Schärfere Waffengesetze jetzt!

Es ist immer die gleiche Diskussion. Nach jedem Amoklauf wird in Amerika über die Waffengesetze des Landes gestritten. Müssen sie endlich verschärft werden oder darf man sich von einem Wahnsinnigen nicht das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nehmen lassen? . . .

Am 25. Juli diesen Jahres habe ich diesen Blog-Anfang geschrieben. Damals kam ich gerade aus Aurora zurück, einem Vorort von Denver in Colorado. Dort hatte der so genannte “Batman-Killer“, James Holmes (24), ein Blutbad mit 12 Toten und 58 Schwerverletzten angerichtet.

Dieser sinnlose Massenmord löste mitten im US-Wahlkampf eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze aus. Allerdings nicht bei Präsident Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. Im Wahlkampf sich mit der einflussreichen Waffenlobby NRA anzuliegen, traute sich keiner der beiden Kandidaten.

Meine düstere Vorahnung damals: “Jedesmal (Anm. nach einem Amoklauf) gab es die Diskussion um schärfere Gesetze. Und jedesmal verstummte die Debatte wieder. Auch diesmal wird das nicht anders sein. Bis zum nächsten Amoklauf.”

Keine fünf Monate später ist es wieder passiert. Diesmal habe ich das Wochenende in Newtown verbracht, einer 27.000 Einwohner Idylle knapp zwei Autostunden nordöstlich von New York. Diesmal ist es ein 20-Jähriger, der mit einem Sturmgewehr erst seine Mutter und dann in einer Grundschule 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Lehrer erschossen hatte. Der schlimmste Schul-Massenmord in der Geschichte der USA nach dem Amoklauf an der Universität Virginia Tech (32 Tote).

Und natürlich gibt es wieder eine Diskussion um schärfere Waffengesetze. Erneut ist es New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der den Kauf und den Besitz von Waffen beschränken und vor allem besser kontrollieren will. Unterstützt wird der einsame Mahner diesmal von wichtigen Demokraten wie Kaliforniens Senatorin Dianne Feinstein, die im Angesicht der Tragödie ebenfalls schärfere Gesetze fordert.

Feinstein will als ersten Schritt endlich die kriegstauglichen Sturmgewehre verbieten. Waffen wie sie von US-Truppen im Krieg in Afghanistan und Irak benutzt werden aber auch am vergangenen Freitag von dem Amokläufer in Newtown. Es wäre ein Anfang. Ein wichtiger. Ein Bushmaster Gewehr, mit dem der Attentäter mordete, braucht niemand zur Verteidigung. Und zum Jagen taugt es auch nicht.

Auch ein weinender Präsident Obama scheint fünf Wochen nach den gewonnenen Wahlen gewillt, endlich etwas zu unternehmen. Mehr als 30.000 Menschen sterben jedes Jahr in den USA durch Waffengewalt (mehr als 82 am Tag!), das sind eigentlich Gründe genug. Das Ende des Wahlkampfes und seine Wiederwahl sollten Obama auch die Angst vor der mächtigen und einflussreichen NRA nehmen. Mit seiner Unterstützung für ein Verbot der Sturmgewehre könnte der Präsident jetzt ein Signal setzen und zeigen, dass er wirklich etwas verändern will.

Wenn nach den 12 toten Mädchen und acht toten Jungen von Newtown es in den USA nicht gelingt, zumindest diese mörderischen Kriegswaffen aus der Öffentlichkeit zu verbannen, dann hat die Waffenlobby endgültig gesiegt. Die aktuelle Debatte um schärfere Waffengesetze wäre dann eine Farce und sehr schnell wieder vorbei – bis zum nächsten Amoklauf.

Es ist Zeit, endlich etwas zu unternehmen. Wenn nicht jetzt? Wann dann?