Präsident Obama wiedergewählt!

Zum Schluss wurde es dann doch ein deutlicher Sieg. Obama hat die Wiederwahl gewonnen und bleibt weitere vier Jahre Hausherr im White House.

Doch gab es wirklich eine Chance, die die Republikaner gesehen haben oder war es nur Wunschdenken oder gar ein großer Bluff?

Am Abend vor der Wahl lancierte das Romney-Camp noch ein internes Papier. Darin stand, dass sie nach „eigenen Umfragen“ in Ohio führen und in Pennsylvania mit Obama gleich aufliegen. Man darf gespannt sein wie sie diese Niederlage und ihre falschen Prognosen rechtfertigen. Denn auch wenn die einzelnen Swing States hart umkämpft waren, am Ende sind acht der wichtigsten neun „Swinger“ an Obama gegangen.

Mitt Romney hatte von Anfang an den schwereren Weg zu 270 Wahlmänner. Der Auftritt in Pennsylvania am Ende seines Wahlkampfes war bereits ein Zeichen von Verzweiflung, da er wusste, dass die „Midwest-Firewall“ (Ohio, Iowa, Wisconsin) für Obama halten würde.

Bei den Republikaner wird es jetzt einen brutalen Richtungsstreit geben. Werden die Konservativen, die Tea Party Anhänger, die Partei übernehmen oder geht es wieder zurück zur Mitte, dorthin, wo sie wieder Präsidentschafts-Wahlen gewinnen können? Romney hingegen wird schnell von der politischen Bühne verschwinden. Er war immer der ungeliebte Kandidat der GOP.

Und Obama? Die zweiten vier Jahre werden nicht leichter werden, vor allem wenn er bundesweit nicht die Mehrheit der Amerikaner gewinnen kann. Hinzu kommt ein gespaltener Kongress. Der Präsident hat keine Mehrheit in beiden Häusern für große Projekte. Sein Vorteil ist, dass es seine letzten vier Jahre im White House sein werden und er sich keine Gedanken um eine Wiederwahl machen muss. Vielleicht hilft ihm das in einem völlig zerstrittenen Washington und einer gespaltenen Nation. Es sei ihm zu wünschen.

7 Gründe, warum Präsident Obama gewinnt, 7 Gründe, warum Mitt Romney gewinnt

Barack Obama gegen Mitt Romney – die Schlacht ist geschlagen. Jetzt haben etwas mehr als 200 Millionen wahlberechtigte US-Bürger die Wahl, wer in den kommenden vier Jahren das Land führen darf. Bleibt es Präsident Obama oder wird Herausforderer Mitt Romney Amerikas neuer Commander-in-Chief.

Die letzten Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bundesweit liegen Obama und Romney mit 49 zu 49 Prozent (CNN) gleich auf. In den neun wichtigen Swing States allerdings hat Obama einen leichten Vorteil, er führt in acht von neun Schlüssel-Staaten vor Romney.

Sieben Gründe, warum Obama Präsident bleiben wird:

  • Obama hat den eindeutig leichteren Weg die notwendigen 270 Wählmänner zu gewinnen. Er hatte während des gesamten Wahlkampfes in den meisten der acht wichtigsten Swing States die Nase vorn. Und so lange der Top-Swinger“, Ohio, Obama-Land bleibt, bleibt er auch Präsident.
  • Hurrikan Sandy hat Obama geholfen. Acht von zehn Amerikaner sind mit seiner Arbeit als Krisenmanager der Nation zufrieden. Noch wichtiger: Die Katastrophe hat das Stimmungshoch von Romney gestoppt.
  • Am Ende des Wahlkampfes hat Obama in Umfragen bundesweit doch noch fast 50 Prozent der Wähler hinter sich. Alles unter 48 Prozent wäre für jeden amtierenden Präsidenten kritisch.
  • Obama ist der Kandidat der Demokraten, daran gab es nie Zweifel. Romney blieb bis zuletzt der ungeliebte Kandidat in seiner eigenen Partei. Wer Obama wählt, will tatsächlich einen Präsidenten Obama. Wer Romney wählt, stimmt gegen Obama und nicht unbedingt für Romney. Um eine Wahl zu gewinnen, ist das zu wenig.
  • Die Arbeitslosenquote ist am Ende doch noch zwei Monate in Folge unter acht Prozent geblieben. Die letzten Zahlen von 171.000 neuen Jobs im Oktober haben Obama geholfen.
  • Obamas Wahlkampf ist besser organisiert als der seines Gegners. Er hat mehr Freiwillige, mehr Büros in den einzelnen Staaten und mehr junge, engagierte Leute hinter sich. Und auch im Internet hat er einen großen Vorteil gegenüber Romney.
  • Obama hat eine Zweidrittel-Mehrheit unter der Gruppe der Latinos. Bei den Frauen konnte Obama ebenfalls seinen Vorsprung halten.

Und sieben Gründe, warum Romney neuer Präsident wird:

  • Noch nie in der Geschichte der USA (Ausnahme ist nur Franklin D. Roosevelt 1936) ist ein Präsident mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 7.4 Prozent wieder gewählt worden. Die aktuelle Quote liegt bei 7.9 Prozent.
  • Eine Mehrheit (51 Prozent) der Amerikaner ist mit der Wirtschaftspolitik von Obama unzufrieden. Romney als Geschäftsmann liegt hier, bei einer weiterhin schwachen US-Wirtschaft, mit fünf Prozent (54 Prozent) vor dem Präsidenten.
  • Das oberste Ziel der Konservativen ist es, Obama abzuwählen und ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Die Wahlbeteiligung unter den Republikaner wird deshalb höher sein als noch vor vier Jahren.
  • Romney hat über den Wahlkampf hinweg eine Mehrheit unter den Partei-Unabhängigen halten können. Eine Gruppe, die die Wahlen entscheiden kann.
  • Obama hat die Wahl durch seinen desaströsen Auftritt in der ersten Debatte am Ende doch noch verloren. Romney konnte sich als wirkliche Alternative präsentieren.
  • Die Dominanz der Weißen unter den Wählern ist am Ende doch höher als die der Latinos und der Frauen.
  • Die Umfragen in den Swing States sind – wie Republikaner behaupten – falsch oder parteiisch und es gibt am Wahlabend eine große Überraschung.

„Thrilla in Boca“ – Analysen zur dritten Debatte. Romney wird zum Twitter-Gespött

Obama hat die dritte Debatte (59.2 Millionen TV-Zuschauer) gewonnen. Daran dürfte es kaum Zweifel geben. Ob es dem Präsidenten aber bei der Wiederwahl helfen wird, ist fraglich. Romney hat keine großen Fehler gemacht, aber auch nicht geglänzt wie in der ersten Debatte. Er hat auf Nummer sicher gespielt.

Was bleibt am Ende hängen von diesem Abend an der Lynn Universität in Boca Raton, Florida: Romneys fehlende Erdkunde-Kenntnisse? Seine Versprecher Irak/Iran oder Assad/Kofi Annan oder doch eher Obamas spöttische Belehrung an Romney, das Militär habe sich verändert und es gebe heute „weniger Pferde und Bajonette“?

Mit dem Spruch des Abends machte Obama Romney gleich wieder zum Gespött in der Twitter-Welt. Nach seinem „Big Bird Angriff“, seinem „Ordner voller Frauen“und jetzt den „horses and bayonets“ steht eins bereits fest: Romney und Twitter werden bis zur Wahl keine Freunde mehr werden!

Obama gegen Romney: Stimmen zum „Thrilla in Boca“:

„Romney hatte nichts Substantielles zur Außenpolitik zu sagen und wirkte oft verloren. Romney klang, als ob er unterstrichene Stellen eines Infos-Textes oder ein Buch für Anfänger über Weltgeschichte gelesen hatte.“ (New York Times)

„Mit 65 hat Romney offenbar gedacht, er müsse nichts mehr lernen. Doch Präsident Obama hat ihn in Sachen Außenpolitik auf die Schulbank gesetzt und unterrichtet. Romney war nicht schlecht, aber er war immer in der Defensive.“ (Robert Simon, Politico.com)

„Obama hat seine Basis bedient. Er war deutlich besser in der Substanz. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sein Auftritt die Wahl entscheiden wird. Romney hat sein Ziel erreicht, für die US-Wähler eine wirkliche Alternative zu sein. Wertung für beide: B+“ (Mark Halperin, Time)

„Nach der episch schwachen Vorstellung in Denver hat sich Obama mit den beiden folgenden Debatten wieder aus dem Loch gezogen. Sein Vorteil in der Außenpolitik wird nicht verschwinden, es wird ihn stärken.“ (Andrew Sullivan, Newsweek)

„Wenn es einen Unterschied zwischen Obama und Romney in ihrer Außenpolitik gegeben hat, habe ich das verpasst.“ (Arianna Huffington)

„Romney wollte nur ‚akzeptabel‘ sein. Er hat keinen Grund gesehen, auf Kritik zu antworten und Alternativen in der Außenpolitik aufzuzeigen.“ (Chuck Todd, MSNBC)

„Wer hätte gedacht, dass die Kandidaten in der dritten Debatte so oft übereinstimmen würden.“ (Washington Post)

Konservative kritisieren Debatten-Auftritt von Romney

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US-Politik direkt Umfrage: Republikaner Romney ohne Chancen auf den Wahlsieg

Es war keine gute Woche für Mitt Romney. Erst kritisierten Amerikas Konservative ihren eigenen Kandidaten wegen dessen Wahlkampfführung und der vorschnellen Schelte an Obamas Nahost-Politik. Und dann trat der Herausforderer auch noch in den „47 Prozent Fettnapf“.

In einem heimlich gefilmten Video hatte Romney 47 Prozent der US-Bürger als „Schmarotzer“ beschimpft und behauptet, dass sich diese als „Opfer“ fühlten, vom Staat abhängig seien und entsprechend Obama wählen müssten. Ein Video, das ihn selbst nach Meinung vieler seiner Parteifreunde die Wahl kosten könnte.

US-Politik direkt Umfrage: Romney ist bereits geschlagen

Auch die Leser von „US-Politik direkt“ glauben nach einer Umfrage mehrheitlich (55 Prozent), dass Romney wegen des Videos bei den Präsidentschafts-Wahlen „keine Chance mehr hat“. Nur knapp jeder Zehnte ist der Meinung, dass der Kandidat „noch die Wende schafft“, während 33 Prozent denken, dass „das Video keinen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen“ haben wird. Keine guten Zahlen also für Romney.

 

Wie schlecht es im Moment um den Obama-Herausforderer steht, zeigen auch die jüngsten Umfragen. Selbst der Romney freundliche TV-Sender FoxNews sieht den Kandidaten deutlich hinter Obama. In sechs wichtigen und wahlentscheidenden Swing States hat der Präsident (+5 in Florida, +7 in Ohio, +7 in Virginia, +8 in Iowa, +5 in Colorado und +5 Prozent in Wisconsin) einen deutlichen Vorsprung vor Romney.

Schon fürchten Amerikas Konservative um ihr Minimalziel, die Abwahl von Obama. Sie sind unzufrieden, schimpfen und halten sich mit Kritik an Romney nicht mehr zurück. Die Republikaner fordern mehr Kampfeswillen und mehr Einsatz ihres Kandidaten. Der verspricht zwar Besserung, doch bei kaum noch 40 Tagen bis zur Wahl könnte es für Romney bereits zu spät sein.

Die Stimmung ist gegen Romney. Daran konnte auch die seit langem geforderte Herausgabe seiner Steuererklärung von 2011 nichts ändern. Als Romney seine Abgaben an den Fiskus veröffentlichte (knapp 14 Prozent), gab es gleich wieder eine Peinlichkeit. Denn um nicht unter einen Steuersatz von 13 Prozent zu fallen, hatte Romney nicht alle Abschreibungen, die ihm zustanden, angegeben. Seine Gegner kritisierten das sofort als „Fälschung“. Aber auch die eigenen Parteifreunde verstanden die Trickserei nicht.

Romney steckt in einem Tief, aus dem er sich nur schwer wieder herausziehen kann. In einer weiteren Umfrage vom Wochenende erklärten „50 Prozent der Wähler“, dass sie den Kandidaten der Republikaner „nicht mögen“. Romney ist damit der unbeliebteste Kandidat seit Mike Dukakis 1988.

Das Romney-Video: „Arrogant und dumm“

Das heimlich gefilmte Video von Mitt Romney ist auch am Tag nach seiner Veröffentlichung das Top-Thema in den USA. Viele Kommentatoren sind sich einig, dass Romney mit der Beleidigung von „47 Prozent“ der US-Bürger als Schmarotzer einen schweren Fehler gemacht hat, der ihn die Präsidentschaft kosten könnte.

Zum Romney-Video auch aktuell die „US-Politik direkt“ Umfrage: Hat Romney seine Chancen auf den Wahlsieg verspielt oder schafft der Kandidat noch die Wende?

Republikaner Mitt Romney: Reaktionen auf das Schock-Video

„Diese Video hat den Wahlkampf auf den Kopf gestellt“, kommentierte NBC-Anchor Brian Williams. „Ein politisches Erdbeben im Präsidentschafts-Wahlkampf“, sagte TV-Ikone Dianne Sawyer von ABC World News. „Mir fällt nichts ein, was ihn hätte mehr schaden können als dieses Video“, erklärte CBS-Nachrichten-Veteran Bob Schieffer.

Nur einige wenige konservative Einpeitscher wie Radio-Talker Rush Limbaugh und Laura Ingraham applaudieren Romney für seine „Ehrlichkeit“. Andere Parteifreunde schüttelten dagegen nur den Kopf und gingen auf Distanz mit ihrem eigenen Kandidaten:

  • „Mitt Romney hat sich den schlimmsten Wahlkampf-Patzer geleistet seit Gerald Fords Bemerkung von 1976, dass es keine Vorherrschaft der Sowjetunion über Osteuropa gebe“. (David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush und heute Kolumnist von The Daily Beast)
  • Romneys Aussagen sind „dumm und arrogant“. (Bill Kristol, Chefredakteur vom „The Weekly Standard“, dem inoffiziellen „Parteiorgan“ der Konservativen)
  • „Mitt Romney hat seinen Wahlkampf zerstört.“ (Joe Scarborough, konservativer Anchor des TV-Senders MSNBC)
  • „So spricht kein großer Führer. So sprechen Wahlkampfleute aus den unteren Reihen. Man sollte sich eingestehen, dass der Romney Wahlkampf ein inkompetenter ist. Es ist an der Zeit durchzugreifen.“ (Peggy Noonan vom Wall Street Journal)
  • Mitt Romney hat es „total vermasselt“. (Charles Krauthammer, angesehener konservativer Kommentator auf FoxNews)
  • „Es ist eine moralische Beleidigung, Menschen als Schmarotzer zu beschimpfen.“ (David Brooks, konservativer Kommentator in der New York Times)
  • „Das soziale Sicherheitsnetz ist eine gute Sache“, distanzierte sich New Mexico Gouverneurin Susana Martinez von ihrem Parteikollegen. Sie hatte auf dem Parteitag der Republikaner noch für Romney geworben.

Mitt Romney – ein politischer Nachruf

Mitt Romney beleidigt in diesem heimlich aufgenommenen Video die Hälfte der US-Bevölkerung als „Schmarotzer“. Ein Clip, der die Wahl entgültig entscheiden könnte.

Das war es dann wohl. Knapp sieben Wochen vor der Wahl hat sich Mitt Romney selbst demontiert. In einem heimlich gefilmten Video erklärte der Kandidat der Republikaner vor einer kleinen Gruppe schwerreicher Spender (Eintrittskarte 50.000 Dollar), dass er „47 Prozent der Wähler“ ohnehin nicht erreichen könne. Diese würden keine „Einkommensteuer bezahlen“, seien vom „Staat abhängig“ und würden entsprechend für Obama stimmen.
„Heute hat Romney die Wahl verloren“, resümierte Josh Barro von Bloomberg News daraufhin in einem politischen Nachruf. Er hat seinen Wahlkampf gekillt.“ Und auch die Washington Post sah in dem Video „Romneys dunkelste Stunde.“ Eine Finsternis, die Romney nicht erkennen will. Anstatt seine Diffamierungen zurückzunehmen, entschuldigte er sich lediglich für seine „nicht elegante“ Ausdrucksweise.
Romneys Super-Gau ist kein Zufall. Seit Wochen versucht der Kandidat verzweifelt seinen Wahlkampf wieder in Schwung zu bringen. Die Republikaner sind unzufrieden und fordern mehr Einsatz. Doch eine Wende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Romney gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale, aus der er keinen Ausweg findet.

Die Pannenserie des Republikaners Mitt Romney

Begonnen hatte der politische Abstieg bereits auf seiner ersten Auslandsreise als Kandidat im Juli diesen Jahres. Damals beleidigte er erst die Regierung in London, dann die Palästinenser und auf den Bildern in Polen schien Romney wie ein Fremdkörper zu wirken.
Wenig Erfolg brachte auch der Parteitag der Republikaner in Tampa. Die Partei schien zerstritten über ihren Kandidaten und die Top-Leute nutzten ihre Auftritte lieber als Eigenwerbung für den Wahlkampf 2016 als für Lobeshymnen auf Romney. Die durchschnittliche Rede von Romney konnte die Kritiker ebenfalls nicht versöhnen. Von Aufbruch keine Spur.
Zum Höhepunkt des Pannen-Wahlkampfes kam es jedoch als sich Romney in der Außenpolitik versuchte. Nachdem er Obama für die tödlichen Angriffe radikaler Moslems auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen mitverantwortlich machte, reichte es selbst den freundlichen Kommentatoren. Amerikas Konservative tobten.
Und jetzt auch noch das. Romneys Aussage auf dem Video, die bereits am 17. Mai von dem linksgerichteten Magazin „Mother Jones“ heimlich aufgenommen wurde, und die die Hälfte der US-Bevölkerung als Schmarotzer beleidigt, gleicht einem politischen Selbstmord.
Schade eigentlich, die sieben verbliebenen Wochen hätten vielleicht doch noch spannend werden können.

US-Wahl-Countdown: Nur noch 50 Tage. Obama ist der Sieg kaum noch zu nehmen!

Der Countdown läuft. Noch 50 Tage bis zu den Präsidentschafts-Wahlen am 6. November. Und alles deutet auf einen klaren Sieg von Präsident Obama hin. Herausforderer Mitt Romney scheint hoffnungslos abgeschlagen. Also, alles klar in Obama-Land??

Sieben Wochen in der Politik können eine Ewigkeit sein. Das Pulverfass Nahost, die Spannungen mit dem Iran und auch die weiterhin schwächelnde US-Wirtschaft mit ihren schwachen Arbeitsmarktzahlen können die Stimmung schnell drehen. Selbst der anhaltende Lehrerstreik in Obamas Heimatstadt Chicago kann die Wahl beeinflussen.

Im Moment sprechen nicht nur die Umfragen klar für Obama. Der Präsident hat bundesweit seinen Vorsprung gegenüber Romney auf vier Punkte (49 – 45 Prozent) ausgebaut (bisher waren sie fast gleichauf). Und auch in den acht wichtigsten Swing States führt Obama deutlich ( u.a. Florida und Virginia +5 Prozent, Ohio +7 Prozent).

Wirklich katastrophal für den Herausforderer ist allerdings eine andere Zahl: 47 Prozent der US-Bürger trauen in Sachen Wirtschaft Obama mehr zu als Romney (45 Prozent)! Und das bei einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, mit der seit 1948 noch kein US-Präsident wiedergewählt wurde.

Der Grund für eine mögliche Vorentscheidung im Wahlkampf 2012 liegt in der Schwäche des Obama-Gegners. Romney hatte sich zuletzt mit seinen unbedachten Bemerkungen zu den Angriffen auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen als außenpolitischer Anfänger entpuppt. Selbst in den eigenen Reihen schüttelte man bei so viel Dilettantismus nur den Kopf.

Der Republikaner Romney hat ein Problem mit der eigenen Partei

Für große Teile der Konservativen, blieb Romney bis heute der ungeliebte Kandidat. Nur die Berufung „ihres Lieblings“ Paul Ryan hat sie versöhnt. Doch auch der „Kennedy der Rechten“ hat keine Wende gebracht. Heute wirkt der Running Mate mit seinem gefühlten Dauerwahlkampf in Wisconsin ohnehin wie einer, der Gouverneur seines Heimatstaates werden will, aber nicht Vize-Präsident.

Amerikas Konservative sind wütend, enttäuscht und scheinen offenbar selbst nicht mehr an ihren Kandidaten glauben zu können. Sie fordern

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Angst vor Wahl-Schlappe: Amerikas Konservative kritisieren Romney

Keine zwei Monate mehr bis zur Wahl im November und im Romney-Lager ist die Panik ausgebrochen. Ein Schreckgespenst geht um: Eine Wahl-Niederlage gegen Präsident Barack Obama.

Wie groß die Angst vor einer Schlappe ist, zeigt die wieder stärker werdende Kritik von Amerikas Konservativen an ihrem eigenen Kandidaten. Auslöser sind dabei auch seine umstrittenen Äußerungen zu den tödlichen Angriffen auf die US-Botschaft in Libyen und die Attacke in Ägypten.

„Der Versuch mit dem Tod eines US-Diplomaten politisch zu punkten, sei würdelos und dumm“, schimpfte David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush. „Es ist schlimm und eine Schande“, wütete ein früherer Berater von John McCain. Seine Vorwürfe seien „ein gewaltiger Fehler gewesen“, analysierte Matthew Dowd, Ex-Berater von George W. Bush. „Es fühlt sich an, als würde ihn Sarah Palin beraten.“ Und ein anderer Republikaner brachte es auf den Punkt: „Romney ist nicht bereit für das Amt des Präsidenten.“

Die überstürzten Vorwürfe an Obama, „außenpolitisch Schwäche“ zu zeigen, kommen jedoch nicht durch Zufall. Romney versucht verzweifelt seiner Basis zu gefallen.

Seit Tagen schimpfen die Konservativen des Landes wieder über ihren Kandidaten. Sie werfen ihm vor, bei seinem Wahlkampf erneut nur „auf Nummer gehen zu wollen“. Eine Kritik, die nach der Nominierung von Paul Ryan am 11. August eigentlich verstummt war. Damals applaudierte Amerikas Rechte über „den Liebling der Konservativen“ und schwieg seitdem über die Schwächen ihres ungeliebten Kandidaten.

Doch die grundlegende Kritik der Republikaner an Romney ist geblieben

„Es ist nicht genug ein Schmetterling zu sein“, schimpfte der angesehene konservative Kommentator Bill Kristol. „Du musst zustechen wie eine Biene. Ohne Stiche, kein Sieg.“ Kristol: „Wenn man schon untergehe dann wenigstens in einem Kampf.“

Ähnlich frustriert meckerte auch die konservative Talkshow-Gastgeberin Laura Ingraham: „Wenn man Barack Obama mit dessen Bilanz nicht schlagen kann dann gute Nacht. Dann macht doch die Partei gleich zu. Startet neu und mit neuen Leuten.“ Und ihr Kollege George Will ergänzte: Romneys Problem sei, er „ist nicht als Konservativer geboren worden. Für ihn bleibt das seine zweite Sprache und er muss noch viel lernen“.

„Ich denke wir sind wieder in der Vor-Ryan Phase“, spottete auch Stephen Hayes, Kolumnist des Weekly Standard, dem Zentralorgan der Konservativen. „Wir spielen wieder auf Nummer sicher. Aber warum haben wir dann Ryan ausgewählt, wenn wir nicht kämpfen wollen.“

Radio-Einpeitscher Rush Limbaugh und noch nie ein großer Fan von Romney scheint den Glauben an den Kandidaten bereits restlos verloren zu haben: „Wir wählen nur noch gegen Obama. Es ist mir egal, wer gegen ihn Antritt. Das Ziel ist, Obama abzuwählen.“

Paul Ryan – der Kennedy der Konservativen wird Romneys Vize

Lieber Mitt Romney,

jetzt haben Sie mich doch überrascht. Paul Ryan als ihren Running Mate, ihren Kandidat für den Posten des Vize-Präsidenten zu nominieren, hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Tim Pawlenty, ja, oder Rob Portman waren meinen Favoriten Tim Pawlenty, ja, oder Rob Portman waren meinen Favoriten. Die Nummer sicher halt, kein Risiko, keine Kontroverse und auf keinem Fall ein zweites Desaster wie mit Sarah Palin.

Paul Ryan dagegen zeigt einen gewissen Mut, den ich von Ihnen nicht erwartet hätte. Oder war es der Druck der Basis, der Tea Party Anhänger, der Konservativen, die wie das Wall Street Journal oder der Weekly Standard lautstark Paul Ryan gefordert hatten? Oder doch die letzten Umfragen, die sie deutlich hinter Obama gesehen haben. Ich vermute beides.

Egal, Paul Ryan also. Wer ist der Konservative, der mit seinen 42 Jahren und seinem jugendlichen Auftreten an einen Kennedy erinnert? Selbst 40 Prozent der Republikaner kennen ihnen nicht. Dabei ist er als Kongressabgeordneter und Chef des Haushaltsausschusses einer der führenden Köpfe Washingtons und eigentlich unüberhörbar. Ryan kommt aus Wisconsin. Er ist Katholik, verheiratet, hat drei Kinder und gilt als Intellektueller und aufsteigender Star bei den Republikanern. Für Schlagzeilen sorgte er 2011 mit einen Budgetplan, den selbst Republikaner wie Newt Gingrich als “Gedankengut eines Rechtsaußen” abgelehnt hatten.

Andere Kommentatoren nannten den Ryan-Plan schlicht “Sozialdarwinismus”. Kern des Vorschlages: Weniger Steuern für Reiche, tiefe Einschnitte in die Sozialausgaben, darunter Kürzung und Teilprivatisierung der Gesundheitsprogramme für arme und älteren Menschen. Diese Stimmen werden Sie, lieber Mitt Romney, jetzt nicht mehr bekommen. Und auch mit den Unabhängigen, die radikale Pläne ablehnen, werden sie Probleme bekommen.

Bei der Wahl des Fitnessfanatikers Ryan, er macht jeden Morgen 90 Minuten Cross-Training, ging es Ihnen, lieber Mitt Romney, in erster Linie um die Aktivierung der Basis der Republikaner, der religiösen Rechte, der stramm Konservativen also und weniger um die politische Mitte des Landes.  Das habe ich schon verstanden. Ob die Rechnung aufgeht, möchte ich bezweifeln.

Das Obama-Team dürfte sich über die Wahl von Ryan freuen. Aber das wussten sie sicherlich. Kaum ein Politiker bietet so viel Angriffsfläche wie er.  Der Mann, der von sich selbst behauptet nur “eine Schwäche zu haben”, nämlich täglich zwei Tassen Kaffee zu trinken (was sie als Mormone ja gar nicht dürfen), wird nicht nur die Republikaner, sondern auch die Basis der Demokraten motivieren.

Lieber Mitt Romney, ich freue mich über Ihre Entscheidung von Paul Ryan. Endlich mal was Überraschendes. Ihr Wahlkampf bekommt ein wenig Farbe. Es war auch höchste Zeit. Paul Ryan war eine gute Wahl – für Sie.

Und ihren Versprecher Ryan als “the next President of the United States” vorzustellen (wie konnte das nur wieder passieren?) werden die Wähler schnell wieder vergessen. Nur keine Sorge!