„Thrilla in Boca“ – Analysen zur dritten Debatte. Romney wird zum Twitter-Gespött

Obama hat die dritte Debatte (59.2 Millionen TV-Zuschauer) gewonnen. Daran dürfte es kaum Zweifel geben. Ob es dem Präsidenten aber bei der Wiederwahl helfen wird, ist fraglich. Romney hat keine großen Fehler gemacht, aber auch nicht geglänzt wie in der ersten Debatte. Er hat auf Nummer sicher gespielt.

Was bleibt am Ende hängen von diesem Abend an der Lynn Universität in Boca Raton, Florida: Romneys fehlende Erdkunde-Kenntnisse? Seine Versprecher Irak/Iran oder Assad/Kofi Annan oder doch eher Obamas spöttische Belehrung an Romney, das Militär habe sich verändert und es gebe heute „weniger Pferde und Bajonette“?

Mit dem Spruch des Abends machte Obama Romney gleich wieder zum Gespött in der Twitter-Welt. Nach seinem „Big Bird Angriff“, seinem „Ordner voller Frauen“und jetzt den „horses and bayonets“ steht eins bereits fest: Romney und Twitter werden bis zur Wahl keine Freunde mehr werden!

Obama gegen Romney: Stimmen zum „Thrilla in Boca“:

„Romney hatte nichts Substantielles zur Außenpolitik zu sagen und wirkte oft verloren. Romney klang, als ob er unterstrichene Stellen eines Infos-Textes oder ein Buch für Anfänger über Weltgeschichte gelesen hatte.“ (New York Times)

„Mit 65 hat Romney offenbar gedacht, er müsse nichts mehr lernen. Doch Präsident Obama hat ihn in Sachen Außenpolitik auf die Schulbank gesetzt und unterrichtet. Romney war nicht schlecht, aber er war immer in der Defensive.“ (Robert Simon, Politico.com)

„Obama hat seine Basis bedient. Er war deutlich besser in der Substanz. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sein Auftritt die Wahl entscheiden wird. Romney hat sein Ziel erreicht, für die US-Wähler eine wirkliche Alternative zu sein. Wertung für beide: B+“ (Mark Halperin, Time)

„Nach der episch schwachen Vorstellung in Denver hat sich Obama mit den beiden folgenden Debatten wieder aus dem Loch gezogen. Sein Vorteil in der Außenpolitik wird nicht verschwinden, es wird ihn stärken.“ (Andrew Sullivan, Newsweek)

„Wenn es einen Unterschied zwischen Obama und Romney in ihrer Außenpolitik gegeben hat, habe ich das verpasst.“ (Arianna Huffington)

„Romney wollte nur ‚akzeptabel‘ sein. Er hat keinen Grund gesehen, auf Kritik zu antworten und Alternativen in der Außenpolitik aufzuzeigen.“ (Chuck Todd, MSNBC)

„Wer hätte gedacht, dass die Kandidaten in der dritten Debatte so oft übereinstimmen würden.“ (Washington Post)

Konservative kritisieren Debatten-Auftritt von Romney

Wie im vergangenen September kritisierten nach der Debatte auch Konservative Romneys Auftritt und warfen ihm erneut mangelnden Kampfeswillen vor:

„Ich bin so froh, dass Romney mit Obama in vielen Punkten einer Meinung ist. Nee, nicht wirklich. Warum soll ich eigentlich noch wählen gehen?“ (Glenn Beck, Radiomoderator)

„Romney hat mit seinen Kinder-Boxhandschuhen Obama angegriffen.“(Talkshow-Gastgeberin Laura Ingraham)

„Tatsache ist: Wenn Romney auf großer nationaler Bühne mit Obama debattiert, kann er Obama für seinen Außenpolitik mit Substanz nicht kritisieren. (David Frum, Ex-Bush-Redenschreiber)