König des Südens entzaubert

Der König des Südens kann im Norden nicht punkten. Rick Santorum musste im Vorwahlkampf in Illinois am Dienstag eine vernichtende Niederlage gegen Mitt Romney einstecken. Fast 12 Prozent lag der ultrakonservative Ex-Senator von Pennsylvania hinter Romney zurück. Santorum, der als Sieger von Alabama und Mississippi gestärkt in den Norden des Landes gefahren war, hatte keine Chance.

Am Ende hatte Romney 46,7 Prozent der Stimmen eingefahren, Santorum nur 35 Prozent. Besonders bitter für Amerikas Rechte: Selbst zusammen mit den bescheidenen acht Prozent von Newt Gingrich hätte es für sie gegen den eher liberalen Romney nicht gereicht. Der Ex-Housesprecher Gingrich landete sogar noch ein Prozent hinter Ron Paul abgeschlagen auf dem vierten Platz. Aussteigen will er dennoch nicht – Gingrichs Ego ist einfach zu groß.

Mitt Romney dagegen kann nach Illinois erst einmal durchatmen. Eine Niederlage hätte er sich nicht leisten können. Santorum dagegen muss weiter hoffen. Nächste Station ist Louisiana, wieder ein Staat im Süden. Cajun Country ist eine erneute Chance für Santorum, ob sie ihm weiterhelfen wird, darf bezweifelt werden. Am Ende wird Romney trotz seiner Unbeliebtheit in der Partei der Kandidat der Republikaner werden.

Spendensammler Obama – 7995 Dollar in der Minute

Während sich seine künftigen Herausforderer um Obamas-Heimatstaat Illinois schlugen, füllte der Präsident seine Wahlkampfkasse auf. Und das im Eiltempo. Um Punkt 16.48 Uhr verließ Obama am Montagabend über den South Lawn das White House in Richtung W Hotel, 95 Minuten später kehrte er um 18.23 Uhr und um einige Hunderttausend Dollar reicher wieder zurück.  Nur knapp zwei Blocks vom White House hatte der Fundraiser-in-Chief 20 potentielle Geldgeber empfangen. Die ließen sich das Kurztreffen mit Obama 35.800 Dollar kosten – pro Person versteht sich.

Am Ende des Fußball-Spiel langem Auftritt (mit Nachspielzeit) spülten seine vermögenden Fans 716.000 Dollar in die ohnehin schon prall gefüllte Wiederwahlkasse. Auf die Minute umgerechnet waren das lockere 7536 Dollar oder 125 Dollar in der Sekunde. Ein Satz, für den auch Bundesliga-Profis antreten würden. Eingezahlt wurde das Kleinvermögen in Obamas Wahlkampftopf mit dem selbstbewussten Namen – Victory Fund.

Republikaner – Kampf um Obamas Heimatstaat

Dienstag ist Vorwahltag. Mitt Romney und Rick Santorum kämpfen um Obamas Heimatstaat Illinois mit der Millionenmetropole Chicago. Nach den Siegen im Süden, in Alabama und Mississippi, muss Santorum zeigen, dass er auch im Norden punkten kann. Und Mitt Romney? Der darf nicht weiter verlieren und muss sich seinen Frontrunner-Status wieder zurückholen.

Nach den jüngsten Umfragen liegt Romney deutlich vorne. Doch das war auch schon in Ohio der Fall und zuletzt war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen und nur ein knapper Sieg für den ungeliebten Republikaner. Santorums Anhänger hoffen auch diesmal auf den Sieg: Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Umfragen getäuscht hätten?

Obama is calling

Präsident Barack Obama in seiner Limousine auf dem Weg zur Andrew Air Force Base. Er telefoniert mit Afghanistans Präsident Karzai und gratuliert ihm und dessen Frau zur Geburt ihrer Tochter. Weitere Themen: Die politischen Folgen des Amoklaufs (16 Tote) eines US-Soldaten in einem Dorf in Afghanistan, die Gefahr weiterer gewalttätiger Ausschreitungen sowie die Rolle der NATO und US-Truppen beim Aufbau einer afghanischen Armee.

Obama flog von Andrews weiter zu einem Wahlkampf-Event nach Chicago.

Foto: Pete Souza/Official White House Picture

Der Romney Gau

Es ist der größtmögliche Unfall im Wahlkampf von Mitt Romney. Bei den Vorwahlen in Alabama und Mississippi konnte der Frontrunner nicht punkten, sondern musste den Sieg in beiden Staaten Rick Santorum überlassen. Der kann sich jetzt als König der Südstaaten feiern lassen.

Es ist eine schwere Niederlage für Romney, die er gerne vermieden hätte. Da nutzt es ihm wenig, wenn er öffentlich erklärt, er habe ja auch in Alabama und Mississippi Delegierte für seine Wahl auf dem Parteitag gewonnen. Verloren ist verloren, das weiß auch der ungeliebte Kandidat der GOP.

Der ultrakonservative Kandidat Santorum kann sich dagegen als Sieger feiern lassen und das gleich zweimal. Er schlug nicht nur Romney, sondern auch seinen Widersacher um die Stimmen der einflussreichen religiösen Rechten Amerikas, Newt Gingrich.

Der ehemalige House-Sprecher hätte in Alabama und Missisippi gewinnen müssen. Es war seine letzte Chance. Doch Gingrich hat sie nicht nutzen können. Es ist Zeit für den 68-Jährigen auszusteigen und dem Zweikampf Romney gegen Santorum oder rechts gegen ganz rechts nicht im Wege zu stehen. Dann können nicht nur Republikaner, sondern alle Amerikaner sehen, was aus der GOP seit dem Aufstieg der Tea Party geworden ist. Die Zeit für Gingrich zumindest ist längst vorbei.

Romney dagegen muss aufpassen, dass er nicht noch weiter abstürzt und seine Frontrunner-Position in Frage gestellt wird. Am Samstag wählt Missouri ihren Kandidaten, ebenfalls ein Santorum Territorium. Doch dann kommt Illinois. Hier sollte Romney als Sieger punkten, am besten sogar deutlich. Ansonsten könnte die schon sicher geglaubte Nominierung doch noch verloren gehen.

Crunchtime für Santorum und Gingrich

Vorwahlen in Alabama und Mississippi – es ist die letzte Chance für Rick Santorum und Newt Gingrich. Die beiden ultrakonservativen Republikaner kämpfen am Dienstag um die Position des einzigen Herausforderers des unbeliebten Frontrunners der Grand Old Party (GOP) Mitt Romney. It’s crunchtime!

Nur wer hier, in den konservativen, Gottes gläubigen und fürchtigen Südstaaten gewinnt, kann auf einen Zweikampf mit Romney hoffen. Teilen sich Santorum, der am Samstag den Caucus im ebenfalls erzkonservativen Kansas gewinnen konnte,  und Gingrich die beiden Staaten, ist Romney nicht mehr aufzuhalten. Geht ein Staat gar an Romney, der in Alabama und Mississippi eher mit Abwesenheit glänzte und dennoch in Umfragen Kopf an Kopf mit seinen beiden Widersachern kämpfte,  kann der Nominierungspartei der Republikaner vom 27. bis 30. August in Tampa, Florida, auf diese Woche vorgezogen werden.

Nur ein wahrer Zweikampf zwischen dem ultrakonservativen und mehr liberalen Flügel der GOP kann Romney noch aufhalten. Das wissen auch die Rechtsaußen Santorum und Gingrich und das weiß auch der liberal-konservative Romney. Wenn beide im Rennen bleiben, hilft ihm das mehr als eine Wahlkampfrede. Das kann er ohnehin nicht besonders.

Obama – der Film

Wer sich gefragt hat, wann Präsident Barack Obama in den diesjährigen Wahlkampf einsteigen wird, hat eine Antwort. Die Kampagne startet am kommenden Donnerstag, am 15. März. An dem Tag wird ein 17 Minuten langer Dokumentarfilm, “The Road we’ve traveled”, veröffentlicht, der die Erfolge des White House Regenten preist. Superhero Obama!

Der Film von David Guggenheim, er gewann 2007 für Al Gores Dokumentation “The Inconvenient Truth” den Oscar, stützt sich auf fünf Großereignisse der ersten drei Amtsjahre: Siegesrede in Chicago, Finanzkrise, Rettung der Autoindustrie, Gesundheitsreform und die dramatische Entscheidung, die zur Liquidierung von Osama bin Laden führte. Moderiert wird der Streifen von keinem geringeren als Hollywoods Superstar und zweifachem Oscar-Preisträger Tom Hanks!

“Er ist ganz allein. Das ist seine Entscheidung”, hört man Vize-Präsident Joe Biden in die Kamera flüstern, als er vom Tag der Entscheidung, das Haus von bin Laden in Pakistan angreifen zu lassen, erzählt. “Niemand kann ihm das abnehmen.” Wer Hollywood engagiert bekommt das ganze Drama.

“The Road we’ve traveled” ist ein Streifen, der im Internet und auf Fundraiser gezeigt werden wird. Obama braucht Geld für seine Wiederwahl, viel Geld. Es gibt Schätzungen, dass der Wahlkampf in diesem Jahr die Schwelle von einer Milliarde Dollar überschreiten wird.

Der Film ist aber vor allem für die Basis gedacht, die in großen Teilen desillusioniert scheint. Die Obama-Anhänger hatten sich mehr gewünscht von ihrem Hoffnungsträger, vielleicht zu viel. Nicht wenige sind enttäuscht, auch wenn sie wissen, dass die Alternative, John McCain, keine gewesen wäre.

Obama muss seine Basis wieder gewinnen. Und er muss sie wieder begeistern können, so wie 2008. Dann wird er auch wieder ins White House einziehen können.

Denn bei der Unzufriedenheit der Republikaner mit ihren Kandidaten ist eins klar: Mitt Romney oder Rick Santorum können die Wahl im November nicht gewinnen, Obama kann sie nur verlieren.

Super Tuesday – Obama gewinnt

Der Vorwahlkampf der Republikaner geht weiter. Daran hat auch der Super Tuesday nichts geändert. Zehn Wahlen in zehn Bundesstaaten, doch einen klaren Sieger hat es nicht gegeben. Nur einen großen Verlierer: Die Republikaner.

Die Schlammschlacht unter den Möchte-Gern-Kandidaten wird so schnell also kein Ende nehmen. Denn dass sich die vier verbliebenen Kandidaten der Grand Old Party, Mitt Romney, Rick Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul, in Zukunft nicht mehr mit politischen Dreck bewerfen werden, ist nicht zu erwarten. Der Graben zwischen dem ungeliebten Frontrunner Romney und seiner beiden konservativen, Tea Party freundlichen Gegner, Santorum und Gingrich, ist zu groß, das er durch Argumente zumindest verkleinert werden könnte. Und Ron Paul (76), dessen vor allem junge Anhängerschaft brav zur Wahl geht, kann das Rennen nicht ernsthaft beeinflussen.

Bleiben also Romney, Santorum und Gingrich. Doch was wollen die drei?

Mitt Romney – was will der Ex-Gouverneur von Massachusetts eigentlich ? Weniger Gesetze für die Börsengeschäfte seiner Kumpel an der  Wall Street? Klar. Ein starkes und schlagkräftiges US-Millitär? Ja. Aber wie denn bei den leeren Staatskassen? Und was sonst noch? Weniger Steuern? Wer will das nicht? Nur bei einem Staatsdefizit, das in Zahlen ohnehin keiner mehr nachvollziehen kann, ein eher schwieriges Ziel. Also was Romney?

Rick Santorum. Der Ex-Senator und Katholik aus Pennsylvania will ein anderes Amerika, ein Gottes fürchtendes Land, eins, in dem Öffentliche Schulen nur die Ausnahme und nicht die Regel sind, in denen Eltern wieder die Erziehung und Bildung ihrer Kinder übernehmen. Eins, in dem das Recht der Frau auf Abtreibung in allen und zwar in wirklich allen Fällen verboten ist und selbst die Antibaby-Pille nicht von der ohnehin schlechten Krankenkasse bezahlt wird.

Und Newt Gingrich, der am Super Tuesday seinen Heimatstaat Georgia gewinnen konnte ansonsten aber deutlich abgeschlagen mit dem verfassungstreuen Ron Paul die Plätze drei oder vier belegte? Seit seinem Vorschlag eine Station mit US-Flagge auf dem Mond zu errichten, und den Planeten zum 51. US-Bundesstaat zu ernennen, nehmen die Wähler den 68-Jährigen ohnehin nicht mehr Ernst.

Gingrichs Wahlkampf wird nur noch durch die großzügigen Spenden seines Kumpels, Las Vegas Casino-Milliardär Sheldon Adelson, am Leben erhalten. Es ist Zeit für den Ausstieg Newt! Der liberal konservative Romney und der ultra-konservative Santorum sollen es unter sich aus machen. Das wäre dann ein Wahlkampf zweier gegensätzlicher Standpunkte und jeder wüsste am Ende, welche Partei die Republikaner wirklich ist. Doch bei dem Elefanten-Ego eines Gingrich könnte die Einsicht zum Verzicht eher spät, vielleicht sogar zu spät kommen.

Präsident Obama kann dem regen Treiben mit Gelassenheit zuschauen. Dass die Republikaner alles schlecht finden, was er macht, ist keine Neuigkeit mehr. Interessieren scheint das ohnehin immer weniger. Obamas Umfragewerte steigen wieder, während die der Republikaner fallen.  Es könnte ein ruhiger Herbst für den Amtsinhaber werden.