Hillary wackelt: Hat Donald Trump doch noch eine Chance?

Neue Hoffnung für Donald Trump?

Zehn Tage vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November scheint der Kampf um das White House doch noch einmal spannend zu werden. Grund ist nicht Trump, die neuentdeckte Liebe der US-Bürger für den „Bully der Fifth Avenue“, der Frauen, Latinos und Behinderte diffamiert. Es ist die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton, die ihren Wahlkampf von Anfang an überschattet hatte und in der es neue Beweise geben soll.

FBI-Direktor James Comey, ein Republikaner, will auf einem Computer „Tausende von E-Mails“ gefunden haben, die bei den Ermittlungen gegen Hillary Clinton wegen möglichem Geheimnisverrat in ihrer Zeit als Außenministerin relevant sein könnten.

FBI-Chef James Comey: Entcheidet er die Wahl?

E-Mail Affäre: FBI-Chef James Comey ermittelt gegen Hillary Clinton: Entscheidet er damit auch die Präsidentschaftswahlen?

Eine Meldung, die in Washington wie eine politische Bombe einschlug und im Trump-Camp zu Freudentänzen führte.

Zweite „Lifeline“ für Donald Trump

Die Hillary-E-Mails sind bereits die zweite „Lifeline“ für den eigentlich längst geschlagenen Trump. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung eingestehen müssen, dass die von den Republikanern verhasste Krankenversicherung im kommenden Jahr für jeden im Schnitt um 25 Prozent teurer werde. Trump, der „Obamacare“ ablehnt und in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit abschaffen will, fühlte sich bestätigt und machte den Wahlkampf zu einem Referendum zu „Obamacare“. Die mehr als 20 Millionen US-Bürger, die durch den „Affordable Care Act“ endlich eine Krankenversicherung bekommen haben, müssen jetzt wieder zittern.

Die Hillary E-Mails hatten politisch aber eine ganz andere Sprengkraft. Es war die Oktober-Überraschung, auf die Trump gehofft hatte und die sein Einpeitscher Rudy Giuliani im Fernsehen angekündigt hatte. Wusste er etwa davon?

Doch um was geht es eigentlich? Bekannt ist bisher, dass die E-Mails nicht von Hillary Clinton selbst geschrieben wurden, sondern von ihrer engsten Beraterin Huma Abedin. Die hatte dafür den Computer ihres Noch-Mannes, Anthony Weiner, benutzt. Und genau hier wird die Geschichte für Hillary im wahrsten Sinne „schlüpfrig“.

Hillarys Albtraum-Kombination: E-Mail, FBI und Weiner

Denn Anthony Weiner ist der zurückgetretene, demokratische Kongressabgeordnete, der auf seine Manneskraft so stolz zu sein scheint, dass er regelmäßig Fotos von sich in Unterhose an andere Frauen twittern muss. Gegen ihn ermittelt das FBI. Eine seiner Bilder-Empfängerinnen war erst 15 Jahre alt.

E-Mail, FBI und Weiner – viel schlimmer hätte es für Hillary Clinton nicht werden können. Dass sie in allem unschuldig sein könnte, ist Nebensache. Wahlkampf hat viel mit Psychologie zu tun. Und mit Vertrauen. Die Mehrheit der US-Bürger traut Hillary nicht über den Weg. Das hat sie allerdings mit Donald Trump gemein.

Werden die Hillary-E-Mails jetzt auch den Wahlausgang entscheiden?

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die E-Mail Affäre Trump doch noch zum Präsidenten machen könnte. Doch selbst wenn Hillary Clinton ihren deutlichen Vorsprung in den aktuellen Umfragen ins Ziel rettet. Was passiert dann? Die Ermittlungen des FBI werden auch nach der Wahl weitergehen, vielleicht bis zu ihrer Vereidigung im Januar 2017. Vielleicht sogar darüber hinaus, wenn Hillary bereits im Oval Office sitzt! Und dann?

Nehmen wir einmal an, Hillary hat auf ihrem privaten E-Mail-Server in ihrer Zeit als Außenministerin keine Geheimnisse ausgeplaudert. Die Republikaner wird das nicht wirklich interessieren. Sie werden neue Untersuchungsausschüsse einberufen und nicht davor zurückschrecken, Hillary auch als Präsidentin vorzuladen.

Egal ob Hillary oder Trump? Amerika steht vor einer ungewissen Zukunft

Und was ist, wenn das FBI tatsächlich einen Geheimnisverrat in den neuen E-Mails findet. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Hillary Clinton als Präsidentin wäre dann zumindest nicht mehr zu halten. Das sollten auch ihre Anhänger wissen.

Amerika stehen turbulente Zeiten bevor. Donald Trump als Präsident wäre für das Land und die Welt eine Katastrophe. Und Hillary? Sie wäre als erste weibliche White House Chefin vom ersten Tag an angeschlagen. Viele Reformen wird sie aus dieser Position der Schwäche kaum durchsetzen können. Die Republikaner werden sie blockieren, sie jagen und das FBI wird weiter gegen sie ermitteln. Rosige Aussichten für Amerika sind das nicht.

Gefährlich: Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage!

Donald Trump hat in diesem Wahlkampf Dinge gesagt, für die Schüler in Amerika zum Direktor zitiert oder für ein paar Tage von der Schule suspendiert werden würden. Er hat Mexikaner als Kriminelle und Vergewaltiger beschimpft, Moslems mit Terroristen gleichgestellt. Er hat sich über Behinderte lustig gemacht, Kriegshelden diffamiert, Frauen als „dick“ und als „Schweine“ beleidigt und zuletzt Hillary Clinton als „nasty woman“, als „abscheuliche Frau“, bezeichnet.

Vieles schien in den vergangenen Monaten an „Teflon-Donald“ abzupeilen und seinen Umfragewerten nicht zu schaden. Erst nach dem Prahlhans-Video, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, hat sich das geändert. Viele seiner weiblichen Fans haben sich seitdem angewidert von Trump abgewendet.

Was er in der dritten und letzten Debatte von sich gegeben hat, dürfte diese Abkehr weiter beschleunigen. Auch unter „weißen Männern“, bisher Trumps treueste Anhänger, hat Hillary Clinton mittlerweile eine Mehrheit.

Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage

Denn mit seiner öffentlichen Weigerung, das Wahlergebnis am 8. November anzuerkennen, hat Donald Trump ein Tabu gebrochen und dürfte selbst seine Anhänger ins Grübeln gebracht haben. Das bleibt zumindest zu hoffen.

„Ich werde es ihnen sagen, wenn es soweit ist“, antwortete Trump einem verdutzten Moderator Chris Wallace auf die Frage, ob er das Wahlergebnis akzeptieren werde. „Ich werde es spannend machen.“ Zwei Sätze, die nicht nur Hillary Clinton „horrifying“, also erschreckend fand. Selbst Wallace von Fox-News, ein Sender, der Trump hofiert, zeigte sich entsetzt.

Trump hatte etwas gemacht, was kein Präsidentschaftskandidat vor ihm gewagt hatte. Er hatte die Demokratie des Landes in Frage gestellt. Das Fundament, was Amerika, bei aller Kritik am Wahlsystem, wirklich „great“ gemacht hat. Der Verlierer akzeptiert die Entscheidung des Wählers, gratuliert dem Gewinner und das Land kann sich nach einer harten Kampagne der Kandidaten wieder versöhnen.

Donald Trump: Antiamerikanisch und unpatriotisch

Trumps scheint daran kein Interesse zu haben. Geht es ihm bei den Wahlen also nur um sich, seine Marke. Ist alles nur eine große Reality-Show? Oder geht es dem Mann, der mit dem Slogan kandidiert „Make America Great Again“ auch um das Land? Wie steht es um den Patriotismus eines Donald Trumps?

Dabei kommt seine Weigerung, das Wahlergebnis nur im Falle eines Sieges anzuerkennen,  nicht überraschend. Sie ist eine logische Folge seiner Verschwörungstheorien, mit denen er seit Tagen versucht, seine bevorstehende Niederlage rechtfertigen zu wollen.

Nicht er sei schuld, wenn Hillary gewählt werde. Es sind die treulosen Republikaner, die ihn im Stich gelassen haben, wütet Trump gegen die Partei. Es ist ein Zusammenschluss von ausländischen Kräften und den manipulierten, korrupten Medien, der ihm die Präsidentschaft stiehlt. Von einer „Verbrecherin Hillary, fähig zu allem“, spricht Trump und von „einem massiven Wahlbetrug“. Beweise hat er für seine wilden Phantasien von angeblich Millionen an toten Amerikanern und illegalen Einwanderer, die Hillary wählen werden, nicht.

Das Wahlergebnis in Frage zu stellen, ist gefährlich. Es ist antiamerikanisch und unpatriotisch!

Donald Trump: Von Wahlbetrug und anderen Phantasien

Noch drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen am 8. November. Es sieht nicht gut aus für Donald Trump. Der Republikaner weiß das und bereitet sich auf seine Niederlage vor.

Ein „Loser“ will und kann Trump nicht sein. Eine Niederlage einzugestehen, passt nicht zu seinem Image. Also sucht er die Schuld bei anderen. Bei den treulosen Republikanern zum Beispiel, die ihn im Stich gelassen haben, bei der „korrupten Betrügerin Hillary“ und bei den „manipulierten, verlogenen und voreingenommenen Medien“. Oder war es doch dieser Zusammenschluss ausländischer Kräfte?

Donald Trump und seine Kumpels sprechen von „massivem Wahlbetrug“ – Beweise gibt es nicht und Studien widersprechen

Nein, ein „massiver Wahlbetrug“ wird seine Präsidentschaft verhindern, ist sich Trump mittlerweile und noch vor dem Urnengang sicher. Sein düsteres Fazit: „Demokratie in den USA ist nur eine Illusion“. US-Präsident Barack Obama kann sich bei solchem Pessimismus den Spott nicht verkneifen: „Er heult schon bevor die Stimmen gezählt wurden.“

Beweise für den „massiven Wahlbetrug“, von dem er schon beim Sieg von Barack Obama über seinen Herausforder Mitt Romney bei den Präsidentschaftswahlen 2012 sprach, hat Trump nicht. Dafür hat er menschliche Lautsprecher. „Ich müsste ein Idiot sein, wenn ich glauben würde, in Philadelphia und Chicago würden die Wahlen fair ablaufen“, trötet Trumps engster Berater Rudy Giuliani.

Ähnlich dumpf klingt auch Newt Gingrich, ein weiterer Trump-Verbündeter. „Wer sage, es gebe keinen Betrug, leugne die Realität.“ Die Frage bleibt, in welcher der einstige Sprecher des Abgeordnetenhauses lebt. Der amtierende zumindest, Paul Ryan, ebenfalls Republikaner, glaubt an diese düstere Prognosen nicht, genauso wenig wie Trumps Vize-Kandidat Mike Pence. Es gibt Hoffnung, auch in der einst „Grand Old Party“.

Ryan weiß, die Realität sieht anders aus. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass bei knapp einer Milliarde Stimmen, die zwischen den Jahren 2000 und 2014 in den USA gezählt wurden, 31 (!) unter Wahlbetrug fielen. Eine Bananenrepublik ist Amerika wirklich nicht.

Donald Trumps Geschwätz von Verschwörungen hat System

Trumps Anhänger stören solche Fakten nicht. Dreiviertel (!) von ihnen glauben dem 70-Jährigen. Sie sollen, so ruft Trump seine Fans auf, die „Wahllokale im Auge behalten“. Es bleibt abzuwarten wie viele sich daran beteiligen werden.

Trumps Geschwätz vom Wahlbetrug hat natürlich System und einen tieferen Hintergrund. Es lenkt nicht nur von seinem Prahlhans-Video und den Vorwürfen sexueller Belästigung von Frauen ab. Es ist auch seine letzte Hoffnung, die Wahl doch noch herumzureißen.

Mit Verschwörungstheorien, kombiniert mit Hasstiraden gegen Bill und Hillary Clinton sowie gegen die korrupten Medien feuert er seine Anhänger weiter an. Sein Kalkül: Während die eigenen Wähler geschlossen für ihn stimmen werden, bleiben die Demokraten, angewidert vom schmutzigen Wahlkampf, lieber Zuhause. Geht sein Plan auf, kann es am Wahltag doch zu einer Sensation kommen.

Schniefender Donald Trump fordert Drogentest von Hillary

Hillary weiß um diese Gefahr. Sie wird die Katastrophe hoffentlich zu verhindern wissen. Die dritte und letzte Debatte am Mittwoch bietet ihr erneut eine Gelegenheit dazu. Einen Drogentest, wie ihn Trump von seiner Rivalin ernsthaft gefordert hatte, wird es aber nicht geben.

Einige Kommentatoren hatten sich ohnehin über Trumps Verdacht Verdacht, Hillary habe vor den beiden Debatten vielleicht Drogen genommen, gewundert. War es nicht Donald Trump, der durch sein fortlaufendes Schniefen jedem Zuschauer aufgefallen war. Eine Erkältung zumindest hatte der Republikaner nicht.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Im Moment gibt es für Hillary Clinton wohl keine wichtigere Wahlkämpferin als Michelle Obama. Ihr Mann Bill ist angeschlagen, ihren Vize Tim Kaine kennt außerhalb von Virginia kaum jemand, Al Gore ist Vergangenheit und kann als steter Warner vor einer Klimakatastrophe vielleicht ein paar Stimmen am grünen politischen Rand einsammeln. Und auch Präsident Obama hat nicht die Beliebtheit, den Einfluss, den seine Frau zurzeit hat.

Michelle Obama: „When they go low, we go high“.

Hillary Clinton weiß das. Den Spruch von Michelle Obama nach Größe, wenn andere unter die Gürtellinie schlagen („When they go low, we go high“) hat sie längst übernommen. Es ist zu einem Gewinnerslogan geworden. So wie Obamas „Yes, we can.“

Hillary weiß um die Stärke der First Lady. Sie setzt sie gezielt dort ein, wo es wichtig, wo es knapp werden könnte. Wie vergangene Woche in New Hampshire, einem der Swing States, den Hillary gewinnen will. Nach jüngsten Umfragen liegt sie im Schnitt 3,6 Prozent vor Trump. Knapp genug, um ihren Wahlkampf-Joker an die Ostküste zu schicken.

Und Michelle Obama enttäuschte nicht. Es war ein emotionaler Auftritt. Selten hat man sie so wütend gesehen. „Ich kann nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken“, gestand die First Lady. Die Kommentare seien „schockierend und erniedrigend“. „Ein Affront gegen alle Frauen, Eltern und Bürger der Vereinigten Staaten.“ Solche Sprüche dürften nicht „als Gespräche unter Männern in der Umkleidekabine“ verharmlost werden.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Den Namen des Mannes, der Michelle Obama „bis ins Innerste erschütterte“, nannte die First Lady bei ihrem Auftritt nicht. Das hat sie auch schon in der Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia nicht getan. Und damit großen Erfolg gehabt. Doch jeder wusste, wen die 52-Jährige meinte. Und vor allem über was sie sprach.

Das Angeber-Video, in dem Donald Trump damit prahlt, er könne Frauen ohne zu Fragen ungestraft küssen und in den Schritt fassen, ist auch an Michelle Obama nicht spurlos vorbeigegangen.

„Ich kann es nicht fassen, dass jemand, der sich um das Amt des Präsidenten bewirbt, mit sexuellen Übergriffen auf Frauen angibt“, sagte sie und ihre Stimme schien vor wütendem Entsetzen fast wegzubrechen. Ja, es sei Wahlkampf. „Aber es geht hier nicht mehr um Politik. Hier geht es um menschlichen Anstand. Keine Frau hat es verdient, so behandelt zu werden.“

Und dann sagte Michelle Obama das, was viele in Amerika schon lange denken: „Es reicht!“

Donald Trump: Verloren hatte er die Wahl schon vor dem Prahlhans-Video


Was war die Aufregung groß am Wochenende, als die Washington Post ein Video von Donald Trump veröffentlichte, in dem er damit prahlte, dass er Frauen ungestraft in den Schritt fassen, sie küssen dürfe, nur weil er ein Star war.

„Der Wahlkampf ist zu Ende“, waren sich die meisten Kommentatoren einig. Davon erhole sich auch ‚The Donald’ nicht mehr. „Die Trump-Kampagne ist implodiert.“

Republikaner gehen auf Distanz zu Donald Trump, zu einem Sturz ihres Spitzenkandidaten fehlt ihnen aber Mut und Rückgrat

In Scharen distanzierten sich die Republikaner von ihrem Spitzenkandidat, von Condoleezza Rice bis John McCain. Am Ende waren es fast 60 teils hochrangige Parteimitglieder, die Trump die Gefolgschaft verweigerten. Dass diese aber zusammen mit den Einschaltquoten-Abhängigen US-Fernsehsendern Schuld am Aufstieg von Trump haben, daran wollte sich auf einmal niemand mehr erinnern. Solche Eingeständnisse liegen Politiker nicht.

Es war ja nicht das erste Mal, dass Trump Frauen beleidigte, Mexikaner als Vergewaltiger und Verbrecher beschimpfte, Moslem mit Terroristen gleichsetzte und sich über Behinderte lustig machte. Das Trump ein Bigott ist, ein Rassist, ein Frauenverächter, der das weibliche Geschlecht nach Aussehen in Kategorien und nach Nummern einteilt, das wussten die Republikaner auch schon vor dem Video.

Warum haben sie ihn nicht verhindert als es noch ging? Selbst jetzt können sie sich nicht geschlossen gegen ihren Kandidaten stellen. Paul Ryan, der Sprecher des Abgeordnetenhauses, will Trump nicht mehr unterstützen, seinen Rücktritt fordert er aber auch nicht. Was denn nun? Ein bisschen Rückgrat darf man schon erwarten.

Die Wahl für Donald Trump war schon lange vor dem Prahlhans Video verloren

Auf was warten also die Ryans dieses Landes eigentlich noch? Donald Trump war bereits am Ende bevor das Video seiner widerlichen Prahlerei bekannt wurde. In Amerika wird keiner Präsident, wenn er nicht auch die Stimmen der Frauen, Latinos, Schwarzen bekommt und von der eigenen Partei unterstützt wird. Mitt Romney musste das bei seinem Kampf um das White House schmerzlich erfahren.

Die Wahl ist längst verloren. Daran konnte auch die zweite Debatte nichts ändern, als Trump vielleicht noch die eigene Basis wieder versöhnen konnte. Mit der in einem US-Wahlkampf einmaligen Drohung, „Hillary ins Gefängnis zu bringen“ – also den politischen Rivalen – kann er Geblendete und Unbelehrbare begeistern. Eine Wahl gewinnt man mit solchen für Diktatoren üblichen Rachegelüsten nicht. Jetzt geht es nur noch um die Höhe der Trump-Niederlage. Sie wird vernichtend sein. Selbst Staaten wie Georgia und Utah, die bisher sicher in Republikanerhand waren, wackeln.

Donald Trump Folgen: Republikaner verlieren das White House und den Senat

Also, was dann Republikaner? Warten die Konservativen auf weitere Videos, um einen dann aber endgültgien Bruch rechtfertigen können. Neue Enthüllungen, die das belegen, was alle schon wissen? Die wird es geben? Schon kursieren Gerüchte von „Trump-Tapes“, auf denen er Schwarze mit dem N-Wort beschimpft. Mit ihrem Schweigen, ihrer Charakterlosigkeit verlieren die Republikaner nicht nur den Kampf ums Weiße Haus, sondern vermutlich auch die Mehrheit im Senat und vielleicht sogar das Abgeordnetenhaus. Sie hätten es verdient.

Und dann? Hillary Clinton im White House. Der Kongress in Hand der Demokraten. Ein Albtraum für die Konservativen des Landes.

Donald Trump wird seine Niederlage nicht nur damit begründen, dass Hillary ihm die Wahl auf kriminelle Art und Weise gestohlen hat. Er wird auch die Republikaner anklagen, ihm in den Rücken gefallen zu sein und sie damit auf lange Zeit weiter spalten. Die Partei der Neinsager, seit Jahren schon zerrissen und richtungslos, wird dann endgültig zu einem konservativen Chaos-Haufen weißer Männer. Dann aber ohne Entscheidungskraft.

Donald Trump wird nicht verschwinden. TV-Kanal mit Roger Ailes?

Doch das wird nicht das Schlimmste sein. Wenn die Republikaner Donald Trump nicht noch vor der Wahl stürzen und so demontieren, dass er sich in seinem goldenen Penthouse im New Yorker Trump Tower verkriechen muss, werden die Partei, Amerika, die Welt ihn auch nach dem 8. November nicht mehr loswerden. Trump verschwindet nicht. Eine schreckliche Vorstellung.

Schon ist die Rede von einem eigenen Fernsehsender, den er zusammen mit dem wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen gefeuerten Fox-TV-Chef Roger Ailes, mit Rudolph Giuliani – was ist eigentlich aus dem einstigen 9/11 Bürgermeister-Helden geworden? – und Fox rechtem Einpeitscher Sean Hannity gründen will.

Das wäre dann genau die ideale, chauvinistische Truppe für „frauenfeindliche Umkleidegespräche“ nach dem Geschmack eines Donald Trumps. Man mag sich gar nicht vorstellen wollen, was auf einem solchem Kanal alles hinter den Kulissen und ohne Mikrophon geredet wird und am Ende auch noch gesendet wird. Die Lügen, Halbwahrheiten und der Müll, den Trump in seinem Wahlkampf bisher abgesondert hat, werden im Vergleich dazu harmlos wirken.