Von Generälen, Ehe-Frauen und FBI-Agenten

Der General-Petraeus-Skandal hat mehr, was Hollywood normalerweise für eine gute Seifenoper braucht: Zwei Generäle, zwei verheiratete Frauen, eine eifersüchtige Mätresse, eine betrogene Gattin, ein gehörnter Ehemann und ein FBI-Agent mit einem Hang zum Exhibitionismus.

Nur eins hat das Drama um den untreuen Vier-Sterne-General David Petraeus und seiner verheirateten Mätresse (eifersüchtig) und Biografin, Paula Broadwell, nicht: Zeichen einer Staatskrise. Noch nicht!

Auch dass ein zweiter ranghoher US-Offizier, General John Allen, die Bühne des Schmierenstücks betreten hat, ändert daran nichts. Der Karriere-Soldat, dem in Afghanistan zurzeit 68.000 Soldaten unterstellt sind, sollte eigentlich Oberkommandierender der US-Truppen in Europa werden. Diese Beförderung liegt erst einmal auf Eis. Der Grund: Neben seinem Dienst hatte der verheiratete Vier-Sterne-General offenbar eine Vorliebe für Emails. Und diese schickte er nicht an seine Gattin, sondern bevorzugt an Jill Kelley, der zweiten verheirateten Frau im aktuellen Washington-Drama.

Petraeus-Skandal: Keine Staatskrise, sondern eine menschliche Tragödie

Kelley, die zu Beginn der Petraeus-Ermittlungen von einem „engagierten“ FBI-Agenten ein „Oben-ohne-Bild“ gemailt bekommen hatte und auch in jeder Desperate Housewives Serie mitspielen könnte, soll über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Allen 20.000 bis 30.000 Emails ausgetauscht haben. Das wären pro Tag bis zu 41 Emails! Niemand weiß bisher, was darin steht. Das FBI hat die „Beweise“ beschlagnahmt.

„Als ob man eine Zwiebel pellen würde“, kommentierte die Vorsitzende des Kongress Geheimdienst-Ausschusses, Dianne Feinstein, das fortlaufende Drama. „Es gebe ständig eine neue Schale.“ Bisher will die Demokratin aber keinen Geheimnis-Verrat entdeckt haben, weder vom untreuen Petraeus noch von Allen.

Und das ist das Entscheidende. So lange das so ist, bleibt es nur eine menschliche Schwäche eines ranghohen und bisher geschätzten US-Offiziers. Es ist keine Staatskrise, sondern eine menschliche Tragödie, nicht nur für die Betrogenen, sondern auch für General Petraeus selbst. Das Image eines Unfehlbaren ist er zumindest los.

Bleibt die Frage: Was wusste Präsident Obama und vor allem wann? Vor der Wahl? Und wie passt der Terroranschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengazi ins Bild? Hielt Obama die Infos zurück? Und warum? Oder ist der Präsident von seinem CIA-Chef gar falsch informiert worden? Noch fehlen den bereits kursierenden Verschwörungstheorien die Beweise. Aber dass kann ja noch werden.

Klar ist: Für Präsident Obama kommt der Petraeus-Skandal zur Unzeit. Er kämpft diese Woche nicht nur mit den Republikanern um ein neues Steuer- und Sparpaket. Obama ist auch auf der Suche nach einem neuen Sicherheits-Team. Der Präsident braucht einen Hillary Clinton Ersatz im Außenministerium, einen neuen Pentagon-Chef, einen Justizminister und jetzt ganz dringend auch noch einen neuen CIA-Boss.