Chili-Gipfel – Obama trifft Romney

Erstes Treffen nach der Wiederwahl: Präsident Barack Obama und sein ehemaliger Herausforderer Mitt Romney im Oval Office. Später aßen die beiden zusammen in Obamas Private Dining Room (ebenfalls im West Wing des White House) zu Mittag. Foto: Official White House Photo by Pete Souza

Vielleicht sind es die kleinen Gesten, die eine künftige Zusammenarbeit möglich machen.

Als Barack Obama 2008 zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, traf er seinen Konkurrenten John McCain elf Tage nach der Wahl – aber eigentlich nur, weil man das so macht. Obama konnte McCain auch nicht ins White House einladen – dort saß ja immer noch George W. Bush. Der neue Präsident speiste seinen unliebsamen Konkurrenten in dessen Büro in Chicago ab. McCain war dabei einer der letzten Rivalen, mit denen sich Obama aussprach. Zuerst durfte Hillary Clinton zu Obama, dann kam Bill Richardson (der Gouverneur von New Mexico hatte Hillary im Vorwahlkampf unterstützt) und dann erst der Unterlegene McCain.

John McCain hat bis heute seine Niederlage nicht verarbeiten können und glaubt immer noch, dass ihm eigentlich die Präsidentschaft gehört. Der Senator hat den Kontakt zu Obama mehr oder weniger abgebrochen und ist heute einer der schärfsten Gegner des Präsidenten.

Holt Präsident Obama Mitt Romney als „Business-Minister“in sein Kabinett?

Bei Mitt Romney könnte das jetzt anders werden, auch wenn sich der wiedergewählte Obama mehr Zeit ließ mit Romney als mit McCain. Insgesamt 23 Tage dauerte es bis sich die beiden Konkurrenten am Donnerstag wieder trafen. Doch diesmal konnte Obama seinen Herausforderer zum Essen ins White House einladen – es gab Truthahn-Chili und Hühnchen-Salat. Es soll übrigens nur mehr als drei Wochen gedauert haben, weil Romneys Sicherheitsüberprüfung länger dauerte als geplant. Romney musste wie alle White House Besucher seinen Ausweis (Social Security Number), sein Geburtsdatum und andere persönliche Informationen vorab einreichen.

Beide wollen in Kontakt bleiben, hieß es nach dem einstündigen, privaten Treffen zwischen dem Präsidenten und Romney. Obama wolle sogar von den Erfahrungen seines Konkurrenten als Geschäftsmann profitieren. Als Wirtschaftsminister?

Es gebe keine konkreten Angebote oder Pläne für eine Beteiligung von Romney im Obama-Kabinett, ließ das White House verlauten. Dies sei auch heute kein Thema gewesen. Größtes Problem: Obama hatte während des Wahlkampfes gegen Romney eine persönliche Abneigung entwickelt. Doch das kann sich nach der Wahl ja wieder geändert haben.

Gerüchte, dass Romney ins Kabinett einsteigen könnte, gab es dagegen schon kurz nach dem Wahlsieg von Obama. Romney, der bis auf wenige Ausnahmen seit dem 6. November fast gänzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden war, könnte den Chef-Posten eines neu zu schaffenden „Business-Department“ bekommen. Die Idee neben dem Wirtschafts- noch ein spezielles Geschäfts-Ministerium zu schaffen, hatte Obama bereits während des Wahlkampfes. Romney kritisierte ihn dafür allerdings heftig.

John McCains letztes Gefecht

John McCain ist ein Kriegsheld und ein amerikanischer Patriot. Fünf Jahre war er während des Vietnam-Krieges Gefangener des Vietcong. Er wurde im gefürchteten Knast „Hanoi Hilton“ gefoltert. Alle Torturen hat McCain überlebt, genauso wie in jüngster Vergangenheit einen bösartigen Hautkrebs.

Nur eines scheint der mittlerweile 78 Jahre alte Senator aus Arizona nicht überwinden zu können: Seine Niederlage im Präsidentschafts-Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Bei seiner Kritik an der Regierung hat man immer den Eindruck, dass McCain Rache nehmen will. Er scheint nicht akzeptieren zu wollen, dass der „Falsche“ im White House sitzt.

Susan Rice: Das Opfer von McCains Rachefeldzug gegen Präsident Obama

Jüngstes Opfer seines Feldzuges gegen den Präsidenten ist Susan Rice, zurzeit amtierende UN-Botschafterin der USA und Top-Favoritin auf den Posten der Außenministerin. Die 48-Jährige soll Hillary Clinton folgen, die nach vier Jahren ihren Posten räumen will, um sich von den Strapazen einer politischen Weltreisenden zu erholen. Vielleicht sogar für eine Präsidentschafts-Kandidatur 2016?

Susan Rice gilt ohne Zweifel als Außenpolitik-Expertin, ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen als makellos oder wie Präsident Obama es sagt als „überragend“. Sie ist die beste Option für den Chefposten im State Department. Das dürfte auch der zweite Kandidat John Kerry einsehen, der schon vor vier Jahren das Amt übernehmen wollte. Obama könnte den 69-jährigen Kerry erneut übergehen und ihn mit dem Pentagon vertrösten.

Doch es gibt ja noch John McCain und sein „Amigo“ Lindsey Graham (Senator aus South Carolina) und seit neuestem „Amiga“ Kelly Ayotte (Senatorin aus New Hampshire). Sie scheinen sich in Susan Rice festgebissen zu haben, weil die UN-Botschafterin beim tödlichen Anschlag auf die libysche US-Vertretung in Bengazi am 11. September 2012 nicht von einem „geplanten Terroranschlag“, sondern von einer spontanen Demonstration gesprochen hatte. Dabei hatte Rice öffentlich nur das wiedergegeben, was ihr die Geheimdienste gesagt hatten.

Alte Freundschaft: Will McCain John Kerry zum Außenminister machen?

Selbst Rice späteres Eingeständnis, nicht richtig informiert gewesen zu sein, will McCain und Co. nicht versöhnen. Ein Indiz, dass es bei diesem Streit nicht um Fakten oder um Susan Rice geht, sondern um Präsident Obama. Und vielleicht auch um einen Gefallen, den McCain John Kerry zurückgeben will. Der Demokrat hatte 2004 in dessen Präsidentschafts-Wahlkampf ernsthaft darüber nachgedacht, dem Republikaner McCain den Job des Vizes anzubieten.

McCain hat einen guten Ruf zu verteidigen. Er gilt als DAS außen- und sicherheitspolitische Schwergewicht der Republikaner. Zurzeit wirkt er jedoch eher als grantelnder alter Mann, der seine Niederlage gegen Obama einfach nicht überwinden kann.

McCain sollte rechtzeitig zum Rückzug blasen, ansonsten könnte er bei der zu erwarteten Nominierung von Susan Rice als neue US-Außenministerin erneut gegen Obama verlieren – es könnte sein letztes Gefecht sein.

Obamas Steuer-Problem: Multi-Milliardär Warren Buffett will mit Kompromiss helfen

Der Glanz der Asienreise von Präsident Obama scheint schon wieder zu verblassen. Und auch die Ruhe nach dem kollektiven Festschmaus zu Thanksgiving ist vorbei: In Washington kehrt der politische Alltag zurück. Die drohende „Fiscal Cliff“ – das automatische Einsetzen von Steuererhöhungen bei gleichzeitig dramatischen Haushaltskürzungen zum Ende des Jahres – hält das Land in Atem und pendelt wie ein Damoklesschwert über Amerikas fragiler Wirtschaft.

Mehr als 200 Milliarden Dollar würden US-Bürger insgesamt weniger in den Taschen haben, warnen Steuer- und Finanzexperten, falls es unter den Kampfhähnen der Parteien in Washington zu keiner Einigung kommt. Nur noch knapp fünf Wochen (falls Republikaner und Demokraten auch Weihnachten verhandeln wollen) haben der Kongress und Präsident Obama Zeit, den „Sturz über die Klippe“ und damit ein erneutes Abrutschen Amerikas in eine Rezession zu verhindern.

Warren Buffett – das „Orakel von Omaha“ will Obama mit Kompromiss helfen

Ausgerechnet einer der reichsten Männer der Welt, Warren Buffett, könnte jetzt einen Durchbruch beim Hauptstreitpunkt – die auslaufenden Bush-Steuererleichterungen – erzielen. Denn während Präsident Obama künftig wieder mehr Abgaben an den Fiskus ab einem Einkommen von 250.000 Dollar verlangen will, lehnen das die Republikaner ab. Ihnen ist diese Grenze viel zu niedrig, weil sie auch Mittelständler treffen würde.

Der 44 Milliarden Dollar schwere Buffett, ein Obama-Anhänger, der sich öffentlich darüber empört, dass er weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin, will diese Grenze auf eine halbe Million Dollar erhöhen. Ein Kompromiss, den auch die Republikaner eingehen könnten. Zusätzlich schlägt der erfolgreiche Investment-Unternehmer vor, jedes Einkommen bis zehn Millionen mit einem Minimum von 30 Prozent und alles darüber mit mindestens 35 Prozent zu besteuern. Für Warren Buffett selbst dürfte der Kompromiss fast eine Verdreifachung seiner Steuern bedeuten!

Die bisher strikte Haltung der Republikaner gegen höhere Abgaben an den Fiskus scheint durch den Vorschlag des „Orakels von Omaha“ Buffett weiter zu bröckeln. Immer mehr Konservative, darunter selbst der Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus und Dauer-Neinsager Eric Cantor, haben signalisiert, dass sie auch über mögliche höhere Steuern verhandeln wollen.

Präsident Obama kann also hoffen, dass das Land unter seiner Führung nicht über die „Steuer-Klippe“ geht. Es wäre ein erster großer Erfolg seit seiner Wiederwahl im November und ein perfekter Start in eine zweite Amtszeit.

Mitt Romney – ein schlechter Verlierer

Mitt Romney hat es immer noch nicht verstanden.

Zehn Tage nach seiner vernichtenden Niederlage bei den Präsidentschafts-Wahlen hat der Obama-Herausforderer die Schuldigen seiner Pleite gefunden. Nein, es war nicht er der Kandidat oder die Partei der Republikaner, es waren diese Minderheiten, die sich von Obama haben kaufen lassen.

Präsident Obama habe die Wahlen „wegen der Geschenke“ gewonnen, die er den „Schwarzen, Latinos und jungen Wählern gegeben hat“, entschuldigte sich Romney in einer Telefonkonferenz mit seinen wichtigsten Wahlkampf-Spendern für seine Niederlage. Eine Bemerkung, die an seine „47-Prozent-der-Amerikaner-sind-Schmarotzer-„ Beleidigung erinnert.

Im September 2012 hatte Romney ebenfalls vor Spendern erklärt, dass er 47 Prozent der Wähler ohnenhin nicht erreiche, weil sie sich als „Opfer fühlten“ und vom „Staat abhängig“ seien. Dafür musste er sich zwar später entschuldigen, geglaubt hat er es dennoch. Die erneute Schmarotzer-Bemerkung untermauert sein Denken.

Die Schuld für seine Niederlage bei sich selbst zu suchen, kommt Mitt Romney dagegen nicht in den Sinn. „Wir haben einen großartigen Wahlkampf geführt“, erklärte Romney voller Überzeugung. „Ich weiß, ihr habt mit einem Sieg gerechnet. Wir haben das auch“. Einsichten sehen anders aus.

Bei den Republikanern wird Mitt Romney zur persona non grata

Romney steht mit seiner falschen Analyse ziemlich allein. Auch die eigene Partei distanziert sich von ihm. „Das ist absolut falsch“, kommentierte der Gouverneur von Louisiana und mögliche Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner für 2016, Bobby Jindal. „Wenn man Wahlen gewinnen will, muss man alle Gruppen der Gesellschaft ansprechen.“ Ähnlich klingt das auch bei New Jerseys Gouverneur Chris Christie, einst ein enger Freund von Romney: „Du kannst nicht der Präsident für alle sein, wenn du die Nation teilst.“

Verständnis für Romneys Versuch, anderen die Schuld zu geben, zeigte nur John McCain, der 2008 gegen Obama ebenfalls haushoch verloren hatte: „Ich weiß, wie sich diese Niederlage anfühlt. Mein Rat: Stürze dich in Arbeit und höre auf, dich selbst zu bemitleiden.“

Insgesamt scheinen sich die Republikanern von Romney jedoch abzuwenden. Der einstige Kandidat wird mehr und mehr zur persona non grata, zur unerwünschten Person. „Er wird für kein Amt mehr kandidieren“, sagt der Abgeordnete Raúl R. Labrado aus Idaho, einer der schärfsten Romney Kritiker. „Er ist nicht mehr unser Fahnenträger.“

Das zumindest scheint auch Romney einzusehen. Am Ende des Telefonats mit seinen Wahlkampf-Spendern erklärte er: „Der nächste Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner werde er nicht sein“. Da hat Mitt Romney ganz sicher Recht!

Von Generälen, Ehe-Frauen und FBI-Agenten

Der General-Petraeus-Skandal hat mehr, was Hollywood normalerweise für eine gute Seifenoper braucht: Zwei Generäle, zwei verheiratete Frauen, eine eifersüchtige Mätresse, eine betrogene Gattin, ein gehörnter Ehemann und ein FBI-Agent mit einem Hang zum Exhibitionismus.

Nur eins hat das Drama um den untreuen Vier-Sterne-General David Petraeus und seiner verheirateten Mätresse (eifersüchtig) und Biografin, Paula Broadwell, nicht: Zeichen einer Staatskrise. Noch nicht!

Auch dass ein zweiter ranghoher US-Offizier, General John Allen, die Bühne des Schmierenstücks betreten hat, ändert daran nichts. Der Karriere-Soldat, dem in Afghanistan zurzeit 68.000 Soldaten unterstellt sind, sollte eigentlich Oberkommandierender der US-Truppen in Europa werden. Diese Beförderung liegt erst einmal auf Eis. Der Grund: Neben seinem Dienst hatte der verheiratete Vier-Sterne-General offenbar eine Vorliebe für Emails. Und diese schickte er nicht an seine Gattin, sondern bevorzugt an Jill Kelley, der zweiten verheirateten Frau im aktuellen Washington-Drama.

Petraeus-Skandal: Keine Staatskrise, sondern eine menschliche Tragödie

Kelley, die zu Beginn der Petraeus-Ermittlungen von einem „engagierten“ FBI-Agenten ein „Oben-ohne-Bild“ gemailt bekommen hatte und auch in jeder Desperate Housewives Serie mitspielen könnte, soll über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Allen 20.000 bis 30.000 Emails ausgetauscht haben. Das wären pro Tag bis zu 41 Emails! Niemand weiß bisher, was darin steht. Das FBI hat die „Beweise“ beschlagnahmt.

„Als ob man eine Zwiebel pellen würde“, kommentierte die Vorsitzende des Kongress Geheimdienst-Ausschusses, Dianne Feinstein, das fortlaufende Drama. „Es gebe ständig eine neue Schale.“ Bisher will die Demokratin aber keinen Geheimnis-Verrat entdeckt haben, weder vom untreuen Petraeus noch von Allen.

Und das ist das Entscheidende. So lange das so ist, bleibt es nur eine menschliche Schwäche eines ranghohen und bisher geschätzten US-Offiziers. Es ist keine Staatskrise, sondern eine menschliche Tragödie, nicht nur für die Betrogenen, sondern auch für General Petraeus selbst. Das Image eines Unfehlbaren ist er zumindest los.

Bleibt die Frage: Was wusste Präsident Obama und vor allem wann? Vor der Wahl? Und wie passt der Terroranschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengazi ins Bild? Hielt Obama die Infos zurück? Und warum? Oder ist der Präsident von seinem CIA-Chef gar falsch informiert worden? Noch fehlen den bereits kursierenden Verschwörungstheorien die Beweise. Aber dass kann ja noch werden.

Klar ist: Für Präsident Obama kommt der Petraeus-Skandal zur Unzeit. Er kämpft diese Woche nicht nur mit den Republikanern um ein neues Steuer- und Sparpaket. Obama ist auch auf der Suche nach einem neuen Sicherheits-Team. Der Präsident braucht einen Hillary Clinton Ersatz im Außenministerium, einen neuen Pentagon-Chef, einen Justizminister und jetzt ganz dringend auch noch einen neuen CIA-Boss.

Obamas neue Regierung: Spekulationen über „ein Kabinett der Namenlosen?“

Wahlsieg war gestern, politischer Alltag ist heute!

Nach dem politischen Erdbeben in Washington um den Rücktritt des untreuen Vier-Sterne-Generals und CIA-Chefs David Petraeus kommt es noch in dieser Woche zum ersten Showdown zwischen dem wiedergewählten Präsidenten Obama und den unterlegenen Republikanern.

Der Präsident hat den republikanischen House-Speaker John Boehner und andere Spitzen-Politiker der Grand Old Party (GOP) zum Gipfeltreffen ins White House geladen. Ihr Thema: Die so genannte „fiscal cliff“, das automatische Eintreten von Steuererhöhungen und drastischen Haushaltseinschnitten zum Ende des Jahres.

Beide Parteien, Obama und die Republikaner, wollen vermeiden, dass die „USA über die Klippe gehen“ und erneut in eine Rezession mit einer Arbeitslosigkeit von bis zu zehn Prozent rutschen. Die Frage ist nur wie man das vermeiden kann. Das Gipfeltreffen dürfte einen ersten Hinweis darauf geben, ob die Republikaner ihre Blockadepolitik aufgeben wollen und bereit sind Kompromisse einzugehen.

„Wird das Team der Rivalen“ zum „Kabinett der Namenlosen?“

Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Obama-Kalender: Das neue Kabinett: Hillary Clinton, Timothy Geithner, Eric Holder, und Leon Panetta stehen vor dem Absprung. Auch für FBI-Chef Robert Mueller, dessen Amtszeit abläuft, braucht Obama einen Nachfolger. Und ganz aktuell: Wer ersetzt den untreuen Ex-CIA-Chef Petraeus?

Als Obama 2008 zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, holte er unter anderem Konkurrenten wie Hillary Clinton in die Regierung oder ließ Bushs Pentagon-Chef, den Republikaner Robert Gates, im Amt. „Team of Rivals“ nannte man damals das Obama-Kabinett. Ganz nach Obamas Vorbild Abraham Lincoln, der seine Widersacher in die Verantwortung nahm.

Michele Flournoy, die erste Frau als Pentagon-Chefin?

So könnte das neue Obama-Kabinett aussehen:

Außenministerium: Der Top-Preis im neuen Obama-Kabinett. Wer ersetzt Hillary Clinton? Die Top-Favoriten sind UN-Botschafterin Susan Rice und Senator John Kerry.

CIA-Chef: Michael Morell, der aktuelle Interimschef-Chef, wird zumindest vorerst David Petraeus Nachfolger bleiben.

Verteidigung: Leon Panetta, der mit 74 Jahren lieber Walnüsse auf seiner Farm in Kalifornien ernten möchte, dürfte Mitte 2013 spätestens 2014 abgelöst werden. Top-Kandidatin: Michele Flournoy. Die Ex-Staatssekretärin könnte die erste Frau an der Spitze des Pentagon werden. Chancen hat auch John Kerry oder der Obama freundliche Republikaner Chuck Hagel.

Justiz: Der amtsmüde Eric Holder könnte durch die Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano ersetzt werden. Wer ihre Arbeit fortsetzt: ungewiss.

FBI: Amerikas Top-Polizist Robert Mueller wird nach Ablauf seiner Amtszeit keine weitere Verlängerung vom Kongress bekommen. Sein Nachfolger könnte der FBI-Chef in Washington, Michael Mason, werden.

Mitt Romney im Kabinett von Präsident Obama? Weiterlesen

Realität und Wunschdenken, Teil 2

Mitt Romney hat wirklich an den Wahlsieg geglaubt!

Video aus dem Wahlkampf-Flugzeug von Mitt Romney auf dem Weg nach Boston: „Ich habe meine Siegesrede bereits geschrieben, sie ist um die 1100 Wörter lang.“ Wenige Stunden später wurde Romney unsanft und völlig unvorbereitet aus den Träumen gerissen und von der brutalen Wirklichkeit eingeholt.

Die Niederlage traf Romney, dessen Familie und Team wie ein Blitzeinschlag. Am Abend zuvor hatten sie noch ein internes Papier lanciert, das Romney als Sieger in Ohio und in Pennsylvania ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhersagte. Sie lagen total falsch!

Romney hatte für die Wahlnacht bereits Raketen und Böller für ein acht Minuten langes Feuerwerk (Kosten 25.000 Dollar) im Hafen von Boston aufstellen lassen. Irgendwann zwischen 19.00 und 0.30 Uhr sollte das Spektakel beginnen.

Selbst am Wahlabend hatte das Team Romney lange die Hoffnung, dass Pennsylvania bis in die späte Nacht ein enges Rennen und Ohio frühzeitig an ihn gehen würde. Und das obwohl die ersten Exit Polls eher eine Niederlage vorhersagten. Selbst als ein Swing State nacheinander an Obama ging, träumte man weiter vom Wahlsieg. Karl Rove, der Architekt des Erfolges von George W. Bush, gab ihnen Hoffnung. Er faselte auf Fox News noch immer von einem Romney-Sieg in Ohio. „Das Hirn“ lag total falsch!

Erst als Colorado verloren ging und Florida zu Obama tendierte, musste sich auch Romney die Niederlage eingestehen. „Es ist vorbei“, soll ein fassungsloser Herausforderer gesagt haben.

Romney schien im Angesicht der schweren Niederlage „völlig verstört und zutiefst erschüttert“, berichtet der TV-Sender CBS. Romneys Frau Ann, die später bei der Rede ihres Mannes sichtlich angeschlagen aussah, soll die ganze Zeit „heftig geweint“ haben. Und auch Running Mate Paul Ryan, der trotz der Niederlage seinen Kongress-Sitz verteidigen konnte, war „geschockt“. Dessen Frau Janna habe „leise vor sich hingeweint“.

Präsident Obama: Der mächtigste Mann der Welt mit Tränen in den Augen

Tränen gab es auch beim wiedergewählten Präsidenten Barack Obama. Bevor er am Mittwoch ins White House zurückkehrte, bedankte er sich persönlich bei seinem engsten Team in der Wahlkampfzentrale in Chicago.

„Ich bin stolz auf euch“, sagte Obama. „Was ihr erreicht habt, wird in die Annalen der Geschichte eingehen.“ Als seine Helfer applaudierten, konnte auch der mächtigste Mann der Welt seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Realität und Wunschdenken

Realität

So sehen Sieger aus: Der wiedergewählte Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama schickten nach ihrem Wahlsieg dieses Foto über Twitter raus. (Foto: @Barack Obama). Es ist Obamas Dankeschön an seine Frau. Das Foto ging um die Welt und wurde bis heute mehr als 794.000 Mal retweeted – Weltrekord!

Und Wunschdenken!

Zu früh gefeiert. Dieses Fotos eines siegreichen Mitt Romney stellte sein Team noch vor der Wahlentscheidung auf die Webseite des Obama-Herausforderers. Taegon Goddard vom Internet-Magazin „Politico“ konnte einen Screenshot machen bevor der möchtegern „President Elect“ Mitt Romney das Foto von seiner Webseite nehmen ließ. Dumm gelaufen! (Foto: Politico)

Kommentar: Warum Barack Obama ein bedeutender US-Präsident werden kann

Die Schlacht ist geschlagen. Der Sieg gesichert. Die Rede (eine brillante) ist gehalten. Die Party gefeiert. Doch jetzt erwartet US-Präsident Barack Obama wieder der politische Alltag. Und der scheint ganz der alte.

Eine gespaltene Nation, ein zerstrittener Kongress, eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus gegen Obama, eine Mehrheit im Senat für den alten und neuen Commander-in-Chief. Leicht wird für es für Obama in seinen letzten vier Jahren im White House nicht. Aber vielleicht leichter.

Für Obama ist die gespaltene Partei der Republikaner auch eine Chance

Die Republikaner sind gespalten, in eine religiöse Rechte und Tea Party Anhänger auf der einen und einer Mitte-Rechts Gruppierung auf der anderen Seite. Mitt Romney konnte diese beiden Seiten nie versöhnen und hinter sich bringen. Auch ein Grund, warum er die Wahl so deutlich verloren hat. Romney blieb bis zuletzt der ungeliebte Kandidat.

Eine schwere Niederlage haben Romney, die Republikaner (US-Politik direkt hatte das bereits im Juli vorhergesagt) und vor allem die Ultra-Konservativen erlitten. Senatoren wie Todd Akin oder Richard Mourdock, die vor den Wahlen mit abstrusen Theorien über Frauen und Abtreibung Schlagzeilen machten, wurden abgewählt. Verliert dadurch auch die Tea Party an Einfluss? Es bleibt zu hoffen. Fakt ist, Akin, Mourdock und Co. aber auch der New Yorker Polit-Clown Donald Trump haben der Grand Old Party (GOP) geschadet. Lernen die Republikaner jetzt auch daraus?

Für Obama ist die desolate GOP eine Chance. Noch einmal können sich die Republikaner den Ideen des neuen Präsidenten nicht gänzlich verweigern. Eine erste Bewährungsprobe wird es noch in der „Lame Duck“ Periode geben, der Zeit bis zur Vereidigung von Obama im Januar 2013. Bei der „Fiscal Cliff“, bei der es um Sparmaßnahmen geht sowie um bestimmte Steuererleichterungen für Mittelklasse und Top-Verdiener, wird sich zeigen, ob die Republikaner von ihrer Blockade-Politik abrücken.

Obama kann ein bedeutender Präsident werden

Obama kann beim Regieren jetzt mutiger werden. Er muss nicht mehr so viel taktieren, sondern darf auch mal seine Politik durchboxen. Sein großer Vorteil: Er braucht nicht mehr um seine Wiederwahl fürchten. Das dürfte befreiend wirken.

Größere Projekte wie eine Einwanderungs-Reform sind überfällig. Auch die Republikaner müssen verstanden haben, dass sie ohne die Latinos Wahlen nicht mehr gewinnen können. Das hilft sicherlich bei den Verhandlungen. Außerdem: Die 71 Prozent Latinos, die Obama auch zum Präsidenten gemacht haben, werden ihn an sein Versprechen von vier Jahren erinnern und ihn diesmal nicht so einfach davon kommen lassen.

Aber auch bei den Afro-Amerikanern (93 Prozent wählten Obama) und den Frauen (55 Prozent Obama) steht der Präsident in der Schuld. Die Umsetzung des Gesetzes „Equal Pay“ (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) wäre ein Projekt, die Ernennung eines weiteren liberalen Richters am Supreme Court, um das Recht auf Abtreibung auf Dauer festzuschreiben, ein anderes. In den USA gibt es keine Mehrheit gegen das Recht auf Abtreibung – auch das haben diese Wahlen gezeigt.

Obama hat die Chance nach seiner großen Sieges-Rede in den kommenden vier Jahren auch ein bedeutender Präsident, vielleicht einer der größten in der US-Geschichte, zu werden. Er muss seine Chancen nur nutzen.

Präsident Obama wiedergewählt!

Zum Schluss wurde es dann doch ein deutlicher Sieg. Obama hat die Wiederwahl gewonnen und bleibt weitere vier Jahre Hausherr im White House.

Doch gab es wirklich eine Chance, die die Republikaner gesehen haben oder war es nur Wunschdenken oder gar ein großer Bluff?

Am Abend vor der Wahl lancierte das Romney-Camp noch ein internes Papier. Darin stand, dass sie nach „eigenen Umfragen“ in Ohio führen und in Pennsylvania mit Obama gleich aufliegen. Man darf gespannt sein wie sie diese Niederlage und ihre falschen Prognosen rechtfertigen. Denn auch wenn die einzelnen Swing States hart umkämpft waren, am Ende sind acht der wichtigsten neun „Swinger“ an Obama gegangen.

Mitt Romney hatte von Anfang an den schwereren Weg zu 270 Wahlmänner. Der Auftritt in Pennsylvania am Ende seines Wahlkampfes war bereits ein Zeichen von Verzweiflung, da er wusste, dass die „Midwest-Firewall“ (Ohio, Iowa, Wisconsin) für Obama halten würde.

Bei den Republikaner wird es jetzt einen brutalen Richtungsstreit geben. Werden die Konservativen, die Tea Party Anhänger, die Partei übernehmen oder geht es wieder zurück zur Mitte, dorthin, wo sie wieder Präsidentschafts-Wahlen gewinnen können? Romney hingegen wird schnell von der politischen Bühne verschwinden. Er war immer der ungeliebte Kandidat der GOP.

Und Obama? Die zweiten vier Jahre werden nicht leichter werden, vor allem wenn er bundesweit nicht die Mehrheit der Amerikaner gewinnen kann. Hinzu kommt ein gespaltener Kongress. Der Präsident hat keine Mehrheit in beiden Häusern für große Projekte. Sein Vorteil ist, dass es seine letzten vier Jahre im White House sein werden und er sich keine Gedanken um eine Wiederwahl machen muss. Vielleicht hilft ihm das in einem völlig zerstrittenen Washington und einer gespaltenen Nation. Es sei ihm zu wünschen.