„Ein perfekt geölter Wetterhahn“

Schon während der Vorwahlen machten sich seine republikanischen Konkurrenten über den Flip-Flopper Mitt Romney lustig. Der hatte in den TV-Debatten seine Meinung geändert wie andere ihre Hemden und immer so wie es ihm gerade passte.

Mal war Romney für das Abtreibungsrecht für Frauen, mal dagegen. Mal war er für mehr Waffenkontrolle, dann wieder nicht. Einmal erkannte er den Klimawandel an, dann war er sich nicht mehr so sicher. Mitt Romney sei ein „perfekt geölter Wetterhahn“, spottete sein republikanischer Widersacher Jon Huntsman.

Die Vorwahlen sind vorbei. Romney ist offiziell der Herausforderer von Präsident Obama. Und er wechselt weiter seine Meinung. Flip-Flopper nennen das die Amerikaner. Eine Person, die an einem Tag das sagt (Flip) und am anderen das Gegenteil (Flop). Am Wochenende hat Romney seinem Spitznamen wieder alle Ehre gemacht.

„Ich werde Obamacare zurücknehmen“, verkündet Romney seit Monaten fast schon gebetsmühlenhaft und verspricht: „Am ersten Tag als Präsident wird das meine erste Amtshandlung sein.“ Seine Anhänger brechen dann – zuletzt auf dem Parteitag der Republikaner – in Jubel aus. Die Gesundheitsreform von Präsident Obama gilt als Teufelswerk und Ausdruck eines Sozialismus, der sich langsam über Amerika ausbreitet.

Doch das Thema ist auch Romneys Schwachpunkt. Denn so ganz haben ihm Partei und Anhänger in dieser Sache nie glauben können. Hatte er nicht als Gouverneur eine Gesundheitsreform in Massachusetts eingeführt, die später als Blaupause für die Obama-Reform galt? Schon während der Vorwahlen erklärte sein konservativer Widersacher Rick Santorum, man könne ihm (Romney) bei der Gesundheitsreform nicht über den Weg trauen. Santorum sollte Recht behalten.

Denn um auch die Parteien unabhängigen Wähler der Mitte zu gewinnen, flip-floppte Romney mal wieder. „Ich werde nicht die ganze Gesundheitsreform kippen“, verkündete er in einem TV-Interview und schickte Schockwellen an die konservative republikanische Basis.

„Es gibt ein paar Dinge, die ich gut finde und die ich erhalten werde.“ Als Beispiel nannte er den Versicherungsschutz für „Bürger mit Vorerkrankungen“ und „junge Menschen“, die bis zum Alter von 26 Jahren bei den Eltern versichert bleiben können (nach neuesten Zahlen haben durch Obamacare 1,6 Millionen Teenager und Twens jetzt Krankenschutz). Neben der Pflicht zur Versicherung sind das die beiden wichtigsten Kernelemente von „Obamacare“.

Die Tea-Party dürfte die Kehrtwende mit Entsetzen gehört haben, war doch „Obamacare“ ein Hauptgrund ihres Protestes. Die Partei-Konservativen, die ihren Kandidaten ohnehin nie richtig geliebt haben, werden sich jetzt auch in ihrem Misstrauen bestätigt fühlen.

Mitt Romney hat einen Fehler gemacht. Seine Taktik wird nicht aufgeben. Denn die Wähler, die er mit seiner Kehrtwende in der Mitte gewinnen will, werden den Stimmenverlust an der Basis nicht ausgleichen können.