Von Republikanern lernen . . .

Foto: Michael Remke

Der dreitägige Jubel-Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida, ist vorbei. Was ist geblieben? Neun Dinge, die wir gelernt haben:

  • Mitt Romney kann keine begeisternde und mitreisende Reden halten.
  • Western-Legende Clint Eastwood kann sich auch zum Clown machen.
  • Vize-Kandidat Paul Ryan erzählt gerne Märchen und legt sich die Wahrheit so zurecht wie er sie gerne braucht.
  • Von Einheit bei den Republikanern ist nicht zu spüren. Die Partei ist tief gespalten in eine stramm von der Tea-Party bestimmte religiös-konservative Rechte um Paul Ryan, Gemäßigte um Mitt Romney und Liberale um Ron Paul.
  • Das Parteiprogramm ist das konservativste in der Geschichte der GOP und für Frauen nur schwer verdaulich.
  • Chris Christie empfahl sich mit seiner Rede als Kandidat für 2016. In seiner 5-Seiten-Ansprache erwähnte er Romney sieben Mal, das Wort “Ich” 37 Mal. Christie soll selbst nicht an einen Romney-Sieg glauben.
  • Romney (65) gehört zur alten Generation bei den Republikanern. Eine neue junge Elite um Paul Ryan (42), Marco Rubio (41) und Nikki Haley (40) wird die Partei nach dem möglichen Scheitern von Romney übernehmen.
  • Romney bleibt auch weiterhin der ungeliebte Kandidat und nur ein Kompromis.
  • Ein Team Christie/Rubio oder Christie/Ryan wäre das bessere und für Obama gefährlichere Ticket gewesen.

Das Duell: Eastwood gegen Obama

Es war ein peinlicher Auftritt: Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida. Fast zwölf Minuten stotterte sich der 82-jährige „Dirty Harry“ auf der Bühne einen ab und sprach zu einem imaginären Präsidenten Obama, der hinter ihm auf einem leeren Stuhl saß.

Eastwood faselte von konservativen Hollywoodstars (mehr als sich selbst und Jon Voight fielen ihm aber nicht ein) und versuchte witzig zu sein. Auch wenn der alternde Westernheld das Publikum im Saal amüsierte, es war ein seltsamer und trauriger Auftritt. Eine Legende demontierte sich selbst. Schade.

Barack Obama konterte mittlerweile den Eastwood-Auftritt und twitterte ein Bild von sich – auf einem besetzten Stuhl. Sein Spruch dazu: „This Seat is taken“ – dieser Platz ist besetzt. Touche!

Foto: Barack Obama via Twitter

Paul Ryans Märchenstunde

Vor seiner Rede auf dem Parteitag der Republikanr kannte jeder vierte Amerikaner den Vize-Kandidaten Paul Ryan nicht. Das dürfte sich nach seinem Auftritt geändert haben. Mit seiner ideologischen Rede konnte der „Kennedy der Konservativen“ sein Publikum begeistern und die Basis der Partei mitreißen. Auftrag erfüllt!

Nur eins blieb bei der Jubelrede des 42-Jährigen auf der Strecke – die Wahrheit. Damit nahm es Paul Ryan an diesem Abend nicht so genau.

Die US-Medien entlarvten den Mann aus Wisconsin schnell als Lügner, auch wenn sich viele scheuten, das Wort auszusprechen. “Nicht ganz richtig” oder “die Wahrheit ein bisschen gedreht” oder “er hatte Probleme mit den Fakten”, hieß es bei den Kommentatoren amerikanisch freundlich. Nur wenige trauten sich die Wahrheit zu sagen. Eine von ihnen war überraschend eine “Freundin” des Romney/Ryan Teams:

“Ryans Rede war der Versuch einen neuen Weltrekord an offenkundigen Lügen in einer einzigen Rede aufzustellen”, schimpfte Sally Kohn vom erzkonservativen TV-Sender FoxNews. “Dafür hat er eine Gold-Medaille verdient.” Und weiter: “Die Republikaner sollten sich schämen.”

Insgeamt 15 Lügen, Halbwahrheiten und irreführende Aussagen entdeckten die so genannten Fakten-Prüfer. Hier die schlimmsten:

  • Ryan macht Obama verantwortlich für die Schließung einer Autofabrik in seiner Heimatstadt Janesville, Wisconsin. Wahrheit: Das Unternehmen wurde 2008 unter Präsident Bush geschlossen.
  • Ryan behauptet die Krankenversicherung kostet Millionen von Mittelständlern zusätzliche Steuern. Tatsache ist: Weniger als 5000 Unternehmen müssen mit Steuererhöhungen rechnen.
  • Ryan behauptet das 831 Milliarden Konjunkturprogramm sei voller Betrug und Verschwendung. Tatsache ist: Nach unabhängigen Untersuchungen sind etwa 0,0001 Prozent der 831 Milliarden verschwendet worden.
  • Ryan behauptet, Obama habe mehr Schulden gemacht als jeder Präsident zuvor. Das ist zumindest irreführend. Die meisten neuen Schulden kommen von den Bush-Steuererleichterungen für die Top-Verdiener des Landes und durch den Irak-Krieg. Mit beidem hat Obama nichts zu tun.
  • Ryan macht Obama für die Abwertung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur S&P verantwortlich. Tatsache ist: Es waren die Republikaner, die durch ihre Weigerung die Schuldengrenze zu erhöhen für eine Dekradierung der USA sorgten.

Bleibt nur zu hoffen, dass es Mitt Romney in seiner Rede mit der Wahrheit ein wenig ernster nimmt.

Mitt Romney – Auferstanden von den Toten! Was Sie über ihn (vielleicht) nicht wussten.

Es ist vollbracht. Der Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida, hat Mitt Romney jetzt auch offiziell zum Herausforderer von Präsident Obama bei den Wahlen am 6. November gekürt. Daran konnte auch das Störmanöver der Ron Paul Anhänger nichts ändern.

Doch wer ist Romney eigentlich? Neun Dinge, die Sie (vielleicht) über den 65-Jährigen (Sternzeichen Fische) noch nicht wussten:

  • Größe siegt

Romney ist 1,88 Meter groß und damit zwei Zentimeter größer als Obama. Nach einer Studie der Universität von Texas hat bei den vergangenen Präsidentschafts-Wahlen mehrheitlich immer der „Größere“ gewonnen.

  • Liebe

Romneys große Liebe ist Ann Romney, mit der er seit 43 Jahren verheiratet ist. Er lernte sie mit 18 Jahren kennen, Ann war damals erst 15 Jahre.

  • Spitzname

Romney hat fünf Söhne und lässt sich von seinen 18 Enkeln „Ike“ nennen, nach dem Spitznamen von Romneys Lieblingspräsidenten Dwight D. Eisenhower.

  • Flip-Flopper

Als Gouverneur von Massachusetts verabschiedete Romney eine Gesundheitsreform, die als Blaupause für die Obama Reform galt. Heute lehnt er sie ab und kritisiert Obama dafür.

  • Glaube

Romney ist Mormore. Die Kirche wird von vielen Christen in den USA als Kult beschimpft. Der Glaube, der Nikotin, Alkohol, Kaffee und Sex vor der Ehe verbietet, sieht in Amerika das gelobte Land.

  • Vermögen

Romney ist mit einem Vermögen von 250 Millionen Dollar einer der reichsten Kandidaten aller Zeiten. Er zahlt nur knapp 14 Prozent Steuern, deutlich weniger als der US-Normalbürger (bis zu 39,6 Prozent).

  • Charakter

Selbst seine Söhne bezeichnen ihren Multi-Millionärs-Vater als sparsam. Romney trägt Gap-Jeans, eine Seiko-Uhr und spielt Golf mit Schlägern aus dem Kaufhaus. Seiner an MS erkrankten Frau jedoch schenkte er für ihre Therapie ein 100.000 Dollar teures Dressurpferd.

  • Gegner

Neben Obama und den Demokraten haben Tierschützer mit Romney noch „ein Hühnchen“ oder besser gesagt einen „Hund zu rupfen“. Sie beschimpfen Romney als Tierquäler. Er hatte 1983 auf einem Urlaubstrip seinen Hund Seamus für 12 Stunden in einem Käfig auf dem Dach seines Autos transportiert. Als sich der Irish Setter vor Angst entleerte, stoppte Romney nur kurz an einer Takstelle, um den verdreckten Hund sowie das Auto abzuspritzen. Dann ging es weiter, der Hund blieb auf dem Dach.

  • Tod

Auf seiner Missionars-Tour für die Mormonen durch Frankreich wurde Romney nach einem schweren Unfall von der örtlichen Polizei für tot („Il est mort“) erklärt. Selbst seine Eltern und seine heutige Frau Ann bekamen die Todesnachricht.

Willkommen bei den Waltons – wie die Republikaner die Zeit zurückdrehen wollen

Weniger Staat, mehr persönliche Verantwortung, starkes Militär.

Das ist vereinfacht gesagt die Grund-Philosophie der Republikaner, die sich diese Woche in Tampa, Florida, auf dem Krönungs-Parteitag für ihren Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney treffen.

Die Grand Old Party (GOP)-Convention wird zeigen, wie sehr sich die Republikaner in den vergangenen Jahren verändert haben. Die Partei wird zurzeit von den extremen Positionen der erzkonservativen Tea-Party Anhänger bestimmt, von einer Mehrheit, die wissenschaflich belegte Theorien wie Evolution und Klimawandel ablehnt.  Laut einer Umfrage glauben 58 Prozent der Republikaner, dass “Gott den Menschen in seiner heutigen Form innerhalb der vergangenen 10.000 Jahre erschaffen hat!”

Wie konservativ die GOP geworden ist, zeigt das 60 Seiten lange Parteiprogramm, das die 2286 Delegierten am Montag absegnen wollten. Hurrikan Isaac hat das um mindestens einen Tag verschoben. Es steht aber zu befürchten, dass weder ein Wirbelturm, noch Romney die umstrittenen Punkte verhindern können. Der Obama-Herausforderer, der sich nach Außen hin als modern und liberal zeigt, darf seine konservative Basis nicht enttäuschen.

Hier die strittigen Punkte des für viele “konservativsten Parteiprogramms in der Geschichte der GOP”:

  • Abtreibung

Abtreibung soll in allen Fällen auch bei Vergewaltigung, Inzest und selbst wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, verboten werden. Der radikale Todd Akin scheint keine Einzel-Meinung, sondern die Mehrheit zu repräsentieren. Das “Recht auf Leben” soll in der Verfassung verankert werden.

Romney widerspricht beim Thema Abtreibung – im Gegensatz zu seinem Vize Paul Ryan –  seiner Partei und würde Ausnahmen zulassen. Gleichzeitig will er aber das Urteil Roe gegen Wade von 1973, das das Recht auf Abteibung festlegt, abschaffen.

  • Gleichgeschlechtliche Ehe

Eine Ehe ist grundsätzlich nur zwischen einem Mann und einer Frau legal. Gleichgeschlechtliche Ehen sollen durch die Verfassung verboten werden.

  • Waffenkontrollen

Republikaner sind gegen schärfere Gesetze. Das gilt für den Kauf von Munition, Pistolen und selbst Sturmgewehren. Anekdote am Rande: Die Stadt Tampa hat Demonstranten das Tragen von Wasserspritzpistolen, Gasmasken, Stangen und Seilen verboten. Schusswaffen hingegen sind erlaubt – Floridas Gouverneur Rick Scott, ein Republikaner, überstimmte ein früheres Verbot.

  • Einwanderung

Der Bau eines Zaunes zwischen Mexiko und den USA soll fertiggestellt werden. Der Dream-Akt, der jungen illegalen Einwanderern, die seit ihrer Kindheit in den USA leben, eine Aufenthaltsberechtigung gibt, wird abgelehnt. Illegale sollen verschärft abgeschoben werden.

Wie kommentierte doch die New York Times: „The Republican Party has moved so far to the right that the extreme is now the mainstream.

Kann eine Frau Republikaner wählen?

Akin, Akin und Akin – Mitt Romney wird das Thema nicht mehr los. Wenige Tage vor Beginn des geplanten Jubel-Parteitages der Republikaner in Tampa, Florida, ist die Romney-Kampagne schwer entgleist. Statt über die kriselnde US-Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit zu sprechen, heißt Romneys Thema Todd Akin. Und das seit Tagen.

Der radikale Senatskandidat Akin aus Missouri hatte mit abstrusen Äußerungen über Vergewaltigungsopfer für einen Skandal gesorgt. Akin, der Abtreibung in jedem Fall, selbst bei Inzest und Vergewaltigung, ablehnt, hatte behauptet, Frauen könnten bei einer “wirklichen Vergewaltigung” nur selten schwanger werden. Der “weibliche Körper” verfüge über Wege, “die versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen”.

Nicht nur die Wortwahl “wirkliche Vergewaltigung” und “ganze Sache”, sondern auch die wissenschaftlich absurde und durch nichts belegte These, Frauen könnten bei einer Vergewaltigung nur selten schwanger werden, sorgten für einen Skandal. Allein in den USA werden jedes Jahr mehr als 32.000 Frauen nach einer Vergewaltigung schwanger.

Akins Behauptungen lösten unter Frauen und Demokraten einen Proteststurm aus, aber auch unter Republikanern. Die schienen jedoch mehr um die Senatswahl in Missouri und die Präsidentschaftswahlen besorgt, als um die Rechte der Frauen. Gewinnen die Republikaner Missouri haben sie eine gute Chance, auch eine Mehrheit im Senat zu erobern – und damit in beiden Häusern des Kongress.

Romney und dessen Vize Paul Ryan distanzierten sich deshalb auch schnell von ihrem radikalen Parteikollegen. Sie forderten, mit Unterstützung der konservativen Einpeitscher, Radio-Talker Rush Limbaugh und Fox-Frontmann Sean Hannity, Akin zum Rücktritt auf. Erfolglos. Akin blieb stur und zeigte damit auch, welch schwache Position Mitt Romney in der eigenen Partei hat. George W. Bush wäre das vermutlich nicht passiert.

Ryan verschwieg zudem wissentlich, das er mit Akin zusammen einen Gesetzesentwurf geschrieben hatte, der das Recht auf Abtreibung generell, also auch im Fall von Vergewaltigung und Inzest, ablehnt. Ryan und Akin wollten sogar eine genaue Definition, was eine “wirkliche Vergewaltigung” sei, in ihrem Gesetz festlegen. Doch den meisten Republikanern ging das dann doch zu weit. Sie strichen die Definitionsfrage.

Kann eine Frau jetzt noch Republikaner wählen?

Weiterlesen

Die Probleme des Paul Ryan

Eine Woche Paul Ryan. Und bei den Republikanern ist erste Ernüchterung über den Überraschungs-Kandidaten eingetreten. Nur 39 Prozent der US-Bürger meinen, dass der 42-Jährige eine gute bis exzellente Wahl war.

Den erwarteten Schub in den Umfragen hat der konservative Kongress-Abgeordnete für Mitt Romney jedoch bisher nicht gebracht. Und das trotz der vielen und oft positiven Schlagzeilen der vergangenen Woche.

Obama liegt im Kampf um das White House weiterhin deutlich vorne. Nur in Ryans Heimatstaat Wisconsin konnte der „Kennedy der Konservativen“ Punkte aufholen und Wisconsin zum neunten Swing State machen. Hier führt Obama “nur” noch mit 49 zu 45 Prozent. Ansonsten fällt die Bilanz nach der einwöchigen Ryan Show eher bescheiden aus:

Pluspunkte:

  • Ryan hat die konservative Basis neu motivieren können. Vor allem die Tea Party Anhänger und die religiöse Rechte setzen auf Ryan. Ohne diese Basis kann Romney nicht gewinnen.
  • Konservative Großspender und einflussreiche Republikaner haben ihren gewünschten Kandidaten durchdrücken können und halten sich mit Kritik an Romney erst einmal wieder zurück.
  • Die Katholiken des Landes haben einen Republikaner-Kandidaten. In dieser Gruppe liegen Romney und Obama gleich auf. Die Katholiken sind wichtig: Bei den vergangenen zehn Präsidentschaftswahlen zog in neun Fällen der Kandidat ins White House, der die Katholiken gewinnen konnte.
  • Die jungen Konservativen können sich mit dem 42-jährigen Ryan identifizieren.

Negativpunkte:

  • Ryan hat ein riesiges Frauenproblem. Er ist gegen Abtreibung selbst im Fall einer Vergewaltigung und Inszest. Er ist gegen künstliche Befruchtung. Er will Planned Parenthood, der US-Variante von Pro Famila, die Unterstützung entziehen. Und er ist gegen “Equal Pay”, also die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit von Mann und Frau. Alles Themen, die ihm und Romney bei der Wahl nicht helfen werden. Frauengruppen laufen schon jetzt Sturm gegen den Vize-Kandidaten.
Frauen gegen Paul Ryan. Ein Kampagne im Internet 
Weiterlesen

Steuerfrage: Romneys Salami-Taktik

Das Thema lässt Mitt Romney einfach nicht in Ruhe. Hat er nun, oder hat er nicht? Und wenn ja, wie viel? Die Rede ist von seinen Steuern. Mehr als 200 Millionen Dollar ist der Kandidat der Republikaner schwer. Nur wie viel Steuern er darauf jedes Jahr zahlt, das will Mitt Romney nicht verraten. Oder zumindest nicht alles.

Salami-Taktik nennt man das. Er veröffentlicht immer mal wieder etwas aber nie alles. Erst die Steuererklärung von 2010, dann die von 2011, aber auch nicht komplett. Und jetzt Romneys Aussage, er habe in den vergangenen zehn Jahren jedes Jahr mindestens 13 Prozent an Steuern bezahlt, zuletzt wohl 13,6 Prozent. Ob das nun gerecht ist oder nicht, angesichts der Tatsache, dass die arbeitende Bevölkerung in den USA bis zu 40 Prozent ihres Einkommens an den Fiskus abgeben muss, kann jeder selbst entscheiden. Die Frage ist: Stimmt das, was Romney sagt?

Denn Beweise will der Obama-Herausforderer nicht vorlegen. Muss er auch nicht. Kein Präsidentschafts-Kandidat ist vom Gesetz her verpflichtet, seine Steuererklärungen herauszugeben. Bisher haben es allerdings die meisten getan. Barack Obama zum Beispiel von den letzten zehn Jahren.

Harry Reid, der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, behauptet, Romney habe in den vergangenen Jahren überhaupt keine Steuern bezahlt. Wer ihm das gesteckt hat, will Reid jedoch nicht verraten. Und er hat auch nur eine Quelle – angeblich. Nicht gerade die feine englische Art. Ohne wirkliche Beweise vorzulegen, klingt das eher nach Denunziation, mutwilliger Rufschädigung oder einfach schmutzigem Wahlkampf.

Doch die Aussage von Reid steht im Raum. Und Mitt Romney wird die Diskussion um seine Steuern mit seiner Salami-Taktik bis zum Wahltag nicht mehr loswerden. Dabei wäre es so einfach: Er muss nur seine Steuererklärungen vorlegen, dann könnte er – wie Romney behauptet – Reid als Lügner und Denunziant brandmarken und dem White House einen schmutzigen Wahlkampf vorwerfen. Also, raus damit. Oder stecken in den Steuererklärungen doch Überraschungen?

Obama und die Schwiegermutter

White House Hund Bo mit mehr Charisma als Obama Schwiegermutter? Foto: Official White House Photo/Chuck Kennedy
Auch ein Präsident sollte sich nicht mit der Schwiegermutter anlegen. Das hätte auch Obama wissen müssen.

Was war passiert?

Auf einem Wahlkampf-Event in Davenport, Iowa, hatte Amerikas First Lady Michelle Obama in ihrer gewohnt sympathischen Art über das Leben im White House und ihren Mann geplaudert. Das Publikum war begeistert und Präsident Obama, der neben seiner Frau stand, lauschte mit einem Lächeln im Gesicht ihrer Rede.

Als Michelle ihre Erzählungen beendet hatte, trat Obama ans Mikrofon und wollte mit einem Witz einen eleganten Übergang schaffen. Ein Scherz, den er lieber nicht gemacht hätte:

„Normalerweise bin ich bei ihren Auftritten nicht dabei. Aus gutem Grund. In Sachen Charisma ist die Reihenfolge bei uns Zuhause: Erst kommt Michelle, dann die Mädchen, dann Bo, dann meine Schwiegermutter und dann komme erst ich.“ Obama hatte die Lacher auf seiner Seite, obwohl sich einige im Publikum verwundert anschauten. Und auch Michelle Obama schien nicht wirklich amused.

Hatte Obama das wirklich gesagt? White House Hund Bo hat mehr Charisma als Obamas Schwiegermutter?

Dann bemerkte auch Obama nach einem kurzen Blick zu Michelle seinen faux-pas. „Ähh, halt, natürlich ist meine Schwiegermutter noch vor Bo. Ich liebe meine Schwiegermutter doch.“

Well, das ging wohl nach hinten los. Da nützt auch die schnelle Korrektur nichts mehr. Bleibt die Frage wie Michelles Mutter, Marian Robinson, die im White House wohnt, ihren Schwiegersohn am Abend Zuhause empfangen hat.

Paul Ryan – der Kennedy der Konservativen wird Romneys Vize

Lieber Mitt Romney,

jetzt haben Sie mich doch überrascht. Paul Ryan als ihren Running Mate, ihren Kandidat für den Posten des Vize-Präsidenten zu nominieren, hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Tim Pawlenty, ja, oder Rob Portman waren meinen Favoriten Tim Pawlenty, ja, oder Rob Portman waren meinen Favoriten. Die Nummer sicher halt, kein Risiko, keine Kontroverse und auf keinem Fall ein zweites Desaster wie mit Sarah Palin.

Paul Ryan dagegen zeigt einen gewissen Mut, den ich von Ihnen nicht erwartet hätte. Oder war es der Druck der Basis, der Tea Party Anhänger, der Konservativen, die wie das Wall Street Journal oder der Weekly Standard lautstark Paul Ryan gefordert hatten? Oder doch die letzten Umfragen, die sie deutlich hinter Obama gesehen haben. Ich vermute beides.

Egal, Paul Ryan also. Wer ist der Konservative, der mit seinen 42 Jahren und seinem jugendlichen Auftreten an einen Kennedy erinnert? Selbst 40 Prozent der Republikaner kennen ihnen nicht. Dabei ist er als Kongressabgeordneter und Chef des Haushaltsausschusses einer der führenden Köpfe Washingtons und eigentlich unüberhörbar. Ryan kommt aus Wisconsin. Er ist Katholik, verheiratet, hat drei Kinder und gilt als Intellektueller und aufsteigender Star bei den Republikanern. Für Schlagzeilen sorgte er 2011 mit einen Budgetplan, den selbst Republikaner wie Newt Gingrich als “Gedankengut eines Rechtsaußen” abgelehnt hatten.

Andere Kommentatoren nannten den Ryan-Plan schlicht “Sozialdarwinismus”. Kern des Vorschlages: Weniger Steuern für Reiche, tiefe Einschnitte in die Sozialausgaben, darunter Kürzung und Teilprivatisierung der Gesundheitsprogramme für arme und älteren Menschen. Diese Stimmen werden Sie, lieber Mitt Romney, jetzt nicht mehr bekommen. Und auch mit den Unabhängigen, die radikale Pläne ablehnen, werden sie Probleme bekommen.

Bei der Wahl des Fitnessfanatikers Ryan, er macht jeden Morgen 90 Minuten Cross-Training, ging es Ihnen, lieber Mitt Romney, in erster Linie um die Aktivierung der Basis der Republikaner, der religiösen Rechte, der stramm Konservativen also und weniger um die politische Mitte des Landes.  Das habe ich schon verstanden. Ob die Rechnung aufgeht, möchte ich bezweifeln.

Das Obama-Team dürfte sich über die Wahl von Ryan freuen. Aber das wussten sie sicherlich. Kaum ein Politiker bietet so viel Angriffsfläche wie er.  Der Mann, der von sich selbst behauptet nur “eine Schwäche zu haben”, nämlich täglich zwei Tassen Kaffee zu trinken (was sie als Mormone ja gar nicht dürfen), wird nicht nur die Republikaner, sondern auch die Basis der Demokraten motivieren.

Lieber Mitt Romney, ich freue mich über Ihre Entscheidung von Paul Ryan. Endlich mal was Überraschendes. Ihr Wahlkampf bekommt ein wenig Farbe. Es war auch höchste Zeit. Paul Ryan war eine gute Wahl – für Sie.

Und ihren Versprecher Ryan als “the next President of the United States” vorzustellen (wie konnte das nur wieder passieren?) werden die Wähler schnell wieder vergessen. Nur keine Sorge!