Obamas wichtige 17 Minuten

US-Präsident Obama bei der Pressekonferenz im White House

Fünf Jahre hatte Obama beim Thema Rassismuss geschwiegen. Der US-Präsident wollte nicht Präsident des schwarzen Amerikas sein. Er wollte Präsident aller Amerikaner sein. Eine große Rede zur anhaltenden Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß – darauf mussten nicht nur seine treuesten Anhänger lange warten. Darauf musste ganz Amerika warten.

Erst der Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin, der von dem Hilfssheriff George Zimmerman in Florida erschossen wurde, scheint Obamas zurückhaltende Meinung geändert zu haben.

“Wenn ich einen Sohn hätte, sehe er so aus wie Trayvon Martin”, hatte der Präsident nach der Tragödie im Februar gesagt.

Jetzt, nach dem umstrittenen Freispruch des Blockswarts Zimmerman, ging er in einer überraschenden Pressekonferenz im White House noch einen Schritt weiter:

“Vor 35 Jahren hätte ich Trayvon Martin sein können.”

Es ist einer der persönlichsten Sätze von Präsident Obama. Und vielleicht einer der wichtigsten seiner gesamten Amtszeit.

Es ist ein Satz, der auch wieder Hoffnung macht.

Nach dem  anhaltenden und kaum noch überschaubaren Schnüffelskandal der Obama-Regierung zeigt der einst als Heilsbringer verehrte Präsident endlich wieder seine wahre Stärke. Vielleicht ist er doch noch nicht ganz im Politiksumpf Washingtons versunken, im Dauerstreit der Parteien aufgerieben. Vielleicht will er am Ende seiner acht Jahre doch nicht als ganz normaler – mit der Fußnote “erster schwarzer” – Präsident in die Geschichte eingehen, nicht als einer, der als Messias gestartet war und am Ende doch nur Politiker wurde.

Obama hat mit seiner Erklärung zu Trayvon Martin Stärke gezeigt, die er zuletzt verloren zu haben schien.

Er hat dabei nicht das Urteil in Frage gestellt – „so ist das System“ – sondern gesagt wie es ist in Amerika, als Schwarzer aufzuwachsen und zu leben. Persönlich wurde er auch, weil er es selbst erlebt hatte:

„Es gibt nur sehr wenige afroamerikanische Männer in diesem Land, denen man noch nicht im Kaufhaus gefolgt wäre. Auch mir ist das passiert. Es gibt nur sehr wenige afroamerikanische Männer, die es noch nicht erlebt haben, dass sie über die Straße gehen und hören, wie die Autoschlösser klicken. Auch das ist mir passiert – zumindest bevor ich Senator wurde. Es gibt nur sehr wenige Afroamerikaner, die noch nicht die Erfahrung gemacht haben, in einen Fahrstuhl zu steigen und zu bemerken, wie die Frau gegenüber nervös ihre Handtasche umklammert. Das passiert oft.“

Obama zeichnete die alltägliche Wahrheit der Schwarzen im Jahr 2013 auf:

“Wenn ein weißer Teenager in der Situation (von Martin) involviert gewesen wäre, wäre nicht nur das Ende der Geschichte vermutlich anders gewesen, sondern auch die Reaktionen darauf.”

Auch das ist die Realität in Amerika, kurz vor dem 50. Jahrestag der „I have a Dream“-Rede von Martin Luther King jr.

Doch wie schon King machte auch Obama Hoffnung, dass es besser werden kann, dass vielleicht die nächste Generation mit dem Thema ehrlicher und gerechter umgehen wird:

„Wir sollten nicht vergessen, dass die Dinge sich verbessern. Jede Generation scheint Fortschritte zu machen, verändert die Einstellungen beim Thema Rasse. Wenn ich mit Malia und Sasha rede, wenn ich ihren Freunden zuhöre und ihren Umgang miteinander sehe, dann merke ich, dass sie bei diesen Themen schon weiter sind als wir.“

Richtige und starke Worte eines vielleicht doch großen Präsidenten!

US-Politik direkt im Digitalen Quartett zum Obama-Schnüffelprogramm Prism

Für alle die keine Gelegenheit hatten, bei der Live-Sendung des Digitalen Quartetts dabei zu sein, hier das YouTube-Video zum Google+ Hangout Chat.

Das Thema der Sendung war das Schnüffel-Programm Prism der Obama-Regierung. Dabei ging es nicht nur um die aktuellen und scheinbar immer weiter gehenden Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden, die unterschiedlichen Reaktionen unter Amerikanern und Europäern auf die Bespitzelungen am Telefon und im Internet, sondern auch um die Frage wie viel Privatsphäre ein Mensch im Angesicht der Terrorbedrohung wirklich noch hat und in Zukunft erwarten kann.

Diskutiert habe ich diese Themen mit Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen und Experte für Medien-, Netz- und Bürgerrechtspolitik sowie den Kollegen Sebastian Matthes, Technologie-Redakteur der Wirtschaftswoche, Blogger Richard GutjahrFranziska Bluhm, Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online, und Daniel Fiene, Hörfunkjournalist von Antenne Düsseldorf.

Moderiert wurde die ausgesprochen spannende und informative Sendung von der freien Journalistin und Bloggerin aus Seattle, Ulrike Langer.