Der Teufel geht nach London

Noch sind es mehr als vier Monate bis zur US-Präsidentschaftswahl im November. Doch schon jetzt scheinen die ersten Posten vergeben zu werden. Anna Wintour, Chefredakteurin des erfolgreichen Mode-Magazins Vogue und Vorbild für die Film-Komödie „The Devil Wears Prada“, hat offenbar gute Chancen künftige US-Botschafterin in London oder alternativ in Paris zu werden. Vorausgesetzt natürlich Obama gewinnt gegen Romney.

Postengescharre noch vor der Wahl? Wintour lässt durch Freunde dementieren. Und auch Obama schweigt bisher zum Thema.

Anna Wintour hätte sich den Posten „reichlich verdient“. Seit Jahren gilt die Power-Frau (Markenzeichen: dunkle Chanel-Sonnenbrille) als Demokratin, als Obama Anhängerin und vor allem als unermüdliche Spendensammlerin des Präsidenten. Allein zur Wiederwahl soll sie bis heute zweistellige Millionen-Summen auf das Konto von Obama überwiesen haben. Der dankbare Präsident lädt sie dafür im Gegenzug regelmäßig zu Staats-Dinnern ein und hat sie als eine Art „Promi-Botschafterin“ in sein „Committee on the Arts and Humanities“ aufgenommen. Eine Hand wäscht die andere.

Ihre Verbundenheit zum Präsidenten hatte Wintour, die einen britischen und einen US-Pass besitzt, zuletzt am vergangenen Donnerstag erneut unter Beweis gestellt. Zusammen mit Hollywood-Star Sarah Jessica Parker gab sie ein 40.000 Dollar-Pro-Kopf-Spenden-Dinner. (The-Devil-Wears-Obama). Oscarpreisträgerin Meryl Streep war da, genauso wie Mode-Designer Michael Kors. Und Wintour durfte als Moderatorin „zur Vorspeise“ Obama die Fragen stellen.

Auch politisch passen Obama und Wintour eigentlich ganz gut zusammen. Wintour Kenner bezeichnen die seit 24 Jahren regierende Vogue-Diktatorin – und dass darf durchaus wörtlich verstanden zu werden – als „Linke“, was in den USA auf dem politischen Spektrum eigentlich bedeutet, mindestens ein Sozialist zu sein.

Die Chefin eines dekadenten Mode-Magazins eine Sozialistin? Kaum vorstellbar. Die New York Times zumindest kommentiert die politische Haltung von Wintour bereits süffisant mit den Worten: „The Devils reads Pravda.“ Und erinnert damit an die von Lenin gegründete kommunistische Staatszeitung Prawda.

Mit dieser „linken“ Haltung und so viel Einsatz für Präsident Obama ist das Pöstchen in London oder auch Paris eigentlich reine Formsache. Kommt hinzu, dass Wintour im kommenden Jahr 25 Jahre bei Vogue und 63 Jahren alt wäre. Gründe genug also noch mal was Neues zu machen. Und das in London Ende des Jahres der US-Botschafter Louis Susman mit 74 Jahren in Pension geht, passt ja auch ganz gut.

US-Botschafterin Anna Wintour? Eigentlich muss Obama jetzt nur noch die Wahlen gewinnen.