Mitt Romney – ein schlechter Verlierer

Mitt Romney hat es immer noch nicht verstanden.

Zehn Tage nach seiner vernichtenden Niederlage bei den Präsidentschafts-Wahlen hat der Obama-Herausforderer die Schuldigen seiner Pleite gefunden. Nein, es war nicht er der Kandidat oder die Partei der Republikaner, es waren diese Minderheiten, die sich von Obama haben kaufen lassen.

Präsident Obama habe die Wahlen „wegen der Geschenke“ gewonnen, die er den „Schwarzen, Latinos und jungen Wählern gegeben hat“, entschuldigte sich Romney in einer Telefonkonferenz mit seinen wichtigsten Wahlkampf-Spendern für seine Niederlage. Eine Bemerkung, die an seine „47-Prozent-der-Amerikaner-sind-Schmarotzer-„ Beleidigung erinnert.

Im September 2012 hatte Romney ebenfalls vor Spendern erklärt, dass er 47 Prozent der Wähler ohnenhin nicht erreiche, weil sie sich als „Opfer fühlten“ und vom „Staat abhängig“ seien. Dafür musste er sich zwar später entschuldigen, geglaubt hat er es dennoch. Die erneute Schmarotzer-Bemerkung untermauert sein Denken.

Die Schuld für seine Niederlage bei sich selbst zu suchen, kommt Mitt Romney dagegen nicht in den Sinn. „Wir haben einen großartigen Wahlkampf geführt“, erklärte Romney voller Überzeugung. „Ich weiß, ihr habt mit einem Sieg gerechnet. Wir haben das auch“. Einsichten sehen anders aus.

Bei den Republikanern wird Mitt Romney zur persona non grata

Romney steht mit seiner falschen Analyse ziemlich allein. Auch die eigene Partei distanziert sich von ihm. „Das ist absolut falsch“, kommentierte der Gouverneur von Louisiana und mögliche Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner für 2016, Bobby Jindal. „Wenn man Wahlen gewinnen will, muss man alle Gruppen der Gesellschaft ansprechen.“ Ähnlich klingt das auch bei New Jerseys Gouverneur Chris Christie, einst ein enger Freund von Romney: „Du kannst nicht der Präsident für alle sein, wenn du die Nation teilst.“

Verständnis für Romneys Versuch, anderen die Schuld zu geben, zeigte nur John McCain, der 2008 gegen Obama ebenfalls haushoch verloren hatte: „Ich weiß, wie sich diese Niederlage anfühlt. Mein Rat: Stürze dich in Arbeit und höre auf, dich selbst zu bemitleiden.“

Insgesamt scheinen sich die Republikanern von Romney jedoch abzuwenden. Der einstige Kandidat wird mehr und mehr zur persona non grata, zur unerwünschten Person. „Er wird für kein Amt mehr kandidieren“, sagt der Abgeordnete Raúl R. Labrado aus Idaho, einer der schärfsten Romney Kritiker. „Er ist nicht mehr unser Fahnenträger.“

Das zumindest scheint auch Romney einzusehen. Am Ende des Telefonats mit seinen Wahlkampf-Spendern erklärte er: „Der nächste Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner werde er nicht sein“. Da hat Mitt Romney ganz sicher Recht!

Rollenspiele – Kerry macht den Romney

Wahlen in den USA werden im Fernsehen entscheiden. Das weiß keiner besser als Präsident Obama. Seine Mega-Auftritte vor Hundertausenden Anhänger, live und zur besten Sendezeit auf allen TV-Kanälen übertragen, haben ihn 2008 als Messias und Herausforderer John McCain als politisches Fossil längst vergangener Zeiten erscheinen lassen. Erst Sarah Palin als republikanische Vize-Kandidatin konnte Obama ein Stück Fernseh-Berühmtheit nehmen.

Wichtig im TV-Wahlkampf sind dabei vor allem die Live-Debatten der beiden Kandidaten. Bei Zuschauerzahlen von bis zu 63,2 Millionen Zuschauern (2. Debatte 2008) kann diese „Reality-Show“ über Sieg und Niederlage entscheiden. So hatte Bush senior 1992 während seiner Diskussion mit Bill Clinton und Ross Perot die Wahl eigentlich schon verloren, als er gelangweilt auf seine Uhr schaute.

Die drei Debatten zwischen Obama und Romney im Herbst (3., 16. und 22. Oktober) werden deshalb von den Kandidaten schon jetzt generalstabsmäßig geplant. Obama hat sich dabei bereits auf seinen ganz persönlichen „Romney-Sparringspartner“ festgelegt.

John Kerry, Senator aus Massachusetts und gescheiterter Präsidentschafts-Kandidat 2004, soll die Rolle des Herausforderers übernehmen. Dafür hat er bei Erfolg, gute Chancen Hillary Clinton als US-Außenminister zu beerben.

Kerry ist keine überraschende aber eine richtige Entscheidung. Der 68-Jährige gilt als einer der besten Live-Debattierer Washingtons und kennt Romney bereits seit 1994 sehr gut. Damals hatte er Edward Kennedy bei seiner Wiederwahl zum Senator gegen Romney erfolgreich zum Sieg verholfen.

Kerry und Romney passen aber auch vom Typ her gut zusammen. Beide sind vermögend, beide habe in verschiedenen Bundesstaaten Häuser, beide ändern wie es gerade passt ihre Meinungen (Flip-Flopper) und beide haben auffällige Haarfrisuren.

Mitt Romney dagegen scheint sich im Debatten-Rollenspiel noch nicht entschieden zu haben. Sein Vorgänger als Obama-Herausforderer, John McCain, probte 2008 mit dem weißen Rob Portman, dem heutigen Senator aus Ohio. Den Messias-Status von Obama konnte McCain damals in den TV-Debatten nicht brechen. Romney ist also gut beraten, sich einen neuen Obama zu suchen.

Obama – der Film

Wer sich gefragt hat, wann Präsident Barack Obama in den diesjährigen Wahlkampf einsteigen wird, hat eine Antwort. Die Kampagne startet am kommenden Donnerstag, am 15. März. An dem Tag wird ein 17 Minuten langer Dokumentarfilm, “The Road we’ve traveled”, veröffentlicht, der die Erfolge des White House Regenten preist. Superhero Obama!

Der Film von David Guggenheim, er gewann 2007 für Al Gores Dokumentation “The Inconvenient Truth” den Oscar, stützt sich auf fünf Großereignisse der ersten drei Amtsjahre: Siegesrede in Chicago, Finanzkrise, Rettung der Autoindustrie, Gesundheitsreform und die dramatische Entscheidung, die zur Liquidierung von Osama bin Laden führte. Moderiert wird der Streifen von keinem geringeren als Hollywoods Superstar und zweifachem Oscar-Preisträger Tom Hanks!

“Er ist ganz allein. Das ist seine Entscheidung”, hört man Vize-Präsident Joe Biden in die Kamera flüstern, als er vom Tag der Entscheidung, das Haus von bin Laden in Pakistan angreifen zu lassen, erzählt. “Niemand kann ihm das abnehmen.” Wer Hollywood engagiert bekommt das ganze Drama.

“The Road we’ve traveled” ist ein Streifen, der im Internet und auf Fundraiser gezeigt werden wird. Obama braucht Geld für seine Wiederwahl, viel Geld. Es gibt Schätzungen, dass der Wahlkampf in diesem Jahr die Schwelle von einer Milliarde Dollar überschreiten wird.

Der Film ist aber vor allem für die Basis gedacht, die in großen Teilen desillusioniert scheint. Die Obama-Anhänger hatten sich mehr gewünscht von ihrem Hoffnungsträger, vielleicht zu viel. Nicht wenige sind enttäuscht, auch wenn sie wissen, dass die Alternative, John McCain, keine gewesen wäre.

Obama muss seine Basis wieder gewinnen. Und er muss sie wieder begeistern können, so wie 2008. Dann wird er auch wieder ins White House einziehen können.

Denn bei der Unzufriedenheit der Republikaner mit ihren Kandidaten ist eins klar: Mitt Romney oder Rick Santorum können die Wahl im November nicht gewinnen, Obama kann sie nur verlieren.