Obamas Steuer-Problem: Multi-Milliardär Warren Buffett will mit Kompromiss helfen

Der Glanz der Asienreise von Präsident Obama scheint schon wieder zu verblassen. Und auch die Ruhe nach dem kollektiven Festschmaus zu Thanksgiving ist vorbei: In Washington kehrt der politische Alltag zurück. Die drohende „Fiscal Cliff“ – das automatische Einsetzen von Steuererhöhungen bei gleichzeitig dramatischen Haushaltskürzungen zum Ende des Jahres – hält das Land in Atem und pendelt wie ein Damoklesschwert über Amerikas fragiler Wirtschaft.

Mehr als 200 Milliarden Dollar würden US-Bürger insgesamt weniger in den Taschen haben, warnen Steuer- und Finanzexperten, falls es unter den Kampfhähnen der Parteien in Washington zu keiner Einigung kommt. Nur noch knapp fünf Wochen (falls Republikaner und Demokraten auch Weihnachten verhandeln wollen) haben der Kongress und Präsident Obama Zeit, den „Sturz über die Klippe“ und damit ein erneutes Abrutschen Amerikas in eine Rezession zu verhindern.

Warren Buffett – das „Orakel von Omaha“ will Obama mit Kompromiss helfen

Ausgerechnet einer der reichsten Männer der Welt, Warren Buffett, könnte jetzt einen Durchbruch beim Hauptstreitpunkt – die auslaufenden Bush-Steuererleichterungen – erzielen. Denn während Präsident Obama künftig wieder mehr Abgaben an den Fiskus ab einem Einkommen von 250.000 Dollar verlangen will, lehnen das die Republikaner ab. Ihnen ist diese Grenze viel zu niedrig, weil sie auch Mittelständler treffen würde.

Der 44 Milliarden Dollar schwere Buffett, ein Obama-Anhänger, der sich öffentlich darüber empört, dass er weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin, will diese Grenze auf eine halbe Million Dollar erhöhen. Ein Kompromiss, den auch die Republikaner eingehen könnten. Zusätzlich schlägt der erfolgreiche Investment-Unternehmer vor, jedes Einkommen bis zehn Millionen mit einem Minimum von 30 Prozent und alles darüber mit mindestens 35 Prozent zu besteuern. Für Warren Buffett selbst dürfte der Kompromiss fast eine Verdreifachung seiner Steuern bedeuten!

Die bisher strikte Haltung der Republikaner gegen höhere Abgaben an den Fiskus scheint durch den Vorschlag des „Orakels von Omaha“ Buffett weiter zu bröckeln. Immer mehr Konservative, darunter selbst der Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus und Dauer-Neinsager Eric Cantor, haben signalisiert, dass sie auch über mögliche höhere Steuern verhandeln wollen.

Präsident Obama kann also hoffen, dass das Land unter seiner Führung nicht über die „Steuer-Klippe“ geht. Es wäre ein erster großer Erfolg seit seiner Wiederwahl im November und ein perfekter Start in eine zweite Amtszeit.