern, ist sich Trump mittlerweile und noch vor dem Urnengang sicher. Sein düsteres Fazit: „Demokratie in den USA ist nur eine Illusion“. US-Präsident Barack Obama kann sich bei solchem Pessimismus den Spott nicht verkneifen: „Er heult schon bevor die Stimmen gezählt wurden.“

Beweise für den „massiven Wahlbetrug“, von dem er schon beim Sieg von Barack Obama über seinen Herausforder Mitt Romney bei den Präsidentschaftswahlen 2012 sprach, hat Trump nicht. Dafür hat er menschliche Lautsprecher. „Ich müsste ein Idiot sein, wenn ich glauben würde, in Philadelphia und Chicago würden die Wahlen fair ablaufen“, trötet Trumps engster Berater Rudy Giuliani.

Ähnlich dumpf klingt auch Newt Gingrich, ein weiterer Trump-Verbündeter. „Wer sage, es gebe keinen Betrug, leugne die Realität.“ Die Frage bleibt, in welcher der einstige Sprecher des Abgeordnetenhauses lebt. Der amtierende zumindest, Paul Ryan, ebenfalls Republikaner, glaubt an diese düstere Prognosen nicht, genauso wenig wie Trumps Vize-Kandidat Mike Pence. Es gibt Hoffnung, auch in der einst „Grand Old Party“.

Ryan weiß, die Realität sieht anders aus. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass bei knapp einer Milliarde Stimmen, die zwischen den Jahren 2000 und 2014 in den USA gezählt wurden, 31 (!) unter Wahlbetrug fielen. Eine Bananenrepublik ist Amerika wirklich nicht.

Donald Trumps Geschwätz von Verschwörungen hat System

Trumps Anhänger stören solche Fakten nicht. Dreiviertel (!) von ihnen glauben dem 70-Jährigen. Sie sollen, so ruft Trump seine Fans auf, die „Wahllokale im Auge behalten“. Es bleibt abzuwarten wie viele sich daran beteiligen werden.

Trumps Geschwätz vom Wahlbetrug hat natürlich System und einen tieferen Hintergrund. Es lenkt nicht nur von seinem Prahlhans-Video und den Vorwürfen sexueller Belästigung von Frauen ab. Es ist auch seine letzte Hoffnung, die Wahl doch noch herumzureißen.

Mit Verschwörungstheorien, kombiniert mit Hasstiraden gegen Bill und Hillary Clinton sowie gegen die korrupten Medien feuert er seine Anhänger weiter an. Sein Kalkül: Während die eigenen Wähler geschlossen für ihn stimmen werden, bleiben die Demokraten, angewidert vom schmutzigen Wahlkampf, lieber Zuhause. Geht sein Plan auf, kann es am Wahltag doch zu einer Sensation kommen.

Schniefender Donald Trump fordert Drogentest von Hillary

Hillary weiß um diese Gefahr. Sie wird die Katastrophe hoffentlich zu verhindern wissen. Die dritte und letzte Debatte am Mittwoch bietet ihr erneut eine Gelegenheit dazu. Einen Drogentest, wie ihn Trump von seiner Rivalin ernsthaft gefordert hatte, wird es aber nicht geben.

Einige Kommentatoren hatten sich ohnehin über Trumps Verdacht Verdacht, Hillary habe vor den beiden Debatten vielleicht Drogen genommen, gewundert. War es nicht Donald Trump, der durch sein fortlaufendes Schniefen jedem Zuschauer aufgefallen war. Eine Erkältung zumindest hatte der Republikaner nicht.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Im Moment gibt es für Hillary Clinton wohl keine wichtigere Wahlkämpferin als Michelle Obama. Ihr Mann Bill ist angeschlagen, ihren Vize Tim Kaine kennt außerhalb von Virginia kaum jemand, Al Gore ist Vergangenheit und kann als steter Warner vor einer Klimakatastrophe vielleicht ein paar Stimmen am grünen politischen Rand einsammeln. Und auch Präsident Obama hat nicht die Beliebtheit, den Einfluss, den seine Frau zurzeit hat.

Michelle Obama: „When they go low, we go high“.

Hillary Clinton weiß das. Den Spruch von Michelle Obama nach Größe, wenn andere unter die Gürtellinie schlagen („When they go low, we go high“) hat sie längst übernommen. Es ist zu einem Gewinnerslogan geworden. So wie Obamas „Yes, we can.“

Hillary weiß um die Stärke der First Lady. Sie setzt sie gezielt dort ein, wo es wichtig, wo es knapp werden könnte. Wie vergangene Woche in New Hampshire, einem der Swing States, den Hillary gewinnen will. Nach jüngsten Umfragen liegt sie im Schnitt 3,6 Prozent vor Trump. Knapp genug, um ihren Wahlkampf-Joker an die Ostküste zu schicken.

Und Michelle Obama enttäuschte nicht. Es war ein emotionaler Auftritt. Selten hat man sie so wütend gesehen. „Ich kann nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken“, gestand die First Lady. Die Kommentare seien „schockierend und erniedrigend“. „Ein Affront gegen alle Frauen, Eltern und Bürger der Vereinigten Staaten.“ Solche Sprüche dürften nicht „als Gespräche unter Männern in der Umkleidekabine“ verharmlost werden.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Den Namen des Mannes, der Michelle Obama „bis ins Innerste erschütterte“, nannte die First Lady bei ihrem Auftritt nicht. Das hat sie auch schon in der Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia nicht getan. Und damit großen Erfolg gehabt. Doch jeder wusste, wen die 52-Jährige meinte. Und vor allem über was sie sprach.

Das Angeber-Video, in dem Donald Trump damit prahlt, er könne Frauen ohne zu Fragen ungestraft küssen und in den Schritt fassen, ist auch an Michelle Obama nicht spurlos vorbeigegangen.

„Ich kann es nicht fassen, dass jemand, der sich um das Amt des Präsidenten bewirbt, mit sexuellen Übergriffen auf Frauen angibt“, sagte sie und ihre Stimme schien vor wütendem Entsetzen fast wegzubrechen. Ja, es sei Wahlkampf. „Aber es geht hier nicht mehr um Politik. Hier geht es um menschlichen Anstand. Keine Frau hat es verdient, so behandelt zu werden.“

Und dann sagte Michelle Obama das, was viele in Amerika schon lange denken: „Es reicht!“

Donald Trump: Verloren hatte er die Wahl schon vor dem Prahlhans-Video


Was war die Aufregung groß am Wochenende, als die Washington Post ein Video von Donald Trump veröffentlichte, in dem er damit prahlte, dass er Frauen ungestraft in den Schritt fassen, sie küssen dürfe, nur weil er ein Star war.

„Der Wahlkampf ist zu Ende“, waren sich die meisten Kommentatoren einig. Davon erhole sich auch ‚The Donald’ nicht mehr. „Die Trump-Kampagne ist implodiert.“

Republikaner gehen auf Distanz zu Donald Trump, zu einem Sturz ihres Spitzenkandidaten fehlt ihnen aber Mut und Rückgrat

In Scharen distanzierten sich die Republikaner von ihrem Spitzenkandidat, von Condoleezza Rice bis John McCain. Am Ende waren es fast 60 teils hochrangige Parteimitglieder, die Trump die Gefolgschaft verweigerten. Dass diese aber zusammen mit den Einschaltquoten-Abhängigen US-Fernsehsendern Schuld am Aufstieg von Trump haben, daran wollte sich auf einmal niemand mehr erinnern. Solche Eingeständnisse liegen Politiker nicht.

Es war ja nicht das erste Mal, dass Trump Frauen beleidigte, Mexikaner als Vergewaltiger und Verbrecher beschimpfte, Moslem mit Terroristen gleichsetzte und sich über Behinderte lustig machte. Das Trump ein Bigott ist, ein Rassist, ein Frauenverächter, der das weibliche Geschlecht nach Aussehen in Kategorien und nach Nummern einteilt, das wussten die Republikaner auch schon vor dem Video.

Warum haben sie ihn nicht verhindert als es noch ging? Selbst jetzt können sie sich nicht geschlossen gegen ihren Kandidaten stellen. Paul Ryan, der Sprecher des Abgeordnetenhauses, will Trump nicht mehr unterstützen, seinen Rücktritt fordert er aber auch nicht. Was denn nun? Ein bisschen Rückgrat darf man schon erwarten.

Die Wahl für Donald Trump war schon lange vor dem Prahlhans Video verloren

Auf was warten also die Ryans dieses Landes eigentlich noch? Donald Trump war bereits am Ende bevor das Video seiner widerlichen Prahlerei bekannt wurde. In Amerika wird keiner Präsident, wenn er nicht auch die Stimmen der Frauen, Latinos, Schwarzen bekommt und von der eigenen Partei unterstützt wird. Mitt Romney musste das bei seinem Kampf um das White House schmerzlich erfahren.

Die Wahl ist längst verloren. Daran konnte auch die zweite Debatte nichts ändern, als Trump vielleicht noch die eigene Basis wieder versöhnen konnte. Mit der in einem US-Wahlkampf einmaligen Drohung, „Hillary ins Gefängnis zu bringen“ – also den politischen Rivalen – kann er Geblendete und Unbelehrbare begeistern. Eine Wahl gewinnt man mit solchen für Diktatoren üblichen Rachegelüsten nicht. Jetzt geht es nur noch um die Höhe der Trump-Niederlage. Sie wird vernichtend sein. Selbst Staaten wie Georgia und Utah, die bisher sicher in Republikanerhand waren, wackeln.

Donald Trump Folgen: Republikaner verlieren das White House und den Senat

Also, was dann Republikaner? Warten die Konservativen auf weitere Videos, um einen dann aber endgültgien Bruch rechtfertigen können. Neue Enthüllungen, die das belegen, was alle schon wissen? Die wird es geben? Schon kursieren Gerüchte von „Trump-Tapes“, auf denen er Schwarze mit dem N-Wort beschimpft. Mit ihrem Schweigen, ihrer Charakterlosigkeit verlieren die Republikaner nicht nur den Kampf ums Weiße Haus, sondern vermutlich auch die Mehrheit im Senat und vielleicht sogar das Abgeordnetenhaus. Sie hätten es verdient.

Und dann? Hillary Clinton im White House. Der Kongress in Hand der Demokraten. Ein Albtraum für die Konservativen des Landes.

Donald Trump wird seine Niederlage nicht nur damit begründen, dass Hillary ihm die Wahl auf kriminelle Art und Weise gestohlen hat. Er wird auch die Republikaner anklagen, ihm in den Rücken gefallen zu sein und sie damit auf lange Zeit weiter spalten. Die Partei der Neinsager, seit Jahren schon zerrissen und richtungslos, wird dann endgültig zu einem konservativen Chaos-Haufen weißer Männer. Dann aber ohne Entscheidungskraft.

Donald Trump wird nicht verschwinden. TV-Kanal mit Roger Ailes?

Doch das wird nicht das Schlimmste sein. Wenn die Republikaner Donald Trump nicht noch vor der Wahl stürzen und so demontieren, dass er sich in seinem goldenen Penthouse im New Yorker Trump Tower verkriechen muss, werden die Partei, Amerika, die Welt ihn auch nach dem 8. November nicht mehr loswerden. Trump verschwindet nicht. Eine schreckliche Vorstellung.

Schon ist die Rede von einem eigenen Fernsehsender, den er zusammen mit dem wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen gefeuerten Fox-TV-Chef Roger Ailes, mit Rudolph Giuliani – was ist eigentlich aus dem einstigen 9/11 Bürgermeister-Helden geworden? – und Fox rechtem Einpeitscher Sean Hannity gründen will.

Das wäre dann genau die ideale, chauvinistische Truppe für „frauenfeindliche Umkleidegespräche“ nach dem Geschmack eines Donald Trumps. Man mag sich gar nicht vorstellen wollen, was auf einem solchem Kanal alles hinter den Kulissen und ohne Mikrophon geredet wird und am Ende auch noch gesendet wird. Die Lügen, Halbwahrheiten und der Müll, den Trump in seinem Wahlkampf bisher abgesondert hat, werden im Vergleich dazu harmlos wirken.