Paul Ryans Märchenstunde

Vor seiner Rede auf dem Parteitag der Republikanr kannte jeder vierte Amerikaner den Vize-Kandidaten Paul Ryan nicht. Das dürfte sich nach seinem Auftritt geändert haben. Mit seiner ideologischen Rede konnte der „Kennedy der Konservativen“ sein Publikum begeistern und die Basis der Partei mitreißen. Auftrag erfüllt!

Nur eins blieb bei der Jubelrede des 42-Jährigen auf der Strecke – die Wahrheit. Damit nahm es Paul Ryan an diesem Abend nicht so genau.

Die US-Medien entlarvten den Mann aus Wisconsin schnell als Lügner, auch wenn sich viele scheuten, das Wort auszusprechen. “Nicht ganz richtig” oder “die Wahrheit ein bisschen gedreht” oder “er hatte Probleme mit den Fakten”, hieß es bei den Kommentatoren amerikanisch freundlich. Nur wenige trauten sich die Wahrheit zu sagen. Eine von ihnen war überraschend eine “Freundin” des Romney/Ryan Teams:

“Ryans Rede war der Versuch einen neuen Weltrekord an offenkundigen Lügen in einer einzigen Rede aufzustellen”, schimpfte Sally Kohn vom erzkonservativen TV-Sender FoxNews. “Dafür hat er eine Gold-Medaille verdient.” Und weiter: “Die Republikaner sollten sich schämen.”

Insgeamt 15 Lügen, Halbwahrheiten und irreführende Aussagen entdeckten die so genannten Fakten-Prüfer. Hier die schlimmsten:

  • Ryan macht Obama verantwortlich für die Schließung einer Autofabrik in seiner Heimatstadt Janesville, Wisconsin. Wahrheit: Das Unternehmen wurde 2008 unter Präsident Bush geschlossen.
  • Ryan behauptet die Krankenversicherung kostet Millionen von Mittelständlern zusätzliche Steuern. Tatsache ist: Weniger als 5000 Unternehmen müssen mit Steuererhöhungen rechnen.
  • Ryan behauptet das 831 Milliarden Konjunkturprogramm sei voller Betrug und Verschwendung. Tatsache ist: Nach unabhängigen Untersuchungen sind etwa 0,0001 Prozent der 831 Milliarden verschwendet worden.
  • Ryan behauptet, Obama habe mehr Schulden gemacht als jeder Präsident zuvor. Das ist zumindest irreführend. Die meisten neuen Schulden kommen von den Bush-Steuererleichterungen für die Top-Verdiener des Landes und durch den Irak-Krieg. Mit beidem hat Obama nichts zu tun.
  • Ryan macht Obama für die Abwertung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur S&P verantwortlich. Tatsache ist: Es waren die Republikaner, die durch ihre Weigerung die Schuldengrenze zu erhöhen für eine Dekradierung der USA sorgten.

Bleibt nur zu hoffen, dass es Mitt Romney in seiner Rede mit der Wahrheit ein wenig ernster nimmt.