Das Fernseh-Duell: Obama gegen Romney

It’s Showtime im US-Wahlkampf. Zum ersten Mal treffen Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney an diesem Mittwoch in Denver, Colorado, aufeinander. Ein direktes Duell, Auge in Auge in alter Westernmanier, nur ohne geladene Pistolen. Die Waffen der Kandidaten sind ihre Argumente.

Amerika liebt dieses TV-Spektakel. Vermutlich 50 bis 60 Millionen Zuschauern werden das 90 Minuten Duell verfolgen, bei dem sich Obama und Romney an Stehpulten und nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüberstehen werden. Gastgeber ist die TV-Legende Jim Lehrer (78), der seit 1992 in jedem Wahlkampf mindestens eine Präsidentschafts-Debatte moderiert hat.

Das Aufeinandertreffen ist das erste von insgesamt drei TV-Duellen. Und es ist vermutlich das wichtigste. Romney muss zeigen, dass er nach dem Video-Debakel doch noch die Wende im Wahlkampf schaffen kann. Gelingt dem 65-Jährigen das nicht, braucht er am 6. November zur Wahl nicht mehr antreten.

Romney gewinnt mit einem Unentschieden gegen den Favoriten Obama

Doch der Druck lastet nicht nur auf Romney, sondern auch auf Amtsinhaber Obama. Der Präsident gilt als haushoher Favorit der TV-Debatte und genau das ist sein Problem. Niemand erwartet einen glanzvollen Auftritt von Romney und einen Sieg über Obama. Ein Unentschieden reicht dem Republikaner, um Obama zu schlagen. Ein ähnliches Problem hatte Vize-Kandidat und Politprofi Joe Biden 2004 bei seinem Duell mit der unerfahrenen Sarah Palin. Mitleid für den Außenseiter ist tödlich für den Favoriten.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen auch die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mitt Romney hat sich seit Tagen schon in ein Haus eines Freundes nach Vermont zurückgezogen und probt dort die Diskussion. Sein Obama-Sparringspartner ist Rob Portman, Senator aus Ohio, ein Weißer, der auch als Romneys Vize-Kandidat im Gespräch war.

Obama, der sich seit Sonntag drei Tage lang in Henderson, Nevada, vorbereiten will, hat sich John Kerry als „Gegner“ ausgesucht. Der Senator ähnelt dem Herausforderer (groß, steif, viel und dichtes Haar) und kennt Romney aus Massachusetts. Kerry kann Romney nicht leiden. Außerdem winkt ihm als Dankeschön nach einem Obama-Wahlsieg der Posten von Hillary Clinton als Außenminister.

Obama gegen Romney – Fehler werden bei TV-Debatten nicht verziehen.

Sieg oder Niederlage? Darüber entscheiden bei solchen Debatten oft Kleinigkeiten: Wer wirkt mehr wie ein Präsident, wer hat die besseren Argumente, ohne den Zuschauer mit langen Erläuterungen zu langweilen, wer hat den besseren Witz gemacht oder ganz einfach und subjektiv: Wer wirkt sympathischer und wem vertraut der Wähler mehr.

Nur eins ist sicher: Fehler werden nicht verziehen. Als George Bush Senior in seiner Debatte mit Bill Clinton und Ross Perot 1992 gelangweilt auf seine Uhr schaute, war die Präsidentschaft für ihn gelaufen. Ein Schnitzer, der heute nicht mehr passieren kann: Die Wahlkampfmanager nehmen zur Vorsicht ihren Kandidaten vor der Debatte die Uhren ab.

US-Wahlen: Das Kreuz mit den Umfragen

Wenigstens bei den Farben sind sie sich einig – blau und hellblau für Obama, rot und hellrot für Romney sowie gelb für Swing States und „noch nicht entschieden“. Doch ansonsten scheint die Huffington Post und Karl Rove bei ihren Umfragen unterschiedliche Wählergruppen zu befragen. Oder?

Wie sonst sind die gravierenden Unterschiede der beiden Polls zu erklären. Oder hat es etwa mit der politischen Richtung der beiden Internetportale zu tun? Die HuffPo eher links, Karl Rove ganz sicher rechts! Sind Umfragen nicht wissenschaftlich durchgeführte Befragungen? Oder interviewt Rove ganz gezielt nur oder zumindest mehrheitlich Konservative und die HuffPo nur Liberale und Linke?

Wahl-Umfragen als Stimmungmache

Schauen wir uns einmal die beiden Umfragen an. Nach der HuffPo darf sich Obama mit 332 Wahlmännerstimmen (270 sind nur für den Sieg nötig) auf einen Erdrutschsieg freuen. Romney mit bescheidenen 191 Stimmen wird dagegen eine der schwersten Niederlagen in der Geschichte der Republikaner erleiden. Swing States findet man bei der HuffPo kaum noch, einzig North Carolina ist übrig geblieben.

Erdrutschsieg für Präsident Obama (332 Wahlmänner aus den blauen und hellblauen Staaten) und eine schwere Niederlage für Mitt Romney (191 Stimmen aus den roten und hellroten Staaten)? So sieht die Huffington Post den aktuellen Stand bei den Umfragen. Nur noch North Carolina (gelb) ist ein Swing States. (Screenshot Huffington Post, Stand 27.09.12)

Ganz anders dagegen Karl Rove, einst George W. Bushs Wahlkampf-Manager und ein Genie in Sachen Umfragen. Hat er seine einstige Begabung, Wahlen halbwegs korrekt vorherzusagen noch oder sind seine Ergebnisse nur so rot eingefärbt, um die Hoffnung für Romney hochzuhalten?

Der Wahlausgang ist noch völlig offen? Karl Rove glaubt laut seinen Umfragen noch an acht Swing States mit 100 Wahlmänner-Stimmen (gelb), die Mitt Romney gewinnen kann. Damit könnte er Präsident Obama doch noch schlagen. Wunschdenken eines Konservativen oder die Genialität eines erfolgreichen Ex-Wahlkampf-Managers? (Foto: www.rove.com, Stand 27.09.12)

Dabei hatte Rove vor ein paar Monaten für Romney noch ein ziemlich düsteres Bild gemalt. Das scheint sich geändert zu haben, obwohl selbst ein Rove eingestehen muss, dass Romney deutlich zurückliegt. Doch „Bushs Hirn“ macht auf positiv und hofft noch auf insgesamt acht Swing States.

Roves Kommentar zu seiner aktuellen Wahlmänner-Karte: „Sieben Staaten haben sich in der vergangenen Woche verändert, vier in die Richtung von Romney aber nur drei zu Obama. Obama hat nur noch 196 sichere Wahlmänner mit vier Staaten (51 Stimmen), die zu Obama tendieren. Romney hat seine sicheren Stimmen auf 159 erhöht und hat 32 Stimmen, die wahrscheinlich zu ihm gehen werden.“

Wie gesagt, Rove macht in Optimismus. Rechnet man die Stimmen der sicheren und eigentlich sicheren aber einmal zusammen (Obama 247, Romney 191) sieht es auch bei Karl Rove eher düster für den Herausforderer aus. Obama fehlen nur noch 23 Stimmen (Florida würde zum Sieg reichen) Rommey dagegen 79. Der Republikaner müsste schon die Karte der Swing States fast komplett abräumen. Aber ist das zu erwarten?

Frauen-Offensive: First Lady Michelle Obama und Ann Romney kämpfen für ihre Männer

Der Countdown läuft! Noch 40 Tage bis zu den Präsidentschaftswahlen am 6. November.  Am kommenden Mittwoch treffen sich Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney in Denver, Colorado, zum ersten und vielleicht wahlentscheidenden Fernseh-Duell. Der Kampf ums White House geht in die entscheidende Phase.

Während sich die beiden Kontrahenten auf die 90 Minuten Diskussion akribisch vorbereiten, werben im Hintergrund die so genannten „Surrogates“, die politischen Stellvertreter, weiter für ihre Kandidaten. An vorderster Front: Michelle Obama und Ann Romney.

Die beiden First Ladys sind seit ihren erfolgreichen Auftritten auf den Parteitagen im Dauereinsatz. So unterstützte Michelle Obama nach einem Wahlkampf-Event in New Jersey ihren Mann Barack bei dessen Rede vor der UN-Generalversammlung und plauderte noch am gleichen Tag locker mit und über ihren Gatten in der TV-Talkrunde „The View“. Und am Ende der Woche wird sie Solo in Chicago, Cedar City (Iowa) und Appleton (Wisconsin) für ihren Mann-in-Chief werben.

Ann Romney, die seit der Convention der Republikaner durch Swing States wie Ohio, Iowa und New Hampshire tingelte, erzählte dagegen am Montag in der Late-Show von Jay Leno von ihrem „Mann, der sich um alle Amerikaner Sorgen mache“ (auch um die 47 Prozent angeblichen „Schmarotzer“) und um ihre Notlandung. Die peinliche Frage ihres Mannes, warum man bei Rauchentwicklung im Flugzeug keine Fenster aufmachen könne, versuchte sie mit dessen „Art von Humor“ zu erklären.

Michelle Obama und Ann Romney sollen es menscheln lassen

Der Auftrag der beiden Top-Wahlkämpferinnen ist klar und immer der gleiche: Menscheln lassen! Nicht über Politik sollen die First Ladies reden, sondern um die alltägliche, sympathische Seite ihrer Männer. Beide gelten dabei als „unbezahlbarer Wert“, mit dem die Wahlkämpfer nebenbei auch noch ein paar Millionen Dollar einsammeln können. Michelle Obama lud dieses Jahr auf bisher 56 Spenden-Events ein, Ann Romney auf 37.

Was die beiden Frauen auszeichnet, sind vor allem ihre traumhaften Umfragewerte. Sie liegen deutlich über denen ihrer Männer. Michelle führt dabei auf der Beliebtheitsskala mit 65 Prozent vor Ann mit knapp 50 Prozent. Zum Vergleich: Präsident Obama dümpelt bei Werten von knapp über 50 Prozent herum, während Romney gerade zum unbeliebtesten Kandidaten seit Michael Dukakis 1988 gekürt wurde. Kein Wunder also, dass Michelle und Ann zum Ende des Wahlkampfes in die Offensive gehen müssen.

US-Politik direkt Umfrage: Republikaner Romney ohne Chancen auf den Wahlsieg

Es war keine gute Woche für Mitt Romney. Erst kritisierten Amerikas Konservative ihren eigenen Kandidaten wegen dessen Wahlkampfführung und der vorschnellen Schelte an Obamas Nahost-Politik. Und dann trat der Herausforderer auch noch in den „47 Prozent Fettnapf“.

In einem heimlich gefilmten Video hatte Romney 47 Prozent der US-Bürger als „Schmarotzer“ beschimpft und behauptet, dass sich diese als „Opfer“ fühlten, vom Staat abhängig seien und entsprechend Obama wählen müssten. Ein Video, das ihn selbst nach Meinung vieler seiner Parteifreunde die Wahl kosten könnte.

US-Politik direkt Umfrage: Romney ist bereits geschlagen

Auch die Leser von „US-Politik direkt“ glauben nach einer Umfrage mehrheitlich (55 Prozent), dass Romney wegen des Videos bei den Präsidentschafts-Wahlen „keine Chance mehr hat“. Nur knapp jeder Zehnte ist der Meinung, dass der Kandidat „noch die Wende schafft“, während 33 Prozent denken, dass „das Video keinen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen“ haben wird. Keine guten Zahlen also für Romney.

 

Wie schlecht es im Moment um den Obama-Herausforderer steht, zeigen auch die jüngsten Umfragen. Selbst der Romney freundliche TV-Sender FoxNews sieht den Kandidaten deutlich hinter Obama. In sechs wichtigen und wahlentscheidenden Swing States hat der Präsident (+5 in Florida, +7 in Ohio, +7 in Virginia, +8 in Iowa, +5 in Colorado und +5 Prozent in Wisconsin) einen deutlichen Vorsprung vor Romney.

Schon fürchten Amerikas Konservative um ihr Minimalziel, die Abwahl von Obama. Sie sind unzufrieden, schimpfen und halten sich mit Kritik an Romney nicht mehr zurück. Die Republikaner fordern mehr Kampfeswillen und mehr Einsatz ihres Kandidaten. Der verspricht zwar Besserung, doch bei kaum noch 40 Tagen bis zur Wahl könnte es für Romney bereits zu spät sein.

Die Stimmung ist gegen Romney. Daran konnte auch die seit langem geforderte Herausgabe seiner Steuererklärung von 2011 nichts ändern. Als Romney seine Abgaben an den Fiskus veröffentlichte (knapp 14 Prozent), gab es gleich wieder eine Peinlichkeit. Denn um nicht unter einen Steuersatz von 13 Prozent zu fallen, hatte Romney nicht alle Abschreibungen, die ihm zustanden, angegeben. Seine Gegner kritisierten das sofort als „Fälschung“. Aber auch die eigenen Parteifreunde verstanden die Trickserei nicht.

Romney steckt in einem Tief, aus dem er sich nur schwer wieder herausziehen kann. In einer weiteren Umfrage vom Wochenende erklärten „50 Prozent der Wähler“, dass sie den Kandidaten der Republikaner „nicht mögen“. Romney ist damit der unbeliebteste Kandidat seit Mike Dukakis 1988.

Das Romney-Video: „Arrogant und dumm“

Das heimlich gefilmte Video von Mitt Romney ist auch am Tag nach seiner Veröffentlichung das Top-Thema in den USA. Viele Kommentatoren sind sich einig, dass Romney mit der Beleidigung von „47 Prozent“ der US-Bürger als Schmarotzer einen schweren Fehler gemacht hat, der ihn die Präsidentschaft kosten könnte.

Zum Romney-Video auch aktuell die „US-Politik direkt“ Umfrage: Hat Romney seine Chancen auf den Wahlsieg verspielt oder schafft der Kandidat noch die Wende?

Republikaner Mitt Romney: Reaktionen auf das Schock-Video

„Diese Video hat den Wahlkampf auf den Kopf gestellt“, kommentierte NBC-Anchor Brian Williams. „Ein politisches Erdbeben im Präsidentschafts-Wahlkampf“, sagte TV-Ikone Dianne Sawyer von ABC World News. „Mir fällt nichts ein, was ihn hätte mehr schaden können als dieses Video“, erklärte CBS-Nachrichten-Veteran Bob Schieffer.

Nur einige wenige konservative Einpeitscher wie Radio-Talker Rush Limbaugh und Laura Ingraham applaudieren Romney für seine „Ehrlichkeit“. Andere Parteifreunde schüttelten dagegen nur den Kopf und gingen auf Distanz mit ihrem eigenen Kandidaten:

  • „Mitt Romney hat sich den schlimmsten Wahlkampf-Patzer geleistet seit Gerald Fords Bemerkung von 1976, dass es keine Vorherrschaft der Sowjetunion über Osteuropa gebe“. (David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush und heute Kolumnist von The Daily Beast)
  • Romneys Aussagen sind „dumm und arrogant“. (Bill Kristol, Chefredakteur vom „The Weekly Standard“, dem inoffiziellen „Parteiorgan“ der Konservativen)
  • „Mitt Romney hat seinen Wahlkampf zerstört.“ (Joe Scarborough, konservativer Anchor des TV-Senders MSNBC)
  • „So spricht kein großer Führer. So sprechen Wahlkampfleute aus den unteren Reihen. Man sollte sich eingestehen, dass der Romney Wahlkampf ein inkompetenter ist. Es ist an der Zeit durchzugreifen.“ (Peggy Noonan vom Wall Street Journal)
  • Mitt Romney hat es „total vermasselt“. (Charles Krauthammer, angesehener konservativer Kommentator auf FoxNews)
  • „Es ist eine moralische Beleidigung, Menschen als Schmarotzer zu beschimpfen.“ (David Brooks, konservativer Kommentator in der New York Times)
  • „Das soziale Sicherheitsnetz ist eine gute Sache“, distanzierte sich New Mexico Gouverneurin Susana Martinez von ihrem Parteikollegen. Sie hatte auf dem Parteitag der Republikaner noch für Romney geworben.

Mitt Romney – ein politischer Nachruf

Mitt Romney beleidigt in diesem heimlich aufgenommenen Video die Hälfte der US-Bevölkerung als „Schmarotzer“. Ein Clip, der die Wahl entgültig entscheiden könnte.

Das war es dann wohl. Knapp sieben Wochen vor der Wahl hat sich Mitt Romney selbst demontiert. In einem heimlich gefilmten Video erklärte der Kandidat der Republikaner vor einer kleinen Gruppe schwerreicher Spender (Eintrittskarte 50.000 Dollar), dass er „47 Prozent der Wähler“ ohnehin nicht erreichen könne. Diese würden keine „Einkommensteuer bezahlen“, seien vom „Staat abhängig“ und würden entsprechend für Obama stimmen.
„Heute hat Romney die Wahl verloren“, resümierte Josh Barro von Bloomberg News daraufhin in einem politischen Nachruf. Er hat seinen Wahlkampf gekillt.“ Und auch die Washington Post sah in dem Video „Romneys dunkelste Stunde.“ Eine Finsternis, die Romney nicht erkennen will. Anstatt seine Diffamierungen zurückzunehmen, entschuldigte er sich lediglich für seine „nicht elegante“ Ausdrucksweise.
Romneys Super-Gau ist kein Zufall. Seit Wochen versucht der Kandidat verzweifelt seinen Wahlkampf wieder in Schwung zu bringen. Die Republikaner sind unzufrieden und fordern mehr Einsatz. Doch eine Wende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Romney gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale, aus der er keinen Ausweg findet.

Die Pannenserie des Republikaners Mitt Romney

Begonnen hatte der politische Abstieg bereits auf seiner ersten Auslandsreise als Kandidat im Juli diesen Jahres. Damals beleidigte er erst die Regierung in London, dann die Palästinenser und auf den Bildern in Polen schien Romney wie ein Fremdkörper zu wirken.
Wenig Erfolg brachte auch der Parteitag der Republikaner in Tampa. Die Partei schien zerstritten über ihren Kandidaten und die Top-Leute nutzten ihre Auftritte lieber als Eigenwerbung für den Wahlkampf 2016 als für Lobeshymnen auf Romney. Die durchschnittliche Rede von Romney konnte die Kritiker ebenfalls nicht versöhnen. Von Aufbruch keine Spur.
Zum Höhepunkt des Pannen-Wahlkampfes kam es jedoch als sich Romney in der Außenpolitik versuchte. Nachdem er Obama für die tödlichen Angriffe radikaler Moslems auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen mitverantwortlich machte, reichte es selbst den freundlichen Kommentatoren. Amerikas Konservative tobten.
Und jetzt auch noch das. Romneys Aussage auf dem Video, die bereits am 17. Mai von dem linksgerichteten Magazin „Mother Jones“ heimlich aufgenommen wurde, und die die Hälfte der US-Bevölkerung als Schmarotzer beleidigt, gleicht einem politischen Selbstmord.
Schade eigentlich, die sieben verbliebenen Wochen hätten vielleicht doch noch spannend werden können.

US-Wahl-Countdown: Nur noch 50 Tage. Obama ist der Sieg kaum noch zu nehmen!

Der Countdown läuft. Noch 50 Tage bis zu den Präsidentschafts-Wahlen am 6. November. Und alles deutet auf einen klaren Sieg von Präsident Obama hin. Herausforderer Mitt Romney scheint hoffnungslos abgeschlagen. Also, alles klar in Obama-Land??

Sieben Wochen in der Politik können eine Ewigkeit sein. Das Pulverfass Nahost, die Spannungen mit dem Iran und auch die weiterhin schwächelnde US-Wirtschaft mit ihren schwachen Arbeitsmarktzahlen können die Stimmung schnell drehen. Selbst der anhaltende Lehrerstreik in Obamas Heimatstadt Chicago kann die Wahl beeinflussen.

Im Moment sprechen nicht nur die Umfragen klar für Obama. Der Präsident hat bundesweit seinen Vorsprung gegenüber Romney auf vier Punkte (49 – 45 Prozent) ausgebaut (bisher waren sie fast gleichauf). Und auch in den acht wichtigsten Swing States führt Obama deutlich ( u.a. Florida und Virginia +5 Prozent, Ohio +7 Prozent).

Wirklich katastrophal für den Herausforderer ist allerdings eine andere Zahl: 47 Prozent der US-Bürger trauen in Sachen Wirtschaft Obama mehr zu als Romney (45 Prozent)! Und das bei einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, mit der seit 1948 noch kein US-Präsident wiedergewählt wurde.

Der Grund für eine mögliche Vorentscheidung im Wahlkampf 2012 liegt in der Schwäche des Obama-Gegners. Romney hatte sich zuletzt mit seinen unbedachten Bemerkungen zu den Angriffen auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen als außenpolitischer Anfänger entpuppt. Selbst in den eigenen Reihen schüttelte man bei so viel Dilettantismus nur den Kopf.

Der Republikaner Romney hat ein Problem mit der eigenen Partei

Für große Teile der Konservativen, blieb Romney bis heute der ungeliebte Kandidat. Nur die Berufung „ihres Lieblings“ Paul Ryan hat sie versöhnt. Doch auch der „Kennedy der Rechten“ hat keine Wende gebracht. Heute wirkt der Running Mate mit seinem gefühlten Dauerwahlkampf in Wisconsin ohnehin wie einer, der Gouverneur seines Heimatstaates werden will, aber nicht Vize-Präsident.

Amerikas Konservative sind wütend, enttäuscht und scheinen offenbar selbst nicht mehr an ihren Kandidaten glauben zu können. Sie fordern

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Angst vor Wahl-Schlappe: Amerikas Konservative kritisieren Romney

Keine zwei Monate mehr bis zur Wahl im November und im Romney-Lager ist die Panik ausgebrochen. Ein Schreckgespenst geht um: Eine Wahl-Niederlage gegen Präsident Barack Obama.

Wie groß die Angst vor einer Schlappe ist, zeigt die wieder stärker werdende Kritik von Amerikas Konservativen an ihrem eigenen Kandidaten. Auslöser sind dabei auch seine umstrittenen Äußerungen zu den tödlichen Angriffen auf die US-Botschaft in Libyen und die Attacke in Ägypten.

„Der Versuch mit dem Tod eines US-Diplomaten politisch zu punkten, sei würdelos und dumm“, schimpfte David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush. „Es ist schlimm und eine Schande“, wütete ein früherer Berater von John McCain. Seine Vorwürfe seien „ein gewaltiger Fehler gewesen“, analysierte Matthew Dowd, Ex-Berater von George W. Bush. „Es fühlt sich an, als würde ihn Sarah Palin beraten.“ Und ein anderer Republikaner brachte es auf den Punkt: „Romney ist nicht bereit für das Amt des Präsidenten.“

Die überstürzten Vorwürfe an Obama, „außenpolitisch Schwäche“ zu zeigen, kommen jedoch nicht durch Zufall. Romney versucht verzweifelt seiner Basis zu gefallen.

Seit Tagen schimpfen die Konservativen des Landes wieder über ihren Kandidaten. Sie werfen ihm vor, bei seinem Wahlkampf erneut nur „auf Nummer gehen zu wollen“. Eine Kritik, die nach der Nominierung von Paul Ryan am 11. August eigentlich verstummt war. Damals applaudierte Amerikas Rechte über „den Liebling der Konservativen“ und schwieg seitdem über die Schwächen ihres ungeliebten Kandidaten.

Doch die grundlegende Kritik der Republikaner an Romney ist geblieben

„Es ist nicht genug ein Schmetterling zu sein“, schimpfte der angesehene konservative Kommentator Bill Kristol. „Du musst zustechen wie eine Biene. Ohne Stiche, kein Sieg.“ Kristol: „Wenn man schon untergehe dann wenigstens in einem Kampf.“

Ähnlich frustriert meckerte auch die konservative Talkshow-Gastgeberin Laura Ingraham: „Wenn man Barack Obama mit dessen Bilanz nicht schlagen kann dann gute Nacht. Dann macht doch die Partei gleich zu. Startet neu und mit neuen Leuten.“ Und ihr Kollege George Will ergänzte: Romneys Problem sei, er „ist nicht als Konservativer geboren worden. Für ihn bleibt das seine zweite Sprache und er muss noch viel lernen“.

„Ich denke wir sind wieder in der Vor-Ryan Phase“, spottete auch Stephen Hayes, Kolumnist des Weekly Standard, dem Zentralorgan der Konservativen. „Wir spielen wieder auf Nummer sicher. Aber warum haben wir dann Ryan ausgewählt, wenn wir nicht kämpfen wollen.“

Radio-Einpeitscher Rush Limbaugh und noch nie ein großer Fan von Romney scheint den Glauben an den Kandidaten bereits restlos verloren zu haben: „Wir wählen nur noch gegen Obama. Es ist mir egal, wer gegen ihn Antritt. Das Ziel ist, Obama abzuwählen.“

Die Schlammschlacht kann beginnen

Schamlos: New York Post druckt unkommentiert diese Hetzanzeige

Nachdem die Diskussion um Obamas Geburtsurkunde bis auf New Yorks Immobilien-Tycoon und professionellem Selbstdarsteller Donald Trump wirklich keinen mehr im Land interessiert, will Amerikas Ultra-Rechte 55 Tage vor den Wahlen einen neuen Scoop ausgegraben haben: Obamas wahren Vater.

Der Erzeuger des amerikanischen Präsidenten komme nämlich nicht aus Kenya und sei auch nicht Barack Hussein Senior. Nein, der „wahre“ Papa von Obama soll Frank Marshall Davis heißen. Dieser war Kommunist und Agent der Sowjetunion und soll den heutigen Präsidenten im Alter von zehn bis 18 Jahren marxistisch indoktriniert haben.

In die Welt gesetzt, hat dieses Gerücht der „Filmemacher“ Joel Gilbert, der bisher mit Werken wie „Elvis Found Alive“ oder „Paul McCartney Really Is Dead“ für eher wenige Schlagzeilen gesorgt hatte.

Beide Filme wären eigentlich Grund genug, um die Geschichte zu ignorieren. Doch jetzt hat die New York Post unter der Überschrift „Obamas große Lüge aufgedeckt“ ungeprüft eine ganzseitige Anzeige von Gilbert abgedruckt, auf der er für die DVD seines neuesten Schundwerkes „Dreams from My Real Father“ werben darf.

Der Hetzstreifen, in dem der „Dokumentarfilmer“ Gilbert Frank Marshall Davis – im wahren Leben ein Freund der Obama-Familie – als Vater des US-Präsidenten entlarvt haben will, wurde bisher von den Kritikern ignoriert und verschwand entsprechend schnell wieder aus den Kinos. Die DVD soll jetzt doch noch ein paar Dollars einspielen.

Die Anzeige in der New York Post hatte Gilbert für 90.000 Dollar auch der New York Times, Washington Post sowie USA Today angeboten. Alle drei Zeitungen lehnten ab. Nur die Republikaner freundliche Post aus New York kannte keine Scham und druckte nach einem persönlichen Besuch von Gilbert die Werbung ganzseitig und unübersehbar für den Leser auf Seite 15 ab.

Weiter verbreitet hat die „Exklusiv-Nachricht“ von „Obamas wahren Vater“ bisher nur der ultrarechte Nachrichten-Kanal WND, der schon Actionstar Chuck Norris für seine Protesttirade gegen Obama eine Plattform gegeben hatte. Doch WND wird nicht der einzige Verteiler dieser absurden Geschichte bleiben.

Die Schlammschlacht kann beginnen!

„Ein perfekt geölter Wetterhahn“

Schon während der Vorwahlen machten sich seine republikanischen Konkurrenten über den Flip-Flopper Mitt Romney lustig. Der hatte in den TV-Debatten seine Meinung geändert wie andere ihre Hemden und immer so wie es ihm gerade passte.

Mal war Romney für das Abtreibungsrecht für Frauen, mal dagegen. Mal war er für mehr Waffenkontrolle, dann wieder nicht. Einmal erkannte er den Klimawandel an, dann war er sich nicht mehr so sicher. Mitt Romney sei ein „perfekt geölter Wetterhahn“, spottete sein republikanischer Widersacher Jon Huntsman.

Die Vorwahlen sind vorbei. Romney ist offiziell der Herausforderer von Präsident Obama. Und er wechselt weiter seine Meinung. Flip-Flopper nennen das die Amerikaner. Eine Person, die an einem Tag das sagt (Flip) und am anderen das Gegenteil (Flop). Am Wochenende hat Romney seinem Spitznamen wieder alle Ehre gemacht.

„Ich werde Obamacare zurücknehmen“, verkündet Romney seit Monaten fast schon gebetsmühlenhaft und verspricht: „Am ersten Tag als Präsident wird das meine erste Amtshandlung sein.“ Seine Anhänger brechen dann – zuletzt auf dem Parteitag der Republikaner – in Jubel aus. Die Gesundheitsreform von Präsident Obama gilt als Teufelswerk und Ausdruck eines Sozialismus, der sich langsam über Amerika ausbreitet.

Doch das Thema ist auch Romneys Schwachpunkt. Denn so ganz haben ihm Partei und Anhänger in dieser Sache nie glauben können. Hatte er nicht als Gouverneur eine Gesundheitsreform in Massachusetts eingeführt, die später als Blaupause für die Obama-Reform galt? Schon während der Vorwahlen erklärte sein konservativer Widersacher Rick Santorum, man könne ihm (Romney) bei der Gesundheitsreform nicht über den Weg trauen. Santorum sollte Recht behalten.

Denn um auch die Parteien unabhängigen Wähler der Mitte zu gewinnen, flip-floppte Romney mal wieder. „Ich werde nicht die ganze Gesundheitsreform kippen“, verkündete er in einem TV-Interview und schickte Schockwellen an die konservative republikanische Basis.

„Es gibt ein paar Dinge, die ich gut finde und die ich erhalten werde.“ Als Beispiel nannte er den Versicherungsschutz für „Bürger mit Vorerkrankungen“ und „junge Menschen“, die bis zum Alter von 26 Jahren bei den Eltern versichert bleiben können (nach neuesten Zahlen haben durch Obamacare 1,6 Millionen Teenager und Twens jetzt Krankenschutz). Neben der Pflicht zur Versicherung sind das die beiden wichtigsten Kernelemente von „Obamacare“.

Die Tea-Party dürfte die Kehrtwende mit Entsetzen gehört haben, war doch „Obamacare“ ein Hauptgrund ihres Protestes. Die Partei-Konservativen, die ihren Kandidaten ohnehin nie richtig geliebt haben, werden sich jetzt auch in ihrem Misstrauen bestätigt fühlen.

Mitt Romney hat einen Fehler gemacht. Seine Taktik wird nicht aufgeben. Denn die Wähler, die er mit seiner Kehrtwende in der Mitte gewinnen will, werden den Stimmenverlust an der Basis nicht ausgleichen können.