Donald Trump: Wahlkampf mit der Angst

Eine Nation am Abgrund – politisch und wirtschaftlich, bedroht durch steigende Kriminalität, dem Zustrom von Immigranten und Terroristen. Donald Trump prophezeite nichts Gutes für Amerika. Und es könnte noch finsterer werden. Dann, wenn Hillary Clinton Präsidentin wird.

Donald Trump: Wahlkampf mit der Angst

Doch Trump wäre nicht „The Donald“ wenn er keine einfache Lösung hätte. Ihn selbst natürlich. Ein Mann für „Recht und Ordnung“, der eine Mauer an der Grenze zu Mexiko baut, Millionen illegaler Einwanderer deportiert und Muslime rauswirft oder gar nicht erst ins Land lässt. Einer, der Amerika wieder sicher macht, ISIS zerstört („schnell“), der Wohlstand, Millionen neue Jobs bringt und vor allem Frieden. Einer, der die Nation stolz macht und wieder groß. „America first“.

Es gab nur wenige Plattitüden, die Donald „Make America Great Again“ Trump in seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland ausließ. Wie er das angeblich untergehende „Land of the Free“ allerdings retten will, welche Ideen, Rezepte er hat, verschwieg er den 2500 republikanischen Delegierten. „Glaubt mir einfach!

Doch wer tut das? Die Mehrheit der Amerikaner? Wohl kaum. Selbst die Republikaner sind sich nicht sicher. Der Parteitag hätte es nicht deutlicher zeigen können. Wäre es nicht seine eigene Krönungzeremonie gewesen, Trump selbst hätte Cleveland vermutlich als „Debakel“, als das „größte Desaster in der Geschichte der GOP, der Grand Old Party“ bezeichnet. Er liebt historische Superlative. Und er hätte diesmal sogar einmal Recht gehabt!

Die Republikaner sind so tief gespalten wie lange nicht mehr.

Am ersten Tag gab es Tumulte auf dem Arena-Parkett und den Versuch, Trump doch noch zu verhindern.

Top-Leute der GOP wie die Bushs, John McCain, Mitt Romney, Lindsey Graham und 18 von 40 republikanischen Senatoren kamen erst gar nicht nach Cleveland. Einer, Jeff Falke aus Arizona, entschuldigte sich, dass er seinen Rasen mähen müsse. Dabei hat er überhaupt keinen.

Fast 30 Prozent (!) der Delegierten stimmten am Ende nicht für die Nominierung von Trump als Präsidentschaftskandidat.

Auch Ted Cruz verweigerte die Gefolgschaft, trotz Buh-Rufen aus dem Publikum. „Lying“ Ted wie Trump Cruz bei den Primaries als notorischen Lügner beschimpfte, spekuliert auf 2020, wenn sich Hillary zur Wiederwahl stellt. Den Urnengang im November hat er abgeschrieben, wie viele in der Partei.

Einig waren sich nur die Einpeitscher der Partei: Angstmacher Rudy Giuliani, der mit seinen düsteren Auftritten immer mehr an Darth Vader erinnert als an einen New Yorker Bürgermeister, der die Stadt während der Terroranschläge von 9/11 zusammenhielt. Er prophezeite brüllend den Untergang Amerikas durch eine Präsidentin Hillary Clinton.

Und natürlich Chris Christie. Der „Looser“ bei Trumps Vize-Präsidentenwahl. Dass „Bridgegate“ Christie Hillary in seiner Rede wegen „ihrer Verbrechen“ anklagte und vom Publikum ein „schuldig“ forderte, war an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten und ein weiterer Grund Trump zu verhindern. Christie soll Justizminister werden.

Hillary Clinton, das Feindbild, das die Republikaner zusammenhält

Aber auch die Hetzer bekamen ihre Plattform auf diesem Parteitag. Präsident Obama als Moslem zu bezeichnen wurde dabei genauso bejubelt wie die Forderung Hillary Clinton ins Gefängnis zu werfen.

Ein Trump-Berater für Amerikas Veteranen wollte Hillary gleich zum Tode verurteilen lassen und vor ein Erschießungskommando stellen. Der Secret Service fand das gar nicht witzig und hat Ermittlungen aufgenommen.

Und dann gab es auch noch die Peinlichkeit um die Rede von Melania Trump, die in Teilen von Michelle Obama abgeschrieben wurde. Drei Tage lang versuchten die Trump-Strategen vergeblich das Plagiat zu leugnen oder kleinzureden – eine PR-Katastrophe.

Was blieb am Ende des Parteitags-Desasters? Die Demokraten, genauer Hillary Clinton. Sie ist der kleinste gemeinsame Nenner von Donald Trump und der GOP und das Feindbild, das die Republikaner zumindest ein bisschen zusammenhält. Für viele ist sie das einzige Argument für eine Wahl von Donald Trump.

Für einen Sieg im November wird das nicht reichen. Hoffentlich!

Hillary läuft sich warm

Nach den endlos erscheinenden Vorwahlen der Demokraten und Republikaner kann der Kampf um das White House jetzt endlich beginnen.

Einen Vorgeschmack darauf, was die US-Wähler zu erwarten haben, gab Hillary Clinton jetzt in ihrer außenpolitischen Rede in San Diego.

Es war Hillarys erster wirklich harter Schlag gegen ihren Kontrahenten Donald Trump

Und „The Donald“? Er war erst einmal sprachlos. Selbst auf seinem geliebten Twitter fielen ihm nur zwei müde Kommentare ein. Aber er wird schon bald an anderer Stelle zurückschlagen, so wie er es bisher immer gemacht hat. Mit persönlichen Angriffen aber ohne wirkliche politische Substanz.

Mit dieser Taktik war Trump bei den Primaries erfolgreich. Für die Präsidentschaft reicht das nicht!

Listen Up Donald Trump!

Vielleicht sollte sich der aktuell führende Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, dieses Video einmal anschauen und dann noch einmal ganz genau überlegen, ob er wirklich der richtige Mann für das White House ist. US-Präsident Obama zumindest scheint sich mehr als nur einen Gedanken zu seiner Präsidentschaft gemacht zu haben.

President Obama Has A Question For His Successor

NPR's Steve Inskeep asked President Obama what questions he’d ask of presidential candidates. Check out what he had to say.

Posted by NPR Extra on Monday, December 28, 2015

Präsident Obama frustriert: Scheitern strikterer Waffengesetze größte Niederlage

Ein frustrierter Obama nach dem Amoklauf an einem College in Oregon. Mit seinem Statement hat der US-Präsident absolut Recht. Doch ändern wird er damit auch nichts. Quelle: White House/YouTube

Wieder ein Amoklauf in Amerika. Wieder ein College. Diesmal in Oregon. Doch es hätte auch jeden anderen Ort, jede andere Schule, Kaufhaus oder Kino treffen können. Das Land scheint sich an die Massaker gewöhnt haben. Es gibt sie in fast schon erschreckender Regelmäßigkeit. Diesmal starben insgesamt zehn Menschen. Das Land ist „taub“ geworden, meint US-Präsident Obama. Und er hat damit absolut Recht.

Nach dem Schulmassaker von Newtown im Dezember 2012 mit 20 toten Kindern und sechs Lehrern hatte der US-Präsident versucht, die Waffengesetze in den USA zu verschärfen. Er ist damit kläglich gescheitert. Obama nennt das heute die „größte Niederlage seiner bisherigen Amtszeit“.

Die mächtige Waffenlobby NRA, die Republikaner und selbst einige Politiker aus Obamas eigener Partei der Demokraten waren dagegen und stoppten jede Initiative des White House. Obamas Gegner pochten auf das von der Verfassung geschützte Recht auf Waffenbesitz und empfahlen als Lösung gegen die immer neuen Amokläufe lieber den Kauf einer Pistole oder eines Gewehrs noch weiter zu erleichtern. So könne sich dann jeder, auch ein bewaffneter Lehrer an einer Schule, gegen die Wahnsinnigen des Landes schlagkräftig zu Wehr setzen.

Mehr Waffen, weniger Tote – ein Märchen, das schon jetzt viel zu vielen Menschen das Leben kostet. Jedes Jahr sterben in den USA mehr als 10.000 Personen durch eine Schusswaffe, darunter auch 100 und mehr Kinder – ein trauriger Weltrekord unter den westlichen Ländern.

Und noch eine Zahl schockiert: Allein in diesem Jahr gab es in den vergangenen 274 Tagen insgesamt 294 (!!) Amokläufe mit vier und mehr Opfern (s. Grafik), der letzte am vergangenen Donnerstag in Oregon.  Der Täter, ein 26-Jähriger, hatte insgesamt 14 (!) Waffen – und er hatte sie alle legal gekauft. Und genau das ist das Problem!

So traurig es ist: Oregon wird nicht die letzte Wahnsinnstat bleiben. Und Präsident Obama wird nicht sein letztes Statement nach einem Amoklauf abgegeben haben!

294 Massenschießereien mit mehr als vier Toten in diesem Jahr, Quelle: Washington Post

Traurige Statistik: 294 Massenschießereien mit mehr als vier Toten in diesem Jahr in den USA. Das sind mehr als eine jeden Tag!, Quelle: Washington Post

Foto der Woche

Die Wall of Faces im neuen 9/11 Museum in New York. Foto: White House, Pete Souza

„Wall of Faces“ im 9/11 Museum in New York, Foto: White House, Pete Souza

US-Präsident Obama und der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, stehen vor der „Wall of Faces“ in der Memorial Hall des neuen 9/11 Museum in New York. Besucher sehen hier nicht nur in die Gesichter der fast 3000 Toten der Terroranschläge vom 11. September 2001. Sie können auch über Tonbänder mehr über die Geschichte der Opfer erfahren. Präsident Obama hatte das für 700 Millionen Dollar aus Spenden und Steuergeldern erbaute 9/11 Museum am 15. Mai offiziell eröffnet.

Ein Titel mit Seltenheitswert

Ein Titel

Ein Titel mit Seltenheitswert. Die New York Post mit einer positiven Meldung zu Michelle Obama. Hat es das überhaupt schon einmal gegeben?

„Yes, Michelle“. Einen solchen Titel der New York Post hat es vermutlich in den gesamten sechs Amtsjahren der Obama-Regierung noch nicht gegeben – eine positive Geschichte über Michelle Obama!

Dabei galt bisher: Post und Obama und die First  Lady – drei Dinge, die einfach nicht zusammen passen. Denn das konservative Blatt zählt zu den härtesten Gegnern der Obama-Regierung und auch der First Lady. Ihre Initiative „Let’s move“, gegen Übergewicht und die steigende Fettsucht unter Kindern in den USA, wird von der Post als Eingriff in das Leben der US-Bürger kritisiert.

Doch die Entführung von mindestens 267 Mädchen im afrikanischen Nigeria durch die radikalislamistische Terrorgruppe Boko Haram hat nicht nur international zur Solidarität mit den Gekidnappten geführt. Auch die Post konnte einmal über ihren Schatten springen und sich mit Michelle Obama verbünden.

MichelleObamaGirlsDas Titelfoto der Post zeigt dabei das Bild, das Michelle Obama am Mittwoch auf ihrem Twitter Account gepostet hatte (links) und bisher mehr als 46.000 Mal retweetet wurde. Die First Lady beteiligt sich mit ihrem Tweet unter dem Hashtag #BringBackOurGirls# an einem internationalen Aufruf, die Mädchen wieder freizulassen.

„Orange ist das neue Schwarz!“

Die vollständige Rede von US-Präsident Obama auf dem White House Correspondents Dinner im Hilton Hotel in Washington DC. Köstlich auch das Video vorweg von Vize-Präsident Joe Biden und der TV-Vize-Präsidentin Julia Louis Dreyfus. Quelle: C-Span

Einmal im Jahr ist in Washington alles ganz anders. Dann streiten Republikaner nicht mit Demokraten und der Präsident ärgert sich weder über die Opposition, seine eigenen untreuen Parteikollegen noch über die Presse. An diesem Tag treffen sich die Streithähne in der US-Hauptstadt Washington zum traditionellen White House Correspondents Dinner – zum Ablachen.

Ein Abend, an dem nicht alles Ernst gemeint ist (oder vielleicht doch) und viel gelacht werden darf. Und es ist ein Event, an dem nicht nur ein bekannter US-Komiker respektlos über die Politik und den Präsidenten herziehen darf. Auch der Commander-in-Chief darf dann in seiner Rede richtig austeilen, zum Leidwesen seiner Gegner aber zum Amüsement für die TV-Zuschauer.

Der Komiker dieses Jahr war Joel McHale aus der TV-Serie Community. Und der war eher schwach und traute sich nicht so richtig. Den Präsidenten verschonte er und hatte seine größten Lacher als er über zwei bekannte Republikaner lästerte.

  •  „Der Abend wird amüsant sein und schnell vergehen, genau wie Christies Präsidentschaftsbewerbung“, scherzte McHale in Anspielung auf den Bridge Gate Skandal von Chris Christie.
  • Über Tea Party Liebling Ted Cruz witzelte er: „Die Tea Party ist gegen Sozialismus und gegen Einwanderung, deshalb macht es ja auch Sinn, dass ihr Held ein Kubaner aus Kanada ist.“

„Orange ist das neue Schwarz!“

Präsident Obama dagegen zeigte sich erneut von seiner charmant lustigen Seite und amüsierte erneut mit ein paar guten Witze die Gäste. Die Besten:

  • „Im Jahr 2008 war mein Slogan: ‚Yes we can!‘ – 2013 dagegen ging er so: ‚Control – Alt – Delete‘.“ (eine Anspielung auf die Computerprobleme beim Start von Obamas Gesundheitsreform.)
  • „Generell gilt, dass die Dinge nicht gut enden, wenn einer einen Satz beginnt mit den Worten: ‚Lasst mich mal was in Sachen Neger sagen.‘ Da müsst ihr euch den Rest gar nicht mehr anhören.“ (in Anspielung auf den vorübergehenden Republikaner Helden, Cowboy Cliven Bundy, der sich später als Rassist outete)
  • „Seine Republikaner machen ihm zurzeit das Leben schwerer als mir, Orange ist also wirklich das neue Schwarz.“ (eine Anspielung auf den immer braungebrannten John Boehner, Sprecher des Abgeordnetenhauses, und Dauergast in Sonnenstudios.)
  • „Mir ist aufgefallen, dass Sasha einen Redner in der Schule brauchte und sie dafür Bill Clinton eingeladen hatte“. (In Anspielung auf seine schlechten Umfragewerte und auf die Demokraten, die während des Kongress-Wahlkampfes lieber nicht mit Obama gesehen werden wollen.)
  • „FoxNews, ihr werdet mich vermissen, wenn ich aus dem Amt geschieden bin. Es wird härter sein, das amerikanische Volk davon zu überzeugen, dass Hillary in Kenia geboren wurde.“ (in Anspielung auf das Dauerthema bei Fox, das Obama vielleicht doch in Kenia geboren wurde sowie die mögliche Präsidentschafts-Kandidatur von Hillary Clinton)

Bidens Verjüngungkur mit Instagram

Locker: Ein Selfie von Joe Biden mit Präsident Obama. Foto: Joe Biden, Instagram

Joe, der lockerer Vize: Ein Selfie von Joe Biden mit Präsident Obama. Foto: Joe Biden, Instagram

Vize-Präsident Joe Biden möchte gerne Präsident werden – nach der Amtszeit von Barack Obama. Doch der zweite Mann im Staat hat gleich mehrere Probleme bei seinem möglichen Umzug von seiner Residenz „Number One Obervatory Circle“ – knapp acht Autominuten vom White House entfernt – ins Oval Office.

Das größte ist natürlich Hillary Clinton. Entscheidet sich die frühere First Lady und Außenministerin 2016 für das höchste Amt anzutreten, hat sich das Thema nicht nur für Biden erledigt. Clinton gilt in der Partei als gesetzt – wenn sie denn ins White House will. Und kein anderer Demokrat wird es wagen, gegen sie anzutreten. Auch die Medien träumen von Hillary und einem Duell mit Jeb Bush. Clinton gegen Bush – das bringt Einschaltquote. Biden gegen Bush könnte eher langweilig werden.

Doch falls Hillary es doch nicht machen will und dafür sprechen viele Gründe, könnte Vize Biden zum Commander-in-Chief aufsteigen.

Commander-in-Chief Joe Biden - davon träumt der Vize-Präsident. Foto: Joe Biden, Instagram

Commander-in-Chief Joe Biden – davon träumt der Vize-Präsident. Foto: Joe Biden, Instagram

Das zumindest glaubt „Joe“, der Mann, der bei vergangenen Präsidentschaftswahlen schon mehrmals angetreten aber bisher in den Vorwahlen gnadenlos untergegangen war. Doch aus der Position des Vizes heraus sind die Chancen vielleicht besser“, hofft Biden. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich in seinen politischen Einschätzungen täuscht.

Dennoch, um sich alle Türen offen zu halten, muss Biden schon jetzt an seiner möglichen Kandidatur arbeiten. Die jungen und hungrigen Demokraten werden nach einer Absage von Hillary schnell ihre Absichten verkünden. Und genau das ist das zweite große Problem für Biden.

Der Vize-Präsident ist nicht mehr ganz der Jüngste und bei den Wahlen 2016 wäre er bereits stolze 74 Jahre alt. Damit kann und darf man immer noch Präsident werden, doch das Land wird wohl generell mehr auf junge, aktive und vor allem internetaffine Kandidaten stehen. Das weiß auch Biden.

Joe Biden

Joe Biden wie er sich gerne selbst sieht – cool, mit Ray Ban Sonnenbrille. Foto: Joe Biden, Instagram

Um jünger zu wirken, hat er sich diese Woche ein Instagram Account angelegt und gleich einmal gezeigt wie cool und jung er sich noch fühlt. Ein Selfie mit dem Präsidenten dürfte dabei auch nicht fehlen.

Schade nur, dass Barack Obama Biden zwar als einen „der größten Vize-Präsidenten in der Geschichte der USA lobte“. Dass Biden aber auch das Zeug zum Präsidenten habe, erwähnte der White House Chef nicht. Obama steht bei den Clintons in der Pflicht. Nicht nur bei Hillary, sondern auch bei Bill.

Was nützt also die „Verjüngungkur von Biden“ auf Instagram, wenn selbst der eigene Chef nicht glaubt, dass man ihn einmal beerben könnte.