Das Kreuz mit der „roten Linie“

Manchmal ist es nicht einfach Supermacht zu sein.

In Syrien werden jeden Monat Tausende von Menschen hingemetzelt, ganze Städte zerstört. Und Amerika schaut zu. Präsident Obama kann sich nicht entschließen, etwas gegen das Mörderregime von Baschar al Assad zu unternehmen. Auch jetzt nicht, nach dem Einsatz von Giftgas.

Dabei hatte der US-Präsident bereits vor Wochen eine „red line“, eine „rote Linie“ gezogen, die der Diktator nicht überschreiten dürfe. Den Einsatz von Chemiewaffen des Assad-Regimes würde er nicht hinnehmen, dann sei er zum Handeln gezwungen, drohte er damals. „Game Changer“ nannte Obama das. Und jetzt?

Rote Linie überschritten – aber Obama handelt nicht!

Selbst nachdem die Regierung in Washington Beweise haben will, dass Assad Giftgas eingesetzt und damit die „red line“ überschritten hat, handelt Obama nicht. Er brauche noch mehr Fakten.

Der Präsident sendet damit eine falsche Botschaft, nicht nur an Assad, sondern auch an die anderen aktuellen „Schurken der Welt“ in Nordkorea und Iran. Warum sollen sie die Drohungen von Obama noch ernst nehmen. Wenn Washington seine selbst gesetzte „red line“ nicht mehr einhält, dann ist sie auch nichts mehr wert.

Obama muss handeln! Noch kann er sich hinter einer Mehrheit von 62 Prozent der US-Bürger verstecken, die gegen eine Verwicklung in das Bürgerkriegsland sind. Doch wie lange noch? Nur 27 Prozent sind gegen einen US-Einsatz in Syrien, wenn Assad Giftgas einsetzt. Und das hat er jetzt getan.

Obama könnte mit Flugverbotszone ein Zeichen setzen

Mehr als 70.000 Syrier sollen seit Beginn der Aufstände gegen Assad umgekommen sein. Wie viele müssen es noch werden? Wann ist bei der Zahl der Toten eigentlich eine „rote Linie“ überschritten?

Obama muss ja nicht gleich mit Bodentruppen nach Syrien einmarschieren und das kriegsmüde Amerika in einen neuen Krieg führen. Das wollen weder die Falken in Washington noch die Aufständigen in Syrien. Eine Flugverbotszone oder die Errichtung eines Sicherheitsgebietes für die etwa eine Million Flüchtlinge könnten auch schon helfen. Es wäre zumindest ein Zeichen.

Wie gesagt, manchmal ist es nicht einfach, Supermacht zu sein. Zumindest wenn man eine sein und bleiben will.