Die Probleme des Paul Ryan

Eine Woche Paul Ryan. Und bei den Republikanern ist erste Ernüchterung über den Überraschungs-Kandidaten eingetreten. Nur 39 Prozent der US-Bürger meinen, dass der 42-Jährige eine gute bis exzellente Wahl war.

Den erwarteten Schub in den Umfragen hat der konservative Kongress-Abgeordnete für Mitt Romney jedoch bisher nicht gebracht. Und das trotz der vielen und oft positiven Schlagzeilen der vergangenen Woche.

Obama liegt im Kampf um das White House weiterhin deutlich vorne. Nur in Ryans Heimatstaat Wisconsin konnte der „Kennedy der Konservativen“ Punkte aufholen und Wisconsin zum neunten Swing State machen. Hier führt Obama “nur” noch mit 49 zu 45 Prozent. Ansonsten fällt die Bilanz nach der einwöchigen Ryan Show eher bescheiden aus:

Pluspunkte:

  • Ryan hat die konservative Basis neu motivieren können. Vor allem die Tea Party Anhänger und die religiöse Rechte setzen auf Ryan. Ohne diese Basis kann Romney nicht gewinnen.
  • Konservative Großspender und einflussreiche Republikaner haben ihren gewünschten Kandidaten durchdrücken können und halten sich mit Kritik an Romney erst einmal wieder zurück.
  • Die Katholiken des Landes haben einen Republikaner-Kandidaten. In dieser Gruppe liegen Romney und Obama gleich auf. Die Katholiken sind wichtig: Bei den vergangenen zehn Präsidentschaftswahlen zog in neun Fällen der Kandidat ins White House, der die Katholiken gewinnen konnte.
  • Die jungen Konservativen können sich mit dem 42-jährigen Ryan identifizieren.

Negativpunkte:

  • Ryan hat ein riesiges Frauenproblem. Er ist gegen Abtreibung selbst im Fall einer Vergewaltigung und Inszest. Er ist gegen künstliche Befruchtung. Er will Planned Parenthood, der US-Variante von Pro Famila, die Unterstützung entziehen. Und er ist gegen “Equal Pay”, also die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit von Mann und Frau. Alles Themen, die ihm und Romney bei der Wahl nicht helfen werden. Frauengruppen laufen schon jetzt Sturm gegen den Vize-Kandidaten.
Frauen gegen Paul Ryan. Ein Kampagne im Internet 
  • Die Unabhängigen kann Ryan nicht gewinnen. Die Wahl wird am Ende von den Unabhängigen entschieden, doch die sind mehrheitlich gegen die erzkonservativen Ansichten von Ryan.
  • Die Senioren fürchten Ryan, da hilft es auch nicht, wenn er seine 78–jährige Mutter, Betty Douglas, auf einen Wahlkampf-Event in Florida mitnimmt.  Ryan will die Gesundheitsversorgung Medicare für ältere und ärmere US-Bürger zusammenstreichen. Obama behauptet sogar, Ryan will sie abschaffen. Und auch wenn Ryan in seiner ersten Vize-Woche Obama fälschlicherweise als Totengräber von Medicare brandmarkte, wird die platte Offensiv-Taktik nicht aufgehen.
  • Ryans Steuerreform hilft vor allem den Top-Verdienern des Landes. Sie werden mit Steuererleichterungen beschenkt, die die Mittelklasse mit Steuererhöhungen bezahlen muss. Die Unabhängigen mögen das nicht.
  • Immigranten-Problem. Ryan ist gegen den Dream Act, der jungen Einwanderer, die schon seit Kindheitstagen in den USA illegal leben, die Möglichkeit geben, schneller einen legalen Status zu bekommen. Ryan will lieber einen Zaun entlang der Grenze zu Mexiko bauen.

Eine Woche Paul Ryan. Alles in allem keine gute Bilanz für das Romney/Ryan Ticket. Bei aller Begeisterung vor allem der konservativen Basis sowie der Großspender wie Casino-Mogul Sheldon Adelson  – Ryan reiste diese Woche extra nach Las Vegas, um sich persönlich zu bedanken –  und den geheimnisumwitterten Koch-Brüdern, David und Charles, hat die Nominierung bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Aber es ist ja noch ein bisschen Zeit bis zur Wahl am 5. November.