„Sandy“ wirbelt Wahlkampf durcheinander

Alles Neu, alles Anders. Eine Woche vor den Präsidentschafts-Wahlen hat Hurrikan Sandy den Kampf um das White House kräftig durcheinander gewirbelt. Innerhalb weniger Stunden mutierte Obama vom Wahlkämpfer zum obersten Katastrophen-Manager der Nation. Der Amtsinhaber sagte alle Auftritte am Dienstag und Mittwoch in den wichtigen Swing States Florida, Virginia und Ohio kurzfristig ab und koordinierte mit seinem Krisenstab in Washington die Rettungs- und Aufräumarbeiten nach Hurrikan „Sandy“.

Krisen-Manager Obama – Romney trotz „Sandy“-Krise auf Wahlkampftour

Und Mitt Romney? Dem Herausforderer bleibt beim Thema „Sandy‘ zurzeit nur die undankbare Rolle des Zuschauers. Seinen Wahlkampf hat der 65-jährige Romney im Gegensatz zu Obama jedoch nicht gänzlich suspendiert, sondern nur ein wenig zurückgefahren. Denn während der Präsident in Washington den Krisen-Manager gab, ging Romney am Dienstag in Ohio und Florida weiter auf Stimmenfang. Seine Wahlkampf-Auftritte tarnte Romney dabei geschickt als „Sturm-Hilfe-Aktion“ und ließ sich beim Einpacken von Suppendosen fotografieren.

Obama muss dagegen in der Stunde der Krise Stärke und Führungskraft zeigen. Gelingt dem Amtsinhaber das, könnte ihn „Sandy“ ins White House fegen. Versagt er wie 2005 George W. Bush bei der Hurrikan Katrina Katastrophe in New Orleans (1800 Tote) kostet ihn das die Präsidentschaft.

Vergangenheit holt Romney ein: Er wollte Zivilschutzbehörde privatisieren

Obama weiß, dass er mit Sandy gewinnen aber auch alles verlieren kann. Er hat Recht mit seiner Aussage, dass die „Wahl nächste Woche schon von selbst stattfinden“ werde und es jetzt darum gehe „Leben zu retten“. Doch so ganz hat er die Präsidentschafts-Wahlen natürlich nicht aus den Augen verloren. Obama schickt seinen Vize-Kandidaten und Hoffnungsträger Joe Biden (am Dienstag in Ohio, am Mittwoch in Florida) und seine beiden besten Wahlkämpfer Michelle Obama (in Iowa und Florida) sowie Bill Clinton (in Minnesota und Ohio) ins Rennen. Auch seinen Vorteil gegenüber Romney im Internet wird Obama nutzen, um seine Wähler zu mobilisieren.

Mitt Romney dagegen wird durch „Sandy“ kurz vor der Wahl von seiner Vergangenheit eingeholt. Der Obama-Gegner hatte bei den Vorwahlen der Republikaner angekündigt, die Zivilschutzbehörde FEMA aufzulösen und deren Aufgaben künftig auf Privatfirmen zu übertragen. Dabei zeigt „Sandy“ gerade erneut wie wichtig eine koordinierte Hilfe zwischen Bund und den einzelnen US-Staaten ist.

Aber es ist nicht nur FEMA, die Romney das Leben in den nächsten Tagen erschweren wird. Der Herausforderer darf „Sandy“ nicht politisieren und sollte auch nicht auf zu vielen Wahlkampf-Events seinen Konkurrenten Obama angreifen. Amerika steht bei Katastrophen zusammen und in seiner Mehrheit hinter dem Präsidenten. Obama jetzt zu kritisieren, nur mit dem Ziel Stimmen zu sammeln, könnte für Romney genau das Gegenteil bewirken.

Internet-Wahlkampf: Entscheiden Twitter, Facebook, Tumblr und Co. die Wahl?

Der Kampf um das White House bleibt bis zum Wahltag spannend. Aktuelle Umfragen sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. In acht Swing States fällt die Entscheidung. Interessant: Drei dieser “Unentschlossenen” sind Florida, Virginia und New Hampshire. Staaten, die Hurrikan “Sandy” diese Woche fest im Griff haben wird. Welchen Einfluss wird die „Oktober-Überraschung“ am Ende über Sieg und Niederlage haben?

Obama gegen Romney: Der Wahlkampf im Internet wird immer wichtiger.

Beiden Kandidaten werden es knapp eine Woche vor den Wahlen in den Swing States der Ostküste schwer haben, ihre Botschaft loszuwerden. Romney hat seine Termine in Virginia bereits absagen müssen und auch Obama hat seine Pläne geändert. Er muss das „Sandy-Zielgebiet“ bereits am Montag wieder verlassen.

Da die Kandidaten vorerst nicht mehr persönlich auftreten können, wird jetzt der Wahlkampf im Internet immer wichtiger. Denn während Obama und Romney im „Sandy“-sicheren Hinterland unterwegs sein müssen, springen Twitter, Facebook, Tumblr und Co. an der Ostküste als digitale Stellvertreter ein. Die “Jungwähler aus den sozialen Netzwerken” sind für Obama ohnehin eine wichtige Säule seiner Wiederwahl.

2008 wählten ihn mehr als 66 Prozent der Wähler zwischen 18 und 29 Jahren ins White House. Und auch wenn er diese Traumquote dieses Mal nicht erreichen wird (aktuell kann er auf 55 Prozent setzen), baut er neben der Wählergruppe der Frauen und Latinos, vor allem auf die “Jungen” und damit auf die Internetnutzer.

Dabei hat Obama im Netz einen riesigen Vorteil gegenüber Romney. Auf Facebook folgen ihm 31,4 Millionen Fans, bei seinem Herausforderer sind es nur bescheidene 11 Millionen. Bei Twitter ist das Verhältnis noch extremer: 21,4 Millionen Followers (Obama) zu 1,6 Millionen (Romney). Dazu kommt eine klare Überlegenheit auf Twitter von Michelle Obama (1,98 Followers) gegenüber Ann Romney (155.000). Auf Facebook liegt die First Lady sogar mit 8,6 Millionen zu 401.000 Fans in Front. Alle Internet-Fans erhalten nicht nur pausenlos die Botschaften ihrer Kandidaten. Sie können sie auch noch im Netz über ihre Freunde und Followers um ein Vielfaches weiterverbreiten.

Der Republikaner Romney hat zwar gegenüber dem Wahlkampf 2008 von John McCain auch digital deutlich zugelegt, doch der Abstand zu Obama bleibt gigantisch. Ohnehin scheint den Republikanern noch immer eine Internet-Strategie zu fehlen: Während Obama digital für 100 Millionen Dollar Werbung schaltet, schafft es Romney bisher nur auf bescheidene fünf Millionen Dollar.

Entscheidet die Internet-Dominanz von Obama die Wahl gegen Romney?

Dabei zeigen die Twitter-Zahlen bei den drei Debatten wie wichtig die sozialen Netzwerke geworden sind. Bei dem desaströsen Auftreten von Obama in Denver twitcherten insgesamt 10,3 Millionen Tweets durchs Netz, bei seinem Comeback in Hempstead waren es 7,2 Millionen Kurzmeldungen und selbst bei der für Amerikaner eher unwichtigen „Thrilla in Boca“ Debatte über die Außenpolitik in Boca Raton zählte Twitter 6,5 Millionen Tweets. Dabei waren bei allen drei Debatten die Obama-Twitterer wesentlich aktiver als die der Konkurrenz. Sie machten Romney mit so genannten hashtags zu “Big Bird”, „Ordner voller Frauen“ und “Pferde und Bajonette” zum Gespött.

Im Schlussspurt des Wahlkampfes hat Obama im Netz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, der sich durch die Naturgewalt “Sandy” noch verstärken wird. Wenn Obama und Romney nicht vor Ort für sich werben können, müssen das Twitter, Facebook, Tumblr und Co übernehmen. Und bei dem erwartet knappen Ausgang könnte die Obama Dominanz im Netz am Ende die Wahl entscheiden.

Kampf um die Swing States – wenn Amerika auf acht Bundesstaaten reduziert wird

Karl Rove, das Wahlkampf-Genie von Präsident George W. Bush, sieht Präsident Obama mit zurzeit insgesamt 237 Wahlmänner (blau und hellblau) gegenüber Mitt Romney (206 Wahlmänner, rot und hellrot) immer noch im Vorteil. Doch der Vorsprung schmilzt. Acht Swing States sind 10 Tage vor den Wahlen geblieben. Das sind Bundesstaaten mit unentschiedenen Wählern, die am 6. November über den neuen Commander-in-Chief entscheiden werden. Grafik: www.Rove.com

Wie fühlen sich eigentlich die Wähler in Montana, Idaho, Nebraska, Wyoming oder in Maine. Als US-Bürger zweiter Klasse? Viel Wahlkampf haben sie in ihrem Bundesstaat nicht erlebt, höchstens im Fernsehen. Obama oder Romney? – gesehen wurden sie hier eigentlich nie. Auch Texas, Oklahoma, Alabama oder Georgia dürften die beiden Kandidaten nur von der Ferne beobachtet haben, vielleicht bei einem Geldspenden-Event.

Obama gegen Romney: Acht Swing States entscheiden die Wahl

Ganz anders sieht das schon in Ohio aus, wo Obama und Romney mehr als ein Dutzend mal waren und bis zur Wahl am 6. November immer wieder hinreisen werden. Genauso wie nach Florida, Nevada, Colorado, Wisconsin, Virginia, Iowa und New Hampshire. Es sind die Swing States, die die Wahl entscheiden werden, die Staaten, deren Bürger sich noch nicht eindeutig auf eine Seite geschlagen haben. Das wissen auch die Kandidaten. Wen interessiert schon Montana oder Idaho oder Texas oder Maine. Ohio kürt den neuen Präsidenten.

Acht dieser „Swinger“ sind 10 Tage vor den Wahlen übrig geblieben. Sie lassen das weite Land Amerika mit seinen 50 Bundesstaaten auf bescheidene acht schrumpfen. Diese Swing States werden von den Kandidaten gerade intensiv bearbeitet. Obama und Romney haben ihren Wahl-Marathon auf einen Sprint durch die „unentschlossenen Acht“ reduziert und müllen die dort lebenden, insgesamt 56,3 Millionen Wähler geradezu mit Werbung zu.

Vorteil Obama: Der Präsident muss weniger „Swinger“ gewinnen als Romney

Dabei werden die Bürger nicht nur von den offiziellen Clips von Obama und Romney gepeinigt, sondern auch von denen ihrer Helfer. Die so genannten Super-Pacs, Gruppen vermögender Spender, dürfen unkontrolliert und ohne sich namentlich bekennen zu müssen, Werbung schalten. Sie geben dabei Millionensummen für ihre Kandidaten aus. Wer am Wahlabend gewinnt, könnte am Ende auch das Geld entscheiden.

Im Moment zumindest ist das Rennen auch in den Swing States ein Kopf-an-Kopf Rennen. Allerdings noch mit leichten Vorteilen von Obama. Der Präsident hat mehr Staaten sicher und muss weniger „Swinger“ gewinnen als sein Konkurrent Mitt Romney. Das sieht auch Karl Rove, der „Architekt“ von George W. Bushs Wahlsiegen, so (siehe Karte). Doch das könnte sich schnell wieder ändern. Es bleibt spannend – der Countdown läuft. Noch zehn Tage bis zu den Wahlen.

Palin, Trump und Co. werfen Romneys Wahlkampf-Maschine aus der Bahn

Es war kein guter Tag für Mitt Romney. Anstatt Wahlkampf zu führen, musste sich der Obama-Herausforderer vom republikanischen Schwachsinn seiner „Helfer“ und Parteifreunde distanzieren.

Erst schockierte der Senats-Kandidat der Republikaner in Indiana, Richard Mourdock, mit folgender Aussage die Amerikaner. „Eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung sei so etwas wie ein Geschenk Gottes.“ Deshalb könne er auch in diesem Fall eine Abtreibung nicht befürworten.

Mourdock, ein strikter Abtreibungsgegner, ist nicht der erste Republikaner, der mitten im Romney-Wahlkampf mit dem Thema Abtreibung Schockwellen durch das Land schickte. Im August hatte Todd Akin, der in Missouri als Senats-Kandidat für die Republikaner antritt, behauptet, dass der „weibliche Körper bei einer ‚wirklichen Vergewaltigung‘ die Möglichkeit habe abzuschalten, um so eine Schwangerschaft zu verhindern“.

Sarah Palin mit rassistischem Vorwurf an die Obama-Regierung

Doch es waren nicht nur die Abtreibungsgegner der Partei, die Romney das Leben schwer machten. Sarah Palin, immer gut für eine peinliche Bemerkung, sorgte diesmal mit einem rassistischen Vorwurf gegen die Obama-Regierung für Zündstoff.

Die Ex-Vize-Kandidatin der Republikaner behauptete, „Obama würde beim Angriff auf das libysche US-Konsulat in Bengazi lügen und das Land an der Nase herumführen“. Palin benutzte dabei die rassistischen Begriffe „shuck and jive“. Wörter, die bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Damals wurde „shuck and jive“ benutzt um „lügende, täuschende und herumclownende“ Afro-Amerikaner (damals hießen sie noch Negros) zu diffamieren.

Polit-Clown Donald Trump zweifelt weiter an Obamas Nationalität und schädigt damit den Romney-Wahlkampf

Ja, und dann kam auch noch der Polit-Clown aus New York, dessen Name man gar nicht mehr in den Mund nehmen möchte. Donald Trump, „Ober-Birther, der einfach nicht glauben will, dass Obama in den USA geboren wurde, kündigte „Gigantisches“ an. „Eine Bombe“, die den Wahlausgang beeinflussen könne.

Was es war, wollte der Mann mit dem ungewöhnlichen Haarschnitt nicht verraten. Mit Absicht. Der Selbstdarsteller der Nation wollte Spekulationen auslösen, was ihm auch gelang. Die Ehe von Barack und Michelle Obama sei im Eimer und Trump habe die Scheidungspapiere, lautete ein Gerücht. Dann wurde kolportiert, Obama habe während seines Studiums mit Kokain gehandelt. Wo der Schmutz herkam, keiner wusste es.

Trump freute sich über seine kurzweilig geglückte Diffamierungs-Aktion. Dann erklärte er erneut per Twitter, das „alles falsch“ sei und er um 12.00 Uhr mittags eine Erklärung rausgeben werde. Die kam dann tatsächlich in Form eines Youtube-Video und machte Trump erneut zum Clown, zum Gespött.

Der Immobilien-Milliardär bot Obama einen scheinheiligen Deal an. Er, der Präsident, solle alle persönlichen Dokumente wie Reisepässe und Uni-Abschlüsse rausgeben und er, Trump, werde dann fünf Millionen Dollar an eine gemeinnützige Organisation spenden. Es war ein billiger und durchsichtiger Versuch, erneut Zweifel an Obamas Geburtsort und Nationalität zu streuen.

Wie gesagt, kein guter Tag für Mitt Romney. Mourdock, Palin und Trump ließen seine gutgeölte Wahlkampf-Maschinerie heute kurzfristig entgleisen.

„Thrilla in Boca“ – Analysen zur dritten Debatte. Romney wird zum Twitter-Gespött

Obama hat die dritte Debatte (59.2 Millionen TV-Zuschauer) gewonnen. Daran dürfte es kaum Zweifel geben. Ob es dem Präsidenten aber bei der Wiederwahl helfen wird, ist fraglich. Romney hat keine großen Fehler gemacht, aber auch nicht geglänzt wie in der ersten Debatte. Er hat auf Nummer sicher gespielt.

Was bleibt am Ende hängen von diesem Abend an der Lynn Universität in Boca Raton, Florida: Romneys fehlende Erdkunde-Kenntnisse? Seine Versprecher Irak/Iran oder Assad/Kofi Annan oder doch eher Obamas spöttische Belehrung an Romney, das Militär habe sich verändert und es gebe heute „weniger Pferde und Bajonette“?

Mit dem Spruch des Abends machte Obama Romney gleich wieder zum Gespött in der Twitter-Welt. Nach seinem „Big Bird Angriff“, seinem „Ordner voller Frauen“und jetzt den „horses and bayonets“ steht eins bereits fest: Romney und Twitter werden bis zur Wahl keine Freunde mehr werden!

Obama gegen Romney: Stimmen zum „Thrilla in Boca“:

„Romney hatte nichts Substantielles zur Außenpolitik zu sagen und wirkte oft verloren. Romney klang, als ob er unterstrichene Stellen eines Infos-Textes oder ein Buch für Anfänger über Weltgeschichte gelesen hatte.“ (New York Times)

„Mit 65 hat Romney offenbar gedacht, er müsse nichts mehr lernen. Doch Präsident Obama hat ihn in Sachen Außenpolitik auf die Schulbank gesetzt und unterrichtet. Romney war nicht schlecht, aber er war immer in der Defensive.“ (Robert Simon, Politico.com)

„Obama hat seine Basis bedient. Er war deutlich besser in der Substanz. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sein Auftritt die Wahl entscheiden wird. Romney hat sein Ziel erreicht, für die US-Wähler eine wirkliche Alternative zu sein. Wertung für beide: B+“ (Mark Halperin, Time)

„Nach der episch schwachen Vorstellung in Denver hat sich Obama mit den beiden folgenden Debatten wieder aus dem Loch gezogen. Sein Vorteil in der Außenpolitik wird nicht verschwinden, es wird ihn stärken.“ (Andrew Sullivan, Newsweek)

„Wenn es einen Unterschied zwischen Obama und Romney in ihrer Außenpolitik gegeben hat, habe ich das verpasst.“ (Arianna Huffington)

„Romney wollte nur ‚akzeptabel‘ sein. Er hat keinen Grund gesehen, auf Kritik zu antworten und Alternativen in der Außenpolitik aufzuzeigen.“ (Chuck Todd, MSNBC)

„Wer hätte gedacht, dass die Kandidaten in der dritten Debatte so oft übereinstimmen würden.“ (Washington Post)

Konservative kritisieren Debatten-Auftritt von Romney

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„Weniger Pferde und Bajonette“ – Obama gewinnt dritte Debatte gegen Romney

David Gergen, Ex-Berater gleich mehrerer Präsidenten (Nixon, Ford, Reagan und Clinton), hatte sich vor der Debatte festgelegt: „Wer heute Abend gewinnt, wird auch der nächste Präsident.“

Nach dieser Prophezeiung wird Präsident Obama die Wiederwahl am 6. November gewinnen. Und das deutlich. Im dritten und letzten TV-Duell, dem „Thrilla in Boca“, in dem es (eigentlich) um Außenpolitik gehen sollte, hatte der 51-jährige Amtsinhaber klare Vorteile.

Obama überzeugte als Commander-in-Chief. Und das ohne Cowboy-Gehabe. Nur bei einer möglichen Bedrohung durch einen nuklearen Iran will Obama wie auch sein Konkurrent Romney die Kriegsoption nicht ausschließen.

„Thrilla in Boca“: Obama schlägt Haken, Romney duckt sich und klammert

Wie schon bei seinem Sieg in der zweiten Debatte war Obama auf Angriffs-Modus gestellt. Er brauchte genau 1.51 Minute um einen ersten Haken zu landen und Romneys Außenpolitik als „falsch und waghalsig“ zu bezeichnen. Ein Schlag, den Obama während der gesamten 90 Minuten immer wieder austeilte.

Und Romney? Er verhielt sich wieder so wie im September diesen Jahres als ihn selbst die Konservativen wegen seines fehlenden Kampfeswillen kritisierten. Der Herausforderer spielte auf Nummer sicher und stimmte eigentlich mit Obamas Politik in fast allen Punkten überein. Romney hatte keine andere Iran-Politk, nichts gegen den Abzug aus dem Irak und Afghanistan. Selbst beim Thema China war kein großer Unterschied zu der aktuellen US-Politik zu erkennen.

Romneys Strategie war klar: Nur keine Fehler machen! Und auf keinem Fall von Krieg reden. Romney der Friedensengel. Nur gewinnt man so Wahlen? Vielleicht. Das Thema Außenpolitik interessiert ohnehin viele US-Bürger nur am Rande. Den meisten Wählern geht es um die Wirtschaft, um Jobs. Das wusste auch Romney. Nicht wenige Fragen zur Außenpolitik des schwachen Moderators, CBS News Legende Bob Schieffer, ignorierte der Herausforderer geschickt und lenkte die Debatte lieber zu Themen, mit denen er Punkte machen konnte. Am Ende handelte ein Drittel der Debatte zur Außenpolitik von Ökonomie und Arbeitsplätzen.

Doch Obama wusste diesmal darauf zu reagieren und nannte Romney während der Diskussion erneut indirekt einen Lügner („das ist einfach nicht wahr“). Obama teilte seine Haken aus. Und Romney? Er argumentierte nicht überzeugend wie in der ersten Debatte, sondern um in der Sprache der Boxer zu bleiben „duckte sich lieber und klammerte“.

Blitzumfragen: Obama gewinnt dritte Debatte gegen Romney deutlich

Obama hat die dritte Debatte eindeutig gewonnen. Und den besten Spruch hatte er auch: Auf die Kritik von Romney, die US-Marine sei schwach und habe heute zu wenige Schiffe, konterte Obama: „Wir haben heute auch weniger Pferde und Bajonette. Wir haben heute Schiffe, die wir Flugzeugträger nennen und Schiffe, die untertauchen können, Atom-U-Boote. Wir spielen nicht Schiffe versenken und zählen keine Boote. Wir setzen Prioritäten.“

In einer Blitzumfrage von CNN sahen 48 Prozent der Befragten Obama als Sieger, 40 Prozent votierten für Romney. Bei CBS gewann Obama die Debatte gegen Romney noch deutlicher mit 53 zu 23 Prozent. Ob damit auch die Vorhersehung von Präsidentenberater David Gergen eintritt, wird sich zeigen. Die Wahlen bleiben bis zum 6. November ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der „Thrilla in Boca“ – die dritte und entscheidende Debatte in Florida

Runde drei im Fernseh-Duell zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney.  Am heutigen Montag (21.00 Uhr Ortszeit) kommt es in Boca Raton, Florida, zum “Thrilla in Boca”. Die wichtigte und für viele Beobachter wahlentscheidende Debatte im Präsidentschaftswahlkampf 2012. „Do or Die“, punkten oder sterben, lautet die Devise nach dem 1:1 aus den letzten beiden Debatten diesmal für die Kandidaten.

Nach dem desaströsen Auftritt von Obama beim ersten Showdown in Denver und seinem überzeugenden Sieg im zweiten TV-Duell (Gallup gibt die zweite Debatte mit 51 zu 38 Prozent an Obama), gilt es für beide den entscheidenden Treffer zum 2:1 Gesamtsieg zu landen.  Das Thema ist diesmal die Außenpolitik. Obama ist da eigentlich im Vorteil. Doch trotz seiner Erfolge ist es auch ein gefährliches Plaster für ihn.

Einerseits kann der Präsident mit dem Ende des Irak-Kriegs, dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und der geglückten Militär-Aktion gegen Osama bin Laden seine Stärke zeigen, anderseits ist er durch den immer noch nicht geklärten Anschlag in Libyen mit vier toten US-Diplomaten, sein Nicht-Treffen mit Israels Primeminister Benjamin Netanyahu bei der UN in New York sowie seine für viele Amerikaner lasche Iran-Politik angreifbar.

Obama gegen Romney – noch nie waren Debatten so wichtig wie im Wahlkampf 2012

Mitt Romney dagegen dürfte wegen seiner peinlichen Auftritte auf seiner einzigen Europa-Reise während des Wahlkampfes genügend Angriffsfläche für Obama bieten. Dazu wird ihn der Amtsinhaber auf Details seiner Iran-Politik (will Romney einen Krieg?) sowie seiner Stellung zu Afghanistan und China festnageln.

Beide Lager bereiten sich erneut seit Samstag in Boot-Camp-Manier auf das Duell vor. Obama in Camp David, Romney in Boca Raton, Florida. Und das mit gutem Grund. Nie zuvor haben Debatten eine so wichtige und entscheidende Rolle gespielt wie in diesem Wahljahr. Lag Obama vor dem ersten TV-Duell scheinbar uneinholbar vorne, drehte sich das Blatt plötzlich nach dem überzeugenden Auftritt von Mitt Romney. Obama konnte die Schmach von Denver erst eine Woche später bei der zweiten Debatte in Hempstead, New York, wieder wettmachen.

Wahlkampf: Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum letzten Tag

Seinen großen Vorsprung jedoch scheint Obama durch das Denver-Desaster verloren zu haben. Laut Gallup lag Romney Mitte der Woche sogar bundesweit mit 51 zu 45 Prozent in Front. Eine Umfrage von Rasmussen korrigierte diese deutlich Führung jedoch einen Tag später: Danach lag Romney nur noch mit einem Prozent (49 zu 48 Prozent) in Front. Und am Wochenende sah Reuters/Ipsos Obama wieder mit 46 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer.

Etwas entspannter für Obama scheint die Situation in den wichtigen Swing States Iowa, Wisconsin, Nevada und Ohio (Staaten, die ihn zum Präsidenten machen würden) zu sein, wo der Amtsinhaber seine Führung ausbauen oder verteidigen kann. Doch alles in allem ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Jeder Fehler bei der dritten Debatte könnte die Entscheidung auf der Zielgerade des Wahlkampfes bringen. Der “Thrilla in Boca” ist wirklich ein Gänsehaut-Kampf.

Postengescharre noch vor den Wahlen

Während sich Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney erneut in Boot-Camp-Manier auf ihre dritte und vielleicht entscheidende Debatte am Montag in Boca Raton, Florida, vorbereiten, hat knapp zwei Wochen vor den Wahlen hinter den Kulissen bereits das Gescharre um Posten begonnen. Und das auf beiden Seiten. Die engsten Vertrauten und Berater der Kandidaten bringen sich in Stellung und bewerben sich um die wichtigsten Posten.

Obama-Double und Romney-Ersatz drängen in die Regierung

Wie die New York Times berichtet, haben auf den Top-Posten im Außenministerium in einem Kabinett Obama oder Romney bereits mehrere Personen Ambitionen angemeldet. John Kerry, der an diesem Wochenende in Camp David Präsident Obama für die Debatte „Thrilla in Boca“, coacht, will Außenministerin Hillary Clinton beerben. Kein wirklich großes Geheimnis in Washington. Kerry war schon 2008 in der engeren Auswahl des Chef-Diplomaten, verlor aber gegen Clinton. Diesmal ist Amerikas UN-Botschafterin Susan Rice seine härteste Konkurrentin.

Romneys Außenminister John Bolton? Obamas Stabschef David Plouffe?

Rob Portman, Senator aus Ohio und Obama-Double, der im zwei-Tage-Trainigslager in Boca Raton Mitt Romney auf die Debatte vorbereitet, schielt dagegen auf den Posten des Finanzministers. Er war vor der Wahl von Paul Ryan auch als Vize-Präsident im Gespräch. Der 57-Jährige wird aber auch als Stabschef gehandelt.  Als Außenminister ist der Ex-Weltbankchef Robert Zoellick im Gespräch. Die Konservativen verlangen jedoch einen Kandidaten aus ihren eigenen Reihen: John Bolton, der knallharte und auch international höchst umstrittene Falke, der unter Bush ohne Bestätigung des Kongress für 16 Monate UN-Botschafter war, gilt als ihr Favorit.

Bei Obama könnte dagegen Stabschef Jacob S. Lew zum Finanzminister aufsteigen, während Obamas oberster Wahlkampf-Manager David Plouffe das White House zusammenhalten soll. Auch Obamas engste Vertraute Valerie Jarrett, wird als Stabschefin gehandelt.

Postengescharre noch vor der Wahl! Dabei müssen Obama und Romney erst einmal die Wähler in ihrer dritten Debatte am Montag und am 6. November an der Urne von sich überzeugen. Vielleicht sollten sich die Kandidaten zunächst darauf konzentrieren, bevor sie einen Kuchen verteilen, der noch nicht einmal gebacken ist.

Wahlkampf-Klamauk: Obama und Romney scherzen, lästern und lachen übereinander

Es geht doch noch lustig.

Knapp drei Wochen vor den Wahlen und vier Tage vor der letzten und entscheidenden Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney in Boca Raton, Florida, haben sich die beiden Konkurrenten bei einem Dinner gegenseitig veralbert. Beim tradionellen Al Smith Wohltätigkeits-Abendessen im New Yorker Waldorf Astoria, findet immer vor den Präsidentschaftswahlen statt, jagte eine Witz-Attacke die nächsten.

Die Höhepunkte aus der 8.58 Minuten langen Rede von Präsident Obama:

  • Bitte nehmen sie ihre Plätze ein, sonst wird Clint Eastwood die Stühle anschreien. (in Anspielung auf den Eastwood Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner)
  • In weniger als drei Wochen werden die Wähler in Ohio, Florida und Virginia über die Wahl entscheiden. Da frage ich mich doch, was machen wir eigentlich hier.
  • Wie sie vielleicht gemerkt haben, hatte ich bei der zweiten Debatte viel mehr Energie. Ich fühlte mich gut erholt nach meinem wirklich schönen und langem Schläfchen während der ersten Debatte.
  • Ich habe viel gelernt (Anm. aus der 1. Debatte). Ich weiß nun, dass es schlimmere Dinge gibt, als an einem Hochzeitstag nur das Geschenk zu vergessen.
  • Ich war heute in ein paar Geschäften in Midtown zum Einkaufen. Ich habe gehört, dass Romney auch in Midtwon war, um ein paar Geschäfte zu kaufen.
  • Sein Mittelname ist Mitt. Ich wünschte, ich könnte meinen Mittelnamen benutzen.

Die Höhepunkte aus der um 1.30 Minuten längeren Ansprache von Mitt Romney, der damit seinen Zeitverlust der zweiten Debatte fast wieder wettmachen konnte.

  • Es ist schön, wenn man mal relaxen kann und das tragen kann, was Ann und ich Zuhause anhaben (Smoking).
  • Ich bin so froh, dass der Präsident heute hier ist. Wir haben uns nett unterhalten, so als ob es Dienstag nie gegeben hätte.
  • Ich habe gehofft, der Präsident bringt Joe Biden mit. Der lacht ja wirklich über alles.
  • Wir befinden uns gerade im letzten Monat der Amtzeit des Präsidenten. Ich frage mich, was er gerade denkt: So wenig Zeit und noch so viel zu verteilen.
  • Wenn ich zu solchen Events wie heute Abend eingeladen werden, werde ich immer gefragt: Sind sie der vorgesehene Fahrer?
  • Ganz im Sinne der Sesamstraße kommt die Rede des Präsidenten mit dem Buchstaben „O“ und 16 Billionen Dollar.
  • Wahlkampf ist anstrengend und wir beide sind froh, dass wir uns nach einem langen Tag an jemanden anlehnen können. Ich habe meine Frau Ann, der Präsident hat Bill Clinton.

„Einen Ordner voller Frauen“

„Binders full of Women – Wie Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ zum Gespött im Netz wurde. Foto via Twitter

Für die Internetgemeinde gab es nach der zweiten Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney an der Hofstra Universität in Hempstead, New York, nur ein Thema: „Einen Ordner voller Frauen.“ Es war Romneys unbedachte und unglückliche Bemerkung wie er als Gouverneur von Massachusetts bei der Besetzung von Kabinetts-Posten Frauen gesucht hatte.

Auf Twitter überschlugen sich die Tweets und es gab in kurzer Zeit einen so genannten Hashtag, ein Top-Thema (#bindersfullofwomen). Und auch auf Facebook wurde der Republikaner schnell zum Gespött der Netzgemeinde.

Konservative Kommentatoren geben Obama den Sieg über Romney

Doch hatte Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ auch die weiblichen Wähler wieder verloren, die er sich nach der ersten Debatte in Denver gerade erst mühsam erkämpft hatte? Eher nicht.

Dennoch, Romney hat die zweite Debatte (65.6 Millionen Zuschauer) gegen einen angriffslustigen Obama verloren. Darüber waren sich nicht nur die Obama-Anhänger einig, auch die konservativen Kommentatoren gaben die Debatte an Obama. Allerdings knapp.

Charles Krauthammer, Kolumnist: „Wenn wir alle Punkte zusammenzählen, hat Obama nach Punkten gewonnen.“

David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush: „Obama hat gewonnen, aber die Mittelklasse hat verloren.“

Mark Halperin, Time: „Niemand kann sagen, Romney habe diese Debatte gewonnen.

Fred Barnes, Weekly Standard: „Obama zeigte Stärke, aber wird es ihm auch reichen? Ich denke, die erste Debatte ist immer noch die entscheidende.“

Joe Scarborough, MSNBC: „Romney stolperte durch das Thema Libyen. Wenn man bedenkt, wie schlecht Obama das heikle Thema behandelt hat, überrascht mich das. Romney hätte Libyen beherrschen müssen.“

Ron Fournier, National Journal: „Obama hat die Debatte gewonnen, aber ob er auch die unabhängigen Wähler erreicht hat, ist eine andere Frage. Romney konnte kontern und wickelte die miserable Wirtschaft Obama um den Hals.“

Ein 1:1 Unentschieden nach der zweiten Debatte. Das dritte und letzte TV-Duell, „The Thrilla in Boca“, am kommenden Montag in Boca Raton, Florida, muss nun die Entscheidung bringen.