US-Wahlen: Das Kreuz mit den Umfragen

Wenigstens bei den Farben sind sie sich einig – blau und hellblau für Obama, rot und hellrot für Romney sowie gelb für Swing States und „noch nicht entschieden“. Doch ansonsten scheint die Huffington Post und Karl Rove bei ihren Umfragen unterschiedliche Wählergruppen zu befragen. Oder?

Wie sonst sind die gravierenden Unterschiede der beiden Polls zu erklären. Oder hat es etwa mit der politischen Richtung der beiden Internetportale zu tun? Die HuffPo eher links, Karl Rove ganz sicher rechts! Sind Umfragen nicht wissenschaftlich durchgeführte Befragungen? Oder interviewt Rove ganz gezielt nur oder zumindest mehrheitlich Konservative und die HuffPo nur Liberale und Linke?

Wahl-Umfragen als Stimmungmache

Schauen wir uns einmal die beiden Umfragen an. Nach der HuffPo darf sich Obama mit 332 Wahlmännerstimmen (270 sind nur für den Sieg nötig) auf einen Erdrutschsieg freuen. Romney mit bescheidenen 191 Stimmen wird dagegen eine der schwersten Niederlagen in der Geschichte der Republikaner erleiden. Swing States findet man bei der HuffPo kaum noch, einzig North Carolina ist übrig geblieben.

Erdrutschsieg für Präsident Obama (332 Wahlmänner aus den blauen und hellblauen Staaten) und eine schwere Niederlage für Mitt Romney (191 Stimmen aus den roten und hellroten Staaten)? So sieht die Huffington Post den aktuellen Stand bei den Umfragen. Nur noch North Carolina (gelb) ist ein Swing States. (Screenshot Huffington Post, Stand 27.09.12)

Ganz anders dagegen Karl Rove, einst George W. Bushs Wahlkampf-Manager und ein Genie in Sachen Umfragen. Hat er seine einstige Begabung, Wahlen halbwegs korrekt vorherzusagen noch oder sind seine Ergebnisse nur so rot eingefärbt, um die Hoffnung für Romney hochzuhalten?

Der Wahlausgang ist noch völlig offen? Karl Rove glaubt laut seinen Umfragen noch an acht Swing States mit 100 Wahlmänner-Stimmen (gelb), die Mitt Romney gewinnen kann. Damit könnte er Präsident Obama doch noch schlagen. Wunschdenken eines Konservativen oder die Genialität eines erfolgreichen Ex-Wahlkampf-Managers? (Foto: www.rove.com, Stand 27.09.12)

Dabei hatte Rove vor ein paar Monaten für Romney noch ein ziemlich düsteres Bild gemalt. Das scheint sich geändert zu haben, obwohl selbst ein Rove eingestehen muss, dass Romney deutlich zurückliegt. Doch „Bushs Hirn“ macht auf positiv und hofft noch auf insgesamt acht Swing States.

Roves Kommentar zu seiner aktuellen Wahlmänner-Karte: „Sieben Staaten haben sich in der vergangenen Woche verändert, vier in die Richtung von Romney aber nur drei zu Obama. Obama hat nur noch 196 sichere Wahlmänner mit vier Staaten (51 Stimmen), die zu Obama tendieren. Romney hat seine sicheren Stimmen auf 159 erhöht und hat 32 Stimmen, die wahrscheinlich zu ihm gehen werden.“

Wie gesagt, Rove macht in Optimismus. Rechnet man die Stimmen der sicheren und eigentlich sicheren aber einmal zusammen (Obama 247, Romney 191) sieht es auch bei Karl Rove eher düster für den Herausforderer aus. Obama fehlen nur noch 23 Stimmen (Florida würde zum Sieg reichen) Rommey dagegen 79. Der Republikaner müsste schon die Karte der Swing States fast komplett abräumen. Aber ist das zu erwarten?