Joe Biden gegen Paul Ryan: Die Rede-Schlacht der Vize-Kandidaten

Das Poster zum Fernsehduell zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Paul Ryan, dem Running Mate von Obama-Herausforderer Mitt Romney. „Thrill in the Ville II“ ist eine Anspielung auf den legendären „Thrilla in Manila“ Boxkampf zwischen den beiden Champions Muhammad Ali und Joe Frazier im Jahr 1975.

Thrill in the Ville – das Plakat zum TV-Duell hatte nicht zu viel versprochen. Die einzige Fernseh-Debatte zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Romneys Running Mate Paul Ryan war eine wahre (Rede)-Schlacht.

Mehr als 90 Minuten bekriegten sich die beiden Stellvertreter. Die Themen: Außen- und Sicherheitspolitik. Aber auch die US-Wirtschaft, Religion und Abtreibung wurden diskutiert. Ein Duell, das niemals langweilig wurde. Und eine Debatte, die ihren Namen verdiente. Zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, die austeilen und einstecken konnten. Kein Vergleich zum desaströsen Auftritt von Obama in seinem Duell gegen Mitt Romney, als der Präsident wie er sagte „zu freundlich“ war.

Joe Biden attackiert, Paul Ryan verteidigt erfolgreich

Biden war ganz sicher nicht freundlich, eher im Gegenteil. Der 69-Jährige war aggressiv, direkt und schien von Anfang an ein Ziel zu haben: Die Schmach seines Chefs, Barack Obama, wieder wett zu machen.

Von der ersten Minute an attackierte Biden Ryan und vor allem dessen Chef Mitt Romney. „Das ist doch alles Quatsch“, schimpfte er über angeblich falsche Fakten der Konkurrenz. Und nur 24 Minuten brauchte Biden, um Romney mit dessen „47 Prozent Video“ zu konfrontieren, auf dem er knapp die Hälfte der US-Bürger als Schmarotzer diffamierte. Ein linker Haken, den man auch gerne von Obama gesehen hätte.“

Doch Biden machte auch Fehler. Im Stil. Der Obama Vize schüttelte ständig den Kopf, lachte und verdrehte die Augen über die Aussagen von Ryan. Er nannte ihn mehrfach fast schon oberlehrerhaft „Freund“ und fiel ihm ständig ins Wort. Insgesamt 82 Mal soll Biden nach einer Zählung der Republikaner Ryan unterbrochen haben.

CNN-Blitzumfrage: Ryan gewinnt Debatte gegen Biden

Paul Ryan blieb dagegen gelassen und versuchte zu kontern, wo er nur konnte. Damit gewann er wichtige Punkte. Selbst in der Außen- und Sicherheitspolitik konnte der 42-Jährige mit dem Experten Biden mithalten, ohne allerdings wirklich Lösungen für Krisenherde wie den Iran, Syrien oder Afghanistan zu haben.

Fazit: Biden bestimmte die Debatte und konnte das Obama-Debakel zumindest für einen Abend vergessen lassen. Und auch die verunsicherte Basis der Demokraten dürfte Biden mit seinem Auftritt neu motiviert haben.

Ob Biden allerdings auch die Debatte gewonnen hat, wird sich noch zeigen müssen. Sein Stil und seine Aggressivität könnte viele Amerikaner abgeschreckt haben. Das zeigt auch eine Blitzumfrage von CNN: Danach hat Paul Ryan mit 48 zu 44 Prozent die Debatte gegen Joe Biden gewonnen.

Hoffnungträger Joe Biden

Nach dem Obama-Desaster beim ersten Fernseh-Duell mit einem überzeugendem Herausforderer Mitt Romney hofft der US-Präsident jetzt auf seinen Vize: Joe Biden soll es richten. Ausgerechnet Joe Biden!

Amerikas Vize-Präsident gilt gemeinhin als Unsicherheitsfaktor im Wahlkampf und wird nicht selten zur unfreiwilligen Geheimwaffe der Gegenseite. Der 69-Jährige ist beliebt aber auch bekannt als “Plappermaul” und immer gut für einen echten Klopper. Zuletzt “beerdigte” Biden in einer Rede die “Mittelklasse”, vergaß dabei aber die Republikaner als Schuldige anzuprangern.

Nun also Biden. An diesem Donnerstag trifft sich der Obama-Stellvertreter zum ersten und einzigen Fernseh-Duell mit dem Romney Vize-Kandidaten Paul Ryan in Danville, Kentucky. Der Druck auf die beiden ist enorm: Biden muss seinen schwachen Chef Obama aus dem Stimmungstief rausholen und das Romney-Ryan Ticket als Katastrophe für das Land anprangern. Ryans Ziel dagegen ist es, einen zweiten Sieg für die Republikaner einzufahren.

Joe Biden und Paul Ryan: Intensives Trainingscamp für TV-Debatte

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

“Ich möchte sicher gehen, das mein Gegenüber nicht sagt, dass seine Position auf einmal nicht mehr seine Position ist”, begründete der Polit-Profi Biden seine Vorbereitung. Romney wurde nach der Debatte vorgeworfen, seine Positionen einfach geändert und Obama damit aus dem Konzept gebracht zu haben. Wahlkampf-Lügen schimpften die Romney-Gegner.

Ein Sieg von Joe Biden gegen Paul Ryan ist bitter nötig

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung. Rücksicht wie gegen Palin muss Biden diesmal nicht nehmen. Niemand wird Mitleid für Ryan empfinden, wenn ihn der Vize-Präsident an die Wand spielen würde.

Ein Erfolg von Biden ist für das Obama-Lager sehr wichtig geworden. Durch Obamas desaströsen Auftritt am 3. Oktober ist der schon sicher geglaubte Sieg des Obama-Biden Tickets wieder in Gefahr. Bundesweit hat Obama nach einer Blitzumfrage nach der Debatte seinen klaren Vorsprung fast komplett eingebüßt. Der Amtsinhaber führt nur noch mit 47 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Und auch in den wichtigen Swing States ist der deutliche Vorsprung dahin. In Ohio führt Obama nur noch mit zwei und in Colorado mit noch einem Punkt. In Virginia sind die beiden gleich auf. Aber in Florida hat Romney mit einem Punkt und in North Carolina sogar mit drei Punkten jetzt die Nase vorne.

Das Fernseh-Duell: Obama gegen Romney

It’s Showtime im US-Wahlkampf. Zum ersten Mal treffen Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney an diesem Mittwoch in Denver, Colorado, aufeinander. Ein direktes Duell, Auge in Auge in alter Westernmanier, nur ohne geladene Pistolen. Die Waffen der Kandidaten sind ihre Argumente.

Amerika liebt dieses TV-Spektakel. Vermutlich 50 bis 60 Millionen Zuschauern werden das 90 Minuten Duell verfolgen, bei dem sich Obama und Romney an Stehpulten und nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüberstehen werden. Gastgeber ist die TV-Legende Jim Lehrer (78), der seit 1992 in jedem Wahlkampf mindestens eine Präsidentschafts-Debatte moderiert hat.

Das Aufeinandertreffen ist das erste von insgesamt drei TV-Duellen. Und es ist vermutlich das wichtigste. Romney muss zeigen, dass er nach dem Video-Debakel doch noch die Wende im Wahlkampf schaffen kann. Gelingt dem 65-Jährigen das nicht, braucht er am 6. November zur Wahl nicht mehr antreten.

Romney gewinnt mit einem Unentschieden gegen den Favoriten Obama

Doch der Druck lastet nicht nur auf Romney, sondern auch auf Amtsinhaber Obama. Der Präsident gilt als haushoher Favorit der TV-Debatte und genau das ist sein Problem. Niemand erwartet einen glanzvollen Auftritt von Romney und einen Sieg über Obama. Ein Unentschieden reicht dem Republikaner, um Obama zu schlagen. Ein ähnliches Problem hatte Vize-Kandidat und Politprofi Joe Biden 2004 bei seinem Duell mit der unerfahrenen Sarah Palin. Mitleid für den Außenseiter ist tödlich für den Favoriten.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen auch die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mitt Romney hat sich seit Tagen schon in ein Haus eines Freundes nach Vermont zurückgezogen und probt dort die Diskussion. Sein Obama-Sparringspartner ist Rob Portman, Senator aus Ohio, ein Weißer, der auch als Romneys Vize-Kandidat im Gespräch war.

Obama, der sich seit Sonntag drei Tage lang in Henderson, Nevada, vorbereiten will, hat sich John Kerry als „Gegner“ ausgesucht. Der Senator ähnelt dem Herausforderer (groß, steif, viel und dichtes Haar) und kennt Romney aus Massachusetts. Kerry kann Romney nicht leiden. Außerdem winkt ihm als Dankeschön nach einem Obama-Wahlsieg der Posten von Hillary Clinton als Außenminister.

Obama gegen Romney – Fehler werden bei TV-Debatten nicht verziehen.

Sieg oder Niederlage? Darüber entscheiden bei solchen Debatten oft Kleinigkeiten: Wer wirkt mehr wie ein Präsident, wer hat die besseren Argumente, ohne den Zuschauer mit langen Erläuterungen zu langweilen, wer hat den besseren Witz gemacht oder ganz einfach und subjektiv: Wer wirkt sympathischer und wem vertraut der Wähler mehr.

Nur eins ist sicher: Fehler werden nicht verziehen. Als George Bush Senior in seiner Debatte mit Bill Clinton und Ross Perot 1992 gelangweilt auf seine Uhr schaute, war die Präsidentschaft für ihn gelaufen. Ein Schnitzer, der heute nicht mehr passieren kann: Die Wahlkampfmanager nehmen zur Vorsicht ihren Kandidaten vor der Debatte die Uhren ab.

Volle Deckung!

Präsident Obama – auch am Pool ist er ganz der Commander-in-Chief. Doch auch der zweite Mann im White House kann mit der “Waffe” umgehen. Joe Biden mit “Super Soaker”, Sonnenbrille und Baseball-Mütze.

Entstanden sind die Bilder am vergangenen Wochenende bei einer “Beach Party” in der Residenz von Vize-Präsident Joe Biden in Washington DC. Der “twischerte” das Foto jetzt auf Twitter @JoeBiden.