Angst vor Wahl-Schlappe: Amerikas Konservative kritisieren Romney

Keine zwei Monate mehr bis zur Wahl im November und im Romney-Lager ist die Panik ausgebrochen. Ein Schreckgespenst geht um: Eine Wahl-Niederlage gegen Präsident Barack Obama.

Wie groß die Angst vor einer Schlappe ist, zeigt die wieder stärker werdende Kritik von Amerikas Konservativen an ihrem eigenen Kandidaten. Auslöser sind dabei auch seine umstrittenen Äußerungen zu den tödlichen Angriffen auf die US-Botschaft in Libyen und die Attacke in Ägypten.

„Der Versuch mit dem Tod eines US-Diplomaten politisch zu punkten, sei würdelos und dumm“, schimpfte David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush. „Es ist schlimm und eine Schande“, wütete ein früherer Berater von John McCain. Seine Vorwürfe seien „ein gewaltiger Fehler gewesen“, analysierte Matthew Dowd, Ex-Berater von George W. Bush. „Es fühlt sich an, als würde ihn Sarah Palin beraten.“ Und ein anderer Republikaner brachte es auf den Punkt: „Romney ist nicht bereit für das Amt des Präsidenten.“

Die überstürzten Vorwürfe an Obama, „außenpolitisch Schwäche“ zu zeigen, kommen jedoch nicht durch Zufall. Romney versucht verzweifelt seiner Basis zu gefallen.

Seit Tagen schimpfen die Konservativen des Landes wieder über ihren Kandidaten. Sie werfen ihm vor, bei seinem Wahlkampf erneut nur „auf Nummer gehen zu wollen“. Eine Kritik, die nach der Nominierung von Paul Ryan am 11. August eigentlich verstummt war. Damals applaudierte Amerikas Rechte über „den Liebling der Konservativen“ und schwieg seitdem über die Schwächen ihres ungeliebten Kandidaten.

Doch die grundlegende Kritik der Republikaner an Romney ist geblieben

„Es ist nicht genug ein Schmetterling zu sein“, schimpfte der angesehene konservative Kommentator Bill Kristol. „Du musst zustechen wie eine Biene. Ohne Stiche, kein Sieg.“ Kristol: „Wenn man schon untergehe dann wenigstens in einem Kampf.“

Ähnlich frustriert meckerte auch die konservative Talkshow-Gastgeberin Laura Ingraham: „Wenn man Barack Obama mit dessen Bilanz nicht schlagen kann dann gute Nacht. Dann macht doch die Partei gleich zu. Startet neu und mit neuen Leuten.“ Und ihr Kollege George Will ergänzte: Romneys Problem sei, er „ist nicht als Konservativer geboren worden. Für ihn bleibt das seine zweite Sprache und er muss noch viel lernen“.

„Ich denke wir sind wieder in der Vor-Ryan Phase“, spottete auch Stephen Hayes, Kolumnist des Weekly Standard, dem Zentralorgan der Konservativen. „Wir spielen wieder auf Nummer sicher. Aber warum haben wir dann Ryan ausgewählt, wenn wir nicht kämpfen wollen.“

Radio-Einpeitscher Rush Limbaugh und noch nie ein großer Fan von Romney scheint den Glauben an den Kandidaten bereits restlos verloren zu haben: „Wir wählen nur noch gegen Obama. Es ist mir egal, wer gegen ihn Antritt. Das Ziel ist, Obama abzuwählen.“