Kann eine Frau Republikaner wählen?

Akin, Akin und Akin – Mitt Romney wird das Thema nicht mehr los. Wenige Tage vor Beginn des geplanten Jubel-Parteitages der Republikaner in Tampa, Florida, ist die Romney-Kampagne schwer entgleist. Statt über die kriselnde US-Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit zu sprechen, heißt Romneys Thema Todd Akin. Und das seit Tagen.

Der radikale Senatskandidat Akin aus Missouri hatte mit abstrusen Äußerungen über Vergewaltigungsopfer für einen Skandal gesorgt. Akin, der Abtreibung in jedem Fall, selbst bei Inzest und Vergewaltigung, ablehnt, hatte behauptet, Frauen könnten bei einer “wirklichen Vergewaltigung” nur selten schwanger werden. Der “weibliche Körper” verfüge über Wege, “die versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen”.

Nicht nur die Wortwahl “wirkliche Vergewaltigung” und “ganze Sache”, sondern auch die wissenschaftlich absurde und durch nichts belegte These, Frauen könnten bei einer Vergewaltigung nur selten schwanger werden, sorgten für einen Skandal. Allein in den USA werden jedes Jahr mehr als 32.000 Frauen nach einer Vergewaltigung schwanger.

Akins Behauptungen lösten unter Frauen und Demokraten einen Proteststurm aus, aber auch unter Republikanern. Die schienen jedoch mehr um die Senatswahl in Missouri und die Präsidentschaftswahlen besorgt, als um die Rechte der Frauen. Gewinnen die Republikaner Missouri haben sie eine gute Chance, auch eine Mehrheit im Senat zu erobern – und damit in beiden Häusern des Kongress.

Romney und dessen Vize Paul Ryan distanzierten sich deshalb auch schnell von ihrem radikalen Parteikollegen. Sie forderten, mit Unterstützung der konservativen Einpeitscher, Radio-Talker Rush Limbaugh und Fox-Frontmann Sean Hannity, Akin zum Rücktritt auf. Erfolglos. Akin blieb stur und zeigte damit auch, welch schwache Position Mitt Romney in der eigenen Partei hat. George W. Bush wäre das vermutlich nicht passiert.

Ryan verschwieg zudem wissentlich, das er mit Akin zusammen einen Gesetzesentwurf geschrieben hatte, der das Recht auf Abtreibung generell, also auch im Fall von Vergewaltigung und Inzest, ablehnt. Ryan und Akin wollten sogar eine genaue Definition, was eine “wirkliche Vergewaltigung” sei, in ihrem Gesetz festlegen. Doch den meisten Republikanern ging das dann doch zu weit. Sie strichen die Definitionsfrage.

Kann eine Frau jetzt noch Republikaner wählen?

Die Diskussion um Abtreibung und damit um die Rechte der Frauen kommt für Romney zur Unzeit. Sie entblößt nicht nur den Kandidaten und vor allem dessen Vize Paul Ryan, sondern auch die nach rechts abgetriftete Partei der Republikaner. Die erzkonservativen Tea Party Anhänger haben auf die GOP viel größeren Einfluss als zuletzt angenommen. Und den Ryan/Akin Entwurf zum Thema Abtreibung werden die 2286 Delegierten am kommenden Montag in ihr Parteiprogramm schreiben. Das Frauenrecht auf Abtreibung selbst nach einer Vergewaltigung und nach Inzest wollen die von weißen Männern mittleren Alters beherrschten Republikaner nicht erlauben. Dafür gibt es in der Partei eine klare Mehrheit.

Romney, der sich als modern und liberal konservativ gibt, ist in Wirklichkeit ein treuer und überzeugter Republikaner, der seine Basis bedienen muss und auch wird. Nicht nur die Auswahl des stramm konservativen Paul Ryan als dessen Vize hat das unter Beweis gestellt. Romney hat auch immer betont, dass er die Supreme Court Entscheidung Roe gegen Wade von 1973, die das Recht auf Abtreibung festlegte, kippen wolle.

Frauen sollten sich deshalb keine Illusionen über den Republikaner-Kandidaten Mitt Romney machen. Liberal ist anders.