Obama: Zwischen Triumph und Niederlage

Präsident Obama hat den angedrohten Militärschlag wegen des Einsatzes von Chemiewaffen gegen Syrien und das Regime des Diktators Bashar al-Assad vorerst gestoppt.

Das ist gut so!

So lange es möglich erscheint, auf diplomatischem Wege den Syrien-Konflikt zumindest zu entschärfen und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu stoppen, sollte sie genutzt werden. Obama dafür als schwachen Präsidenten zu beschimpfen, ist billig und schäbig.

In der Stunde der Diplomatie outen sich die wahren Kriegshetzer!

Niemand will diesen Krieg gegen Syrien, weder die US-Bevölkerung, noch der Kongress und vor allem nicht Präsident Obama. Und auch die Staatengemeinschaft lehnt einen Militärschlag ab. Die Welt ist kriegsmüde, und so ist auch der Commander-in-Chief der größten Militärmacht, Präsident Obama.

Denken wir doch einmal optimistisch und glauben Russland und Syrien. Unterstellen wir einmal Präsident Putin will tatsächlich die Chemiewaffen einsammeln und unter internationale Kontrolle stellen. Und nehmen wir weiter an, Assad hält sein Wort, stoppt die Produktion dieser menschenverachtenden Waffen, gibt seine Bestände ab und unterzeichnet sogar das internationale Abkommen, das den Bau und den Einsatz von Chemiewaffen verbietet.

Nehmen wir einmal an, dass alles ist nicht nur ein böser Trick, um Zeit zu gewinnen. Hätte sich Obama dann nicht den Friedensnobelpreis wirklich verdient, den er im Dezember 2009 vorschnell bekommen hatte? Wäre das nicht ein Triumph für Obama?

Chemiewaffen Einsatz: Kritik an Obama Zickzack-Kurs war berechtigt

Die Kritik an Obamas Zickzack-Kurs in den vergangenen Wochen war berechtigt. Er war es, der eine rote Linie gezogen hatte und dann tatenlos zusah wie Assad sie in den vergangenen Monaten mit gleich mehreren Chemiewaffen-Angriffen auf die eigene Bevölkerung überschritten hatte. Und Obama war es, der einen Militärschlag ankündigte und dann zurückschreckte und sich hinter dem Kongress versteckte.

Man muss das Obama vorwerfen.

Vielleicht war aber auch alles politisches Kalkül. Es gibt Berichte, dass während der Zeit des Säbelrasselns hinter den Kulissen die USA, Russland und Syrien heimlich verhandelt haben.

Und kann man wirklich glauben, dass Außenminister John Kerry den Schabowski gemacht hat, der am 9. November 1989 aus Versehen die Maueröffnung verkündete. War Kerrys „Versprecher“, Assad könne einen Militärschlag verhindern, wenn er seine Chemiewaffen abgebe, nicht alles Teil eines detailliert ausgetüftelten Planes? Möglich. Man wird es später in den Geschichtsbüchern nachlesen können.

Der Einsatz von Chemiewaffen des Assad-Regimes hat die Dynamik im Syrien-Konflikt verändert. Das hat aber auch Obamas Drohung eines Militärschlages und das scheinbare Einlenken Russlands.

Die Diplomatie hat jetzt eine Chance verdient! Wenn alles nur ein großer Bluff von Putin und Assad war, kann Obama Syrien immer noch bombardieren.

Warum Hillary Clinton 2016 nicht Amerikas neue und erste Präsidentin wird

Hillary – willkommen im Leben nach der Politik.

Nach vier Jahren Dauerstress als US-Chef-Diplomatin hat Hillary Clinton am Freitag das Außenministerium geräumt und an ihren Nachfolger John Kerry übergeben. Ab dieser Woche ist Hillary im politischen Ruhestand.

John Kerry, der farblose, 69 Jahre alte Senator aus Massachusetts muss jetzt die großen „Manolo Blahnik“ Schuhe ausfüllen, die Hillary hinterlassen hat. H.C. wie sie kurz genannt wird, hat eine eindrucksvolle Bilanz hinterlassen. Das beweist allein schon die Statistik.

Insgesamt 112 Länder hat Hillary in ihren vier Jahren als US-Außenministerin bereist. Insgesamt 1,539 Millionen Kilometer verbrachte sie dabei im Flugzeug und umkreiste statistisch gesehen mehr als 38 Mal die Erde. 570 Essen soll H.C. in der Luft verspeist und weltweit an 1700 Meetings mit Außenministern und anderen wichtigen Staatsvertretern teilgenommen haben.

Hillary kennt die Welt und die Welt kennt Hillary. Über den Erfolg ihrer Missionen kann gestritten werden. Der Terroranschlag auf die US-Vertretung im libyschen Bengazi überschattet ihre positive Bilanz und wird für immer ein Makel in ihrem Lebenslauf bleiben – auch in Hinsicht einer möglichen Präsidentschafts-Kandidatur 2016. Sie weiß das.

Hillary Clinton kennt die Politik. Insgesamt 20 Jahre stand sie im Rampenlicht der Öffentlichkeit: Als First Lady im White House an der Seite von Präsident Bill Clinton, als US-Senatorin von New York, als Präsidentschaftskandidatin während der Vorwahlen der Demokraten und zuletzt als Außenministerin des Landes.

Hillary Clinton ist unter den Demokraten ohne Konkurrenz

H. C. ist zur Marke geworden. Kaum jemand nennt sie beim vollem Namen. Jeder scheint eine persönliche Beziehung zu ihr, zu Hillary, zu empfinden. Sie ist die beliebteste Politikern des Landes, 67 Prozent mögen sie. Selbst unter den radikal-rechten Tea Party Anhängern finden sich 47 Prozent, die ein positives Bild von ihr haben, aber auch 53 Prozent, die sie ablehnen.

Wenn heute der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen 2016 beginnen würde, hätte Hillary unter den Demokraten keine Konkurrenz. Beim Caucus in Iowa, wo traditionell der Kampf um das White House startet, liegt sie laut Umfragen mit 58 Prozent unaufholbar vor dem aktuell politisch sehr erfolgreichen Vize-Präsidenten Joe Biden (17 Prozent).

Hillary Clinton wird nicht bei den Präsidentschafts-Wahlen 2016 antreten

Kein Wunder also, dass viele Anhänger H.C. auffordern, sich 2016 erneut um den Chefposten der USA zu bewerben. Es gibt bereits so genannte SuperPacs, die für Hillary Geld sammeln. Doch will sie sich den Wahlkampf-Stress wirklich noch einmal antun? Es gibt Gründe, warum Hillary nicht kandidieren sollte und auch nicht wird.

  • Bengazi: Der Terroranschlag auf die US-Vertretung in Libyen mit vier Toten, darunter US-Botschafter Christopher Stevens, wird Hillary Clinton auch in einem Wahlkampf 2016 verfolgen. Präsidentschafts-Kandidaten in den USA sind schon an weniger schlimmen Skandalen gescheitert.
  • Gesundheit: Hillary hat zum ersten Mal erlebt, dass auch sie nicht unverwundbar ist. Der Stress, ein Virus, ein Sturz und ein Blutgerinnsel im Kopf sind auch für Hillary Warnzeichen. Und wenn sie ins Rennen um das White House eingreifen will, hat sie zum Ausruhen wenig Zeit. In zwei Jahren, vielleicht sogar noch früher, wird der Wahlkampf für 2016 bereits beginnen.
  • Alter: Hillary ist heute 65 Jahre alt, beim Wahlkampf 2016 wird sie bereits 69 und am Ende einer möglichen ersten Amtszeit als Präsidentin sogar 73 Jahre alt sein. Im Wahlkampf 2016 werden die Republikaner einen jungen Kandidaten ins Rennen schicken, Marco Rubio oder Paul Ryan zum Beispiel.
  • Republikaner: Auch wenn Hillary zurzeit die beliebteste Politikerin des Landes ist. In einem Wahlkampf dürfte sich das schnell ändern. Der Name Clinton polarisiert in diesem Land noch immer, vor allem der Teil der Familie, der bei der radikalen Rechten verhasst ist: Bill Clinton.
  • Geschichte: Keine Partei hat mit Ausnahme von George Bush in der jüngsten Geschichte drei Amtsperioden hintereinander einen Präsidenten gestellt. Und Bush galt dabei nur als dritte Amtszeit des beliebten Ronald Reagan.
  • Angst vor einer Niederlage: Hillary ist so populär und so beliebt, warum sollte sie das Risiko eingehen, am Ende ihrer politischen Karriere die Präsidentschaftswahlen zu verlieren. Die Republikaner werden diesmal nicht den Fehler begehen, erneut einen selbst in den eigenen Reihen „ungeliebten Kandidaten“ wie Mitt Romney zu nominieren.

Also warum antreten? Um als erste Frau ins White House einzuziehen? H.C. muss niemanden mehr etwas beweisen. Ihren Platz in der Weltgeschichte hat sie schon lange sicher.

Hillary Clinton wird bei den Präsidentschaftswahlen 2016 nicht antreten – auch wenn die Spekulationen darüber nicht aufhören werden.

Obama! Wo sind die Frauen?!

Vielleicht sollte US-Präsident Obama einmal seinen alten Rivalen Mitt Romney anrufen. Der hatte während des Wahlkampfes von seinen „Binders full of Women“ geschwärmt, „Ordnern voller qualifizierter Frauen“ also, die man ihm in seiner Zeit als Gouverneur in Massachusetts vorgelegt hatte, um wichtige Posten zu besetzen.

Barack Obama scheint einen echten Notstand an Frauen im White House zu haben. Klar, die First Lady Michelle Obama ist weiblich. Und auch eine seiner engsten und wichtigsten Beraterinnen, seine alte Freundin aus Chicago, Valerie Jarrett. Doch danach wird es schon sehr dünn mit Frauen in Spitzenpositionen.

Obama-Kabinett: Weiße Männer übernehmen die wichtigsten Posten

Die wichtigsten Posten seines Nationalen Sicherheits-Teams zumindest sind mit Männern besetzt: John Kerry als Außenminister, Chuck Hagel als Pentagon-Chef und John Brennan als neuen CIA-Boss. Susan Rice gehört zwar auch offiziell dazu, doch die sitzt fernab bei der UN in New York und hat keinen täglichen Zugang zu Obama.

Und jetzt soll auch noch White House Stabschef Jack Lew zum Finanzminister befördert werden. Wieder ein Mann und wieder ein Weißer, wobei wir beim zweiten Thema wären. 98 Prozent der Schwarzen haben Obama wiedergewählt. Bei den Frauen waren es 55 Prozent. Bei der Besetzung des Kabinetts kommt das nicht zum Ausdruck.

Für die African-Americans des Landes sitzt nur noch einer – wenn man mal von Obama selbst absieht – am Kabinetts-Tisch. Es ist der eher amtsmüde Justizminister Eric Holder. Das wars dann auch.

Und als die letzten „weiblichen Mohikanerinnen“ halten seit dem angekündigten Rücktritt von Arbeitsministerin Hilda Solis nur noch Heimatschutz-Chefin Janet Napolitano und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius die Fahne der Frauen hoch. Napolitano sollte eigentlich befördert werden und das wichtigere Justizamt übernehmen. Doch daraus wird wohl nichts.

Susan Rice und Michele Flournoy ohne Obama Unterstützung

Dabei ist es nun wirklich nicht so, als ob es keine qualifizierten Frauen in Amerika geben würde. Susan Rice wäre eine hervorragende Hillary Clinton Nachfolgerin im Außenministerium geworden. Doch Obama scheute den Konflikt mit den protestierenden Republikaner Amigos John McCain und Lindsey Graham. Enttäuschend!

Und für das Pentagon hätte Obama mit der ersten Frau, Michele Flournoy, auf dem Chefposten des Verteidigungsministeriums, Geschichte schreiben können. Eine verpasste Chance!

„Der Präsident ist immer auf der Suche nach den Besten“, sagt Obamas Pressesprecher Jay Carney. Wie gesagt: Mitt Romney hat angeblich einen ganzen Aktienordner davon.

Susan Rice Rücktritt: John McCain nimmt erfolgreich Rache an Präsident Obama

Der Rücktritt von Susan Rice von der in Washington erwarteten Nominierung zur Außenministerin ist eine schwere Schlappe für Präsident Obama und ein triumphaler Sieg von John McCain. Vier Jahre nach dessen bitteren Niederlage bei den Präsidentschafts-Wahlen 2008 hat der 78-jährige Senator aus Arizona erfolgreich Rache an seinem Widersacher Obama genommen.

Seit Wochen hatte McCain zusammen mit seinem „Amigo“ Lindsey Graham (Senator aus South Carolina) an der Demontage von Susan Rice gearbeitet. Ausgangspunkt waren dabei TV-Statements der UN-Botschafterin zum tödlichen Anschlag auf die US-Vertretung im libyschen Bengazi am 11. September 2012. Rice hatte im Fernsehen nicht von einem “geplanten Terroranschlag”, sondern von einer spontanen Demonstration gesprochen. Dabei wiederholte die Diplomatin offenbar nur vorläufige und im nachhinein falsche Berichte, die ihr die Geheimdienste zuvor gegeben hatten.

Für McCain und Graham war diese falsche Analyse der Ereignisse in Bengazi, bei der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter starben, Grund genug, Rice als unfähig zu diskreditieren. Noch bevor weitere Bengazi-Berichte mehr Klarheit über den Anschlag gaben, erklärte McCain, „er werde alles in seiner Macht stehende tun, um Rice als neue Chefin des State Departments zu verhindern“.

McCain hat erfolgreich Rache an seinem Intimfeind Obama genommen.

Bleibt die Frage, warum Obama, der sich öffentlich vor Rice gestellt hatte, jetzt eingeknickt ist. Gab es noch andere Gründe, die gegen Rice sprachen?

Die 43 Millionen Dollar schwere Rice hält Aktienpakete an der kanadischen Firma TransCanada, die eine Öl-Pipeline von Kanada durch die USA nach Houston bauen will. Die Genehmigung hätte sie als Außenministerin geben müssen. Ein eindeutiger Interessenskonflikt.

Doch war das der Grund? Verlor die UN-Diplomatin auch bei Parteifreuden an Vertrauen? Oder ist Rice ein „Bauernopfer“ in den schwierigen Budget-Verhandlungen mit den Republikanern. Beim Thema „fiscal cliff“ liegen Obama und die Republikaner immer noch Welten auseinander. Ein Deal – Rice-Rücktritt für mehr Zugeständnisse von den Konservativen – ist durchaus denkbar.

Wird John Kerry neuer US-Außenminister?

Lachender Dritter beim McCain-Obama-Rice Gemetzel könnte John Kerry werden. Der gescheiterte Präsidentschafts-Kandidat der Demokraten von 2004 ist jetzt der Top-Favorit auf das Außenministerium. Viele Republikaner, darunter auch McCain, den Kerry 2004 fast zu seinem Vize gemacht hätte, würden den 69 Jahre alten Senator aus Massachusetts unterstützen – allein schon aus alter Freundschaft.

Nur, kann Obama, nachdem seine Top-Favoritin und Freundin Susan Rice gescheitert ist, jetzt noch mit Kerry glücklich werden? Und bleibt nicht immer zumindest ein leiser Verdacht, dass Kerry bei der „Amigo“-Aktion auch involviert sein könnte?

Hillary nach New York – der Teufel nach London?

Vier Wochen nach dem Wahlsieg von Präsident Obama beginnt sich das Personal-Karussell zu drehen. Und es könnte dabei ein paar große Überraschungen geben. Das heißeste Gerücht: Die amtsmüde US-Außenministerin Hillary Clinton als neue Bürgermeisterin von New York!

Bloomberg will Hillary Clinton als New Yorks neues Stadtoberhaupt

Wie die New York Times berichtet, soll Bürgermeister Michael Bloomberg höchstpersönlich Hillary angerufen und ermutigt haben, für das Amt zu kandidieren. Ein brisantes Telefonat, hatte Bloomberg sich doch schon für seine Vertraute Christine Quinn ausgesprochen, der er noch einen Gefallen schuldet.

Die Vorsitzende des Stadtparlaments hatte Bloomberg geholfen noch ein drittes Mal zu kandidieren, obwohl nur zwei Amtsperioden erlaubt waren. Quinn dürfte kaum erfreut sein zu hören, dass Bloomberg mit allen möglichen Nachfolgern unzufrieden sei und lieber Hillary zum New York Chef machen wolle. Der Multi-Milliardär scheidet Ende 2013 aus dem Amt – genug Zeit also für Hillary sich zu erholen.

Wer Clinton im State Department folgt, ist dagegen immer noch ungewiss. Präsident Obama scheint sich eigentlich auf UN-Botschafterin Susann Rice festgelegt zu haben, doch die Republikaner, allen voran John McCain, lehnen sie ab.

Außerdem könnte Rice auch in einen Interessenskonflikt geraten, weil sie als künftige Außenministerin über den Bau der sieben Milliarden Dollar teuren Keystone Öl-Pipeline von Kanada nach Houston entscheiden muss. Rice, etwa 43 Millionen Dollar schwer, hält mit ihrem Mann Anteile an der Firma TransCanada, die die Pipeline bauen will. Bei einem Scheitern des Projekts dürften die Unternehmens-Aktien von Rice deutlich an Wert verlieren. Von den Problemen profitiert John Kerry, dessen Chancen auf den Außen-Posten wieder steigen.

Ernennt Präsident Obama Vogue-Chef Anna Wintour zur Botschafterin?

Wer auch immer das Sagen haben wird im State Department, künftig könnte die US-Diplomatie modischer werden. Anna Wintour, bisher Chefredakteurin von Vogue, hat gute Chancen, die USA in Zukunft als Botschafterin in London zu vertreten. „The Devils wears Prada“, Wintour, die für ihr Temperament gefürchtet ist, hatte schon seit langem Ambitionen auf den attraktiven Posten. Als unermüdliche Wahlkampf-Spenden-Sammlerin für Obama – sie soll bis zu 40 Mio. Dollar für die Wiederwahl eingenommen haben – hat sie sich den Posten fast schon verdient.

Chuck Hagel, Republikaner, dagegen scheint gute Chancen auf den Posten des Pentagon-Chef zu haben. Übernimmt er die Verteidigung des Landes und Obama kann trotz aller Widerstände Susan Rice als Außenministerin durchsetzen, wäre John Kerry der große Verlierer. Er wird für die Posten Außen- und Verteidigung gehandelt und könnte wie schon 2008 erneut von Obama übergangen werden. Bitter.

John McCains letztes Gefecht

John McCain ist ein Kriegsheld und ein amerikanischer Patriot. Fünf Jahre war er während des Vietnam-Krieges Gefangener des Vietcong. Er wurde im gefürchteten Knast „Hanoi Hilton“ gefoltert. Alle Torturen hat McCain überlebt, genauso wie in jüngster Vergangenheit einen bösartigen Hautkrebs.

Nur eines scheint der mittlerweile 78 Jahre alte Senator aus Arizona nicht überwinden zu können: Seine Niederlage im Präsidentschafts-Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Bei seiner Kritik an der Regierung hat man immer den Eindruck, dass McCain Rache nehmen will. Er scheint nicht akzeptieren zu wollen, dass der „Falsche“ im White House sitzt.

Susan Rice: Das Opfer von McCains Rachefeldzug gegen Präsident Obama

Jüngstes Opfer seines Feldzuges gegen den Präsidenten ist Susan Rice, zurzeit amtierende UN-Botschafterin der USA und Top-Favoritin auf den Posten der Außenministerin. Die 48-Jährige soll Hillary Clinton folgen, die nach vier Jahren ihren Posten räumen will, um sich von den Strapazen einer politischen Weltreisenden zu erholen. Vielleicht sogar für eine Präsidentschafts-Kandidatur 2016?

Susan Rice gilt ohne Zweifel als Außenpolitik-Expertin, ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen als makellos oder wie Präsident Obama es sagt als „überragend“. Sie ist die beste Option für den Chefposten im State Department. Das dürfte auch der zweite Kandidat John Kerry einsehen, der schon vor vier Jahren das Amt übernehmen wollte. Obama könnte den 69-jährigen Kerry erneut übergehen und ihn mit dem Pentagon vertrösten.

Doch es gibt ja noch John McCain und sein „Amigo“ Lindsey Graham (Senator aus South Carolina) und seit neuestem „Amiga“ Kelly Ayotte (Senatorin aus New Hampshire). Sie scheinen sich in Susan Rice festgebissen zu haben, weil die UN-Botschafterin beim tödlichen Anschlag auf die libysche US-Vertretung in Bengazi am 11. September 2012 nicht von einem „geplanten Terroranschlag“, sondern von einer spontanen Demonstration gesprochen hatte. Dabei hatte Rice öffentlich nur das wiedergegeben, was ihr die Geheimdienste gesagt hatten.

Alte Freundschaft: Will McCain John Kerry zum Außenminister machen?

Selbst Rice späteres Eingeständnis, nicht richtig informiert gewesen zu sein, will McCain und Co. nicht versöhnen. Ein Indiz, dass es bei diesem Streit nicht um Fakten oder um Susan Rice geht, sondern um Präsident Obama. Und vielleicht auch um einen Gefallen, den McCain John Kerry zurückgeben will. Der Demokrat hatte 2004 in dessen Präsidentschafts-Wahlkampf ernsthaft darüber nachgedacht, dem Republikaner McCain den Job des Vizes anzubieten.

McCain hat einen guten Ruf zu verteidigen. Er gilt als DAS außen- und sicherheitspolitische Schwergewicht der Republikaner. Zurzeit wirkt er jedoch eher als grantelnder alter Mann, der seine Niederlage gegen Obama einfach nicht überwinden kann.

McCain sollte rechtzeitig zum Rückzug blasen, ansonsten könnte er bei der zu erwarteten Nominierung von Susan Rice als neue US-Außenministerin erneut gegen Obama verlieren – es könnte sein letztes Gefecht sein.

Obamas neue Regierung: Spekulationen über „ein Kabinett der Namenlosen?“

Wahlsieg war gestern, politischer Alltag ist heute!

Nach dem politischen Erdbeben in Washington um den Rücktritt des untreuen Vier-Sterne-Generals und CIA-Chefs David Petraeus kommt es noch in dieser Woche zum ersten Showdown zwischen dem wiedergewählten Präsidenten Obama und den unterlegenen Republikanern.

Der Präsident hat den republikanischen House-Speaker John Boehner und andere Spitzen-Politiker der Grand Old Party (GOP) zum Gipfeltreffen ins White House geladen. Ihr Thema: Die so genannte „fiscal cliff“, das automatische Eintreten von Steuererhöhungen und drastischen Haushaltseinschnitten zum Ende des Jahres.

Beide Parteien, Obama und die Republikaner, wollen vermeiden, dass die „USA über die Klippe gehen“ und erneut in eine Rezession mit einer Arbeitslosigkeit von bis zu zehn Prozent rutschen. Die Frage ist nur wie man das vermeiden kann. Das Gipfeltreffen dürfte einen ersten Hinweis darauf geben, ob die Republikaner ihre Blockadepolitik aufgeben wollen und bereit sind Kompromisse einzugehen.

„Wird das Team der Rivalen“ zum „Kabinett der Namenlosen?“

Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Obama-Kalender: Das neue Kabinett: Hillary Clinton, Timothy Geithner, Eric Holder, und Leon Panetta stehen vor dem Absprung. Auch für FBI-Chef Robert Mueller, dessen Amtszeit abläuft, braucht Obama einen Nachfolger. Und ganz aktuell: Wer ersetzt den untreuen Ex-CIA-Chef Petraeus?

Als Obama 2008 zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, holte er unter anderem Konkurrenten wie Hillary Clinton in die Regierung oder ließ Bushs Pentagon-Chef, den Republikaner Robert Gates, im Amt. „Team of Rivals“ nannte man damals das Obama-Kabinett. Ganz nach Obamas Vorbild Abraham Lincoln, der seine Widersacher in die Verantwortung nahm.

Michele Flournoy, die erste Frau als Pentagon-Chefin?

So könnte das neue Obama-Kabinett aussehen:

Außenministerium: Der Top-Preis im neuen Obama-Kabinett. Wer ersetzt Hillary Clinton? Die Top-Favoriten sind UN-Botschafterin Susan Rice und Senator John Kerry.

CIA-Chef: Michael Morell, der aktuelle Interimschef-Chef, wird zumindest vorerst David Petraeus Nachfolger bleiben.

Verteidigung: Leon Panetta, der mit 74 Jahren lieber Walnüsse auf seiner Farm in Kalifornien ernten möchte, dürfte Mitte 2013 spätestens 2014 abgelöst werden. Top-Kandidatin: Michele Flournoy. Die Ex-Staatssekretärin könnte die erste Frau an der Spitze des Pentagon werden. Chancen hat auch John Kerry oder der Obama freundliche Republikaner Chuck Hagel.

Justiz: Der amtsmüde Eric Holder könnte durch die Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano ersetzt werden. Wer ihre Arbeit fortsetzt: ungewiss.

FBI: Amerikas Top-Polizist Robert Mueller wird nach Ablauf seiner Amtszeit keine weitere Verlängerung vom Kongress bekommen. Sein Nachfolger könnte der FBI-Chef in Washington, Michael Mason, werden.

Mitt Romney im Kabinett von Präsident Obama? Weiterlesen

Postengescharre noch vor den Wahlen

Während sich Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney erneut in Boot-Camp-Manier auf ihre dritte und vielleicht entscheidende Debatte am Montag in Boca Raton, Florida, vorbereiten, hat knapp zwei Wochen vor den Wahlen hinter den Kulissen bereits das Gescharre um Posten begonnen. Und das auf beiden Seiten. Die engsten Vertrauten und Berater der Kandidaten bringen sich in Stellung und bewerben sich um die wichtigsten Posten.

Obama-Double und Romney-Ersatz drängen in die Regierung

Wie die New York Times berichtet, haben auf den Top-Posten im Außenministerium in einem Kabinett Obama oder Romney bereits mehrere Personen Ambitionen angemeldet. John Kerry, der an diesem Wochenende in Camp David Präsident Obama für die Debatte „Thrilla in Boca“, coacht, will Außenministerin Hillary Clinton beerben. Kein wirklich großes Geheimnis in Washington. Kerry war schon 2008 in der engeren Auswahl des Chef-Diplomaten, verlor aber gegen Clinton. Diesmal ist Amerikas UN-Botschafterin Susan Rice seine härteste Konkurrentin.

Romneys Außenminister John Bolton? Obamas Stabschef David Plouffe?

Rob Portman, Senator aus Ohio und Obama-Double, der im zwei-Tage-Trainigslager in Boca Raton Mitt Romney auf die Debatte vorbereitet, schielt dagegen auf den Posten des Finanzministers. Er war vor der Wahl von Paul Ryan auch als Vize-Präsident im Gespräch. Der 57-Jährige wird aber auch als Stabschef gehandelt.  Als Außenminister ist der Ex-Weltbankchef Robert Zoellick im Gespräch. Die Konservativen verlangen jedoch einen Kandidaten aus ihren eigenen Reihen: John Bolton, der knallharte und auch international höchst umstrittene Falke, der unter Bush ohne Bestätigung des Kongress für 16 Monate UN-Botschafter war, gilt als ihr Favorit.

Bei Obama könnte dagegen Stabschef Jacob S. Lew zum Finanzminister aufsteigen, während Obamas oberster Wahlkampf-Manager David Plouffe das White House zusammenhalten soll. Auch Obamas engste Vertraute Valerie Jarrett, wird als Stabschefin gehandelt.

Postengescharre noch vor der Wahl! Dabei müssen Obama und Romney erst einmal die Wähler in ihrer dritten Debatte am Montag und am 6. November an der Urne von sich überzeugen. Vielleicht sollten sich die Kandidaten zunächst darauf konzentrieren, bevor sie einen Kuchen verteilen, der noch nicht einmal gebacken ist.

Das Fernseh-Duell: Obama gegen Romney

It’s Showtime im US-Wahlkampf. Zum ersten Mal treffen Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney an diesem Mittwoch in Denver, Colorado, aufeinander. Ein direktes Duell, Auge in Auge in alter Westernmanier, nur ohne geladene Pistolen. Die Waffen der Kandidaten sind ihre Argumente.

Amerika liebt dieses TV-Spektakel. Vermutlich 50 bis 60 Millionen Zuschauern werden das 90 Minuten Duell verfolgen, bei dem sich Obama und Romney an Stehpulten und nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüberstehen werden. Gastgeber ist die TV-Legende Jim Lehrer (78), der seit 1992 in jedem Wahlkampf mindestens eine Präsidentschafts-Debatte moderiert hat.

Das Aufeinandertreffen ist das erste von insgesamt drei TV-Duellen. Und es ist vermutlich das wichtigste. Romney muss zeigen, dass er nach dem Video-Debakel doch noch die Wende im Wahlkampf schaffen kann. Gelingt dem 65-Jährigen das nicht, braucht er am 6. November zur Wahl nicht mehr antreten.

Romney gewinnt mit einem Unentschieden gegen den Favoriten Obama

Doch der Druck lastet nicht nur auf Romney, sondern auch auf Amtsinhaber Obama. Der Präsident gilt als haushoher Favorit der TV-Debatte und genau das ist sein Problem. Niemand erwartet einen glanzvollen Auftritt von Romney und einen Sieg über Obama. Ein Unentschieden reicht dem Republikaner, um Obama zu schlagen. Ein ähnliches Problem hatte Vize-Kandidat und Politprofi Joe Biden 2004 bei seinem Duell mit der unerfahrenen Sarah Palin. Mitleid für den Außenseiter ist tödlich für den Favoriten.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen auch die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mitt Romney hat sich seit Tagen schon in ein Haus eines Freundes nach Vermont zurückgezogen und probt dort die Diskussion. Sein Obama-Sparringspartner ist Rob Portman, Senator aus Ohio, ein Weißer, der auch als Romneys Vize-Kandidat im Gespräch war.

Obama, der sich seit Sonntag drei Tage lang in Henderson, Nevada, vorbereiten will, hat sich John Kerry als „Gegner“ ausgesucht. Der Senator ähnelt dem Herausforderer (groß, steif, viel und dichtes Haar) und kennt Romney aus Massachusetts. Kerry kann Romney nicht leiden. Außerdem winkt ihm als Dankeschön nach einem Obama-Wahlsieg der Posten von Hillary Clinton als Außenminister.

Obama gegen Romney – Fehler werden bei TV-Debatten nicht verziehen.

Sieg oder Niederlage? Darüber entscheiden bei solchen Debatten oft Kleinigkeiten: Wer wirkt mehr wie ein Präsident, wer hat die besseren Argumente, ohne den Zuschauer mit langen Erläuterungen zu langweilen, wer hat den besseren Witz gemacht oder ganz einfach und subjektiv: Wer wirkt sympathischer und wem vertraut der Wähler mehr.

Nur eins ist sicher: Fehler werden nicht verziehen. Als George Bush Senior in seiner Debatte mit Bill Clinton und Ross Perot 1992 gelangweilt auf seine Uhr schaute, war die Präsidentschaft für ihn gelaufen. Ein Schnitzer, der heute nicht mehr passieren kann: Die Wahlkampfmanager nehmen zur Vorsicht ihren Kandidaten vor der Debatte die Uhren ab.

Rollenspiele – Kerry macht den Romney

Wahlen in den USA werden im Fernsehen entscheiden. Das weiß keiner besser als Präsident Obama. Seine Mega-Auftritte vor Hundertausenden Anhänger, live und zur besten Sendezeit auf allen TV-Kanälen übertragen, haben ihn 2008 als Messias und Herausforderer John McCain als politisches Fossil längst vergangener Zeiten erscheinen lassen. Erst Sarah Palin als republikanische Vize-Kandidatin konnte Obama ein Stück Fernseh-Berühmtheit nehmen.

Wichtig im TV-Wahlkampf sind dabei vor allem die Live-Debatten der beiden Kandidaten. Bei Zuschauerzahlen von bis zu 63,2 Millionen Zuschauern (2. Debatte 2008) kann diese „Reality-Show“ über Sieg und Niederlage entscheiden. So hatte Bush senior 1992 während seiner Diskussion mit Bill Clinton und Ross Perot die Wahl eigentlich schon verloren, als er gelangweilt auf seine Uhr schaute.

Die drei Debatten zwischen Obama und Romney im Herbst (3., 16. und 22. Oktober) werden deshalb von den Kandidaten schon jetzt generalstabsmäßig geplant. Obama hat sich dabei bereits auf seinen ganz persönlichen „Romney-Sparringspartner“ festgelegt.

John Kerry, Senator aus Massachusetts und gescheiterter Präsidentschafts-Kandidat 2004, soll die Rolle des Herausforderers übernehmen. Dafür hat er bei Erfolg, gute Chancen Hillary Clinton als US-Außenminister zu beerben.

Kerry ist keine überraschende aber eine richtige Entscheidung. Der 68-Jährige gilt als einer der besten Live-Debattierer Washingtons und kennt Romney bereits seit 1994 sehr gut. Damals hatte er Edward Kennedy bei seiner Wiederwahl zum Senator gegen Romney erfolgreich zum Sieg verholfen.

Kerry und Romney passen aber auch vom Typ her gut zusammen. Beide sind vermögend, beide habe in verschiedenen Bundesstaaten Häuser, beide ändern wie es gerade passt ihre Meinungen (Flip-Flopper) und beide haben auffällige Haarfrisuren.

Mitt Romney dagegen scheint sich im Debatten-Rollenspiel noch nicht entschieden zu haben. Sein Vorgänger als Obama-Herausforderer, John McCain, probte 2008 mit dem weißen Rob Portman, dem heutigen Senator aus Ohio. Den Messias-Status von Obama konnte McCain damals in den TV-Debatten nicht brechen. Romney ist also gut beraten, sich einen neuen Obama zu suchen.