Countdown – 100 Tage bis zur Wahl: Warum Obama US-Präsident bleibt!

Die „Electoral College“ Karte von Karl Rove. Auch das einstige „Hirn von George W. Bush“ sieht Obama nach seinen jüngsten Umfragen vom 16. Juli 2012 deutlich vorne. (Grafik: Rove.com)
Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen. Noch 100 Tage dann werden die Amerikaner über ihren künftigen Präsidenten entscheiden: Bleibt Barack Obama auch eine zweite Amtszeit im White House oder gewinnt der republikanische Herausforderer Mitt Romney?

Diese Frage bekomme auch ich immer wieder gestellt. Wer wird der nächste Präsident der USA? Meine klare Antwort: Barack Obama.

Diese Meinung hat sich seit den Vorwahlen der Republikaner nicht verändert, im Gegenteil. Heute bin ich mehr und mehr davon überzeugt, dass Obama deutlich gewinnen wird. Mitt Romney bleibt der unbeliebte Kandidat der Konservativen. Viele, vor allem die religiöse Rechte, die Basis der Republikaner, will nicht geschlossen für Romney stimmen. So lange sich das nicht ändert, wird es für Romney nicht reichen.

Wunschdenken? Vielleicht. Ich kann mit Obama als Präsident besser leben als mit Romney, auch wenn ich der Meinung bin, dass der Republikaner das Land ebenso regieren könnte. Ein Auswandern nach Kanada ist also nicht notwendig. Die Frage ist allerdings, wie würde Romney das Land regieren. Als Vorstandvorsitzender eines Konzerns namens USA oder als Staatsmann? Ich habe lieber einen Staatsmann als einen CEO wie Romney es vermutlich wäre.

Ich hatte Mitt Romney schon vor vier Jahren bei den Vorwahlen in New Hampshire live erlebt und dachte damals, dass er die Kandidatur der Republikaner gewinnen könnte. Doch mit dem Kriegsveteranen John McCain hatten die Partei 2008 eine wirkliche Alternative. Diesmal gab es die nicht, Romney gewann die Primaries, doch so richtig gewollt war er von der Grand Old Party nicht.

“Alles ist besser als Obama”, heißt das Motto bei den Republikanern. Reicht das um die Wahlen zu gewinnen? Ich denke nicht.

Es ist aber nicht nur die fehlende Unterstützung in den eigenen Reihen. Der farblose Romney selbst ist das Problem. Bisher spielt er auf Nummer sicher, keine kontroversen Meinungen und am besten überhaupt keine. Doch umso heißer der Wahlkampf wird, umso schwieriger wird es, diese Taktik weiter zu fahren. Amerika verlangt Antworten auf brennende Fragen und nicht rhetorisch auspfeilte Nicht-Meinungen. Wirtschaft und Jobs spielen dabei die wichtigste aber nicht einzige Rolle. Romneys Auswahl seines Vize-Präsidenten könnte einen Hinweis darauf geben, ob der Kandidat aus seiner Deckung herauskommt oder nicht.

Bleibt der Blick auf die Umfagen. Sie sprechen weiterhin nicht für den Herausforderer. Obama und Romney liegen Kopf-an-Kopf in den nationalen Umfragen. Doch welche Aussage haben diese Polls: Keine!

Entscheidend ist weiterhin das “Electoral College”, also die Wahlmänner aus den einzelnen Bundesstaaten. Und hier liegt Obama in allen Umfragen unverändert deutlich vor Romney. Die liberale Huffington Post sieht Obama mit 290 (270 braucht er nur) zu 191 Stimmen klar auf Siegkurs – vielleicht ein wenig zu optimistisch.

Doch selbst der konservative Karl Rove, das einstige “Hirn von Bush” und brillianter Umfragen- und Wahlanalyst muss sich schon viel Mühe geben, um positive Stimmung für Romney zu machen.  Auf seiner Electoral College Karte (siehe Foto) liegt Obama mit 194 zu 101 vorne. Zusätzlich sieht er 43 Stimmen, die zu Obama und 71, die zu Romney tendieren. Zusammen würde das bedeuten: 237 zu 171 – eine deutliche Führung für Obama.

Zu den umkämpften Swing States rechnet Rove insgesamt zehn Bundesstaaten. Darunter auch Michigan, Colorado und New Hampshire. Glaubt das Rove wirklich? Ich denke, dass die drei Staaten mit insgesamt 29 Stimmen für Obama sicher sein sollten. Damit hätte Obama 266 Stimmen und es fehlten ihm nur noch vier. Romney kann sich dann keine Niederlage mehr erlauben, muss also alles gewinnen: Ohio, Florida, Virginia, North und South Carolina, Missouri und Iowa. Ich halte das für ausgeschlossen.

Es sind noch 100 Tage bis zum Wahltag, da kann noch eine Menge passieren. Bricht die US-Wirtschaft zusammen, der Euro, der auch Auswirkungen auf die USA haben würde, oder gibt es andere schwere Krisen in den USA oder in der Welt, kann die Stimmung des Landes sehr schnell in die eine oder die andere Richtung kippen. Doch so lange es solche Katastrophen nicht geben wird, bleibe ich dabei:

Mitt Romney kann die Präsidentschaftswahlen nicht gewinnen, Barack Obama kann nur verlieren!

“Waffen töten nicht”

Es ist immer die gleiche Diskussion. Nach jedem Amoklauf wird in Amerika über die Waffengesetze des Landes gestritten. Müssen sie endlich verschärft werden oder darf man sich von einem Wahnsinnigen nicht das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nehmen lassen?

Auch nach dem Massaker von Aurora bei Denver, bei dem der “Batman-Killer” James Holmes (24) vor einer Woche, im Wahn der “Joker” zu sein, in einem Kinosaal 12 Menschen kaltblütig erschoss und 58 Menschen verletzte, gibt es eine hitzige Debatte über die Waffengesetze des Landes.

Holmes kaufte für seinen Amoklauf mehr als 6500 Schuss Munition, zwei Gewehre und eine Pistole. Und das völlig legal. Und im Internet. Er brauchte dafür nur einen Computer und eine Kreditkarte. Der Rest war so einfach wie das Herunterladens eines Songs auf iTunes oder die Bestellung eines Mietwagens. Dass Holmes einen Massenmord plante, ahnte niemand, weil niemand von den Waffenkäufen wusste. Müsste man nicht wenigstens das ändern? Was macht jemand mit 6500 Schuss Munition – auf Büchsen schießen? Wohl kaum.

Mich hatte die Nachricht des Massakers in der vergangenen Woche während eines Camping-Trips mit meinem Sohn (8) zum Grand Canyon in Arizona und zum Bryce Canyon in Utah erreicht – beides Staaten, in denen Waffen zum Alltag gehören. Wilder Westen halt. Auf unserer Fahrt kamen wir an drei offenen Schießständen vorbei, direkt am Highway – Peng-Peng auf dem Rastplatz wie mein Sohn es nannte. Für Europäer unverstellbar, in der Waffen verrückten USA Normalität.

Für Amerika ist und bleibt Waffenbesitz ein Heiligtum. Die Mehrheit lehnt eine Verschärfung der Gesetze ab. Daran ändern auch die bis zu 30.000 Toten und 400.000 Verletzten durch Schusswaffen jedes Jahr nichts. Im Gegenteil: Nach dem Amoklauf in Aurora sind die Waffenverkäufe in den USA sogar deutlich gestiegen. Der Grund ist nicht der Gedanke, sich vor Wahnsinnigen selbst verteidigen zu können, sondern die Angst, dass die Gesetze verschärft werden und in Zukunft der Kauf von Waffen schwieriger sein könnte.

Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney haben kein Interesse sich mitten im Wahlkampf in eine Waffen-Diskussion ziehen zu lassen. Die Waffenlobby NRA (4.3 Millionen Mitglieder, Motto: “Guns don’t kill” – Waffen töten nicht) ist zu mächtig und kann über die nächste Präsidentschaft entscheiden. Das wissen Obama und Romney und sind aus Angst vor der einflussreichen NRA in ihren Kommentaren äußerst vorsichtig. Auf ihrer Webseite hat die Gruppe die Tragödie in Aurora übrigens bisher mit keinem Wort erwähnt. Das sagt eigentlich alles über die NRA.

Für Obama und Romney, die beide vor Jahren zumindest die ganz schweren Gewehre verbieten lassen wollten, wäre allein die Andeutung schärfere Gesetze einzuführen heute politischer Selbstmord. “Es ist nicht die Zeit für Politik, sondern für Gebete”, sagte Obama auf die Frage, ob er nach dem Massaker, die Gesetze verschärfen wolle. Wahltaktisch war das die richtige Antwort, doch es war auch bloßes Geschwätz.

Ich habe schon über zahlreiche Tragödien wie die in Aurora berichtet, darunter die Schulschießerei an der Columbine High School (12 Tote, 26 Verletzte) in Littleton bei Denver (Colorado) und an der Uni Virginia Tech (32 Tote) in Blacksburg (Virginia). Jedesmal gab es die Diskussion um schärfere Gesetze. Und jedesmal verstummte die Debatte wieder. Auch diesmal wird das nicht anders sein. Bis zum nächsten Amoklauf.

Welcome Home, Mr President

Abendstimmung: Ein Bild-Kunstwerk des offiziellen White House Fotograf  Pete Souza. Es zeigt den Blick aus dem Cockpit von Marine One bei der Landung auf dem White House South Lawn.

Für Obama dürfte der Anblick nach fast vier Jahren Präsidentschaft Routine geworden sein. Andere kommen mit dem Auto nach Hause, der Commander-in-Chief mit seinem privaten Hubschrauber.  So ist das eben.

Obama nimmt Marine One gewöhnlich immer als Taxi von der Andrew Air Force Base in Maryland, wo er nach einem langen Tag “on the road” wie in dieser Woche bei seinen Wahlkampfauftritten in Ohio, Texas und gleich an zwei Tagen in Florida mit Air Force One landet und in den Helikopter umsteigt. Nur schlechtes Wetter zwingt Obama manchmal auf die Straße in seine gepanzerte Limousine “The Beast”.

Happy landing, Mr President!

Ich miaue für Michelle!!

Obama siegt! Und das deutlich. Mitt Romney ist klar abgeschlagen. Da gibt es nicht zu diskutieren. Selbst Republikaner sollten bei diesem Kampf ihre klare Niederlage eingestehen. Wenigstens einmal.

Obama gewinnt 288 zu acht (!!) gegen seinen Herausforderer Mitt Romney – beim Merchandising.

Während Romney auf seiner Webseite gerademal acht Produkte anbieten kann (hat er wirklich nicht mehr Ideen für die eigene Marke?), davon die Hälfte T-Shirts (30 Dollar), ist die Auswahl bei Obama kaum überschaubar.

Vom obligatorischen T-Shirt mit Obamas Konterfei (30 Dollar) zum Aufkleber (5 Dollar), Tassen (22,50 Dollar), Wollmützen (25 Dollar) bis zu Manschettenknöpfen (40 Dollar) und Burgerflipper (40 Dollar) gibt es alles , was das Obama-Fan-Herz sich wünschen kann. Selbst vor einem Katzenhalsband mit der Aufschrift „ich miaue für Michelle“ (12 Dollar) schreckt das Verkaufsteam nicht zurück.

Insgesamt auf 18 Seiten bietet der amtierende Präsident seine Sachen feil. Er scheint waren Konsumbedarf im Land zu sehen. Und da soll noch einmal jemand sagen, Obama verstehe nichts vom Ankurbeln der Wirtschaft.

Fast alle Obama-Produkte scheinen in den USA hergestellt worden zu sein. Bei Romney, dem „Outsourcer der Nation“ (Obama Berater David Axelrod) scheinen zumindest die T-Shirts in amerikanischen Fabriken entstanden zu sein, bei den Aufkleber kann ich mir nicht sicher sein, da fehlt die Versicherung „Made in USA“.

Der erste Sieg für Obama!

Liar, liar pants on fire!

„Du bist ein Lügner! Nein, du bist einer. Du schwindelst immer! Nein, du sagst nicht die Wahrheit.“ Liar, liar pants on fire! So heißt das so schön in den USA, und bedeutet übersetzt: „Lügen haben kurze Beine.

Es ist eine Unterhaltung wie sie auch bei meinem achtjährigen Sohn auf dem Schulhof stattfinden könnte. Nur diesmal sind es nicht streitende Grundschüler. Diesmal sind es zwei erwachsene Männer, die Amerika regieren wollen – Barack Obama und Mitt Romney.

Wahlkampf 2012. Und willkommen bei der ersten Charakter-Debatte. Wer lügt, wer sagt nicht die Wahrheit. Wem kann der Amerikaner, wem kann das Land vertrauen!

Beide zumindest – Obama und Romney – sind sich einig, dass der jeweils andere lügt. Obama wirft Romney vor, bei seiner Vergangenheit als angeblich skrupelloser, profitorientierter Equity-Manager von Bain Capital gelogen zu haben.

Obamas Top-Wahlkampfmanagerin Stephanie Cutter – keine Frau von politischer Traurigkeit – sagt gar: „Entweder Romney lügt oder er hat sich eines Verbrechens schuldig gemacht.“ Sie bezieht sich dabei auf mögliche aber unbewiesene Steuerprobleme. Lügner!, ruft das Obama-Team.

„Lügner!“, ruft Romney zurück und behauptet, Obama lüge bei dem Vorwurf er sei länger bei Bain Capital gewesen und werfe ihm fälschlicherweise vor, als Manager US-Job nach Übersee, sprich China, ausgelagert zu haben. Für Romneys Wahlkampf wäre das – wenn es tatsächlich stimmen würde – ein für den Kandidaten tödlicher Vorwurf.

Wer lügt denn nun? Niemand weiß es so genau, auch ich nicht.

Romney sagt, er habe 1999 bei Bain Capital aufgehört, um als Manager die Olympischen Spiele in Salt Lake City zu retten. Laut der US-Börsenaufsicht wurde er aber noch 2002 als Chef von Bain Capital geführt. Die laut Romney einfache Erklärung: Die Suche nach einem Nachfolger habe so lange gedauert, dass er aufgrund der Börsengesetze als CEO im Amt bleiben musste. Er habe aber keine Entscheidungen mehr getroffen, also auch keine Jobs nach China ausgelagert.

Ist das die Wahrheit, die halbe oder alles gelogen? Es ist eine Glaubensfrage, so lange es keine neuen Details gibt.

Romney könnte bei der Aufklärung allerdings helfen, in dem er seine Steuerbescheide herausrücken würde. Das muss er per Gesetz nicht. Romney wird aber wegen des öffentlichen Drucks auf Dauer nicht darum herumkommen. Und dann wird sich zeigen, ob er weiterhin Gehalt von Bain Capital bekommen hat, auch nach seinem Rücktritt. Wenn ja, ist Romney der Lügner. Wenn aber alles korrekt ist, ist Obama der Lügner.

Und bis dahin heißt es weiterhin: Du bist ein Lügner. Nein du, nein du, nein du . . .

Romneys reiche Freunde

75.000 Dollar ist eine Menge Geld. Für viele US-Bürger aus der sogenannten Mittelklasse ist es ein Jahreseinkommen. Für viele andere, die nicht zu dieser Gruppe gehören, ist es eine Summe, von der sie nur träumen können.

Für die Superreichen der Hamptons, dem Sylt New Yorks, ist es dagegen Peanuts und nur eine Eintrittskarte für ein Essen mit Mitt Romney an einem Sonntag im Juli. Bis zu 75.000 Dollar für ein Ehe-Paar, 50.000 Dollar für Einzelpersonen kosteten die Tickets für die Romney-Fans. Wer hat, der hat!

Dafür konnten die Milliardäre des Landes mit dem republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Romney und vor allem mit einem oder mehreren seiner drei superreichen Unterstützer denieren. Am Sonntag standen zur Auswahl: Revlon-Chef Ron Perelman (seine 25 Millionen Dollar Villa gilt mit 40 Zimmern und neun Kaminen als das größte Haus in den Hamptons), der offenbar zu Geld gekommen Ex-Botschafter Brasiliens, Clifford Soble, und die Geheimnis umwitterten und Milliarden schweren Koch-Brüdern, Charles und David. Für jeden einzelnen Event musste jeweils ein Ticket gekauft werden.

Was Romney, selbst 250 Millionen Dollar schwer, auf den drei Spenden-Essen in den Hamptons zu sagen hatte, war eher nebensächlich. Es ging ja eigentlich nicht um den Herausforderer, den können auch die oberen Zehntausend des Landes nicht wirklich leiden. Es ging um die Abwahl von Präsident Obama. Und dafür sammelten die Top-1-Prozent in wenigen Stunden mal eben knapp vier Millionen Dollar.

Die Stimmung bei den drei Essen muss „Magengeschwür-gefährlich“ gewesen sein. „Obama ist ein Sozialist“, schimpfte einer als er in seinem goldenen Mercedes (Geld? offenbar ja, Geschmack? eher nein) an den etwa 200 Protestlern vorbeifuhr. Eine andere fragte: „Wo ist denn der VIP-Eingang. Wir sind VIPs.“ Ich frage mich, ob es unter den Milliardären des Landes Unterschiede in der Gruppe, „Habe viel Geld und bin very important“ gibt? Die Dame in ihrem unbekannten Luxus-Auto musste sich am Ende wie jeder andere Geld-VIP zähneknirschend und genervt in die Schlange anstellen.

Worum es bei dem Spenden-Essen für Romney ging, brachte dann eine andere Frau gegenüber der Los Angeles Times kurz vor ihrem Besuch auf dem Koch-Anwesen in Southampton (18 Millionen Dollar, sieben Schlafzimmer, acht Bäder, Olympia-Schwimmbecken, Tennisplatz, Privatstrand) auf den Punkt:

„Der einfache Amerikaner ist nicht gebildet genug, um Romney zu unterstützen. Wir haben es dagegen verstanden. Aber mein College-Kid, mein Babysitter und die Frauen für die Maniküre – jeder halt, der das Recht hat zu wählen, versteht doch nicht, was los ist. Ich denke, wenn du ein niedriges Einkommen hast, weißt du erstens auch weniger und verstehst zweitens auch nicht, wie das System funktioniert und worum es wirklich geht.“

Ich finde, damit ist eigentlich alles gesagt! Und ich gehe jetzt vielleicht doch für Obama drei Dollar spenden.

Cookiegate im White House?

Kekse als Objekt der Bestechung? Foto: FreeDigitalPhotos.net

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Ganz nach diesem Motto versucht es auch Obama des öfteren mit dem White House Press Corp.. Ich habe das als Mitglied dieses elitären Clubs auf meinen Reisen mit Obama selbst erlebt. Im „Press One“ Flugzeug wird man als Journalist ordentlich verwöhnt. Doch manchmal sind es auch nur kleine Gesten wie Hot Dogs, Doughnuts oder ein Starbucks Kaffee, die für gute Stimmung und positive Berichte sorgen sollen.

Während seiner Tour in dem elf Millionen teuren gepanzerten Bus “Ground Force One” durch Pennsylvania am Freitag bot der Präsident den mitreisenden Reportern diesmal Kekse an. Und brachte die “Unbestechlichen” damit in arge Not.

Cookiegate im White House?

Hier der denkwürdige und sehr einseitige “Dialog” in der Kretchmar Bakery in Beaver, Pennsylvania:

Obama: “Vielleicht sollten wir ein paar Kekse kaufen. Hallo Press, wollt ihr ein paar Kekse?“

White House Press: Schweigen

Obama: „Würdet ihr das etwa wieder als Bestechung betrachten? Vielleicht sollten wir einfach ein paar Schokoladen-Kekse kaufen und sie im Presse-Bus auslegen, dann weiß ich nicht, wer sie gegessen hat. Ist das ok? Ich bin sicher die Fotografen werden welche essen. Diese Jungs haben keinen Anstand.”

White House Press: Schweigen

Kekse schienen auf der Wahlkampf-Tour durch Pennsylvania überhaupt DAS Thema zu sein. In Pittburgh hatte Obama auf einen Stop in der Bethel Bäckerei bestanden. Die lokale Berühmtheit in Pennsylvania hatte in April für Schlagzeilen gesorgt als Obama Herausforderer Mitt Romney Zweifel an der Echtheit der Kekse äußerte.

“Ich bin mir nicht sicher. Diese Kekse sehen nicht selbstgemacht aus”, kritisierte Romney damals. “Die kommen doch aus dem Supermarkt.” Ein Schlag ins Gesicht für die in der Region bekannte und sehr beliebte Bäckerei.

Obama machte jetzt den Romney-Schaden wieder gut und kaufte bei Bethel demonstrativ die selbstgemachten Kekse. White House Sprecherin Jen Psaki twitterte daraufhin genüsslich: “Wieder ein Unterschied zu Romney. Wir lieben diese Kekse.”

Romneys Insel-Glück

Darf ein möglicher US-Präsident sein Geld im Ausland anlegen, darunter in Steueroasen wie den Cayman Islands oder Bermuda? Diese Frage beschäftigt nicht nur Otto-Normalverbraucher in den USA, sondern wird jetzt auch zum Wahlkampf-Thema.

Nach einem Report von Vanity Fair soll Obama-Herausforderer Mitt Romney ein “kaum durchschaubares Netz” von Off-Shore Konten und Beteiligungen haben. Es geht dabei um “mindestens 30 Millionen Dollar “und vor allem um die Frage, ob Romney mit seinem finanziellen Auslandseinsatz Steuern sparen will. Er selbst dementiert das, Belege gibt er jedoch nicht heraus. In seiner Steuererklärung tauchen aber offenbar nicht alle Auslandsgeschäfte auf. http://www.vanityfair.com/politics/2012/08/investigating-mitt-romney-offshore-accounts

Das Obama-Team hat das dubiose Investment-Netz von Romney sofort zum Wahlkampf-Thema gemacht und fordert auf ihrer Seite den Obama-Herausforderer auf, endlich die Steuer-Hosen herunterzulassen.

Wahlkampf: Team Obama reagiert auf das undurchsichtige Netzwerk der weltweiten Romney-Konten und Beteiligungen

Romney, der mit einem geschätzten Vermögen von 250 Mio. Dollar zu den reichsten Präsidentschaftskandidaten aller Zeiten gehört, zahlt ohnehin nur einen viel geringeren Steuersatz als die meisten Amerikaner. Da er offiziell “kein Einkommen” hat, musste er bei seiner letzten öffentlichen Steuererklärung von 2010 nur 14 Prozent seiner Jahreseinnahmen von 21.7 Millionen Dollar an den Fiskus abgeben. Sein Trick: Romney arbeitet steuerrechtlich nicht, sondern lebt von seinen Investments. Und diese Einnahmen werden viel niedriger besteuert als Einkommen.

Wer sein Geld durch harte Arbeit verdient, zahlt dagegen zum Beispiel in New York bis zu 40 Prozent Steuern. Obama will diese Ungerechtigkeit mit der sogenannten Buffett-Tax (benannt nach dem Milliardär Warren Buffett, der als erfolgreicher Börsenprofi freiwillig mehr Steuern bezahlen will als seine Sekretärin) beenden. Romney dagegen kann – aus offenbar ganz eigennützigen Gründen – ganz gut mit dieser Ungleichheit leben!

Romney muss alle seine Einkommen endlich auf den Tisch legen. Der US-Wähler sollte schon wissen, ob Romney seine Einnahmen ordentlich in den USA versteuert oder lieber auf Konten im Ausland liegen hat?

Obama hat seine Steuererklärungen der vergangenen zehn Jahre offengelegt, Romney sollte das jetzt auch tun!