„Vampir-Kapitalist“ – Obama startet erste Schmutzkampagne gegen Romney

Lange musste der Wähler nicht warten. Knapp sechs Monate vor den Präsidentschaftswahlen im November hat der Kampf ums White House eine erste große Schmutzkampagne. Überraschend ist dabei nur, wer sie ausgelöst hat. Es ist Präsident Barack Obama.

In einem zwei Minuten Werbeclip, der in den vier Swing-States Iowa, Virginia, Ohio, Colorado sowie Pennsylvania ausgestrahlt wird, greift Amtsinhaber Obama seinen Herausforderer Mitt Romney mit einem Schlag unter der Gürtellinie an. Angriffspunkt ist Romneys Zeit als Venture-Kapitalist bei seiner Investmentfirma Bain Capital. Die Risiko-Gesellschaft hatte den Republikaner um mehrere Hundert Millionen Dollar reicher gemacht.

In dem Spot stellen ehemalige Arbeiter der Stahlkonzerns GST Steel aus Kansas City Romney als skrupellosen Kapitalisten dar, der nur an seinen eigenen Profit denke und nicht an seine Angestellten. Sie machen ihn persönlich verantwortlich für die Pleite von GST Steel im Jahr 2001, der 750 Arbeitsplätze zum Opfer fielen. Romney hatte sich mit Bain Capital 1993 an dem Unternehmen beteiligt. Zum Zeitpunkt der Pleite war er allerdings nicht mehr CEO der Gesellschaft.

Und damit der Vorwurf des „kleinen Mannes“ noch mehr Nachdruck bekommt, verweisen die Wahlkampfstrategen von Obama gleich auf eine eigene Webseite (The Romney Model), die Romney die böse Fratze des Kapitalisten aufsetzt und ihn als rücksichtlosen Unternehmer darstellen soll. Auf der Webseite dürfen die GST Arbeiter volle sechs Minuten über Romney schimpfen. Detalliert erklärt wird auch das „Romney-Model“, das nur den Profit interessiert aber weniger die Menschen, die hinter den Firmen stehen. Romney als skrupelloser „Vampir-Kapitalist“.

Schon einmal wurde der Obama Herausforderer, der seinen Wahlkampf ganz auf seine Bilanz als Unternehmer in der Privatwirtschaft („ich weiß wie man Jobs schafft“) aufbaut, wegen seiner Arbeit als Bain Capital Chef angegriffen. Gouverneur Rick Perry beschimpfte Romney während der Vorwahlen deshalb als „Geier-Kapitalisten“. Und Konkurrent Newt Gingrich diffamierte seinen republikanischen Gegner in einem bösen 28-Minuten Video als „King of Bain“ und als „Aasfresser“.

Damals hatten die Vorwürfe Erfolg. Romney, konfrontiert von Gingrich mit dem Vorwürfen des bösen Kapitalisten, stammelte sich bei der TV-Debatte einen ab und verlor daraufhin deutlich die Vorwahlen in South Carolina.

Obama, der den Anti-Romney-Werbeclip im Abspann ausdrücklich unterstützt („I approved this message“) hat seine erste Schmutzkampagne gestartet. Nur wer mit Dreck wirft, sollte sich nicht wundern, wenn er wieder zurückfliegt. Die Antwort der Republikaner wird nicht lange auf sich warten lassen. Beschweren über eine Schmutzkampagne der Republikaner darf sich Obama dann nicht.