US-Präsident Obama: „Ich bin wirklich gut im Töten von Menschen“

Time-Journalist Mark Halperin und sein Kollege John Heilemann haben ein neues Buch geschrieben. „Double Down“ heißt das Werk, das eine Fortsetzung ihres grandiosen „Game Change“ aus dem Jahr 2010 ist.

Während der erste Teil hinter die Kulissen von Obamas ersten Wahlkampf gegen John McCain im Jahr 2008 blickte und dabei unter anderem die völlig überforderte Sarah Palin entzauberte, geht es diesmal um den Kampf um das White House im Jahr 2012 zwischen Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney.

Das Buch gibt dabei erneut brisante Einblicke hinter die Wahlkampf-Kulissen. Es stellt Obama als einen kühlen und teilweise zynischen Machtpolitiker dar, der nicht nur stolz auf sein umstrittenes Drohnen-Programm ist, sondern auch bereit war, seinen Vize-Präsidenten Joe Biden aus rein taktischen Gründen durch Hillary Clinton zu ersetzen.

Präsident Obama lobt Drohnen-Programm, will Vize Biden durch Hillary ersetzen

Hier die wichtigsten Punkte aus dem Buch von Halperin und Heilemann, das am Dienstag in den USA erscheinen wird.

  • Als Obama 2011 über seine Erfolge seiner dreijährigen Präsidentschaft nachdachte, lobte er sich selbst für seine umstrittene Drohnen-Politik, mit der er wie kein anderer US-Commander-in-Chief zuvor auf Terroristenjagd gegangen war und noch heute geht. „Wie sich herausstellte, bin ich wirklich gut im Töten von Menschen“, soll Obama als Erfolg aufgeschrieben haben. „Ich dachte nicht, dass das einmal eine meiner Stärken werden würde.“
  • Als Obama sich in den Umfragen mit Mitt Romney ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, soll er ernsthaft erwogen haben, den eher blassen Vize-Präsidenten Joe Biden, einfach vor die Tür zu setzen. Hillary Clinton sollte seinen Posten übernehmen und damit die Wiederwahl sichern. Als das Obama-Wahlkampfteam allerdings bei Probe-Umfragen mit Hillary als Vize-Chefin keine spürbare Verbesserung der Zahlen erkennen konnte, wurde die Idee wieder fallengelassen.
  • Obama und Bill Clinton gerieten während des Wahlkampfes offenbar mehrmals aneinander. Eine Golfrunde der beiden wurde mitten im Spiel abgebrochen. Clinton forderte von Obama, dass er Hillarys Schulden aus den Vorwahlen übernehmen sollte. Dafür wollte er auf dem Parteitag auch eine positive Rede halten. Die vielgelobte Ansprache, die der Ex-Präsident am Ende hielt, war nicht vom Obama-Team abgestimmt. Clinton hatte Obama zwar eine 3279 Worte lange Rede zum Lesen gegeben. Am Ende waren seine Ausführungen allerdings mit 5888 Worten fast doppelt so lang und hatten mit dem ursprünglichen Manuskript nur noch wenig gemein.

Romney nennt Christie „Pufferfisch“, Clint Eastwood „schweren Autounfall“

Neben Obama schreiben die beiden Autoren auch detailliert über den Wahlkampf von Mitt Romney:

  • So soll Romney bei der Suche nach seinem Vize den potentiellen Kandidaten Fischnamen gegeben haben. Bei der Operation „Goldfisch“ wurde der übergewichtige Chris Christie zu einem aufgeblasenen „Pufferfisch“. Christie fiel am Ende wegen seiner Köperfülle durch.
  • Auf Christie war Romney nach dessen Rede auf dem Parteitag in Tampa, Florida,  stinksauer. Sein Manager Matt Rhoades soll Christie später in einem Telefonat angebrüllt haben und das „in einer Sprache, die man nicht wiedergeben kann“.
  • Clint Eastwoods Rede auf dem Parteitag wurde vom Team-Romney als „schwerer Autounfall“ bezeichnet. Der Romney-Berater Stuart Stevens war so sauer, dass er „mit Dingen warf, Eastwood verfluchte und am Ende völlig fertig zusammengebrochen sein soll“.

Wahlkampf-Klamauk: Obama und Romney scherzen, lästern und lachen übereinander

Es geht doch noch lustig.

Knapp drei Wochen vor den Wahlen und vier Tage vor der letzten und entscheidenden Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney in Boca Raton, Florida, haben sich die beiden Konkurrenten bei einem Dinner gegenseitig veralbert. Beim tradionellen Al Smith Wohltätigkeits-Abendessen im New Yorker Waldorf Astoria, findet immer vor den Präsidentschaftswahlen statt, jagte eine Witz-Attacke die nächsten.

Die Höhepunkte aus der 8.58 Minuten langen Rede von Präsident Obama:

  • Bitte nehmen sie ihre Plätze ein, sonst wird Clint Eastwood die Stühle anschreien. (in Anspielung auf den Eastwood Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner)
  • In weniger als drei Wochen werden die Wähler in Ohio, Florida und Virginia über die Wahl entscheiden. Da frage ich mich doch, was machen wir eigentlich hier.
  • Wie sie vielleicht gemerkt haben, hatte ich bei der zweiten Debatte viel mehr Energie. Ich fühlte mich gut erholt nach meinem wirklich schönen und langem Schläfchen während der ersten Debatte.
  • Ich habe viel gelernt (Anm. aus der 1. Debatte). Ich weiß nun, dass es schlimmere Dinge gibt, als an einem Hochzeitstag nur das Geschenk zu vergessen.
  • Ich war heute in ein paar Geschäften in Midtown zum Einkaufen. Ich habe gehört, dass Romney auch in Midtwon war, um ein paar Geschäfte zu kaufen.
  • Sein Mittelname ist Mitt. Ich wünschte, ich könnte meinen Mittelnamen benutzen.

Die Höhepunkte aus der um 1.30 Minuten längeren Ansprache von Mitt Romney, der damit seinen Zeitverlust der zweiten Debatte fast wieder wettmachen konnte.

  • Es ist schön, wenn man mal relaxen kann und das tragen kann, was Ann und ich Zuhause anhaben (Smoking).
  • Ich bin so froh, dass der Präsident heute hier ist. Wir haben uns nett unterhalten, so als ob es Dienstag nie gegeben hätte.
  • Ich habe gehofft, der Präsident bringt Joe Biden mit. Der lacht ja wirklich über alles.
  • Wir befinden uns gerade im letzten Monat der Amtzeit des Präsidenten. Ich frage mich, was er gerade denkt: So wenig Zeit und noch so viel zu verteilen.
  • Wenn ich zu solchen Events wie heute Abend eingeladen werden, werde ich immer gefragt: Sind sie der vorgesehene Fahrer?
  • Ganz im Sinne der Sesamstraße kommt die Rede des Präsidenten mit dem Buchstaben „O“ und 16 Billionen Dollar.
  • Wahlkampf ist anstrengend und wir beide sind froh, dass wir uns nach einem langen Tag an jemanden anlehnen können. Ich habe meine Frau Ann, der Präsident hat Bill Clinton.

Hollywood gegen Wall Street – wie die Promis Obama und Romney unterstützen

Lindsay Lohan für Mitt Romney, Bruce „the Boss“ Springsteen für Präsident Obama. Das sind nur die jüngsten von vielen Hollywood-Stars und -Sternchen, die sich bei der Wahl 2012 engagieren. Kurz vor den beiden letzten und vielleicht entscheidenden TV-Debatten scharen sich die Promis jetzt erneut um ihre Kandidaten.

So versprach Skandalnudel Lohan Romney ihre Stimme zu geben, weil sie „weniger Steuern zahlen will“ und weil das mit der „Arbeitslosigkeit ja wichtig“ sei. Springsteen, ein langjähriger Demokrat, gibt bei den Wahlen gleich zweimal seine Stimme: „The Boss“ reist diesen Donnerstag mit Bill Clinton nach Parma, Ohio. Der eine singt, der andere redet für Obama.

Hollywood liebt Präsident Obama, die Wall Street Herausforderer Mitt Romney

Keine drei Wochen bis zur Wahl und Hollywood rüstet zum finalen Gefecht. Dabei hat Barack Obama die größere und berühmtere Truppe hinter sich. Tinseltown liebt seinen „schwarzen Kennedy“. Das war schon 2008 so. Doch kann Hollywood auch die Wahl entscheiden?

Top-Stars wie George Clooney, Sarah Jessica Parker oder Scarlett Johansson sammeln Millionen an Dollars für Obama. Andere wie Tom Hanks, Brad Pitt und Angelina Jolie sowie Jennifer Lopez, Halle Berry, Leonardo DiCaprio, Steven Spielberg und Eva Longoria unterstützen Obama lautstark und mit großzügigen Spenden. Und das ist nur eine kleine Auswahl einer langen Liste.

Romney kann seine Top-Stars aus der Glitzermetropole an zwei Händen abzählen. Clint Eastwood, der gerne öffentlich mit einem leeren Stuhl zu Obama spricht und Action-Held Chuck Norris, sind A-Liste. Doch nach „Dirty Harry“ und „Walker, Texas Rancher“ braucht es schon guten Willen, um weitere Super-Stars zu finden: Kiss-Frontman Gene Simmons, Donald Trump, Kid Rock und Jon Voight, Vater von Angelina Jolie.

Übergelaufen zu Romney ist Cindy Crawford. Das Super-Model hat 2008 noch Obama unterstützt, jetzt sammelt die 46-Jährige Spenden für Romney – bisher mindestens 10,25 Millionen Dollar. Und auch Porno-Königin Jenna Jameson steht auf Romney. Für eine zumindest öffentlich prüde Partei eine eher zweifelthafte Beziehung. (Die Pornoindustrie insgesamt steht laut einer Umfrage mit 68 zu 13 Prozent hinter Obama)

Doch selbst mit Crawford, Jameson und Eastwood – im Vergleich mit Obama, dessen Promi-Liste an eine Oscar-Verleihung erinnert, ist das eher bescheiden.

Mitt Romney kann bei solcher Starpower nur neidvoll auf seine wichtigsten Spender verweisen. Die stehen nicht im Rampenlicht, sondern auf der Forbes-Liste der Top-Verdiener des Landes.

Finanzpower gegen Starpower! Bleibt die Frage, wer am Ende den größeren Einfluss auf den Ausgang der Wahl hat.

Kann Obama die Wahl verlieren?

Das Obama-Desaster: In Anlehnung an die Stuhl-Nummer von Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner spottet das Magazin „The New Yorker“ auf seinem aktuellen Titel über den Auftritt von Präsident Obama im ersten TV-Duell mit Herausforderer Mitt Romney.

Panik im Obama-Lager!

Das Debatten-Desaster scheint für Obama verheerende Folgen zu haben. Der sicher geglaubte Sieg am 6. November ist wieder in Frage gestellt. Die Umfragen haben sich gedreht. Nicht mehr der Amtsinhaber liegt deutlich vorne, sondern Herausforderer Mitt Romney. Verunsicherte Präsidenten-Anhänger fragen bereits: Kann Obama die Wahl verlieren?

Yes, he can! Insgesamt 49 Prozent der „wahrscheinlichen US-Wähler“ (likely voters) wollen aktuell Mitt Romney ihre Stimme geben aber nur noch 45 Prozent Obama. Das haben die Meinungsforscher des Pew Research Center ermittelt. Vor der TV-Duell-Katastrophe führte Obama noch mit 51 zu 43 Prozent. Und auch CNN sieht Romney in seinen Befragungen vorne, mit 48 zu 47 Prozent jedoch denkbar knapp. Doch es ist ein Kreuz mit den Umfragen. Unter „allen registrierten Wählern“ hat Obama laut CNN noch immer einen Vorsprung von 49 zu 46 Prozent. Ein Hoffnungsschimmer für die Demokraten?

Diese bundesweiten Zahlen sind bisher nur ein Trend. Entschieden wird bekanntlich in den Swing States und da sieht es etwas besser aus für Obama, auch wenn er auch hier seine deutliche Führung verloren hat. In Ohio führt Obama noch mit vier, in Virginia mit drei und in Wisconsin mit zwei Punkten. In Florida und North Carolina hat dagegen Romney mit zwei, respektive sieben Punkten die Nase vorn. Noch allerdings reicht es für Obama. Noch!

Im Moment spricht der Trend gegen Obama. Doch Grund zum Verzweifeln wie Newsweek Autor und Obama-Fan, Andrew Sullivan („Niederschmetternd“), gibt es eigentlich noch nicht. Am Donnerstag steigt Vize-Präsident Joe Biden gegen Romneys Stellvertreter Paul Ryan in den Debatten-Ring. Da kann sich die Stimmung schon wieder drehen.

Am 16. Oktober und 22. Oktober kommt es dann zum zweiten und dritten Showdown zwischen Obama und Romney. Zwei TV-Duelle, in denen der Präsident die Schmach von Denver wieder wettmachen kann. Diese Chancen sollte er allerdings nutzen, ansonsten gibt es wirklich Grund zur Panik. Denn geht Obama auch bei diesen beiden Debatten unter, kann ihn vermutlich nur noch Big Bird retten.

Hollywoods Haudegen gegen Obama

Hollywoods alternde Action-Stars fahren schwere Geschütze gegen Präsident Obama auf. Nachdem sich auf dem Parteitag der Republikaner Western-Legende Clint Eastwood (82) für Mitt Romney zum Clown machte und mit einem leeren Stuhl kommunizierte, legt jetzt sein Kumpel Chuck Norris – auch nicht mehr ganz der Jüngste – in einem Video nach.

„Tausend Jahre Dunkelheit“, prophezeien Action-Star Chuck Norris und Frau Gena

Hand in Hand mit seiner Frau Gena O’Kelley prophezeit der 72-jährige Aktionsstar Norris in seiner „düsteren Warnung an Amerika“ den Untergang der USA, falls Obama wiedergewählt werde. „Unser großes Land und unsere Freiheit werden angegriffen“, spricht Norris mit ernster Miene in die Kamera. Er ist ganz in schwarz gekleidet während seine Frau eine helle Bluse und helle Hose trägt. Im Hintergrund hängt eine US-Flagge an der Wand.

„Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen und es ist sehr wahrscheinlich, dass unser Land, so wie wir es kennen, für immer verloren ist, wenn wir den Kurs nicht ändern“, orakelt Norris.

Insgesamt zwei Minuten und 15 Sekunden dauert das Video, das Norris für die erzkonservativen News-Webseite WND produzierte. Die 49-jährige Ehefrau sekundiert dabei nicht nur brav, sie warnt ebenfalls vor „tausend Jahre Dunkelheit“ falls Obama wieder Präsident wird.

Norris, der gerade mit dem Action-Film „The Expendables 2“ in den Kinos zu sehen ist, gilt als stramm konservativer Republikaner. Er zählt zur religiösen Rechten der Partei und hatte sich im Wahlkampf 2008 für den Pastor und Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, eingesetzt. Huckabee verlor gegen John McCain.

„In 2008 sind etwa 30 Millionen evangelikale Christen am Wahltag Zuhause geblieben“, behauptet Norris Frau Gena. „Und Obama gewann nur mit einem Vorsprung von zehn Millionen Stimmen.“ Auch diesmal ist die religiöse Rechte unentschlossen, ob sie den Mormonen Romney wählen kann. Für sie ist Mormonismus eine Sekte und Kult.

Zum Schluss darf dann wieder Norris mit seinen düsteren Prognosen ran. Man müsse etwas tun, damit unser Land nicht „in den Sozialismus oder etwas noch viel schlimmeres“ abrutsche. „Bitte, lasst uns die Reihen schließen für Gott und unser Land“. ”Wir sehen uns an der Wahlurne.“

Von Republikanern lernen . . .

Foto: Michael Remke

Der dreitägige Jubel-Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida, ist vorbei. Was ist geblieben? Neun Dinge, die wir gelernt haben:

  • Mitt Romney kann keine begeisternde und mitreisende Reden halten.
  • Western-Legende Clint Eastwood kann sich auch zum Clown machen.
  • Vize-Kandidat Paul Ryan erzählt gerne Märchen und legt sich die Wahrheit so zurecht wie er sie gerne braucht.
  • Von Einheit bei den Republikanern ist nicht zu spüren. Die Partei ist tief gespalten in eine stramm von der Tea-Party bestimmte religiös-konservative Rechte um Paul Ryan, Gemäßigte um Mitt Romney und Liberale um Ron Paul.
  • Das Parteiprogramm ist das konservativste in der Geschichte der GOP und für Frauen nur schwer verdaulich.
  • Chris Christie empfahl sich mit seiner Rede als Kandidat für 2016. In seiner 5-Seiten-Ansprache erwähnte er Romney sieben Mal, das Wort “Ich” 37 Mal. Christie soll selbst nicht an einen Romney-Sieg glauben.
  • Romney (65) gehört zur alten Generation bei den Republikanern. Eine neue junge Elite um Paul Ryan (42), Marco Rubio (41) und Nikki Haley (40) wird die Partei nach dem möglichen Scheitern von Romney übernehmen.
  • Romney bleibt auch weiterhin der ungeliebte Kandidat und nur ein Kompromis.
  • Ein Team Christie/Rubio oder Christie/Ryan wäre das bessere und für Obama gefährlichere Ticket gewesen.

Das Duell: Eastwood gegen Obama

Es war ein peinlicher Auftritt: Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida. Fast zwölf Minuten stotterte sich der 82-jährige „Dirty Harry“ auf der Bühne einen ab und sprach zu einem imaginären Präsidenten Obama, der hinter ihm auf einem leeren Stuhl saß.

Eastwood faselte von konservativen Hollywoodstars (mehr als sich selbst und Jon Voight fielen ihm aber nicht ein) und versuchte witzig zu sein. Auch wenn der alternde Westernheld das Publikum im Saal amüsierte, es war ein seltsamer und trauriger Auftritt. Eine Legende demontierte sich selbst. Schade.

Barack Obama konterte mittlerweile den Eastwood-Auftritt und twitterte ein Bild von sich – auf einem besetzten Stuhl. Sein Spruch dazu: „This Seat is taken“ – dieser Platz ist besetzt. Touche!

Foto: Barack Obama via Twitter