„Weniger Pferde und Bajonette“ – Obama gewinnt dritte Debatte gegen Romney

David Gergen, Ex-Berater gleich mehrerer Präsidenten (Nixon, Ford, Reagan und Clinton), hatte sich vor der Debatte festgelegt: „Wer heute Abend gewinnt, wird auch der nächste Präsident.“

Nach dieser Prophezeiung wird Präsident Obama die Wiederwahl am 6. November gewinnen. Und das deutlich. Im dritten und letzten TV-Duell, dem „Thrilla in Boca“, in dem es (eigentlich) um Außenpolitik gehen sollte, hatte der 51-jährige Amtsinhaber klare Vorteile.

Obama überzeugte als Commander-in-Chief. Und das ohne Cowboy-Gehabe. Nur bei einer möglichen Bedrohung durch einen nuklearen Iran will Obama wie auch sein Konkurrent Romney die Kriegsoption nicht ausschließen.

„Thrilla in Boca“: Obama schlägt Haken, Romney duckt sich und klammert

Wie schon bei seinem Sieg in der zweiten Debatte war Obama auf Angriffs-Modus gestellt. Er brauchte genau 1.51 Minute um einen ersten Haken zu landen und Romneys Außenpolitik als „falsch und waghalsig“ zu bezeichnen. Ein Schlag, den Obama während der gesamten 90 Minuten immer wieder austeilte.

Und Romney? Er verhielt sich wieder so wie im September diesen Jahres als ihn selbst die Konservativen wegen seines fehlenden Kampfeswillen kritisierten. Der Herausforderer spielte auf Nummer sicher und stimmte eigentlich mit Obamas Politik in fast allen Punkten überein. Romney hatte keine andere Iran-Politk, nichts gegen den Abzug aus dem Irak und Afghanistan. Selbst beim Thema China war kein großer Unterschied zu der aktuellen US-Politik zu erkennen.

Romneys Strategie war klar: Nur keine Fehler machen! Und auf keinem Fall von Krieg reden. Romney der Friedensengel. Nur gewinnt man so Wahlen? Vielleicht. Das Thema Außenpolitik interessiert ohnehin viele US-Bürger nur am Rande. Den meisten Wählern geht es um die Wirtschaft, um Jobs. Das wusste auch Romney. Nicht wenige Fragen zur Außenpolitik des schwachen Moderators, CBS News Legende Bob Schieffer, ignorierte der Herausforderer geschickt und lenkte die Debatte lieber zu Themen, mit denen er Punkte machen konnte. Am Ende handelte ein Drittel der Debatte zur Außenpolitik von Ökonomie und Arbeitsplätzen.

Doch Obama wusste diesmal darauf zu reagieren und nannte Romney während der Diskussion erneut indirekt einen Lügner („das ist einfach nicht wahr“). Obama teilte seine Haken aus. Und Romney? Er argumentierte nicht überzeugend wie in der ersten Debatte, sondern um in der Sprache der Boxer zu bleiben „duckte sich lieber und klammerte“.

Blitzumfragen: Obama gewinnt dritte Debatte gegen Romney deutlich

Obama hat die dritte Debatte eindeutig gewonnen. Und den besten Spruch hatte er auch: Auf die Kritik von Romney, die US-Marine sei schwach und habe heute zu wenige Schiffe, konterte Obama: „Wir haben heute auch weniger Pferde und Bajonette. Wir haben heute Schiffe, die wir Flugzeugträger nennen und Schiffe, die untertauchen können, Atom-U-Boote. Wir spielen nicht Schiffe versenken und zählen keine Boote. Wir setzen Prioritäten.“

In einer Blitzumfrage von CNN sahen 48 Prozent der Befragten Obama als Sieger, 40 Prozent votierten für Romney. Bei CBS gewann Obama die Debatte gegen Romney noch deutlicher mit 53 zu 23 Prozent. Ob damit auch die Vorhersehung von Präsidentenberater David Gergen eintritt, wird sich zeigen. Die Wahlen bleiben bis zum 6. November ein Kopf-an-Kopf-Rennen.