John McCains letztes Gefecht

John McCain ist ein Kriegsheld und ein amerikanischer Patriot. Fünf Jahre war er während des Vietnam-Krieges Gefangener des Vietcong. Er wurde im gefürchteten Knast „Hanoi Hilton“ gefoltert. Alle Torturen hat McCain überlebt, genauso wie in jüngster Vergangenheit einen bösartigen Hautkrebs.

Nur eines scheint der mittlerweile 78 Jahre alte Senator aus Arizona nicht überwinden zu können: Seine Niederlage im Präsidentschafts-Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Bei seiner Kritik an der Regierung hat man immer den Eindruck, dass McCain Rache nehmen will. Er scheint nicht akzeptieren zu wollen, dass der „Falsche“ im White House sitzt.

Susan Rice: Das Opfer von McCains Rachefeldzug gegen Präsident Obama

Jüngstes Opfer seines Feldzuges gegen den Präsidenten ist Susan Rice, zurzeit amtierende UN-Botschafterin der USA und Top-Favoritin auf den Posten der Außenministerin. Die 48-Jährige soll Hillary Clinton folgen, die nach vier Jahren ihren Posten räumen will, um sich von den Strapazen einer politischen Weltreisenden zu erholen. Vielleicht sogar für eine Präsidentschafts-Kandidatur 2016?

Susan Rice gilt ohne Zweifel als Außenpolitik-Expertin, ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen als makellos oder wie Präsident Obama es sagt als „überragend“. Sie ist die beste Option für den Chefposten im State Department. Das dürfte auch der zweite Kandidat John Kerry einsehen, der schon vor vier Jahren das Amt übernehmen wollte. Obama könnte den 69-jährigen Kerry erneut übergehen und ihn mit dem Pentagon vertrösten.

Doch es gibt ja noch John McCain und sein „Amigo“ Lindsey Graham (Senator aus South Carolina) und seit neuestem „Amiga“ Kelly Ayotte (Senatorin aus New Hampshire). Sie scheinen sich in Susan Rice festgebissen zu haben, weil die UN-Botschafterin beim tödlichen Anschlag auf die libysche US-Vertretung in Bengazi am 11. September 2012 nicht von einem „geplanten Terroranschlag“, sondern von einer spontanen Demonstration gesprochen hatte. Dabei hatte Rice öffentlich nur das wiedergegeben, was ihr die Geheimdienste gesagt hatten.

Alte Freundschaft: Will McCain John Kerry zum Außenminister machen?

Selbst Rice späteres Eingeständnis, nicht richtig informiert gewesen zu sein, will McCain und Co. nicht versöhnen. Ein Indiz, dass es bei diesem Streit nicht um Fakten oder um Susan Rice geht, sondern um Präsident Obama. Und vielleicht auch um einen Gefallen, den McCain John Kerry zurückgeben will. Der Demokrat hatte 2004 in dessen Präsidentschafts-Wahlkampf ernsthaft darüber nachgedacht, dem Republikaner McCain den Job des Vizes anzubieten.

McCain hat einen guten Ruf zu verteidigen. Er gilt als DAS außen- und sicherheitspolitische Schwergewicht der Republikaner. Zurzeit wirkt er jedoch eher als grantelnder alter Mann, der seine Niederlage gegen Obama einfach nicht überwinden kann.

McCain sollte rechtzeitig zum Rückzug blasen, ansonsten könnte er bei der zu erwarteten Nominierung von Susan Rice als neue US-Außenministerin erneut gegen Obama verlieren – es könnte sein letztes Gefecht sein.