„Sandy“ wirbelt Wahlkampf durcheinander

Alles Neu, alles Anders. Eine Woche vor den Präsidentschafts-Wahlen hat Hurrikan Sandy den Kampf um das White House kräftig durcheinander gewirbelt. Innerhalb weniger Stunden mutierte Obama vom Wahlkämpfer zum obersten Katastrophen-Manager der Nation. Der Amtsinhaber sagte alle Auftritte am Dienstag und Mittwoch in den wichtigen Swing States Florida, Virginia und Ohio kurzfristig ab und koordinierte mit seinem Krisenstab in Washington die Rettungs- und Aufräumarbeiten nach Hurrikan „Sandy“.

Krisen-Manager Obama – Romney trotz „Sandy“-Krise auf Wahlkampftour

Und Mitt Romney? Dem Herausforderer bleibt beim Thema „Sandy‘ zurzeit nur die undankbare Rolle des Zuschauers. Seinen Wahlkampf hat der 65-jährige Romney im Gegensatz zu Obama jedoch nicht gänzlich suspendiert, sondern nur ein wenig zurückgefahren. Denn während der Präsident in Washington den Krisen-Manager gab, ging Romney am Dienstag in Ohio und Florida weiter auf Stimmenfang. Seine Wahlkampf-Auftritte tarnte Romney dabei geschickt als „Sturm-Hilfe-Aktion“ und ließ sich beim Einpacken von Suppendosen fotografieren.

Obama muss dagegen in der Stunde der Krise Stärke und Führungskraft zeigen. Gelingt dem Amtsinhaber das, könnte ihn „Sandy“ ins White House fegen. Versagt er wie 2005 George W. Bush bei der Hurrikan Katrina Katastrophe in New Orleans (1800 Tote) kostet ihn das die Präsidentschaft.

Vergangenheit holt Romney ein: Er wollte Zivilschutzbehörde privatisieren

Obama weiß, dass er mit Sandy gewinnen aber auch alles verlieren kann. Er hat Recht mit seiner Aussage, dass die „Wahl nächste Woche schon von selbst stattfinden“ werde und es jetzt darum gehe „Leben zu retten“. Doch so ganz hat er die Präsidentschafts-Wahlen natürlich nicht aus den Augen verloren. Obama schickt seinen Vize-Kandidaten und Hoffnungsträger Joe Biden (am Dienstag in Ohio, am Mittwoch in Florida) und seine beiden besten Wahlkämpfer Michelle Obama (in Iowa und Florida) sowie Bill Clinton (in Minnesota und Ohio) ins Rennen. Auch seinen Vorteil gegenüber Romney im Internet wird Obama nutzen, um seine Wähler zu mobilisieren.

Mitt Romney dagegen wird durch „Sandy“ kurz vor der Wahl von seiner Vergangenheit eingeholt. Der Obama-Gegner hatte bei den Vorwahlen der Republikaner angekündigt, die Zivilschutzbehörde FEMA aufzulösen und deren Aufgaben künftig auf Privatfirmen zu übertragen. Dabei zeigt „Sandy“ gerade erneut wie wichtig eine koordinierte Hilfe zwischen Bund und den einzelnen US-Staaten ist.

Aber es ist nicht nur FEMA, die Romney das Leben in den nächsten Tagen erschweren wird. Der Herausforderer darf „Sandy“ nicht politisieren und sollte auch nicht auf zu vielen Wahlkampf-Events seinen Konkurrenten Obama angreifen. Amerika steht bei Katastrophen zusammen und in seiner Mehrheit hinter dem Präsidenten. Obama jetzt zu kritisieren, nur mit dem Ziel Stimmen zu sammeln, könnte für Romney genau das Gegenteil bewirken.