Romneys reiche Freunde

75.000 Dollar ist eine Menge Geld. Für viele US-Bürger aus der sogenannten Mittelklasse ist es ein Jahreseinkommen. Für viele andere, die nicht zu dieser Gruppe gehören, ist es eine Summe, von der sie nur träumen können.

Für die Superreichen der Hamptons, dem Sylt New Yorks, ist es dagegen Peanuts und nur eine Eintrittskarte für ein Essen mit Mitt Romney an einem Sonntag im Juli. Bis zu 75.000 Dollar für ein Ehe-Paar, 50.000 Dollar für Einzelpersonen kosteten die Tickets für die Romney-Fans. Wer hat, der hat!

Dafür konnten die Milliardäre des Landes mit dem republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Romney und vor allem mit einem oder mehreren seiner drei superreichen Unterstützer denieren. Am Sonntag standen zur Auswahl: Revlon-Chef Ron Perelman (seine 25 Millionen Dollar Villa gilt mit 40 Zimmern und neun Kaminen als das größte Haus in den Hamptons), der offenbar zu Geld gekommen Ex-Botschafter Brasiliens, Clifford Soble, und die Geheimnis umwitterten und Milliarden schweren Koch-Brüdern, Charles und David. Für jeden einzelnen Event musste jeweils ein Ticket gekauft werden.

Was Romney, selbst 250 Millionen Dollar schwer, auf den drei Spenden-Essen in den Hamptons zu sagen hatte, war eher nebensächlich. Es ging ja eigentlich nicht um den Herausforderer, den können auch die oberen Zehntausend des Landes nicht wirklich leiden. Es ging um die Abwahl von Präsident Obama. Und dafür sammelten die Top-1-Prozent in wenigen Stunden mal eben knapp vier Millionen Dollar.

Die Stimmung bei den drei Essen muss „Magengeschwür-gefährlich“ gewesen sein. „Obama ist ein Sozialist“, schimpfte einer als er in seinem goldenen Mercedes (Geld? offenbar ja, Geschmack? eher nein) an den etwa 200 Protestlern vorbeifuhr. Eine andere fragte: „Wo ist denn der VIP-Eingang. Wir sind VIPs.“ Ich frage mich, ob es unter den Milliardären des Landes Unterschiede in der Gruppe, „Habe viel Geld und bin very important“ gibt? Die Dame in ihrem unbekannten Luxus-Auto musste sich am Ende wie jeder andere Geld-VIP zähneknirschend und genervt in die Schlange anstellen.

Worum es bei dem Spenden-Essen für Romney ging, brachte dann eine andere Frau gegenüber der Los Angeles Times kurz vor ihrem Besuch auf dem Koch-Anwesen in Southampton (18 Millionen Dollar, sieben Schlafzimmer, acht Bäder, Olympia-Schwimmbecken, Tennisplatz, Privatstrand) auf den Punkt:

„Der einfache Amerikaner ist nicht gebildet genug, um Romney zu unterstützen. Wir haben es dagegen verstanden. Aber mein College-Kid, mein Babysitter und die Frauen für die Maniküre – jeder halt, der das Recht hat zu wählen, versteht doch nicht, was los ist. Ich denke, wenn du ein niedriges Einkommen hast, weißt du erstens auch weniger und verstehst zweitens auch nicht, wie das System funktioniert und worum es wirklich geht.“

Ich finde, damit ist eigentlich alles gesagt! Und ich gehe jetzt vielleicht doch für Obama drei Dollar spenden.