Obamas „Shock and Awe“ in Syrien?

Obama hat lange gezögert, doch jetzt gibt es kein zurück mehr. Nach dem Giftgas-Einsatz von Syriens Diktator Bashar al-Assad mit Hunderten von Toten muss der US-Präsident handeln. Ein erneuter Kriegseinsatz der USA steht offenbar unmittelbar bevor.

Zu viele rote Linien hat der syrische Diktator in den vergangenen Wochen und Monaten überschritten. Zu viele Menschen hingemetzelt, auch mit Giftgas. Wenn Obama jetzt nicht mit einem militärischen Schlag reagiert, wird ihn künftig niemand mehr ernst nehmen, weder in Syrien, noch im Iran oder in Nordkorea.

Syrien-Konflikt – Obama hat nicht viele Optionen

Doch das ist leicht gesagt und schnell geschrieben. Bei aller Entschlossenheit, die Obama zeigen muss, viele Optionen hat der Commander-in-Chief der US-Streitkräfte nicht.

Bodentruppen wird Obama mit Sicherheit nicht schicken, das wollen selbst Republikaner wie John McCain und die Falken im US-Kongress nicht. Was bleibt sind gezielte Schläge mit Hilfe von Tomahawks Cruise Missiles gegen den Präsidentenpalast und die Kommandozentrale des syrischen Militärs. Wenn das keine Resultate bringt, dürften weitere Luftschläge von Kampfjets folgen.

Doch selbst die Chemiewaffenlager von Assad wird Obama wohl kaum bombardieren. Zu groß ist die Gefahr für Umwelt und Anwohner. Hinzu kommt, dass ein unbewachtes Depot schnell zum Selbstbedienungsladen für die in Syrien befindlichen Al-Qaida Kämpfer werden könnte. Die teuflischen C-Waffen in den Händen von Terroristen wäre wohl der Super-Gau für Obama und ein Albtraum für die Welt.

Obama kann Assad nur zusammen mit Russland stürzen

Obama steckt in einem Dilemma. Er muss reagieren auf den Giftgasangriff von Assad. Aber er muss es geschickt und gezielt tun, um überhaupt eine Chance auf einen Regimewechsel in Damaskus zu haben. Auch an einen Rückzug aus dem Pulverfass Syrien sollte Obama noch vor seinem Angriffsbefehl denken.

Denn eins muss jedem schon jetzt klar sein. Obama wird den Schlächter von Damaskus nicht los, in dem er versucht, ihn einfach wegzubomben. Eine „Shock and Awe“-Strategie, die schon unter Präsident George W. Bush im Irak nicht funktioniert hat, wird Obama auch in Syrien nicht helfen.

Einen Sturz von Assad erreicht Präsident Obama nur, wenn er zusammen mit den Verbündeten – auch Deutschland sollte sich trotz des Wahlkampfes diesmal nicht raushalten – Russland dazu bewegt, Assad fallen zu lassen. Denn bisher steht die Regierung in Moskau auch nach dem Giftgaseinsatz des Regimes hinter ihrem letzten Vasallen im Nahen Osten.

Neben dem erwarteten militärischen Schlag muss Obama also verstärkt auf diplomatischem Weg versuchen, eine Lösung des Konflikts zu erreichen – mit Russland und auch China. Ansonsten kann Obama bei aller militärischen Übermacht der US-Streitkräfte in Syrien nur verlieren.