Yes, he can (doch). Aggressiver Obama gewinnt zweite TV-Debatte gegen Romney

Knapp zwei Wochen nach dem Debatten-Desaster von Denver hat Präsident Obama seine Scharte wieder wettgemacht. In einem teilweise gutem und hitzig geführtem TV-Duell an der Hofstra-Universität in Hempstead (New York) attackierte der Amtsinhaber seinen Herausforderer Mitt Romney von der erste Minute an. Gleich zweimal nannte ein energiegeladener Obama seinen Gegenüber indirekt einen Lügner, in dem er Aussagen von Romney lautstark als „einfach nicht wahr“ bezeichnete.

Obama macht den Biden – Romney oft in der Defensive

Die Befürchtung die Stadthallen-Debatte, bei der noch unentschlossene Wähler Fragen stellen konnten, würde einen offenen Schlagabtausch verhindern, wurde gleich in den ersten Minuten widerlegt. Ein aggressiver Obama brauchte gerade 59 Sekunden bis er seinen ersten schweren Schwinger in Richtung Romney schlug. Ganz in der Manier seines Vizes Joe Biden in dessen Debatte gegen Romneys Running Mate Paul Ryan – aber ohne herablassendes Lächeln oder Kopfschütteln.

Obama macht den Biden! Und das über die gesamten 90 Minuten, plus vier Minuten Verlängerung. Allein in den ersten 20 Minuten hatte Obama mehr Haken in Richtung Romney abgefeuert als in der gesamten ersten Debatte in Denver. „Romneys fünf Punkte Plan ist tatsächlich ein Ein-Punkt-Plan“, spottete Obama über Romneys Wirtschaftskonzept. „Und der Plan sieht vor, dass die oberen Zehntausend andere Regeln haben als andere.“

Ein Schlag, mit dem Obama gleich am Anfang eins deutlich machen konnte. Amerika hat bei dieser Wahl wirklich eine Wahl: Es geht um zwei unterschiedliche politische Philosophien und Wirtschaftskonzepte. Ein Thema, das Obama in der Debatte immer wieder betonte.

Blitzumfragen: Obama gewinnt zweite Debatte gegen Romney

Romney dagegen sah sich in den gesamten 90 Minuten oft in der Defensive. Doch einfach geschlagen geben wollte sich der Herausforderer nicht. Romney konterte immer wieder erfolgreich und konnte vor allem in der Wirtschaftspolitik Punkte sammeln. Obama dagegen hatte seine Stärken in der Sozial- und auch in der Außenpolitik. Beim dem immer noch ungeklärtem Anschlag auf die US-Botschaft im libyschen Bengazi ließ Romney die größte Chance des Abends allerdings ungenutzt. Obama hatte beim Thema Libyen seinen schwächsten Moment.

Am Ende schaffte es Obama jedoch nicht, Romney in den 90 Minuten Debattenzeit entscheidend zu treffen und zu Boden zu schicken. Das gelang ihm erst in der Nachspielzeit, in der er das „47 Prozent“ Skandalvideo, in dem Romney knapp die Hälfte der Amerikaner als Schmarotzer verspottete. Mit diesem Treffer dürfte Obama auch die Debatte in letzter Minute knapp gewonnen haben.

In einer Blitzumfrage von CNN erklärten 46 Prozent der Befragten Präsident Obama zum Sieger, 39 Prozent votierten für Romney. Und auch CBS sah Obama mit 37 zu 30 Prozent vor seinem Herausforderer.