Obama findet Päpste gut

US-Präsident Obama scheint die Päpste zu mögen.

US-Präsident Obama trifft zum ersten Mal Papst Franziskus. Foto: White House, Pete Souza

US-Präsident Obama trifft zum ersten Mal Papst Franziskus. Foto: White House, Pete Souza

Obwohl selbst kein Katholik hat sich der Protestant Obama während seiner beiden Amtszeiten schon mit zwei Oberhäuptern der katholischen Kirche getroffen. Nachdem ihm Papst Benedikt XVI im Juli 2009 eine Audienz gewährt hatte, traf sich Obama jetzt auch mit dessen Nachfolger, Papst Franziskus.

Der private, 51 Minuten lange Empfang, fand im Apostolischen Palast statt. Zusammen mit ihren Dolmetschern saßen die beiden an dem großen Holzschreibtisch des Papstes und sprachen vor allem über die wachsende Armut und die Ungleichheit in der Welt.

Obama hatte sich im Vorfeld als ein „großer Bewunderer“ des Papstes geoutet und die ungleiche Verteilung des Reichtums als „Herausforderung unserer Zeit“ bezeichnet. Papst Franziskus erinnerte Obama an das „Schicksal der Armen“ und ermahnte über die „Menschenwürde nachzudenken“.

Es war das erste Treffen der beiden. Bei der Amtseinführung von Papst Franziskus im März des vergangenen Jahres ließ sich Obama durch seinen Vize-Präsidenten Joe Biden, einem Katholiken, vertreten.

Obama zwischen zwei Farnen

Was tut man nicht alles für den Erfolg seiner Gesundheitsreform. Präsident Obama ging für das wichtigste Projekt seiner Amtszeit sogar in die absurd skurrile Show des Hangover-Star und Komikers, Zach Galifianakis.

In dem knapp sechseinhalb Minuten langen Interview für die Sendung „Between Two Ferns“, zu deutsch also „Zwischen zwei Farnen“, durfte der US-Präsident Werbung machen für Obamacare. Dafür musste er sich allerdings auch ein paar respektloser und „nichtpräsidialer Fragen“ des Rüpeltalkers stellen. Kostproben:

  • „Im Jahr 2013 haben Sie einen Truthahn begnadigt. Was ist Ihr Plan für 2014?“
  • „Wie hart wird es sein, wenn die Leute Sie nach Ihrer Präsidentschaft nicht mehr im Basketball gewinnen lassen.“
  • „Wie fühlt es sich an, der letzte schwarze US-Präsident zu sein.“

Präsident Obama antwortete schnell und mit Witz. Allerdings: Alles war natürlich vorher abgesprochen und inszeniert.

„Funny or Die“ heißt die Webseite, auf der die Sendung zu sehen ist und in der schon viele Top-Stars wie Sean Penn, Amy Adams oder Jennifer Lawrence aufgetreten sind. Ob sie ihrem Motto allerdings gerecht wird, darf jeder für sich selbst beantworten. Werbung für Obamacare war es auf alle Fälle. Und nur darum ging es Obama.

Die Scharfmacher

Amerikas Republikaner können einen manchmal schon ganz schön verwirren.

Als Präsident Obama im Januar in seiner State of the Union Address ein „year of action“ ankündigte, befürchteten die Konservativen des Landes schon das Ende der Demokratie in Amerika herannahen. Vor einer „imperialen Präsidentschaft“ warnte damals der Tea-Party-Vordenker, Senator Ted Cruz. Obamas Politik sei „eine Bedrohung für die Freiheit eines jeden einzelnen Bürgers“.

Cruz Parteikollegen sahen das nicht weniger dramatisch und fürchteten sich in der Folge vor einer „Über-Präsidentschaft“. Sie erklärten Obama wahlweise zum „Monarchen“ oder zu einem „König“, der mit seiner „absoluten Macht“ das Land so führe wie es „totalitäre Regierungen“ oder „Diktaturen“ tun.

Viel Substanz hatte diese Angst der Republikaner nicht. Obama hatte in seiner Rede zur Lage der Nation lediglich Führungsstärke angekündigt. Doch als der „schwache Präsident“ endlich einmal auf den Tisch haute und erklärte, er werde „seine Politik notfalls auch ohne die andere Seite durchziehen“, machten ihn seine Gegner gleich zum Gewaltherrscher.

Obama der Schwächling

Doch das war im Januar. Jetzt ist März. Und seit Russlands Präsident Putin mit seinen Soldaten die Krim besetzt hält und ein Krieg mit unabsehbaren Folgen droht, hat sich das natürlich alles wieder geändert. Amerikas Rechte haben Obama wieder zurückgestampft auf das Niveau eines „Schwächlings“. Ein US-Präsident, den niemand mehr ernst nimmt – zumindest nicht die Bösewichte dieser Welt. Die Krisenherde Ukraine und Syrien sind dabei für die Obama-Gegner nur zwei Vorzeigebeispiele.

Vor allem die Amigos John McCain und Lindsey Graham kämpfen wie schon im Syrienkonflikt erneut an vorderster Front als Einpeitscher der Konservativen gegen Obama. „Wir haben einen schwachen und unentschlossenen Präsidenten, der die Aggression erst möglich macht“, wettert Senator Lindsey Graham. Und sein mittlerweile 77 Jahre alter Kumpel McCain schimpft über „Obamas sorglose Außenpolitik“, die zum Einmarsch Russlands in die Ukraine geführt habe. Begleicht da ein geschlagener Mann, dessen Lebenstraum während der Präsidentschafts-Wahlen von 2008 von Obama zerstört wurde, erneut alte Rechnungen?

Republikaner entdecken die Vereinten Nationen

Denn wirkliche Alternativen können die Repubikaner in der Krim-Krise nicht anbieten. Einen Krieg mit Russland wollen selbst die Haudegen wie McCain und Co. nicht. Doch was wollen sie dann? Wirtschaftssanktionen gegen Moskau? Damit droht Obama bereits. Nur die Europäer zögern.

Marco Rubio, Senator aus Florida, der auch einmal Präsident werden will, fordert in einem Acht-Punkte-Plan von Obama Dinge, die er längst getan hat. Kerry nach Kiew schicken zum Beispiel oder die Vereinten Nationen miteinbeziehen. Eine Organisation, die die Konservativen des Landes gerne als Quasselbude verspotten und noch nie richtig ernst genommen haben.

Obama ist weder ein „schwacher Diktator“ noch ein zu allem entschlossener Präsident, der wie im Kalten Krieg Russland mit Vergeltung droht. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Eisernen Vorhang haben sich die Zeiten vielleicht auch geändert. Man schreibt ja auch keine Briefe mehr mit der Hand oder auf der Schreibmaschine. Heute gibt es dafür Computer und das Internet.

Was würde Obama also das von seinen Gegner geforderte Säbelrassel nutzen, wenn er die Säbel nicht einsetzen kann? Ziel muss es doch sein, die Aggression Russlands friedlich zu beenden und einen Krieg zu verhindern. Zumindest letzteres ist Obama bisher gelungen.