Wahlkampf-Klamauk: Obama und Romney scherzen, lästern und lachen übereinander

Es geht doch noch lustig.

Knapp drei Wochen vor den Wahlen und vier Tage vor der letzten und entscheidenden Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney in Boca Raton, Florida, haben sich die beiden Konkurrenten bei einem Dinner gegenseitig veralbert. Beim tradionellen Al Smith Wohltätigkeits-Abendessen im New Yorker Waldorf Astoria, findet immer vor den Präsidentschaftswahlen statt, jagte eine Witz-Attacke die nächsten.

Die Höhepunkte aus der 8.58 Minuten langen Rede von Präsident Obama:

  • Bitte nehmen sie ihre Plätze ein, sonst wird Clint Eastwood die Stühle anschreien. (in Anspielung auf den Eastwood Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner)
  • In weniger als drei Wochen werden die Wähler in Ohio, Florida und Virginia über die Wahl entscheiden. Da frage ich mich doch, was machen wir eigentlich hier.
  • Wie sie vielleicht gemerkt haben, hatte ich bei der zweiten Debatte viel mehr Energie. Ich fühlte mich gut erholt nach meinem wirklich schönen und langem Schläfchen während der ersten Debatte.
  • Ich habe viel gelernt (Anm. aus der 1. Debatte). Ich weiß nun, dass es schlimmere Dinge gibt, als an einem Hochzeitstag nur das Geschenk zu vergessen.
  • Ich war heute in ein paar Geschäften in Midtown zum Einkaufen. Ich habe gehört, dass Romney auch in Midtwon war, um ein paar Geschäfte zu kaufen.
  • Sein Mittelname ist Mitt. Ich wünschte, ich könnte meinen Mittelnamen benutzen.

Die Höhepunkte aus der um 1.30 Minuten längeren Ansprache von Mitt Romney, der damit seinen Zeitverlust der zweiten Debatte fast wieder wettmachen konnte.

  • Es ist schön, wenn man mal relaxen kann und das tragen kann, was Ann und ich Zuhause anhaben (Smoking).
  • Ich bin so froh, dass der Präsident heute hier ist. Wir haben uns nett unterhalten, so als ob es Dienstag nie gegeben hätte.
  • Ich habe gehofft, der Präsident bringt Joe Biden mit. Der lacht ja wirklich über alles.
  • Wir befinden uns gerade im letzten Monat der Amtzeit des Präsidenten. Ich frage mich, was er gerade denkt: So wenig Zeit und noch so viel zu verteilen.
  • Wenn ich zu solchen Events wie heute Abend eingeladen werden, werde ich immer gefragt: Sind sie der vorgesehene Fahrer?
  • Ganz im Sinne der Sesamstraße kommt die Rede des Präsidenten mit dem Buchstaben „O“ und 16 Billionen Dollar.
  • Wahlkampf ist anstrengend und wir beide sind froh, dass wir uns nach einem langen Tag an jemanden anlehnen können. Ich habe meine Frau Ann, der Präsident hat Bill Clinton.

„Einen Ordner voller Frauen“

„Binders full of Women – Wie Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ zum Gespött im Netz wurde. Foto via Twitter

Für die Internetgemeinde gab es nach der zweiten Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney an der Hofstra Universität in Hempstead, New York, nur ein Thema: „Einen Ordner voller Frauen.“ Es war Romneys unbedachte und unglückliche Bemerkung wie er als Gouverneur von Massachusetts bei der Besetzung von Kabinetts-Posten Frauen gesucht hatte.

Auf Twitter überschlugen sich die Tweets und es gab in kurzer Zeit einen so genannten Hashtag, ein Top-Thema (#bindersfullofwomen). Und auch auf Facebook wurde der Republikaner schnell zum Gespött der Netzgemeinde.

Konservative Kommentatoren geben Obama den Sieg über Romney

Doch hatte Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ auch die weiblichen Wähler wieder verloren, die er sich nach der ersten Debatte in Denver gerade erst mühsam erkämpft hatte? Eher nicht.

Dennoch, Romney hat die zweite Debatte (65.6 Millionen Zuschauer) gegen einen angriffslustigen Obama verloren. Darüber waren sich nicht nur die Obama-Anhänger einig, auch die konservativen Kommentatoren gaben die Debatte an Obama. Allerdings knapp.

Charles Krauthammer, Kolumnist: „Wenn wir alle Punkte zusammenzählen, hat Obama nach Punkten gewonnen.“

David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush: „Obama hat gewonnen, aber die Mittelklasse hat verloren.“

Mark Halperin, Time: „Niemand kann sagen, Romney habe diese Debatte gewonnen.

Fred Barnes, Weekly Standard: „Obama zeigte Stärke, aber wird es ihm auch reichen? Ich denke, die erste Debatte ist immer noch die entscheidende.“

Joe Scarborough, MSNBC: „Romney stolperte durch das Thema Libyen. Wenn man bedenkt, wie schlecht Obama das heikle Thema behandelt hat, überrascht mich das. Romney hätte Libyen beherrschen müssen.“

Ron Fournier, National Journal: „Obama hat die Debatte gewonnen, aber ob er auch die unabhängigen Wähler erreicht hat, ist eine andere Frage. Romney konnte kontern und wickelte die miserable Wirtschaft Obama um den Hals.“

Ein 1:1 Unentschieden nach der zweiten Debatte. Das dritte und letzte TV-Duell, „The Thrilla in Boca“, am kommenden Montag in Boca Raton, Florida, muss nun die Entscheidung bringen.

Yes, he can (doch). Aggressiver Obama gewinnt zweite TV-Debatte gegen Romney

Knapp zwei Wochen nach dem Debatten-Desaster von Denver hat Präsident Obama seine Scharte wieder wettgemacht. In einem teilweise gutem und hitzig geführtem TV-Duell an der Hofstra-Universität in Hempstead (New York) attackierte der Amtsinhaber seinen Herausforderer Mitt Romney von der erste Minute an. Gleich zweimal nannte ein energiegeladener Obama seinen Gegenüber indirekt einen Lügner, in dem er Aussagen von Romney lautstark als „einfach nicht wahr“ bezeichnete.

Obama macht den Biden – Romney oft in der Defensive

Die Befürchtung die Stadthallen-Debatte, bei der noch unentschlossene Wähler Fragen stellen konnten, würde einen offenen Schlagabtausch verhindern, wurde gleich in den ersten Minuten widerlegt. Ein aggressiver Obama brauchte gerade 59 Sekunden bis er seinen ersten schweren Schwinger in Richtung Romney schlug. Ganz in der Manier seines Vizes Joe Biden in dessen Debatte gegen Romneys Running Mate Paul Ryan – aber ohne herablassendes Lächeln oder Kopfschütteln.

Obama macht den Biden! Und das über die gesamten 90 Minuten, plus vier Minuten Verlängerung. Allein in den ersten 20 Minuten hatte Obama mehr Haken in Richtung Romney abgefeuert als in der gesamten ersten Debatte in Denver. „Romneys fünf Punkte Plan ist tatsächlich ein Ein-Punkt-Plan“, spottete Obama über Romneys Wirtschaftskonzept. „Und der Plan sieht vor, dass die oberen Zehntausend andere Regeln haben als andere.“

Ein Schlag, mit dem Obama gleich am Anfang eins deutlich machen konnte. Amerika hat bei dieser Wahl wirklich eine Wahl: Es geht um zwei unterschiedliche politische Philosophien und Wirtschaftskonzepte. Ein Thema, das Obama in der Debatte immer wieder betonte.

Blitzumfragen: Obama gewinnt zweite Debatte gegen Romney

Romney dagegen sah sich in den gesamten 90 Minuten oft in der Defensive. Doch einfach geschlagen geben wollte sich der Herausforderer nicht. Romney konterte immer wieder erfolgreich und konnte vor allem in der Wirtschaftspolitik Punkte sammeln. Obama dagegen hatte seine Stärken in der Sozial- und auch in der Außenpolitik. Beim dem immer noch ungeklärtem Anschlag auf die US-Botschaft im libyschen Bengazi ließ Romney die größte Chance des Abends allerdings ungenutzt. Obama hatte beim Thema Libyen seinen schwächsten Moment.

Am Ende schaffte es Obama jedoch nicht, Romney in den 90 Minuten Debattenzeit entscheidend zu treffen und zu Boden zu schicken. Das gelang ihm erst in der Nachspielzeit, in der er das „47 Prozent“ Skandalvideo, in dem Romney knapp die Hälfte der Amerikaner als Schmarotzer verspottete. Mit diesem Treffer dürfte Obama auch die Debatte in letzter Minute knapp gewonnen haben.

In einer Blitzumfrage von CNN erklärten 46 Prozent der Befragten Präsident Obama zum Sieger, 39 Prozent votierten für Romney. Und auch CBS sah Obama mit 37 zu 30 Prozent vor seinem Herausforderer.

Zweite TV-Debatte: Macht Obama den Biden?

Noch knapp drei Wochen bis zur Wahl. Und es geht Schlag auf Schlag. Nach der Debatten-Schlacht, „Thrill in the Ville“, von Vize-Präsident Joe Biden gegen Paul Ryan, treffen am Dienstag ihre beiden Bosse, Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney, zum zweiten Mal aufeinander.

Crunchtime für Obama! „Do or die“ – punkten oder untergehen, so heißt das Motto diesmal für den Amtsinhaber.

Nach der desaströsen ersten Debatte muss Obama kämpfen und zeigen, warum er Präsident bleiben will. In Denver hätte man an diesem unbedingten Willen Zweifel bekommen können. Das Obama-Team verspricht einen aggressiveren Präsidenten, der Romney von Anfang an Paroli bieten wird. So wie Biden in seiner Debatte gegen Ryan!?

Die Kandidaten treffen an der Hofstra Universität in Hempstead, New York, aufeinander. Obama und Romney werden sich 90 Minuten lang in einer Stadthallen-Atmosphäre den Fragen der Zuschauer stellen. Für einen Total-Angriff ein schlechtes Umfeld, da die Debatte mehr zwischen Kandidat und Publikum stattfinden wird. Bill Clinton, ein Meister von Town Hall Debatten, wird Obama bestimmt ein paar Tricks verraten haben.

Obama und Romney im Debatten-Boot-Camp

Für Obama ist das Duell eines der wichtigsten seiner Karriere. Nach der Schmach von Denver hat er in Umfragen an Boden verloren. Obama muss angreifen und seine verunsicherte Basis wieder neu motivieren. Was Hoffnungsträger Biden gegen Ryan begonnen hat, muss Obama vollenden. Mitt Rommey dagegen reicht diesmal ein Unentschieden.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen erneut die akribischen Vorbereitungen. Romney begann das Training am Samstagmorgen in einer 4-Stunden-Sitzung mit Obama-Double Rob Portman in einem Hotel in Columbus, Ohio. Nach zwei Wahlkampf-Events will er sich in ein 2-Tage-Camp nach Boston zurückziehen.

Wichtige Rolle für Michelle Obama bei der zweiten Debatte

Obama flog am Samstag mit Air Force One in die alte Kolonialstadt Williamsburg, Virginia (Ankunft 14:54 Uhr) und schloss sich dort für drei Tage in das Kingsmill Resort ein. Dort wo Urlauber beim Golf oder im Spa entspannen und am Wochenende ein Treffen von Ferrari-Fahrern (elf Sportwagen wurden gezählt) stattfand, wollte Obama im Boot-Camp-Stil trainieren. Volles Programm, ohne Ablenkung, ohne große öffentliche Auftritte. Sparringspartner ist erneut John Kerry, der trotz Kritik Obama coachen soll.

Eine wichtige Rolle übernimmt auch Michelle Obama. „Sie war schon immer mein bester Berater und meine härteste Kritikerin“, sagte Obama in einem Interview. Die First Lady wird aber auch am Montag in den wichtigsten Swing States dieser Wahl, Ohio, reisen und dort in Cleveland und Delaware Wahlkampf machen.

Showtime für die zweite Runde der TV-Duelle ist dann am Dienstag um 21.00 Uhr (Ortszeit) – der vielleicht entscheidene Kampf um das White House.

„Thrill in the Ville“ – Reaktionen auf die Debatten-Schlacht zwischen Biden und Ryan

Die Schlacht ist geschlagen. Doch wer hat das TV-Duell (51,4 Millionen Zuschauer) gewonnen? Laut CNN lag Paul Ryan mit 48 zu 44 Prozent vorne. CBS dagegen sieht Vize-Präsident Joe Biden mit 50 Prozent klar vor Ryan mit 31 Punkten (Unentschieden: 19 Prozent). Kommentare und Analysen nach dem „Thrill in the Ville“ in Danville, Kentucky.

New York Times: Knallharte Kampflinien in einem Generationen-Duell. Die Debatte war einer der besten seit vielen Jahren und hat gezeigt, dass man mit Leidenschaft, Wut, Lachen und Substanz unterschiedliche Meinungen vertreten kann.

Washington Post: Biden wirkte, als ob er die Obama-Schmach wettmachen wollte.

Wall Street Journal: Knallharte Haken bestimmten die Debatte. Biden war gut für die Basis und half, das Obama-Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Ryan wehrte sich erfolgreich gegen jeden Vorwurf. Ein solide Vorstellung auch in der Außenpolitik.

New York Daily News: Ein lächelnder Joe beißt zurück. Biden schwingt wilde Haken. Ryan bleibt cool und attackiert die Politik des Präsidenten.

Mark Halperin, Time: Ryan hat mit einem kleinen Vorsprung gewonnen. Aber nur, weil viele Leute das Verhalten des Vize-Präsidenten missbilligten. Biden zeigte nicht genug Anstand und zu wenig von seiner positiven Seite. Meine Wertung: Ryan: B; Biden: B-

Paul Begala, Ex-Berater von Bill Clinton: Biden hat Romney vor Gericht gezogen und der Basis der Demokraten neues Leben eingehaucht.

Alex Castellanos, republikanischer Analyst: Biden war auf einer Mission. Er hat die Basis neu motiviert. Ryan war sehr selbstsicher, auch in der Außenpolitik. Ich würde sagen, es war ein unentschieden.

John King, CNN: Beide sind glückliche Krieger, die lieben, was sie tun. Sie waren bei eigentlich allen Themen völlig anderer Meinung. Biden hat seinem Boss gezeigt wie Debatte geht.

Verbitterter Joe Biden gegen einen freundlichen Paul Ryan

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Joe Biden gegen Paul Ryan: Die Rede-Schlacht der Vize-Kandidaten

Das Poster zum Fernsehduell zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Paul Ryan, dem Running Mate von Obama-Herausforderer Mitt Romney. „Thrill in the Ville II“ ist eine Anspielung auf den legendären „Thrilla in Manila“ Boxkampf zwischen den beiden Champions Muhammad Ali und Joe Frazier im Jahr 1975.

Thrill in the Ville – das Plakat zum TV-Duell hatte nicht zu viel versprochen. Die einzige Fernseh-Debatte zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Romneys Running Mate Paul Ryan war eine wahre (Rede)-Schlacht.

Mehr als 90 Minuten bekriegten sich die beiden Stellvertreter. Die Themen: Außen- und Sicherheitspolitik. Aber auch die US-Wirtschaft, Religion und Abtreibung wurden diskutiert. Ein Duell, das niemals langweilig wurde. Und eine Debatte, die ihren Namen verdiente. Zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, die austeilen und einstecken konnten. Kein Vergleich zum desaströsen Auftritt von Obama in seinem Duell gegen Mitt Romney, als der Präsident wie er sagte „zu freundlich“ war.

Joe Biden attackiert, Paul Ryan verteidigt erfolgreich

Biden war ganz sicher nicht freundlich, eher im Gegenteil. Der 69-Jährige war aggressiv, direkt und schien von Anfang an ein Ziel zu haben: Die Schmach seines Chefs, Barack Obama, wieder wett zu machen.

Von der ersten Minute an attackierte Biden Ryan und vor allem dessen Chef Mitt Romney. „Das ist doch alles Quatsch“, schimpfte er über angeblich falsche Fakten der Konkurrenz. Und nur 24 Minuten brauchte Biden, um Romney mit dessen „47 Prozent Video“ zu konfrontieren, auf dem er knapp die Hälfte der US-Bürger als Schmarotzer diffamierte. Ein linker Haken, den man auch gerne von Obama gesehen hätte.“

Doch Biden machte auch Fehler. Im Stil. Der Obama Vize schüttelte ständig den Kopf, lachte und verdrehte die Augen über die Aussagen von Ryan. Er nannte ihn mehrfach fast schon oberlehrerhaft „Freund“ und fiel ihm ständig ins Wort. Insgesamt 82 Mal soll Biden nach einer Zählung der Republikaner Ryan unterbrochen haben.

CNN-Blitzumfrage: Ryan gewinnt Debatte gegen Biden

Paul Ryan blieb dagegen gelassen und versuchte zu kontern, wo er nur konnte. Damit gewann er wichtige Punkte. Selbst in der Außen- und Sicherheitspolitik konnte der 42-Jährige mit dem Experten Biden mithalten, ohne allerdings wirklich Lösungen für Krisenherde wie den Iran, Syrien oder Afghanistan zu haben.

Fazit: Biden bestimmte die Debatte und konnte das Obama-Debakel zumindest für einen Abend vergessen lassen. Und auch die verunsicherte Basis der Demokraten dürfte Biden mit seinem Auftritt neu motiviert haben.

Ob Biden allerdings auch die Debatte gewonnen hat, wird sich noch zeigen müssen. Sein Stil und seine Aggressivität könnte viele Amerikaner abgeschreckt haben. Das zeigt auch eine Blitzumfrage von CNN: Danach hat Paul Ryan mit 48 zu 44 Prozent die Debatte gegen Joe Biden gewonnen.

Kann Obama die Wahl verlieren?

Das Obama-Desaster: In Anlehnung an die Stuhl-Nummer von Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner spottet das Magazin „The New Yorker“ auf seinem aktuellen Titel über den Auftritt von Präsident Obama im ersten TV-Duell mit Herausforderer Mitt Romney.

Panik im Obama-Lager!

Das Debatten-Desaster scheint für Obama verheerende Folgen zu haben. Der sicher geglaubte Sieg am 6. November ist wieder in Frage gestellt. Die Umfragen haben sich gedreht. Nicht mehr der Amtsinhaber liegt deutlich vorne, sondern Herausforderer Mitt Romney. Verunsicherte Präsidenten-Anhänger fragen bereits: Kann Obama die Wahl verlieren?

Yes, he can! Insgesamt 49 Prozent der „wahrscheinlichen US-Wähler“ (likely voters) wollen aktuell Mitt Romney ihre Stimme geben aber nur noch 45 Prozent Obama. Das haben die Meinungsforscher des Pew Research Center ermittelt. Vor der TV-Duell-Katastrophe führte Obama noch mit 51 zu 43 Prozent. Und auch CNN sieht Romney in seinen Befragungen vorne, mit 48 zu 47 Prozent jedoch denkbar knapp. Doch es ist ein Kreuz mit den Umfragen. Unter „allen registrierten Wählern“ hat Obama laut CNN noch immer einen Vorsprung von 49 zu 46 Prozent. Ein Hoffnungsschimmer für die Demokraten?

Diese bundesweiten Zahlen sind bisher nur ein Trend. Entschieden wird bekanntlich in den Swing States und da sieht es etwas besser aus für Obama, auch wenn er auch hier seine deutliche Führung verloren hat. In Ohio führt Obama noch mit vier, in Virginia mit drei und in Wisconsin mit zwei Punkten. In Florida und North Carolina hat dagegen Romney mit zwei, respektive sieben Punkten die Nase vorn. Noch allerdings reicht es für Obama. Noch!

Im Moment spricht der Trend gegen Obama. Doch Grund zum Verzweifeln wie Newsweek Autor und Obama-Fan, Andrew Sullivan („Niederschmetternd“), gibt es eigentlich noch nicht. Am Donnerstag steigt Vize-Präsident Joe Biden gegen Romneys Stellvertreter Paul Ryan in den Debatten-Ring. Da kann sich die Stimmung schon wieder drehen.

Am 16. Oktober und 22. Oktober kommt es dann zum zweiten und dritten Showdown zwischen Obama und Romney. Zwei TV-Duelle, in denen der Präsident die Schmach von Denver wieder wettmachen kann. Diese Chancen sollte er allerdings nutzen, ansonsten gibt es wirklich Grund zur Panik. Denn geht Obama auch bei diesen beiden Debatten unter, kann ihn vermutlich nur noch Big Bird retten.

Dream Team: Obama-Big Bird

TV-Spot: Big Bird und Präsident Obama gegen Herausforderer Romney

Big Bird, übernehme!

Eine Woche nach seinem katastrophalen Auftritt in der ersten Fernseh-Debatte mit Mitt Romney hat Präsident Obama einen neuen, unerwarteten Verbündeten: Big Bird. Der beliebte gelbe Vogel aus der Sesamstraße ist ins Fadenkreuz der Republikaner geraten. Obama Herausforderer Mitt Romney will zur Sanierung des US-Haushaltes Big Bird nicht nur rupfen, sondern gleich ganz schlachten.

„Es tut mir leid. Ich werde die Subventionen für PBS streichen“, verkündete Mitt Romney vor 67 Millionen TV-Zuschauern in der 90-Minute-Debatte am vergangenen Mittwoch. „Ich mag PBS und ich liebe Big Bird. Aber ich werde mir nicht mehr Geld aus China leihen für Dinge, die wir nicht brauchen.“ Big Bird und der öffentliche TV-Sender PBS als Retter des defizitären US-Budgets?

Das neue Dream Team im US-Wahlkampf: Obama und Big Bird!

Romneys Gegner nahmen den Spruch dankbar auf und starteten im Internet eine Blitz-Kampagne. Motto: Rettet Big Bird! Und auch Obama sah eine Chance die Schmach von Denver wettzumachen und verbündete sich mit der Sesamstraße. „Elmo, pass nur auf“, scherzte Obama bei einem Wahlkampfauftritt. „Sie sind auch hinter dir her.“

Mittlerweile ist aus dem Spaß politischer Ernst geworden. In einem TV-Werbespot greift das neue Dream Team, Obama-Big Bird, Romney scharf an: „Ein Mann hat den Mut, seinen Namen endlich auszusprechen“, heißt es in dem Clip und zeigt dabei die verurteilten Wall Street Verbrecher Bernie Madoff, Ken Lay und Dennis Kozlowski. „Wer ist das teuflische Genie hinter diesen Kriminellen. Es ist Big Bird, Big Bird, Big Bird.“

„Groß, gelb und eine Bedrohung für unsere Wirtschaft“ heißt es weiter. „Mitt Romney weiß, es ist nicht Wall Street, über die man sich Sorgen machen muss, es ist die Sesamstraße.“ Am Ende zeigt der Spot Big Bird mit einem Teddybären in seinem Nest. „Mitt Romney stellt sich unseren Feinden, egal wo sie ihr Nest haben.“

PS: Die Subventionen für PBS und Big Bird betragen 0,001 Prozents des US-Haushaltes! Allein das US-Verteidigungsministerium verschlingt in etwa sechs Stunden mehr als PBS und Big Bird in einem Jahr!

Hoffnungträger Joe Biden

Nach dem Obama-Desaster beim ersten Fernseh-Duell mit einem überzeugendem Herausforderer Mitt Romney hofft der US-Präsident jetzt auf seinen Vize: Joe Biden soll es richten. Ausgerechnet Joe Biden!

Amerikas Vize-Präsident gilt gemeinhin als Unsicherheitsfaktor im Wahlkampf und wird nicht selten zur unfreiwilligen Geheimwaffe der Gegenseite. Der 69-Jährige ist beliebt aber auch bekannt als “Plappermaul” und immer gut für einen echten Klopper. Zuletzt “beerdigte” Biden in einer Rede die “Mittelklasse”, vergaß dabei aber die Republikaner als Schuldige anzuprangern.

Nun also Biden. An diesem Donnerstag trifft sich der Obama-Stellvertreter zum ersten und einzigen Fernseh-Duell mit dem Romney Vize-Kandidaten Paul Ryan in Danville, Kentucky. Der Druck auf die beiden ist enorm: Biden muss seinen schwachen Chef Obama aus dem Stimmungstief rausholen und das Romney-Ryan Ticket als Katastrophe für das Land anprangern. Ryans Ziel dagegen ist es, einen zweiten Sieg für die Republikaner einzufahren.

Joe Biden und Paul Ryan: Intensives Trainingscamp für TV-Debatte

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

“Ich möchte sicher gehen, das mein Gegenüber nicht sagt, dass seine Position auf einmal nicht mehr seine Position ist”, begründete der Polit-Profi Biden seine Vorbereitung. Romney wurde nach der Debatte vorgeworfen, seine Positionen einfach geändert und Obama damit aus dem Konzept gebracht zu haben. Wahlkampf-Lügen schimpften die Romney-Gegner.

Ein Sieg von Joe Biden gegen Paul Ryan ist bitter nötig

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung. Rücksicht wie gegen Palin muss Biden diesmal nicht nehmen. Niemand wird Mitleid für Ryan empfinden, wenn ihn der Vize-Präsident an die Wand spielen würde.

Ein Erfolg von Biden ist für das Obama-Lager sehr wichtig geworden. Durch Obamas desaströsen Auftritt am 3. Oktober ist der schon sicher geglaubte Sieg des Obama-Biden Tickets wieder in Gefahr. Bundesweit hat Obama nach einer Blitzumfrage nach der Debatte seinen klaren Vorsprung fast komplett eingebüßt. Der Amtsinhaber führt nur noch mit 47 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Und auch in den wichtigen Swing States ist der deutliche Vorsprung dahin. In Ohio führt Obama nur noch mit zwei und in Colorado mit noch einem Punkt. In Virginia sind die beiden gleich auf. Aber in Florida hat Romney mit einem Punkt und in North Carolina sogar mit drei Punkten jetzt die Nase vorne.

„Hatte Obama sein Double geschickt?“ – Reaktionen auf das erste Fernseh-Duell

Die Kommentatoren waren sich einig. Romney hat das erste TV-Duell (67,2 Millionen Fernseh-Zuschauer) deutlich für sich entscheiden können. Und Präsident Obama musste eine ungewohnt schwere Niederlage einstecken. Einige Beobachter zweifelten zwar am Wahrheitsgehalt von Romneys Aussagen zu dessen Steuerpolitik, aber nur wenige und meist nur die 150 prozentigen Obama-Treuen fanden positive Worte für den Amtsinhaber: „Wir sind zufrieden mit seinem Auftritt“, erklärte Obamas Wahlkampf-Manager David Plouffe.“ Bleibt die Frage, welche Debatte Plouffe gesehen hatte.

Ansonsten schimpften selbst Obama freundliche Beobachter über einen äußerst schwachen Präsidenten:

Joe Klein, Time Magazine: „Obama hat einen Tritt in den Hintern bekommen. Es war der schlechteste Auftritt eines amtierenden Präsidenten. Wo war er heute Abend nur? Warum hat er nicht einfach Englisch mit uns gesprochen? Hatte Obama sein Double in die Debatte geschickt?“

David Gergen, CNN-Analyst: „Vor einer Woche haben die Leute gesagt, die Wahl sei gelaufen. Seit heute Abend haben wir wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen.“

Michael Grundwald, Time Magazine: „Wenn Obama seine vier Jahre nicht verteidigen kann, warum sollte Amerika ihm noch weitere vier Jahre geben.“

Brit Hume, FoxNews: „Das war ein sehr starker Auftritt von Romney. Er brauchte einen. Und er hat ihn geliefert.“

New York Times: „Romney schien von seinen eigenen Wahlkampf-Slogen davonzulaufen. Obama hat die Fakten immer noch auf seiner Seite. Die Frage ist nur, wann er sie auch aggressiv einsetzen wird.“

Alex Castellanos, Analyst der Republikaner: „Ich denke, es war der beste Moment im Wahlkampf von Mitt Romney, genauso wie Bill Clinton bisher den besten Auftritt in Obamas Wahlkampf hatte.“

James Carville, Bill Clintons Ex-Top-Berater: „Es sah aus, als ob Romney heute Abend hier sein wollte und Obama nicht. Ich denke, Romney hatte einen guten Abend. Er brauchte ihn auch.

Joan Walsh, Salon.com: „Romney hat sich durch die ganze Debatte gelogen, ohne dass ihn Moderator Jim Lehrer herausgefordert hat.“

„Es war ein Massaker: Romney vernichtet Obama“ Weiterlesen