Hoffnungträger Joe Biden

Nach dem Obama-Desaster beim ersten Fernseh-Duell mit einem überzeugendem Herausforderer Mitt Romney hofft der US-Präsident jetzt auf seinen Vize: Joe Biden soll es richten. Ausgerechnet Joe Biden!

Amerikas Vize-Präsident gilt gemeinhin als Unsicherheitsfaktor im Wahlkampf und wird nicht selten zur unfreiwilligen Geheimwaffe der Gegenseite. Der 69-Jährige ist beliebt aber auch bekannt als “Plappermaul” und immer gut für einen echten Klopper. Zuletzt “beerdigte” Biden in einer Rede die “Mittelklasse”, vergaß dabei aber die Republikaner als Schuldige anzuprangern.

Nun also Biden. An diesem Donnerstag trifft sich der Obama-Stellvertreter zum ersten und einzigen Fernseh-Duell mit dem Romney Vize-Kandidaten Paul Ryan in Danville, Kentucky. Der Druck auf die beiden ist enorm: Biden muss seinen schwachen Chef Obama aus dem Stimmungstief rausholen und das Romney-Ryan Ticket als Katastrophe für das Land anprangern. Ryans Ziel dagegen ist es, einen zweiten Sieg für die Republikaner einzufahren.

Joe Biden und Paul Ryan: Intensives Trainingscamp für TV-Debatte

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

“Ich möchte sicher gehen, das mein Gegenüber nicht sagt, dass seine Position auf einmal nicht mehr seine Position ist”, begründete der Polit-Profi Biden seine Vorbereitung. Romney wurde nach der Debatte vorgeworfen, seine Positionen einfach geändert und Obama damit aus dem Konzept gebracht zu haben. Wahlkampf-Lügen schimpften die Romney-Gegner.

Ein Sieg von Joe Biden gegen Paul Ryan ist bitter nötig

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung. Rücksicht wie gegen Palin muss Biden diesmal nicht nehmen. Niemand wird Mitleid für Ryan empfinden, wenn ihn der Vize-Präsident an die Wand spielen würde.

Ein Erfolg von Biden ist für das Obama-Lager sehr wichtig geworden. Durch Obamas desaströsen Auftritt am 3. Oktober ist der schon sicher geglaubte Sieg des Obama-Biden Tickets wieder in Gefahr. Bundesweit hat Obama nach einer Blitzumfrage nach der Debatte seinen klaren Vorsprung fast komplett eingebüßt. Der Amtsinhaber führt nur noch mit 47 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Und auch in den wichtigen Swing States ist der deutliche Vorsprung dahin. In Ohio führt Obama nur noch mit zwei und in Colorado mit noch einem Punkt. In Virginia sind die beiden gleich auf. Aber in Florida hat Romney mit einem Punkt und in North Carolina sogar mit drei Punkten jetzt die Nase vorne.