Mitt Romney – ein politischer Nachruf

Mitt Romney beleidigt in diesem heimlich aufgenommenen Video die Hälfte der US-Bevölkerung als „Schmarotzer“. Ein Clip, der die Wahl entgültig entscheiden könnte.

Das war es dann wohl. Knapp sieben Wochen vor der Wahl hat sich Mitt Romney selbst demontiert. In einem heimlich gefilmten Video erklärte der Kandidat der Republikaner vor einer kleinen Gruppe schwerreicher Spender (Eintrittskarte 50.000 Dollar), dass er „47 Prozent der Wähler“ ohnehin nicht erreichen könne. Diese würden keine „Einkommensteuer bezahlen“, seien vom „Staat abhängig“ und würden entsprechend für Obama stimmen.
„Heute hat Romney die Wahl verloren“, resümierte Josh Barro von Bloomberg News daraufhin in einem politischen Nachruf. Er hat seinen Wahlkampf gekillt.“ Und auch die Washington Post sah in dem Video „Romneys dunkelste Stunde.“ Eine Finsternis, die Romney nicht erkennen will. Anstatt seine Diffamierungen zurückzunehmen, entschuldigte er sich lediglich für seine „nicht elegante“ Ausdrucksweise.
Romneys Super-Gau ist kein Zufall. Seit Wochen versucht der Kandidat verzweifelt seinen Wahlkampf wieder in Schwung zu bringen. Die Republikaner sind unzufrieden und fordern mehr Einsatz. Doch eine Wende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Romney gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale, aus der er keinen Ausweg findet.

Die Pannenserie des Republikaners Mitt Romney

Begonnen hatte der politische Abstieg bereits auf seiner ersten Auslandsreise als Kandidat im Juli diesen Jahres. Damals beleidigte er erst die Regierung in London, dann die Palästinenser und auf den Bildern in Polen schien Romney wie ein Fremdkörper zu wirken.
Wenig Erfolg brachte auch der Parteitag der Republikaner in Tampa. Die Partei schien zerstritten über ihren Kandidaten und die Top-Leute nutzten ihre Auftritte lieber als Eigenwerbung für den Wahlkampf 2016 als für Lobeshymnen auf Romney. Die durchschnittliche Rede von Romney konnte die Kritiker ebenfalls nicht versöhnen. Von Aufbruch keine Spur.
Zum Höhepunkt des Pannen-Wahlkampfes kam es jedoch als sich Romney in der Außenpolitik versuchte. Nachdem er Obama für die tödlichen Angriffe radikaler Moslems auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen mitverantwortlich machte, reichte es selbst den freundlichen Kommentatoren. Amerikas Konservative tobten.
Und jetzt auch noch das. Romneys Aussage auf dem Video, die bereits am 17. Mai von dem linksgerichteten Magazin „Mother Jones“ heimlich aufgenommen wurde, und die die Hälfte der US-Bevölkerung als Schmarotzer beleidigt, gleicht einem politischen Selbstmord.
Schade eigentlich, die sieben verbliebenen Wochen hätten vielleicht doch noch spannend werden können.