Rollenspiele – Kerry macht den Romney

Wahlen in den USA werden im Fernsehen entscheiden. Das weiß keiner besser als Präsident Obama. Seine Mega-Auftritte vor Hundertausenden Anhänger, live und zur besten Sendezeit auf allen TV-Kanälen übertragen, haben ihn 2008 als Messias und Herausforderer John McCain als politisches Fossil längst vergangener Zeiten erscheinen lassen. Erst Sarah Palin als republikanische Vize-Kandidatin konnte Obama ein Stück Fernseh-Berühmtheit nehmen.

Wichtig im TV-Wahlkampf sind dabei vor allem die Live-Debatten der beiden Kandidaten. Bei Zuschauerzahlen von bis zu 63,2 Millionen Zuschauern (2. Debatte 2008) kann diese „Reality-Show“ über Sieg und Niederlage entscheiden. So hatte Bush senior 1992 während seiner Diskussion mit Bill Clinton und Ross Perot die Wahl eigentlich schon verloren, als er gelangweilt auf seine Uhr schaute.

Die drei Debatten zwischen Obama und Romney im Herbst (3., 16. und 22. Oktober) werden deshalb von den Kandidaten schon jetzt generalstabsmäßig geplant. Obama hat sich dabei bereits auf seinen ganz persönlichen „Romney-Sparringspartner“ festgelegt.

John Kerry, Senator aus Massachusetts und gescheiterter Präsidentschafts-Kandidat 2004, soll die Rolle des Herausforderers übernehmen. Dafür hat er bei Erfolg, gute Chancen Hillary Clinton als US-Außenminister zu beerben.

Kerry ist keine überraschende aber eine richtige Entscheidung. Der 68-Jährige gilt als einer der besten Live-Debattierer Washingtons und kennt Romney bereits seit 1994 sehr gut. Damals hatte er Edward Kennedy bei seiner Wiederwahl zum Senator gegen Romney erfolgreich zum Sieg verholfen.

Kerry und Romney passen aber auch vom Typ her gut zusammen. Beide sind vermögend, beide habe in verschiedenen Bundesstaaten Häuser, beide ändern wie es gerade passt ihre Meinungen (Flip-Flopper) und beide haben auffällige Haarfrisuren.

Mitt Romney dagegen scheint sich im Debatten-Rollenspiel noch nicht entschieden zu haben. Sein Vorgänger als Obama-Herausforderer, John McCain, probte 2008 mit dem weißen Rob Portman, dem heutigen Senator aus Ohio. Den Messias-Status von Obama konnte McCain damals in den TV-Debatten nicht brechen. Romney ist also gut beraten, sich einen neuen Obama zu suchen.