Das Fernseh-Duell: Obama gegen Romney

It’s Showtime im US-Wahlkampf. Zum ersten Mal treffen Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney an diesem Mittwoch in Denver, Colorado, aufeinander. Ein direktes Duell, Auge in Auge in alter Westernmanier, nur ohne geladene Pistolen. Die Waffen der Kandidaten sind ihre Argumente.

Amerika liebt dieses TV-Spektakel. Vermutlich 50 bis 60 Millionen Zuschauern werden das 90 Minuten Duell verfolgen, bei dem sich Obama und Romney an Stehpulten und nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüberstehen werden. Gastgeber ist die TV-Legende Jim Lehrer (78), der seit 1992 in jedem Wahlkampf mindestens eine Präsidentschafts-Debatte moderiert hat.

Das Aufeinandertreffen ist das erste von insgesamt drei TV-Duellen. Und es ist vermutlich das wichtigste. Romney muss zeigen, dass er nach dem Video-Debakel doch noch die Wende im Wahlkampf schaffen kann. Gelingt dem 65-Jährigen das nicht, braucht er am 6. November zur Wahl nicht mehr antreten.

Romney gewinnt mit einem Unentschieden gegen den Favoriten Obama

Doch der Druck lastet nicht nur auf Romney, sondern auch auf Amtsinhaber Obama. Der Präsident gilt als haushoher Favorit der TV-Debatte und genau das ist sein Problem. Niemand erwartet einen glanzvollen Auftritt von Romney und einen Sieg über Obama. Ein Unentschieden reicht dem Republikaner, um Obama zu schlagen. Ein ähnliches Problem hatte Vize-Kandidat und Politprofi Joe Biden 2004 bei seinem Duell mit der unerfahrenen Sarah Palin. Mitleid für den Außenseiter ist tödlich für den Favoriten.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen auch die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mitt Romney hat sich seit Tagen schon in ein Haus eines Freundes nach Vermont zurückgezogen und probt dort die Diskussion. Sein Obama-Sparringspartner ist Rob Portman, Senator aus Ohio, ein Weißer, der auch als Romneys Vize-Kandidat im Gespräch war.

Obama, der sich seit Sonntag drei Tage lang in Henderson, Nevada, vorbereiten will, hat sich John Kerry als „Gegner“ ausgesucht. Der Senator ähnelt dem Herausforderer (groß, steif, viel und dichtes Haar) und kennt Romney aus Massachusetts. Kerry kann Romney nicht leiden. Außerdem winkt ihm als Dankeschön nach einem Obama-Wahlsieg der Posten von Hillary Clinton als Außenminister.

Obama gegen Romney – Fehler werden bei TV-Debatten nicht verziehen.

Sieg oder Niederlage? Darüber entscheiden bei solchen Debatten oft Kleinigkeiten: Wer wirkt mehr wie ein Präsident, wer hat die besseren Argumente, ohne den Zuschauer mit langen Erläuterungen zu langweilen, wer hat den besseren Witz gemacht oder ganz einfach und subjektiv: Wer wirkt sympathischer und wem vertraut der Wähler mehr.

Nur eins ist sicher: Fehler werden nicht verziehen. Als George Bush Senior in seiner Debatte mit Bill Clinton und Ross Perot 1992 gelangweilt auf seine Uhr schaute, war die Präsidentschaft für ihn gelaufen. Ein Schnitzer, der heute nicht mehr passieren kann: Die Wahlkampfmanager nehmen zur Vorsicht ihren Kandidaten vor der Debatte die Uhren ab.