Mensch, Obama!

Ich habe Barack Obama 2008 zum ersten Mal getroffen. Es war Vorwahlkampf und die Demokraten tingelten mehrere Tage durch New Hampshire. Hillary Clinton galt damals als gesetzt. Die anderen Kandidaten waren nur Beiwerk – auch Obama. Ein Schwarzer! Ein Außenseiter! Wie sollte der Senator aus Illinois Hillary gefährlich werden?

Später, nach seiner Wahl, habe ich den Präsidenten Obama auf Staatsbesuchen begleitet.

Obama Staatsbesuche

Unterwegs mit Obama. Hier in „Press One“ 2009 auf dem Weg nach London, Straßburg, Kehl/Baden-Baden und Prag.

Das erste Mal war das im März/April 2009 in London, Straßburg, Kehl/Baden-Baden und Prag, sowie zwei Monate später in Saudi-Arabien, Kairo, Dresden und Paris. Ich habe seine bewegende Rede an der Universität von Kairo gehört und die Hoffnung gespürt, die damals nicht nur in der arabischen, sondern in der ganzen Welt herrschte. Ein US-Präsident ohne Drohgebärde. Einer, der Kriege beenden und keine neuen anzetteln wollte. Der voreilig vergebene Friedensnobelpreis war eine Reaktion darauf.

Obama sah sich nie als Messias: Die Kritik ist schäbig!

Sein Verhältnis zu Deutschland, zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, war in dieser Zeit angespannt. „Die beiden“, so hörte ich zufällig eine Unterhaltung von engen Beratern in Dresden mit an, „können einfach nicht miteinander.“ Mittlerweile zählt Obama Merkel zu seinen politischen Freunden.

Überall, wo Obama auftrat, galt er als Hoffnungsträger. Die internationalen Medien erhoben ihn gar in den Stand eines Messias. Sich jetzt zu beschweren, dass er doch nicht der Heiland war, ist schäbig. Obama hat diesen Anspruch nie gehabt. Und dennoch hat er in seinen beiden Amtszeiten mehr erreicht, als die meisten seiner Vorgänger.

Obama Erfolg: Bewältigung der Wirtschaftskrise

Ich könnte jetzt die vielen Erfolge seiner acht Jahre aufzählen. Wie er das Land durch die größte Wirtschaftskrise seit der Great Depression geführt hat. Wie er die US-Autoindustrie gerettet hat. Obama stand vor dem Scherbenhaufen einer gescheiterten Bush-Regierung! Neun Millionen neue Arbeitsplätze sind während seiner Amtszeit entstanden, die Erwerbslosenquote von acht auf historische 4,7 Prozent gefallen. Donald Trump kann eine stabile Wachstums-Ökonomie übernehmen.

Ich könnte auch über die angeblich „sozialistische Finanzpolitik“ von Obama sprechen. Wie die Unternehmensgewinne um 166 Prozent explodiert sind und sich die Börse von 7365 Punkten auf heute um die 20.000 Punkte fast verdreifacht hat. Die Wall Street ist durch einen „Linken“ reicher geworden. Und dennoch konnte Obama die Gier der Banker nicht befriedigen.

Obamacare: Ein historischer Durchbruch

Ich könnte auch über die erste Gesundheitsreform schreiben, die auf dem Solidarprinzip aufbaut und für die Kranken da ist und nicht, um die Gewinne der börsenorientierten Kassen für die Shareholder zu optimieren. Knapp 22 Millionen Amerikaner haben durch Obamacare eine Krankenversicherung bekommen. Trump wird sich daran messen lassen müssen, wenn er Obamacare abschafft.

Obama, der Öko-Präsident

Ich könnte lange über den Klimaschutz schreiben. Wie Obama in den USA Milliarden in die Zukunft, in erneuerbare Energien investiert und das Land unabhängiger vom Öl und damit sicherer gemacht hat. Ohne Obama würde es auch kein Pariser Klimaschutzabkommen geben.

Ich könne daran erinnern, dass Obama den Irak-Krieg beendet hat. Wie er mit dem Iran-Abkommen eine neue militärische Auseinandersetzung verhindern konnte. Wie er die Folter abgeschafft und versucht hat, das Unrechtsgefängnis Guantanamo zu schließen. Obama ist am Widerstand der Republikaner gescheitert. Dennoch konnte er die Zahl der Gefangenen von 242 auf knapp 40 reduzieren.

Obama ein Kämpfer für Menschenrechte

Ich könnte Obama loben wie er Frauen mit Respekt behandelt, ihre Gleichstellung in Gesellschaft und Berufsleben gefördert hat. Wie er sich für die LGBT Gemeinde eingesetzt hat. Wie er versuchte, oft vergeblich, den Rassismus im Land zu lindern. Etwas, was er als Schwarzer selbst in seinem Amt als Präsident erfahren musste. Obama hat sich für Menschenrechte eingesetzt, von denen alle profitieren.

Ich könnte erwähnen, dass es in seiner Amtszeit keinen großen Terroranschlag in den USA gab, keine Skandale. Dass Obamas Integrität nie zur Debatte stand. Sein Stil, sein Humor unbestritten waren, genauso wie sein Intellekt. Obama, Vater und Ehemann, war Vorbild für Millionen – weltweit.

Obamas Niederlagen: Nahost, Syrien, Waffengesetze

Ich könnte auch seine Niederlagen aufzählen. Wie er in der Nahostpolitik gescheitert ist. Einem Friedensvertrag zwischen Israel und Palästina ist die Welt nicht näher gekommen. Das lag nicht nur an Obama.

Auch Syrien, seine größte außenpolitische Niederlage, gehört zu Obamas Bilanz. Wie er selbstgezogene rote Linien überschritt und das Feld Russland und dem Iran überließ. Bleibt die Frage, was die Alternative gewesen wäre? US-Truppen entsenden? Einen neuen Krieg, vielleicht mit Russland, riskieren? Mehr Waffen für die Rebellen? Flugverbotszonen? Syrien war für Obama eine No-Win-Situation, an der er gescheitert ist.

Obama und die Waffengesetze: „Meine größte Niederlage“

Ich könnte auch beschreiben wie Obama an einer Verschärfung der Waffengesetze gescheitert ist. Eine seiner größten Niederlagen, wie er selbst zugibt. Selbst nach dem Massaker in Newtown 2012 mit 20 erschossenen Erstklässlern im Alter von sechs und sieben Jahren konnte er den Kampf gegen die Waffenlobby NRA nicht gewinnen.

Über all diese Erfolge und Niederlagen könnte ich schreiben und würde damit immer noch nicht der Bedeutung des ersten schwarzen Präsidenten für die USA gerecht werden.

Obama hat in seiner Amtszeit viele Fehler gemacht, Entscheidungen getroffen, mit denen ich nicht einverstanden war. Obama hat mich wütend gemacht, als er seine Mehrheit im Kongress verschenkte und die ersten zwei Jahre lieber mit Republikanern verhandelte und dabei das Regieren vergaß. Obama war halt so, acht Jahre lang. Und doch hatte man nie das Gefühl, er macht es aus Lust an der Macht, zur Befriedigung seines Egos, sondern für das Land und seine Menschen.

Es war eine gute Zeit für Amerika. Und für mich. Mensch, Obama!

Electoral Votes: So funktioniert das US-Wahlsystem

Es ist alles gesagt. Jetzt wird gewählt. Und ausgezählt. Doch wie funktioniert das US-Wahlsystem eigentlich?unnamed Eine Erklärung.

Wer in den USA Präsident werden will, braucht bundesweit nicht die meisten Wählerstimmen zu gewinnen. Auch eine Minderheit kann eine Hillary Clinton oder einen Donald Trump ins White House bringen.

George W. Buhs reichte Minderheit an Stimmen, um Präsident zu werden

Zuletzt schaffte das George W. Bush im Jahr 2000. Damals stimmten nur 50.456.062 US-Bürger für den Republikaner, mehr als eine halbe Million weniger als für seinen Konkurrenten Al Gore (50.996.582).

Doch George W. Bush gewann in einer denkwürdigen Wahl die meisten Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten, 271 so genannte Electoral Votes. Al Gore brachte es nur auf 265. Auch ein wochenlanges Nachzählen der Stimmen im umstrittenen Florida halfen Gore damals nicht. Am Ende gestand der Demokrat seine Niederlage ein, obwohl er vor Gericht die Wahl hätte anfechten können.

Electoral Votes: Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten entscheiden die Wahl

Auch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump entscheiden die Electoral Votes der Bundesstaaten darüber, wer im Januar 2017 ins White House einziehen wird.

Dabei gewinnt nach dem Mehrheitswahlrecht derjenige alle Wahlmänner, der auch die meisten Stimmen in dem jeweiligen Bundesstaat gewinnt. Dabei gilt: The Winner takes it all! Eine Aufteilung der Wahlmänner gibt es bis auf zwei kleine Ausnahmen nicht. Insgesamt braucht ein Kandidat 270 Electoral Votes!

Hillary Clinton ist nach den letzten Analysen klare Favoritin

Und so sieht es nach den letzten Umfragen aus.

Hillary Clinton ist in allen drei ausgewählten Analysen Favoritin. Der Weg von Donald Trump, die erforderlichen 270 Wahlmänner zu gewinnen, ist deutlich schwerer und eigentlich nur theoretisch möglich. Hillarys “Wand von blauen Staaten”, also Bundesstaaten, die demokratisch und für sie wählen, hält. Trump muss sich dagegen sogar um einige seiner “roten Staaten”, wo traditionell republikanisch gewählt wird, sorgen.

Nate Silver, FiveThirtyEight.com

Letzte Analyse Nate Silver

Die Analyse des Daten Gurus Nate Silver. Screenshot: FifeThirtyEight.com

Geht es nach Nate Silver, dem Daten-Guru der letzten Jahre, hat Hillary Clinton eine 71,4 Prozent Chance die nächste Präsidentin zu werden. Donald Trump liegt abgeschlagen bei nur 28,6 Prozent. Silver geht davon aus, dass alle wichtigen Swing States (Nevada, Florida, North Carolina und New Hampshire) von Hillary gewonnen werden. Einen Weg für einen Trump-Sieg sieht der Mann von FiveThirtyEight. com nicht.

RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screetshot: RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screenshot: RealClearPolitics.com

Die letzte Electoral Vote Karte von RealClearPolitics.com, eine Seite, die aus allen Umfragen einen Durchschnitt errechnet, sieht Hillary Clinton knapp in Front. Danach wird sie 272 Electoral Votes gewinnen, Donald Trump schafft 266. New Hampshire mit seinen nur vier Wahlmännern macht Hillary dabei zur Präsidentin.

Die letzte Umfrage der Los Angeles Times.

Eine sehr positive Prognose der Los Angeles Times

Eine sehr positive Prognose kommt von der Los Angeles Times. Erstaunlich: Das Blatt sah in seinen nationalen Umfragen Trump fast immer vor Hillary, zuletzt am Montag mit 48-43 Prozent.

Ein Hillary-Sieg von 352 zu 186 Electoral Votes, den die Los Angeles Times errechnet hat, würde für Clinton einem Erdrutschsieg gleichkommen. Donald Trump hätte Mühe, diese klare Niederlage anzuzweifeln und sie mit „rigged Election“, also „manipulierten Wahlen“ zu rechtfertigen.

Der Wahlkampf ist zu Ende. Endlich! Es war unerträglich!

Ich habe fünf Präsidentschaftswahlen in den USA erlebt. Und nicht gedacht, dass es noch schmutziger geht als in den Jahren zuvor. Ich habe mich getäuscht.

80 Prozent der US-Bürger fanden den Wahlkampf „widerlich“ – Recht haben sie!

Noch nie wurde beim Kampf um das White House so viel gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Fakten verdreht und die Wähler verarscht. Melanie Trump will sich als First Lady gegen Mobbing im Internet einsetzen. Spätestens danach hätte es auch dem letzten US-Bürger auffallen müssen, dass er für dumm verkauft wird.

Hillary Clinton ist an der Schlammschlacht nicht unschuldig. Auch sie hat kräftig ausgeteilt. Auch sie hat in Debatten gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Dinge zu ihrem Gunsten zurechtgebogen. Doch dass es so schlimm werden sollte, hat Donald Trump zu verantworten.

Es hat noch nie einen Präsidentschaftskandidaten gegeben, der so viele Gruppen an Menschen seines eigenen Landes diffamiert und beleidigt hat: Mexikaner, Moslems, Behinderte, Kriegshelden und Frauen.

Wer das leugnet, lebt in einer anderen, in einer Trump-Welt.

Die Wähler sind angewidert und wenden sich von der Politik ab. Wer will sich in einem Umfeld, wo es längst nicht mehr um Fakten geht oder um bessere Argumente, noch engagieren?

Die Sorge, dass eine immer kleinere Politkaste die Dinge bestimmt, wird sich weiter verstärken. Für eine Demokratie ist das auf Dauer tödlich. Die Radikalen werden das nutzen.

Am Dienstag wird einer an Schmutz hoffentlich nie mehr zu überbietender Wahlkampf einen Gewinner hervorbringen. Ich glaube nicht an einen knappen Sieg, an Nachzählungen, die sich über Wochen hinziehen werden. Es wird eine klare Entscheidung geben.

Eine sehr optimistische Prognose der LA Times

Eine sehr optimistische, letzte Prognose der Los Angeles Times. Danach gewinnt Clinton mit Ohio, Florida und North Carolina alle drei der wichtigsten Swing States. Erstaunlich: Das Blatt hatte in seinen nationalen Umfragen in den vergangenen Wochen immer Trump vor Clinton, zuletzt noch am Montag mit 48%-43% (Screenshot: LA Times)

Doch egal ob es Hillary Clinton schafft oder Donald Trump eine Sensation gelingt. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Spätestens in drei Jahren geht es wieder los. Ein kaum zu ertragender Gedanke!

Donald Trump wird die Wahl nicht anerkennen – die Republikaner sich weiter spalten. Wird House-Sprecher Paul Ryan zurücktreten?

Donald Trump wird das Ergebnis nicht akzeptieren. Er wird von „rigged Election“ sprechen, von „manipulierten Wahlen“. Ein Demokrat und Patriot würde sich anders verhalten.

Einige Enttäuschte werden durchdrehen. Am Ende werden aber die Milizen des Landes nur heiße Luft versprühen. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein paar Wahnsinnige in Tarnkleidung aus Georgia, von denen die New York Times berichtet, Washington angreifen wird.

Die Republikaner werden sich weiter spalten: In Trump-Anhänger und Gegner. House-Sprecher Paul Ryan wird die Partei nicht zusammenhalten können. Und am Ende zurücktreten? Er wollte den Posten ohnehin nie.

Der Rücktritt von FBI-Chef James Comey ist überfällig

Die Trumpisten und Falken unter den Republikanern werden Hillary jagen. Die E-Mail-Affäre wird sie bis ins Oval Office verfolgen. Es wird weitere Posts geben, vielleicht sogar neue Ermittlungen. Allerdings nicht von FBI-Chef James Comey. Nach seinem aktiven Eingreifen in den Wahlkampf ist sein Rücktritt überfällig.

Die Republikaner werden Untersuchungsausschüsse einrichten, es wird Vorladungen geben, Zeugenbefragungen. Sie werden versuchen, Hillary zum Rücktritt zu zwingen. Nur ein Sieg der Demokraten im Senat könnte ein Impeachment-Verfahren verhindern.

Hillary geht geschwächt ins Oval Office. Eine zweite Amtszeit wird es nicht geben

Hillary selbst wird angeschlagen ins Oval Office einziehen. Die Hälfte der Amerikaner traut ihr nicht. Die E-Mail-Affäre, so klein sie bisher im Vergleich zu Nixons Watergate oder Reagans Iran-Contra-Affäre auch ist, hat dieses Misstrauen nur verstärkt. Viele haben Hillary nur gewählt, weil sie Trump verhindern wollten. Das ist ein ehrbares Motiv. Ein Vertrauensbeweis ist es nicht.

Eine zweite Amtszeit wird es für Hillary Clinton nicht geben. Das Land hat genug von ihr und dem Clinton-Clan. Und wenn doch noch E-Mails auftauchen, in denen sie Staatsgeheimnisse verschickt hat, ist Hillary Clinton ohnehin nicht zu halten. Dann muss sie zurücktreten. Das wissen auch ihre Anhänger.

Amerika stehen schlimme vier Jahre bevor. Egal wer am Ende gewinnt. Hoffen wir auf ein Wunder.

Immer locker bleiben, Hillary Clinton!

Und auf einmal ist alles ganz anders.

Aus einem sicher geglaubten Sieg für Hillary Clinton ist eine bittere Niederlage geworden. Wirklich?

Wenn man die Nachrichten verfolgt, könnte man das eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen glauben. Das Rennen ist gelaufen! Mal wieder, muss man sagen. So wie nach dem Prahlhans-Video von Trump, als “The Donald” damit angab, Frauen ungefragt und ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, nur weil er ein Star ist.

Schon vergessen? Davon erholt sich Trump nicht mehr, waren sich die Kommentatoren einig. Glückwunsch Madame President Hillary Clinton!

Das war vor knapp drei Wochen. Und heute? Auf einmal ist der “Bullie der Fifth Avenue” auf dem sicheren Weg ins White House. Donald Trump führt in den Umfragen, lauten die neuesten Prognosen. Und die Medien stürzen sich darauf wie Hyänen auf einen von einem Löwen erlegten und zurückgelassenen Büffel. Eine Kombination aus E-Mail-Affäre, neuen Ermittlungen von FBI-Chef James Comey (Republikaner), die Hillary Vertraute Huma Abedin und ihr krankhafter Sexting-Ehemann Anthony Weiner haben die Wende gebracht.

Hillary Clinton hat weiterhin eine deutliche Mehrheit bei den Swing States

Doch ist das wirklich so? Tatsache ist doch: Der Weg von Donald Trump ins White House ist und bleibt nicht nur schwer, er ist eigentlich unmöglich. In den entscheidenden Swing States kann Trump nicht genügend Electoral Votes sammeln, um die Wahlen für sich zu entscheiden. Daran hat sich bisher nichts geändert.

Nate Silver

Donald Trump hat trotz Hillarys E-Mail-Affäre in den so genannten Swing States keine Mehrheit der Electoral Votes. Vorhersage am 1. 11.2016 von Statistik-Guru Nate Silver, Screenshot @ http://fivethirtyeight.com

In New Hampshire, North Carolina, Colorado und Nevada liegt Hillary weiterhin in Führung. Auch in Florida ist es ein Kopf an Kopf Rennen. Trump muss diese Bundesstaaten ALLE gewinnen, um Präsident zu werden. Und dazu noch einen “blauen, demokratischen Staat” in Republikaner-Land verwandeln. Ach ja, und Texas, Arizona und Georgia muss er halten, genauso wie Utah, wo ein Unabhängiger mit Trump fast gleich aufliegt. Ist das alles möglich? Vielleicht. Wahrscheinlich? Nein.

E-Mail Affäre ist Hillarys Chance die „Never-Trump“ Wähler zu motivieren

Die neuen Ermittlungen in der E-Mail-Affäre waren für Hillary Clinton ein schwerer Schlag  und haben Donald Trump eine neue Lifeline beschert. Für Hillary bedeuten die FBI Untersuchungen aber nicht gleich eine Niederlage. Sie sollte sie als Chance verstehen, um ihre Anhänger und die vielen Trump-Gegner neu zu motivieren.

Nach dem Prahlhans-Skandal dachten viele, das Rennen um das White House ist gelaufen und die eigene Stimme sei am 8. November nicht mehr wichtig. Donald Trump hat auf diese Nicht-Wähler nicht nur gehofft. Es war lange seine Taktik: Seine eigene, treue Anhängerschaft bei Laune halten und die Hillary-Wähler von der Urne fernhalten.

Diese Rechnung könnte für den Republikaner am Ende nicht mehr aufgeben. Denn die Angst, dass Trump doch noch gewinnt, wird viele Hillary- und “Never-Trump”-Wähler am kommenden Dienstag doch noch dazu bewegen ihre Stimme abzugeben.

Hillary wackelt: Hat Donald Trump doch noch eine Chance?

Neue Hoffnung für Donald Trump?

Zehn Tage vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November scheint der Kampf um das White House doch noch einmal spannend zu werden. Grund ist nicht Trump, die neuentdeckte Liebe der US-Bürger für den „Bully der Fifth Avenue“, der Frauen, Latinos und Behinderte diffamiert. Es ist die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton, die ihren Wahlkampf von Anfang an überschattet hatte und in der es neue Beweise geben soll.

FBI-Direktor James Comey, ein Republikaner, will auf einem Computer „Tausende von E-Mails“ gefunden haben, die bei den Ermittlungen gegen Hillary Clinton wegen möglichem Geheimnisverrat in ihrer Zeit als Außenministerin relevant sein könnten.

FBI-Chef James Comey: Entcheidet er die Wahl?

E-Mail Affäre: FBI-Chef James Comey ermittelt gegen Hillary Clinton: Entscheidet er damit auch die Präsidentschaftswahlen?

Eine Meldung, die in Washington wie eine politische Bombe einschlug und im Trump-Camp zu Freudentänzen führte.

Zweite „Lifeline“ für Donald Trump

Die Hillary-E-Mails sind bereits die zweite „Lifeline“ für den eigentlich längst geschlagenen Trump. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung eingestehen müssen, dass die von den Republikanern verhasste Krankenversicherung im kommenden Jahr für jeden im Schnitt um 25 Prozent teurer werde. Trump, der „Obamacare“ ablehnt und in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit abschaffen will, fühlte sich bestätigt und machte den Wahlkampf zu einem Referendum zu „Obamacare“. Die mehr als 20 Millionen US-Bürger, die durch den „Affordable Care Act“ endlich eine Krankenversicherung bekommen haben, müssen jetzt wieder zittern.

Die Hillary E-Mails hatten politisch aber eine ganz andere Sprengkraft. Es war die Oktober-Überraschung, auf die Trump gehofft hatte und die sein Einpeitscher Rudy Giuliani im Fernsehen angekündigt hatte. Wusste er etwa davon?

Doch um was geht es eigentlich? Bekannt ist bisher, dass die E-Mails nicht von Hillary Clinton selbst geschrieben wurden, sondern von ihrer engsten Beraterin Huma Abedin. Die hatte dafür den Computer ihres Noch-Mannes, Anthony Weiner, benutzt. Und genau hier wird die Geschichte für Hillary im wahrsten Sinne „schlüpfrig“.

Hillarys Albtraum-Kombination: E-Mail, FBI und Weiner

Denn Anthony Weiner ist der zurückgetretene, demokratische Kongressabgeordnete, der auf seine Manneskraft so stolz zu sein scheint, dass er regelmäßig Fotos von sich in Unterhose an andere Frauen twittern muss. Gegen ihn ermittelt das FBI. Eine seiner Bilder-Empfängerinnen war erst 15 Jahre alt.

E-Mail, FBI und Weiner – viel schlimmer hätte es für Hillary Clinton nicht werden können. Dass sie in allem unschuldig sein könnte, ist Nebensache. Wahlkampf hat viel mit Psychologie zu tun. Und mit Vertrauen. Die Mehrheit der US-Bürger traut Hillary nicht über den Weg. Das hat sie allerdings mit Donald Trump gemein.

Werden die Hillary-E-Mails jetzt auch den Wahlausgang entscheiden?

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die E-Mail Affäre Trump doch noch zum Präsidenten machen könnte. Doch selbst wenn Hillary Clinton ihren deutlichen Vorsprung in den aktuellen Umfragen ins Ziel rettet. Was passiert dann? Die Ermittlungen des FBI werden auch nach der Wahl weitergehen, vielleicht bis zu ihrer Vereidigung im Januar 2017. Vielleicht sogar darüber hinaus, wenn Hillary bereits im Oval Office sitzt! Und dann?

Nehmen wir einmal an, Hillary hat auf ihrem privaten E-Mail-Server in ihrer Zeit als Außenministerin keine Geheimnisse ausgeplaudert. Die Republikaner wird das nicht wirklich interessieren. Sie werden neue Untersuchungsausschüsse einberufen und nicht davor zurückschrecken, Hillary auch als Präsidentin vorzuladen.

Egal ob Hillary oder Trump? Amerika steht vor einer ungewissen Zukunft

Und was ist, wenn das FBI tatsächlich einen Geheimnisverrat in den neuen E-Mails findet. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Hillary Clinton als Präsidentin wäre dann zumindest nicht mehr zu halten. Das sollten auch ihre Anhänger wissen.

Amerika stehen turbulente Zeiten bevor. Donald Trump als Präsident wäre für das Land und die Welt eine Katastrophe. Und Hillary? Sie wäre als erste weibliche White House Chefin vom ersten Tag an angeschlagen. Viele Reformen wird sie aus dieser Position der Schwäche kaum durchsetzen können. Die Republikaner werden sie blockieren, sie jagen und das FBI wird weiter gegen sie ermitteln. Rosige Aussichten für Amerika sind das nicht.

Gefährlich: Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage!

Donald Trump hat in diesem Wahlkampf Dinge gesagt, für die Schüler in Amerika zum Direktor zitiert oder für ein paar Tage von der Schule suspendiert werden würden. Er hat Mexikaner als Kriminelle und Vergewaltiger beschimpft, Moslems mit Terroristen gleichgestellt. Er hat sich über Behinderte lustig gemacht, Kriegshelden diffamiert, Frauen als „dick“ und als „Schweine“ beleidigt und zuletzt Hillary Clinton als „nasty woman“, als „abscheuliche Frau“, bezeichnet.

Vieles schien in den vergangenen Monaten an „Teflon-Donald“ abzupeilen und seinen Umfragewerten nicht zu schaden. Erst nach dem Prahlhans-Video, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, hat sich das geändert. Viele seiner weiblichen Fans haben sich seitdem angewidert von Trump abgewendet.

Was er in der dritten und letzten Debatte von sich gegeben hat, dürfte diese Abkehr weiter beschleunigen. Auch unter „weißen Männern“, bisher Trumps treueste Anhänger, hat Hillary Clinton mittlerweile eine Mehrheit.

Donald Trump stellt Wahlergebnis in Frage

Denn mit seiner öffentlichen Weigerung, das Wahlergebnis am 8. November anzuerkennen, hat Donald Trump ein Tabu gebrochen und dürfte selbst seine Anhänger ins Grübeln gebracht haben. Das bleibt zumindest zu hoffen.

„Ich werde es ihnen sagen, wenn es soweit ist“, antwortete Trump einem verdutzten Moderator Chris Wallace auf die Frage, ob er das Wahlergebnis akzeptieren werde. „Ich werde es spannend machen.“ Zwei Sätze, die nicht nur Hillary Clinton „horrifying“, also erschreckend fand. Selbst Wallace von Fox-News, ein Sender, der Trump hofiert, zeigte sich entsetzt.

Trump hatte etwas gemacht, was kein Präsidentschaftskandidat vor ihm gewagt hatte. Er hatte die Demokratie des Landes in Frage gestellt. Das Fundament, was Amerika, bei aller Kritik am Wahlsystem, wirklich „great“ gemacht hat. Der Verlierer akzeptiert die Entscheidung des Wählers, gratuliert dem Gewinner und das Land kann sich nach einer harten Kampagne der Kandidaten wieder versöhnen.

Donald Trump: Antiamerikanisch und unpatriotisch

Trumps scheint daran kein Interesse zu haben. Geht es ihm bei den Wahlen also nur um sich, seine Marke. Ist alles nur eine große Reality-Show? Oder geht es dem Mann, der mit dem Slogan kandidiert „Make America Great Again“ auch um das Land? Wie steht es um den Patriotismus eines Donald Trumps?

Dabei kommt seine Weigerung, das Wahlergebnis nur im Falle eines Sieges anzuerkennen,  nicht überraschend. Sie ist eine logische Folge seiner Verschwörungstheorien, mit denen er seit Tagen versucht, seine bevorstehende Niederlage rechtfertigen zu wollen.

Nicht er sei schuld, wenn Hillary gewählt werde. Es sind die treulosen Republikaner, die ihn im Stich gelassen haben, wütet Trump gegen die Partei. Es ist ein Zusammenschluss von ausländischen Kräften und den manipulierten, korrupten Medien, der ihm die Präsidentschaft stiehlt. Von einer „Verbrecherin Hillary, fähig zu allem“, spricht Trump und von „einem massiven Wahlbetrug“. Beweise hat er für seine wilden Phantasien von angeblich Millionen an toten Amerikanern und illegalen Einwanderer, die Hillary wählen werden, nicht.

Das Wahlergebnis in Frage zu stellen, ist gefährlich. Es ist antiamerikanisch und unpatriotisch!

Donald Trump: Von Wahlbetrug und anderen Phantasien

Noch drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen am 8. November. Es sieht nicht gut aus für Donald Trump. Der Republikaner weiß das und bereitet sich auf seine Niederlage vor.

Ein „Loser“ will und kann Trump nicht sein. Eine Niederlage einzugestehen, passt nicht zu seinem Image. Also sucht er die Schuld bei anderen. Bei den treulosen Republikanern zum Beispiel, die ihn im Stich gelassen haben, bei der „korrupten Betrügerin Hillary“ und bei den „manipulierten, verlogenen und voreingenommenen Medien“. Oder war es doch dieser Zusammenschluss ausländischer Kräfte?

Donald Trump und seine Kumpels sprechen von „massivem Wahlbetrug“ – Beweise gibt es nicht und Studien widersprechen

Nein, ein „massiver Wahlbetrug“ wird seine Präsidentschaft verhindern, ist sich Trump mittlerweile und noch vor dem Urnengang sicher. Sein düsteres Fazit: „Demokratie in den USA ist nur eine Illusion“. US-Präsident Barack Obama kann sich bei solchem Pessimismus den Spott nicht verkneifen: „Er heult schon bevor die Stimmen gezählt wurden.“

Beweise für den „massiven Wahlbetrug“, von dem er schon beim Sieg von Barack Obama über seinen Herausforder Mitt Romney bei den Präsidentschaftswahlen 2012 sprach, hat Trump nicht. Dafür hat er menschliche Lautsprecher. „Ich müsste ein Idiot sein, wenn ich glauben würde, in Philadelphia und Chicago würden die Wahlen fair ablaufen“, trötet Trumps engster Berater Rudy Giuliani.

Ähnlich dumpf klingt auch Newt Gingrich, ein weiterer Trump-Verbündeter. „Wer sage, es gebe keinen Betrug, leugne die Realität.“ Die Frage bleibt, in welcher der einstige Sprecher des Abgeordnetenhauses lebt. Der amtierende zumindest, Paul Ryan, ebenfalls Republikaner, glaubt an diese düstere Prognosen nicht, genauso wenig wie Trumps Vize-Kandidat Mike Pence. Es gibt Hoffnung, auch in der einst „Grand Old Party“.

Ryan weiß, die Realität sieht anders aus. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass bei knapp einer Milliarde Stimmen, die zwischen den Jahren 2000 und 2014 in den USA gezählt wurden, 31 (!) unter Wahlbetrug fielen. Eine Bananenrepublik ist Amerika wirklich nicht.

Donald Trumps Geschwätz von Verschwörungen hat System

Trumps Anhänger stören solche Fakten nicht. Dreiviertel (!) von ihnen glauben dem 70-Jährigen. Sie sollen, so ruft Trump seine Fans auf, die „Wahllokale im Auge behalten“. Es bleibt abzuwarten wie viele sich daran beteiligen werden.

Trumps Geschwätz vom Wahlbetrug hat natürlich System und einen tieferen Hintergrund. Es lenkt nicht nur von seinem Prahlhans-Video und den Vorwürfen sexueller Belästigung von Frauen ab. Es ist auch seine letzte Hoffnung, die Wahl doch noch herumzureißen.

Mit Verschwörungstheorien, kombiniert mit Hasstiraden gegen Bill und Hillary Clinton sowie gegen die korrupten Medien feuert er seine Anhänger weiter an. Sein Kalkül: Während die eigenen Wähler geschlossen für ihn stimmen werden, bleiben die Demokraten, angewidert vom schmutzigen Wahlkampf, lieber Zuhause. Geht sein Plan auf, kann es am Wahltag doch zu einer Sensation kommen.

Schniefender Donald Trump fordert Drogentest von Hillary

Hillary weiß um diese Gefahr. Sie wird die Katastrophe hoffentlich zu verhindern wissen. Die dritte und letzte Debatte am Mittwoch bietet ihr erneut eine Gelegenheit dazu. Einen Drogentest, wie ihn Trump von seiner Rivalin ernsthaft gefordert hatte, wird es aber nicht geben.

Einige Kommentatoren hatten sich ohnehin über Trumps Verdacht Verdacht, Hillary habe vor den beiden Debatten vielleicht Drogen genommen, gewundert. War es nicht Donald Trump, der durch sein fortlaufendes Schniefen jedem Zuschauer aufgefallen war. Eine Erkältung zumindest hatte der Republikaner nicht.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Im Moment gibt es für Hillary Clinton wohl keine wichtigere Wahlkämpferin als Michelle Obama. Ihr Mann Bill ist angeschlagen, ihren Vize Tim Kaine kennt außerhalb von Virginia kaum jemand, Al Gore ist Vergangenheit und kann als steter Warner vor einer Klimakatastrophe vielleicht ein paar Stimmen am grünen politischen Rand einsammeln. Und auch Präsident Obama hat nicht die Beliebtheit, den Einfluss, den seine Frau zurzeit hat.

Michelle Obama: „When they go low, we go high“.

Hillary Clinton weiß das. Den Spruch von Michelle Obama nach Größe, wenn andere unter die Gürtellinie schlagen („When they go low, we go high“) hat sie längst übernommen. Es ist zu einem Gewinnerslogan geworden. So wie Obamas „Yes, we can.“

Hillary weiß um die Stärke der First Lady. Sie setzt sie gezielt dort ein, wo es wichtig, wo es knapp werden könnte. Wie vergangene Woche in New Hampshire, einem der Swing States, den Hillary gewinnen will. Nach jüngsten Umfragen liegt sie im Schnitt 3,6 Prozent vor Trump. Knapp genug, um ihren Wahlkampf-Joker an die Ostküste zu schicken.

Und Michelle Obama enttäuschte nicht. Es war ein emotionaler Auftritt. Selten hat man sie so wütend gesehen. „Ich kann nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken“, gestand die First Lady. Die Kommentare seien „schockierend und erniedrigend“. „Ein Affront gegen alle Frauen, Eltern und Bürger der Vereinigten Staaten.“ Solche Sprüche dürften nicht „als Gespräche unter Männern in der Umkleidekabine“ verharmlost werden.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Den Namen des Mannes, der Michelle Obama „bis ins Innerste erschütterte“, nannte die First Lady bei ihrem Auftritt nicht. Das hat sie auch schon in der Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia nicht getan. Und damit großen Erfolg gehabt. Doch jeder wusste, wen die 52-Jährige meinte. Und vor allem über was sie sprach.

Das Angeber-Video, in dem Donald Trump damit prahlt, er könne Frauen ohne zu Fragen ungestraft küssen und in den Schritt fassen, ist auch an Michelle Obama nicht spurlos vorbeigegangen.

„Ich kann es nicht fassen, dass jemand, der sich um das Amt des Präsidenten bewirbt, mit sexuellen Übergriffen auf Frauen angibt“, sagte sie und ihre Stimme schien vor wütendem Entsetzen fast wegzubrechen. Ja, es sei Wahlkampf. „Aber es geht hier nicht mehr um Politik. Hier geht es um menschlichen Anstand. Keine Frau hat es verdient, so behandelt zu werden.“

Und dann sagte Michelle Obama das, was viele in Amerika schon lange denken: „Es reicht!“

TV-Debatte: Hat Hillary wirklich gewonnen?

Hillary Clinton gewinnt die erste Debatte gegen Donald Trump. 62 zu 27 Prozent, hat CNN in einer Umfrage ermittelt. Einige Kommentatoren sprechen von einer „schweren Niederlage für Trump“, gar von einem „Knockout“.

Wirklich?

Hillary total überlegen aber Trump gewinnt wichtige Punkte

Hillary Clinton war Donald Trump intellektuell überlegen. Sie war besser vorbereitet, kannte die Fakten, wusste, worüber sie sprach. Daran gab es keinen Zweifel. Bei „The Donald“, konnte man sich da nicht so sicher sein. Er war eindeutig schlecht vorbereitet, schwamm häufig, schniefte und griff nervös zum Wasserglas. Dass er Hillary ständig ins Wort fiel, war neben seinen schlechten Manieren sicherlich auch kein Zeichen von Souveränität.

Nur hat Trump die Debatte dadurch wirklich so hoch verloren wie einige, vor allem liberale Kommentatoren meinen? Vielleicht sogar schon die Wahl? Oder spielt da bei vielen auch Wunschdenken mit? Ein Trump kann und darf nicht Präsident werden – so einer nicht.

Dabei hat „Donald“ wie ihn Hillary immer wieder provozierend nannte – Trump möchte mit Mister Trump angesprochen werden und nicht mit seinem Vornamen – auch wichtige Punkte während der Debatte für sich gewonnen.

Insbesondere als es über das Handelsabkommen NAFTA ging und Trump fast schon „präsidial“ auftrat. In den strukturschwachen Gegenden von Pennsylvania, Ohio und Michigan, drei wichtige Swing-States, die Trump immer wieder erwähnte und gewinnen muss, kommt Kritik an NAFTA gut an. Viele glauben, dass ihnen das Abkommen die Jobs weggenommen hat. Und die Clintons, Bill als US-Präsident und Unterzeichner des Vertrages, und Hillary, sind dafür verantwortlich.

Konservative: Eindeutiger Debatten-Sieger Donald Trump

Trump dagegen will NAFTA neu verhandeln und damit die Jobs zurückbringen – der „Retter der Vergessenen“. Dass das eine Illusion ist und Trump keinen Plan hat, interessiert vielleicht Wahlbeobachter in New York, Washington und Los Angeles. In Ohio und Michigan dagegen kaum jemanden. Dort will auch keiner die Steuererklärung von Trump sehen, sondern neue Jobs. Die Hoffnung stirbt als Letztes.

Hillary musste sich von Trump dagegen den Vorwurf der „typischen Politikerin“ gefallen lassen, die in den vergangenen 30 Jahren viel geredet aber wenig getan hat. Ein populistischer, inhaltsloser Spruch, der aber nicht nur bei Trump-Anhängern gut ankommt. Konservative Medien wie der Drudge Report, Breitband oder CNBC sehen deshalb auch Trump als wahren Sieger der Debatte. In ihren Umfragen lag der Immobilientycoon klar (80-20% Drudge, 75-24% Breitband, 61-39% CNBC) vor der Demokratin.

Hillary Clinton hat es bei aller Überlegenheit versäumt, ihrem Konkurrenten in der Debatte den entscheidenden Schlag zu versetzen. Gelegenheiten hatte sie genug. Trumps Planlosigkeit bei der Wirtschaft, im Kampf gegen die ISIS, seine Beleidigungen gegenüber Frauen, Latinos, Moslems, Behinderte und vor allem bei der „Birther“-Frage.

„Birther Frage“: Hillary vertane Chance eines Knockouts

Trumps vor Jahren angezettelte, rassistische Debatte, Barack Obama sei in Kenia geboren und könne als Nicht-Amerikaner gar nicht Präsident sein, ist das Fundament seines politischen Erfolgs. Ohne diese Behauptung, die er bis vor wenigen Wochen noch vertreten hat, hätte es Trump als Präsidentschaftskandidat nie gegeben. Hillary hätte ihn hier nicht so leicht vom Haken lassen dürfen.

Zwei Fernsehdebatten hat Hillary Clinton noch, Trump vor knapp 100 Millionen TV-Zuschauern einen „politischen Knockout“ zu versetzen und ihre Wahl endgültig zu sichern. Sie sollte sie nutzen. Nicht, dass es am 8. November doch noch eine böse Überraschung geben sollte.

Donald Trump: Schon am Ende?

Warst das schon für Donald Trump?

Nach dem Parteitag der Demokraten hat Hillary Clinton ihren Vorsprung in den nationalen Umfragen auf sieben Punkte ausgeweitet.

Noch wichtiger: In den umkämpften Swing States liegt die Demokratin deutlich vor dem ungeliebten Kandidaten der Republikaner. In Pennsylvania, Michigan, Virginia und Wisconsin sind es im Schnitt fünf Prozent, in Colorado gar beachtliche acht Punkte. Gut sieht es in New Hampshire aus, wo Hillary fast vier Prozent Vorsprung hat, in North Carolina sind es zumindest zwei.

Nur in Ohio und Iowa ist es knapp. Genauso wie in Florida wo „The Donald“ im Schnitt gleichauf ist mit Clinton. Eine Umfrage von NBC sieht Hillary aber auch hier deutlich vorne. Ein Schock für Trump dürften die Zahlen aus dem bisher sicheren Republikaner-Staat Georgia sein. Dort wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen gemeldet.

Skandal um muslimischen US-Kriegshelden könnte Trump die Wahl kosten

Doch es könnte alles noch schlimmer kommen. Der Skandal um die Familie des im Irak getöteten muslimischen US-Kriegshelden Humayun Khan kostet ihm selbst bei treuen Anhängern Sympathien und Stimmen.

Trump hat Mexikaner diffamiert, Frauen beleidigt, Behinderte veralbert und damit zu einem Aufschrei nicht nur bei seinen Gegnern gesorgt. Doch mit seinen Angriffen auf die Familie eines Kriegshelden hat er eine Grenze überschritten.

Amerikas Kriegsveteranen fordern von Trump eine öffentliche Entschuldigung für die Beleidigungen, die die Eltern des toten US-Soldaten seit ihrem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten über sich ergehen lassen mussten. Bisher denkt Trump nicht daran. Im Gegenteil: Er heizt das Thema weiter an.

„Don’t boo, vote“- Warum Hillary Clinton die Wahlen verlieren kann

War es das also für Trump? Es sind noch mehr als drei Monate bis zu den Wahlen. Da kann viel passieren. Wer hätte gedacht, dass Trump überhaupt der Kandidat der Republikaner werde.

Doch der Trend spricht eindeutig gegen Trump. Er weiß das und bereitet knapp 100 Tage vor den Wahlen seine Anhänger auf eine Niederlage vor. Schon spricht er von „rigged elections“, von manipulierten Wahlen, die er nicht gewinnen kann. Auch hinter den TV-Debatten im September vermutet er eine Clinton-Verschwörung. Will Trump aussteigen und sich Hillary im Fernsehen nicht mehr stellen.

Die größte Gefahr für Hillary Clinton ist im Moment, dass viele ihrer Anhänger bereits denken, sie wird schon gewinnen und dabei vergessen zur Wahl zu gehen. „Don’t boo, vote“ hatte US-Präsident Barack Obama die Demokraten auf dem Parteitag aufgefordert. Denn sonst kann es am Ende doch noch zu einer bösen Überraschung kommen.