Internet-Wahlkampf: Entscheiden Twitter, Facebook, Tumblr und Co. die Wahl?

Der Kampf um das White House bleibt bis zum Wahltag spannend. Aktuelle Umfragen sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. In acht Swing States fällt die Entscheidung. Interessant: Drei dieser “Unentschlossenen” sind Florida, Virginia und New Hampshire. Staaten, die Hurrikan “Sandy” diese Woche fest im Griff haben wird. Welchen Einfluss wird die „Oktober-Überraschung“ am Ende über Sieg und Niederlage haben?

Obama gegen Romney: Der Wahlkampf im Internet wird immer wichtiger.

Beiden Kandidaten werden es knapp eine Woche vor den Wahlen in den Swing States der Ostküste schwer haben, ihre Botschaft loszuwerden. Romney hat seine Termine in Virginia bereits absagen müssen und auch Obama hat seine Pläne geändert. Er muss das „Sandy-Zielgebiet“ bereits am Montag wieder verlassen.

Da die Kandidaten vorerst nicht mehr persönlich auftreten können, wird jetzt der Wahlkampf im Internet immer wichtiger. Denn während Obama und Romney im „Sandy“-sicheren Hinterland unterwegs sein müssen, springen Twitter, Facebook, Tumblr und Co. an der Ostküste als digitale Stellvertreter ein. Die “Jungwähler aus den sozialen Netzwerken” sind für Obama ohnehin eine wichtige Säule seiner Wiederwahl.

2008 wählten ihn mehr als 66 Prozent der Wähler zwischen 18 und 29 Jahren ins White House. Und auch wenn er diese Traumquote dieses Mal nicht erreichen wird (aktuell kann er auf 55 Prozent setzen), baut er neben der Wählergruppe der Frauen und Latinos, vor allem auf die “Jungen” und damit auf die Internetnutzer.

Dabei hat Obama im Netz einen riesigen Vorteil gegenüber Romney. Auf Facebook folgen ihm 31,4 Millionen Fans, bei seinem Herausforderer sind es nur bescheidene 11 Millionen. Bei Twitter ist das Verhältnis noch extremer: 21,4 Millionen Followers (Obama) zu 1,6 Millionen (Romney). Dazu kommt eine klare Überlegenheit auf Twitter von Michelle Obama (1,98 Followers) gegenüber Ann Romney (155.000). Auf Facebook liegt die First Lady sogar mit 8,6 Millionen zu 401.000 Fans in Front. Alle Internet-Fans erhalten nicht nur pausenlos die Botschaften ihrer Kandidaten. Sie können sie auch noch im Netz über ihre Freunde und Followers um ein Vielfaches weiterverbreiten.

Der Republikaner Romney hat zwar gegenüber dem Wahlkampf 2008 von John McCain auch digital deutlich zugelegt, doch der Abstand zu Obama bleibt gigantisch. Ohnehin scheint den Republikanern noch immer eine Internet-Strategie zu fehlen: Während Obama digital für 100 Millionen Dollar Werbung schaltet, schafft es Romney bisher nur auf bescheidene fünf Millionen Dollar.

Entscheidet die Internet-Dominanz von Obama die Wahl gegen Romney?

Dabei zeigen die Twitter-Zahlen bei den drei Debatten wie wichtig die sozialen Netzwerke geworden sind. Bei dem desaströsen Auftreten von Obama in Denver twitcherten insgesamt 10,3 Millionen Tweets durchs Netz, bei seinem Comeback in Hempstead waren es 7,2 Millionen Kurzmeldungen und selbst bei der für Amerikaner eher unwichtigen „Thrilla in Boca“ Debatte über die Außenpolitik in Boca Raton zählte Twitter 6,5 Millionen Tweets. Dabei waren bei allen drei Debatten die Obama-Twitterer wesentlich aktiver als die der Konkurrenz. Sie machten Romney mit so genannten hashtags zu “Big Bird”, „Ordner voller Frauen“ und “Pferde und Bajonette” zum Gespött.

Im Schlussspurt des Wahlkampfes hat Obama im Netz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, der sich durch die Naturgewalt “Sandy” noch verstärken wird. Wenn Obama und Romney nicht vor Ort für sich werben können, müssen das Twitter, Facebook, Tumblr und Co übernehmen. Und bei dem erwartet knappen Ausgang könnte die Obama Dominanz im Netz am Ende die Wahl entscheiden.