Die Aktennotiz Osama bin Laden

Ein handgeschriebener Zettel von CIA-Chef Leo Panetta besiegelte genau vor einem Jahr das Schicksal von Osama bin Laden. Wirklich? Ein bisschen Geheimnis hätte man sich schon gewünscht. Immerhin geht es um eine Notiz vom CIA, vom GEHEIMDIENST! Aber einfach nur ein schnödes Blatt Papier.

In Hollywoodfilmen und in den Spionagethrillern ist das doch alles ganz anders. Da müssen die Geheimagenten ihre Anweisungen ganz schnell lesen, weil sich das Papier nach einer Minute – puff – in Rauch auflöst. Oder zumindest die Tinte, mit der die Befehle aufgeschrieben wurden, ist nicht ohne Spezialbrille sichtbar und verschwindet nach dem Lesen auf geheimnisvolle Weise.

Ein bisschen “Mission Impossible” oder John Le Carreé hätte man sich schon gewünscht. Wenigstens eine Notiz in einer Geheimsprache, verschlüsselt und nur für ausgewählte Experten lesbar. So wie bei Robert Harris’ Buch Enigma?

Aber nein, beim CIA scheint man kein Gespür für die Geheimagenten-Fans zu haben. Selbst der oberste Chef Panetta schreibt auf normalen Papier, mit normalen Kugelschreiber und sogar auf einem Blatt mit Briefkopf “The Director Central Intelligence Agency”. Selbst die Adresse darf nicht fehlen: Washington, D.C. 20505. Was ist am CIA eigentlich noch geheim?

Panetta schreibt auch auf beiden Seiten. Will er Papier sparen? In so einer Situation! Ein Umweltschützer als CIA-Chef? Für jeden Fan von Spionage-Thrillern ist die Notiz eine echte Enttäuschung. Für Historiker dagegen ein Dokument.Ein Jahr nach dem Angriff auf das Versteck von Osama bin Laden in Abbottabad in Pakistan hat der US-Geheimdienst diese handgeschriebene Aktennotiz vom 29. April 2011 von Leon Panetta veröffentlicht. (Foto: CIA) Drei Tage später stürmten 23 Männer der Eliteeinheit der Navy Seals das Haus von bin Laden und töteten den Terrorchef.

Hier der übersetzte Text:

“Habe einen Anruf von Tom Donilon (Berater Nationale Sicherheit) erhalten, indem er mitteilt, dass der Präsident in Bezug auf AC1 (Abbottabad Compound 1) eine Entscheidung getroffen hat. Die Entscheidung ist, mit dem Angriffsplan fortzufahren. Der Zeitpunkt, die operativen Entscheidungen und die Kontrolle liegen ganz in den Händen von Admiral McRaven. Die Genehmigung stützt sich auf das Risiko-Profil, das dem Präsident präsentiert wurde. Alle zusätzlichen Gefahren müssen dem Präsidenten zur erneuten Abwägung vorgetragen werden. Die Anweisung lautet, reinzugehen und bin Laden gefangen zu nehmen

(dann geht es auf der Rückseite weiter)

und ist er nicht dort wieder abzuziehen. Diese Befehle wurden Admiral McRaven um etwa 10:45 Uhr überliefert.”