Donald Trump: Von Wahlbetrug und anderen Phantasien

Noch drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen am 8. November. Es sieht nicht gut aus für Donald Trump. Der Republikaner weiß das und bereitet sich auf seine Niederlage vor.

Ein „Loser“ will und kann Trump nicht sein. Eine Niederlage einzugestehen, passt nicht zu seinem Image. Also sucht er die Schuld bei anderen. Bei den treulosen Republikanern zum Beispiel, die ihn im Stich gelassen haben, bei der „korrupten Betrügerin Hillary“ und bei den „manipulierten, verlogenen und voreingenommenen Medien“. Oder war es doch dieser Zusammenschluss ausländischer Kräfte?

Donald Trump und seine Kumpels sprechen von „massivem Wahlbetrug“ – Beweise gibt es nicht und Studien widersprechen

Nein, ein „massiver Wahlbetrug“ wird seine Präsidentschaft verhindern, ist sich Trump mittlerweile und noch vor dem Urnengang sicher. Sein düsteres Fazit: „Demokratie in den USA ist nur eine Illusion“. US-Präsident Barack Obama kann sich bei solchem Pessimismus den Spott nicht verkneifen: „Er heult schon bevor die Stimmen gezählt wurden.“

Beweise für den „massiven Wahlbetrug“, von dem er schon beim Sieg von Barack Obama über seinen Herausforder Mitt Romney bei den Präsidentschaftswahlen 2012 sprach, hat Trump nicht. Dafür hat er menschliche Lautsprecher. „Ich müsste ein Idiot sein, wenn ich glauben würde, in Philadelphia und Chicago würden die Wahlen fair ablaufen“, trötet Trumps engster Berater Rudy Giuliani.

Ähnlich dumpf klingt auch Newt Gingrich, ein weiterer Trump-Verbündeter. „Wer sage, es gebe keinen Betrug, leugne die Realität.“ Die Frage bleibt, in welcher der einstige Sprecher des Abgeordnetenhauses lebt. Der amtierende zumindest, Paul Ryan, ebenfalls Republikaner, glaubt an diese düstere Prognosen nicht, genauso wenig wie Trumps Vize-Kandidat Mike Pence. Es gibt Hoffnung, auch in der einst „Grand Old Party“.

Ryan weiß, die Realität sieht anders aus. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass bei knapp einer Milliarde Stimmen, die zwischen den Jahren 2000 und 2014 in den USA gezählt wurden, 31 (!) unter Wahlbetrug fielen. Eine Bananenrepublik ist Amerika wirklich nicht.

Donald Trumps Geschwätz von Verschwörungen hat System

Trumps Anhänger stören solche Fakten nicht. Dreiviertel (!) von ihnen glauben dem 70-Jährigen. Sie sollen, so ruft Trump seine Fans auf, die „Wahllokale im Auge behalten“. Es bleibt abzuwarten wie viele sich daran beteiligen werden.

Trumps Geschwätz vom Wahlbetrug hat natürlich System und einen tieferen Hintergrund. Es lenkt nicht nur von seinem Prahlhans-Video und den Vorwürfen sexueller Belästigung von Frauen ab. Es ist auch seine letzte Hoffnung, die Wahl doch noch herumzureißen.

Mit Verschwörungstheorien, kombiniert mit Hasstiraden gegen Bill und Hillary Clinton sowie gegen die korrupten Medien feuert er seine Anhänger weiter an. Sein Kalkül: Während die eigenen Wähler geschlossen für ihn stimmen werden, bleiben die Demokraten, angewidert vom schmutzigen Wahlkampf, lieber Zuhause. Geht sein Plan auf, kann es am Wahltag doch zu einer Sensation kommen.

Schniefender Donald Trump fordert Drogentest von Hillary

Hillary weiß um diese Gefahr. Sie wird die Katastrophe hoffentlich zu verhindern wissen. Die dritte und letzte Debatte am Mittwoch bietet ihr erneut eine Gelegenheit dazu. Einen Drogentest, wie ihn Trump von seiner Rivalin ernsthaft gefordert hatte, wird es aber nicht geben.

Einige Kommentatoren hatten sich ohnehin über Trumps Verdacht Verdacht, Hillary habe vor den beiden Debatten vielleicht Drogen genommen, gewundert. War es nicht Donald Trump, der durch sein fortlaufendes Schniefen jedem Zuschauer aufgefallen war. Eine Erkältung zumindest hatte der Republikaner nicht.

Donald Trump: Verloren hatte er die Wahl schon vor dem Prahlhans-Video


Was war die Aufregung groß am Wochenende, als die Washington Post ein Video von Donald Trump veröffentlichte, in dem er damit prahlte, dass er Frauen ungestraft in den Schritt fassen, sie küssen dürfe, nur weil er ein Star war.

„Der Wahlkampf ist zu Ende“, waren sich die meisten Kommentatoren einig. Davon erhole sich auch ‚The Donald’ nicht mehr. „Die Trump-Kampagne ist implodiert.“

Republikaner gehen auf Distanz zu Donald Trump, zu einem Sturz ihres Spitzenkandidaten fehlt ihnen aber Mut und Rückgrat

In Scharen distanzierten sich die Republikaner von ihrem Spitzenkandidat, von Condoleezza Rice bis John McCain. Am Ende waren es fast 60 teils hochrangige Parteimitglieder, die Trump die Gefolgschaft verweigerten. Dass diese aber zusammen mit den Einschaltquoten-Abhängigen US-Fernsehsendern Schuld am Aufstieg von Trump haben, daran wollte sich auf einmal niemand mehr erinnern. Solche Eingeständnisse liegen Politiker nicht.

Es war ja nicht das erste Mal, dass Trump Frauen beleidigte, Mexikaner als Vergewaltiger und Verbrecher beschimpfte, Moslem mit Terroristen gleichsetzte und sich über Behinderte lustig machte. Das Trump ein Bigott ist, ein Rassist, ein Frauenverächter, der das weibliche Geschlecht nach Aussehen in Kategorien und nach Nummern einteilt, das wussten die Republikaner auch schon vor dem Video.

Warum haben sie ihn nicht verhindert als es noch ging? Selbst jetzt können sie sich nicht geschlossen gegen ihren Kandidaten stellen. Paul Ryan, der Sprecher des Abgeordnetenhauses, will Trump nicht mehr unterstützen, seinen Rücktritt fordert er aber auch nicht. Was denn nun? Ein bisschen Rückgrat darf man schon erwarten.

Die Wahl für Donald Trump war schon lange vor dem Prahlhans Video verloren

Auf was warten also die Ryans dieses Landes eigentlich noch? Donald Trump war bereits am Ende bevor das Video seiner widerlichen Prahlerei bekannt wurde. In Amerika wird keiner Präsident, wenn er nicht auch die Stimmen der Frauen, Latinos, Schwarzen bekommt und von der eigenen Partei unterstützt wird. Mitt Romney musste das bei seinem Kampf um das White House schmerzlich erfahren.

Die Wahl ist längst verloren. Daran konnte auch die zweite Debatte nichts ändern, als Trump vielleicht noch die eigene Basis wieder versöhnen konnte. Mit der in einem US-Wahlkampf einmaligen Drohung, „Hillary ins Gefängnis zu bringen“ – also den politischen Rivalen – kann er Geblendete und Unbelehrbare begeistern. Eine Wahl gewinnt man mit solchen für Diktatoren üblichen Rachegelüsten nicht. Jetzt geht es nur noch um die Höhe der Trump-Niederlage. Sie wird vernichtend sein. Selbst Staaten wie Georgia und Utah, die bisher sicher in Republikanerhand waren, wackeln.

Donald Trump Folgen: Republikaner verlieren das White House und den Senat

Also, was dann Republikaner? Warten die Konservativen auf weitere Videos, um einen dann aber endgültgien Bruch rechtfertigen können. Neue Enthüllungen, die das belegen, was alle schon wissen? Die wird es geben? Schon kursieren Gerüchte von „Trump-Tapes“, auf denen er Schwarze mit dem N-Wort beschimpft. Mit ihrem Schweigen, ihrer Charakterlosigkeit verlieren die Republikaner nicht nur den Kampf ums Weiße Haus, sondern vermutlich auch die Mehrheit im Senat und vielleicht sogar das Abgeordnetenhaus. Sie hätten es verdient.

Und dann? Hillary Clinton im White House. Der Kongress in Hand der Demokraten. Ein Albtraum für die Konservativen des Landes.

Donald Trump wird seine Niederlage nicht nur damit begründen, dass Hillary ihm die Wahl auf kriminelle Art und Weise gestohlen hat. Er wird auch die Republikaner anklagen, ihm in den Rücken gefallen zu sein und sie damit auf lange Zeit weiter spalten. Die Partei der Neinsager, seit Jahren schon zerrissen und richtungslos, wird dann endgültig zu einem konservativen Chaos-Haufen weißer Männer. Dann aber ohne Entscheidungskraft.

Donald Trump wird nicht verschwinden. TV-Kanal mit Roger Ailes?

Doch das wird nicht das Schlimmste sein. Wenn die Republikaner Donald Trump nicht noch vor der Wahl stürzen und so demontieren, dass er sich in seinem goldenen Penthouse im New Yorker Trump Tower verkriechen muss, werden die Partei, Amerika, die Welt ihn auch nach dem 8. November nicht mehr loswerden. Trump verschwindet nicht. Eine schreckliche Vorstellung.

Schon ist die Rede von einem eigenen Fernsehsender, den er zusammen mit dem wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen gefeuerten Fox-TV-Chef Roger Ailes, mit Rudolph Giuliani – was ist eigentlich aus dem einstigen 9/11 Bürgermeister-Helden geworden? – und Fox rechtem Einpeitscher Sean Hannity gründen will.

Das wäre dann genau die ideale, chauvinistische Truppe für „frauenfeindliche Umkleidegespräche“ nach dem Geschmack eines Donald Trumps. Man mag sich gar nicht vorstellen wollen, was auf einem solchem Kanal alles hinter den Kulissen und ohne Mikrophon geredet wird und am Ende auch noch gesendet wird. Die Lügen, Halbwahrheiten und der Müll, den Trump in seinem Wahlkampf bisher abgesondert hat, werden im Vergleich dazu harmlos wirken.

Warum Hillary Clinton 2016 nicht Amerikas neue und erste Präsidentin wird

Hillary – willkommen im Leben nach der Politik.

Nach vier Jahren Dauerstress als US-Chef-Diplomatin hat Hillary Clinton am Freitag das Außenministerium geräumt und an ihren Nachfolger John Kerry übergeben. Ab dieser Woche ist Hillary im politischen Ruhestand.

John Kerry, der farblose, 69 Jahre alte Senator aus Massachusetts muss jetzt die großen „Manolo Blahnik“ Schuhe ausfüllen, die Hillary hinterlassen hat. H.C. wie sie kurz genannt wird, hat eine eindrucksvolle Bilanz hinterlassen. Das beweist allein schon die Statistik.

Insgesamt 112 Länder hat Hillary in ihren vier Jahren als US-Außenministerin bereist. Insgesamt 1,539 Millionen Kilometer verbrachte sie dabei im Flugzeug und umkreiste statistisch gesehen mehr als 38 Mal die Erde. 570 Essen soll H.C. in der Luft verspeist und weltweit an 1700 Meetings mit Außenministern und anderen wichtigen Staatsvertretern teilgenommen haben.

Hillary kennt die Welt und die Welt kennt Hillary. Über den Erfolg ihrer Missionen kann gestritten werden. Der Terroranschlag auf die US-Vertretung im libyschen Bengazi überschattet ihre positive Bilanz und wird für immer ein Makel in ihrem Lebenslauf bleiben – auch in Hinsicht einer möglichen Präsidentschafts-Kandidatur 2016. Sie weiß das.

Hillary Clinton kennt die Politik. Insgesamt 20 Jahre stand sie im Rampenlicht der Öffentlichkeit: Als First Lady im White House an der Seite von Präsident Bill Clinton, als US-Senatorin von New York, als Präsidentschaftskandidatin während der Vorwahlen der Demokraten und zuletzt als Außenministerin des Landes.

Hillary Clinton ist unter den Demokraten ohne Konkurrenz

H. C. ist zur Marke geworden. Kaum jemand nennt sie beim vollem Namen. Jeder scheint eine persönliche Beziehung zu ihr, zu Hillary, zu empfinden. Sie ist die beliebteste Politikern des Landes, 67 Prozent mögen sie. Selbst unter den radikal-rechten Tea Party Anhängern finden sich 47 Prozent, die ein positives Bild von ihr haben, aber auch 53 Prozent, die sie ablehnen.

Wenn heute der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen 2016 beginnen würde, hätte Hillary unter den Demokraten keine Konkurrenz. Beim Caucus in Iowa, wo traditionell der Kampf um das White House startet, liegt sie laut Umfragen mit 58 Prozent unaufholbar vor dem aktuell politisch sehr erfolgreichen Vize-Präsidenten Joe Biden (17 Prozent).

Hillary Clinton wird nicht bei den Präsidentschafts-Wahlen 2016 antreten

Kein Wunder also, dass viele Anhänger H.C. auffordern, sich 2016 erneut um den Chefposten der USA zu bewerben. Es gibt bereits so genannte SuperPacs, die für Hillary Geld sammeln. Doch will sie sich den Wahlkampf-Stress wirklich noch einmal antun? Es gibt Gründe, warum Hillary nicht kandidieren sollte und auch nicht wird.

  • Bengazi: Der Terroranschlag auf die US-Vertretung in Libyen mit vier Toten, darunter US-Botschafter Christopher Stevens, wird Hillary Clinton auch in einem Wahlkampf 2016 verfolgen. Präsidentschafts-Kandidaten in den USA sind schon an weniger schlimmen Skandalen gescheitert.
  • Gesundheit: Hillary hat zum ersten Mal erlebt, dass auch sie nicht unverwundbar ist. Der Stress, ein Virus, ein Sturz und ein Blutgerinnsel im Kopf sind auch für Hillary Warnzeichen. Und wenn sie ins Rennen um das White House eingreifen will, hat sie zum Ausruhen wenig Zeit. In zwei Jahren, vielleicht sogar noch früher, wird der Wahlkampf für 2016 bereits beginnen.
  • Alter: Hillary ist heute 65 Jahre alt, beim Wahlkampf 2016 wird sie bereits 69 und am Ende einer möglichen ersten Amtszeit als Präsidentin sogar 73 Jahre alt sein. Im Wahlkampf 2016 werden die Republikaner einen jungen Kandidaten ins Rennen schicken, Marco Rubio oder Paul Ryan zum Beispiel.
  • Republikaner: Auch wenn Hillary zurzeit die beliebteste Politikerin des Landes ist. In einem Wahlkampf dürfte sich das schnell ändern. Der Name Clinton polarisiert in diesem Land noch immer, vor allem der Teil der Familie, der bei der radikalen Rechten verhasst ist: Bill Clinton.
  • Geschichte: Keine Partei hat mit Ausnahme von George Bush in der jüngsten Geschichte drei Amtsperioden hintereinander einen Präsidenten gestellt. Und Bush galt dabei nur als dritte Amtszeit des beliebten Ronald Reagan.
  • Angst vor einer Niederlage: Hillary ist so populär und so beliebt, warum sollte sie das Risiko eingehen, am Ende ihrer politischen Karriere die Präsidentschaftswahlen zu verlieren. Die Republikaner werden diesmal nicht den Fehler begehen, erneut einen selbst in den eigenen Reihen „ungeliebten Kandidaten“ wie Mitt Romney zu nominieren.

Also warum antreten? Um als erste Frau ins White House einzuziehen? H.C. muss niemanden mehr etwas beweisen. Ihren Platz in der Weltgeschichte hat sie schon lange sicher.

Hillary Clinton wird bei den Präsidentschaftswahlen 2016 nicht antreten – auch wenn die Spekulationen darüber nicht aufhören werden.

US-Politik direkt LIVE: So lief die Wahlnacht

Das Protokoll der US-Wahlnacht bis zur Entscheidung

23.20 Uhr: Obama gewinnt Ohio und damit mehr als 270 Wahlmännerstimmen. Wenn die restlichen Staaten auch noch dazukommen, wird es doch noch ein Erdrutsch-Sieg. Und wie erklärt das Romney-Camp diese deutliche Niederlage?

23.18 Uhr: CNN: Präsident gewinnt die Wahlen gegen Mitt Romney!!!!

23.15 Uhr: Oregon geht an Obama. Almost done. 256 Stimmen für Obama, offiziell fehlen ihm nur noch 14 Stimmen. Die Wahl ist gelaufen!

US-Politik direkt: Präsident Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!!!!!

23.12 Uhr: Auch New Mexico bleibt Obama Land. Das war allerdings erwartet. Chicago feiert.

23.10 Uhr: CNN: Obama gewinnt Iowa. Die Wahl ist entschieden. Nur noch ein Wunder kann Romney jetzt noch retten.

23.09 Uhr: Die Denver Post gibt Colorado an Obama. Ein großer Sieg.

23.05 Uhr: Die Demokraten halten ihre Mehrheit im Senat. Mit der Mehrheit der Republikaner im Abgeordnetenhaus ist der nächste Kongress gespalten. Das Regieren für den nächsten Präsidenten wird damit erneut extrem schwierig.

23.03 Uhr: Nun also doch: CNN gibt Wisconsin an Obama. North Carolina geht an Romney. Stand: 238 zu 191.

23.00 Uhr: Obama gewinnt Kalifornien, Washington und einen seiner Heimatstaaten Hawaii. Keine Überraschung. Aktueller Stand der Wahlmänner: 228 zu 176.

22.50 Uhr: Auch CNN gibt Minnesota an Obama.

22.46 Uhr: Welche Bundesstaaten kann Romney noch gewinnen, um Präsident zu werden? Viele Optionen hat er nicht mehr. Wenn Florida oder Ohio an Obama geht, ist die Wahl vorbei.

22.39 Uhr: NBC, CBS News und ABC News geben Minnesota an Obama. Wieder ein Staat, auf den Romney gehofft hatte, geht an den Präsidenten. Schon jetzt ist klar: Karl Rove, das „Hirn“ von George W. Bush, lag mit seiner Prognose voll daneben. Rove glaubte, Romney gewinne mit einem Vorsprung von 32 Wahlmänner.

22.29 Uhr: CNN hat in Wisconsin immer noch Romney vorne. NBC und Fox News haben den Staat des Romney Vizes, Paul Ryan, schon lange an Obama gegeben. Hält CNN den Staat künstlich offen?

22.24 Uhr: Zweiter Abtreibungs-Schwachkopf abgewählt. Todd Akin, der Senator aus Missouri, der glaubt, der „weibliche Körper könne abschalten, um eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung zu verhindern“, verliert das Rennen gegen die Demokratin Claire McCaskill. Die Demokraten gewinnen den „War on Women“.

22.18 Uhr: Alex Castellanos, Republikaner und Kommentator auf CNN, hat den Glauben an Romney verloren. Florida – im Moment noch sehr knapp – scheint am Ende des Abends an Obama zu gehen. Die noch nicht ausgezählten Distrikte im Sonnenstaat sind „heftig demokratisch“, sagt Castellanos.

22.04 Uhr: CNN gibt genauso wie NBC New Hampshire an Obama. Nur vier Stimmen aber SEHR wichtig. New Hampshire, ein anderer „Heimatstaat“ von Romney war eigentlich ein Muss.

22.01 Uhr: In CNN Exit Polls führt Obama in Nevada (51-45) und Iowa (52-46).

21.57 Uhr: In drei Minuten: Nevada und Iowa, beide super wichtig für Obama.

21.52 Uhr: NBC gibt New Hampshire an Obama. Bleibt es dabei, gewinnt Obama den ersten der acht wichtigsten Swing States für Obama. Für Romney wird es jetzt schon eng.

21.47 Uhr: Richard Mourdock, der Senator, der eine „Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung als Geschenk Gottes“ sieht, verliert seinen Sitz im Senat an den Demokraten Joe Donnelly.

21.42 Uhr: PENNSYLVANIA (20 Stimmen) für Obama!!!!!! Ein großer Schritt in Richtung Präsidentschaft. Obamas Chef-Berater David Axelrod darf seinen Bart behalten. Er wollte ihn abrasieren, falls Obama Pennsylvania verliert.

21.40 Uhr: Obama gewinnt Wisconsin! (18 Stimmen) Auch Fox News gibt den Staat an den Präsidenten. Romney/Ryan verlieren ihre Heimatstaaten!

21.37 Uhr: NBC gibt Wisconsin an Obama. CNN hält sich noch zurück. Es wäre ein wichtiger Sieg für Obama. Die Midwest-Firewall scheint zu halten.

21.15 Uhr: Auf Twitter gibt es bereits einen hashtag #stayinline für all die, die in Virginia und Florida in langen Schlangen noch vor den Wahllokalen stehen.

21.09 Uhr: Ganz nebenbei eine andere wichtige Entscheidung: Die Republikaner werden die Mehrheit im Repräsentantenhaus halten können, der Ausgang für den Senat ist noch offen, mit Tendenz für die Demokraten. Ein geteilter Kongress für den nächsten Präsidenten.

21.05 Uhr: CNN Exit Polls für Wisconsin: 52 zu 46 Prozent für Obama. Gute Zahlen für Obama. Romneys Running Mate Paul Ryan, der aus Wisconsin kommt, hatte in seinem Heimatstaat einen Dauer-Wahlkampf geführt, um den Staat zu drehen.

21.00 Uhr: Michigan geht an Obama! Romney hatte auf eine Überraschung gehofft. Sein Vater war hier Gouverneur, er ist dort aufgewachsen. Doch der Auto-Staat bleibt Obama-Land. Ein wichtiger Sieg für Obama aber es wird die Wahl nicht entscheiden.

20.53 Uhr: In sieben Minuten: u.a. Wisconsin und den Swing State Colorado. Gibt es jetzt einen Trend?

20.48 Uhr: Auch in Virginia gibt es immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen obwohl sie offiziell geschlossen sein müssten. Angeblich bleiben sie jetzt vier Stunden länger auf. Warum gibt es eigentlich immer dieses Chaos und immer in umkämpften Staaten?

20.42 Uhr: Romney gewinnt die Südstaaten Alabama und Georgia. Keine Überraschung. Warten auf Virginia, Florida und OHIO.

20.38 Uhr: In Florida gibt es immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen, obwohl sie bereits geschlossen sein müssten. Fast 60 Prozent der Stimmen sind dort bereits ausgezählt und Obama hat aktuell einen knappen Vorsprung.

20.05 Uhr: Zwei Stunden Wahlabend und bisher keine wirkliche wichtige Entscheidung. Enttäuschend.

20.00 Uhr: Obama gewinnt Connecticut, Delaware, Washington DC, Illinois, Maryland, Maine, Massachusetts (Heimatstaat von Romney), Rhode Island – alles keine Überraschung. Und Romney gewinnt Oklahoma. Aktueller Stand: 64-40 für Obama bei den Wahlmännerstimmen.

19.55 Uhr: In fünf Minuten: Pennsylvania, New Hampshire und vielleicht eine erste wichtige Entscheidung in Florida.

19.35 Uhr: Email vom Obama-Team: „Dringend: Bitte telefonieren. Wir brauchen noch Stimmen in den umkämpften Staaten.“

19.30 Uhr: CNN Exit Polls: Ohio: 51 Prozent Obama, 48 Prozent Romney. North Carolina: 49-49. Guten Zahlen für Obama bisher.

Ohio, Ohio, Ohio, Ohio

19.25 Uhr: Spannung. In fünf Minuten schließen West Virginia, North Carolina und OHIO.

New York Empire States Building zählt live Wahlmännerstimmen mit blauen (Obama) und roten (Romney) Lichter auf der Spitze.

Auch Romney soll eine Siegesrede geschrieben haben. Nicht klar, ob es auch eine Rede im Falle einer Niederlage gibt.

19.18 Uhr: MSNBC gibt Indiana (11) und Kentucky (8) an Romney. Das war zu erwarten.

19.10 Uhr: Erste Zahlen aus Florida: Obama 55 Prozent, Romney 45 Prozent (allerdings erst vier Prozent ausgezählt). Florida könnte eine Vorentscheidung für Obama bringen. Romney lag in den letzten Umfragen immer in Front. Ein Muss-Staat für Romney.

19.02 Uhr: Virginia: 49 zu 49 Prozent – Exit Poll (Wählerumfrage nach Stimmabgabe) von CNN.

19.01 Uhr: CNN gibt Vermont (3 Stimmen) an Obama, Kentucky (8) an Romney. Keine wirkliche Überraschung.

19.00 Uhr: Die Wahllokale in Georgia, South Carolina, Vermont, Teilen Floridas und Virginia schließen. Interessant ist hier nur der erste wichtige Swing State Virginia.

18.50 Uhr: Erster Höhepunkt des Wahlabends. Eine Prognose für den Swing State Virginia – in 10 Minuten.

Präsident Obama soll bereits am Morgen seines Siegesrede geschrieben haben. Und wenn er verliert? Dafür soll es keine Rede geben.

18.15 Uhr: Erster Ärger in Pennsylvania mit Wahlmaschinen. Bei mindestens zwei leuchtete der Name Rommey auf, obwohl für Obama gestimmt wurde.

18.09 Uhr: Die erste Zahl kommt aus Kentucky. Romney 74 Prozent, Obama 24 Prozent (aber erst ein Prozent der Stimmen ausgezählt). Keine wirkliche Überraschung.

18.00 Uhr: Los geht es!

Die ersten Wahlkokale in Indiana und Kentucky schließen. Beide Staaten sind „rot“ und diesmal fest in der Hand der Republikaner. Eine Überraschung ist nicht zu erwarten. Die insgesamt 19 Wahlmännerstimmen werden wohl an Herausforderer Mitt Romney gehen.

Interessant wird es erst in einer Stunde, wenn auch Virginia gewählt hat. Zum Ende des Wahlkampfes konnte Obama hier in Umfragen doch noch zu Romney aufschließen oder ihn gar knapp überholen.

Der Top-Swinger jedoch kommt 30 Minuten nach Virginia, OHIO. Wer hier gewinnt, dürfte auch Präsident werden. Obama hatte bis zuletzt in den Umfragen eine sichere Mehrheit in dem heftig umkämpften Ohio.

Noch am Wahltag ging Romney und sein Running Mate, Paul Ryan, hier in Cleveland auf Stimmenfang. Die Herausforderer wissen, worum es geht: Noch nie gewann ein Republikaner ohne die 18 Wahlmänner aus Ohio die Präsidentschaft. Präsident Obama dagegen blieb am Dienstag cool und spielte mit Freunden und NBA-Champion Scottie Pippen Basketball. Eine Tradition, die ihm bisher Glück gebracht hat.

Neben Ohio schließen um 19.30 auch West Virginia (tief rot) und der Swing States North Carolina, wo Romney im Vorteil ist, ihre Wahllokale. Neben der Top-Trophäe des Abends Ohio könnte auch North Carolina einen Trend, vielleicht sogar eine Vorentscheidung bringen.

Und um 20.00 Uhr folgen bereits die nächsten wichtigen Staaten: Pennsylvania, ein muss für Obama, und die beiden Swing States Florida und New Hampshire. Ist danach die Wahl bereits gelaufen?

Zweite TV-Debatte: Macht Obama den Biden?

Noch knapp drei Wochen bis zur Wahl. Und es geht Schlag auf Schlag. Nach der Debatten-Schlacht, „Thrill in the Ville“, von Vize-Präsident Joe Biden gegen Paul Ryan, treffen am Dienstag ihre beiden Bosse, Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney, zum zweiten Mal aufeinander.

Crunchtime für Obama! „Do or die“ – punkten oder untergehen, so heißt das Motto diesmal für den Amtsinhaber.

Nach der desaströsen ersten Debatte muss Obama kämpfen und zeigen, warum er Präsident bleiben will. In Denver hätte man an diesem unbedingten Willen Zweifel bekommen können. Das Obama-Team verspricht einen aggressiveren Präsidenten, der Romney von Anfang an Paroli bieten wird. So wie Biden in seiner Debatte gegen Ryan!?

Die Kandidaten treffen an der Hofstra Universität in Hempstead, New York, aufeinander. Obama und Romney werden sich 90 Minuten lang in einer Stadthallen-Atmosphäre den Fragen der Zuschauer stellen. Für einen Total-Angriff ein schlechtes Umfeld, da die Debatte mehr zwischen Kandidat und Publikum stattfinden wird. Bill Clinton, ein Meister von Town Hall Debatten, wird Obama bestimmt ein paar Tricks verraten haben.

Obama und Romney im Debatten-Boot-Camp

Für Obama ist das Duell eines der wichtigsten seiner Karriere. Nach der Schmach von Denver hat er in Umfragen an Boden verloren. Obama muss angreifen und seine verunsicherte Basis wieder neu motivieren. Was Hoffnungsträger Biden gegen Ryan begonnen hat, muss Obama vollenden. Mitt Rommey dagegen reicht diesmal ein Unentschieden.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen erneut die akribischen Vorbereitungen. Romney begann das Training am Samstagmorgen in einer 4-Stunden-Sitzung mit Obama-Double Rob Portman in einem Hotel in Columbus, Ohio. Nach zwei Wahlkampf-Events will er sich in ein 2-Tage-Camp nach Boston zurückziehen.

Wichtige Rolle für Michelle Obama bei der zweiten Debatte

Obama flog am Samstag mit Air Force One in die alte Kolonialstadt Williamsburg, Virginia (Ankunft 14:54 Uhr) und schloss sich dort für drei Tage in das Kingsmill Resort ein. Dort wo Urlauber beim Golf oder im Spa entspannen und am Wochenende ein Treffen von Ferrari-Fahrern (elf Sportwagen wurden gezählt) stattfand, wollte Obama im Boot-Camp-Stil trainieren. Volles Programm, ohne Ablenkung, ohne große öffentliche Auftritte. Sparringspartner ist erneut John Kerry, der trotz Kritik Obama coachen soll.

Eine wichtige Rolle übernimmt auch Michelle Obama. „Sie war schon immer mein bester Berater und meine härteste Kritikerin“, sagte Obama in einem Interview. Die First Lady wird aber auch am Montag in den wichtigsten Swing States dieser Wahl, Ohio, reisen und dort in Cleveland und Delaware Wahlkampf machen.

Showtime für die zweite Runde der TV-Duelle ist dann am Dienstag um 21.00 Uhr (Ortszeit) – der vielleicht entscheidene Kampf um das White House.

„Thrill in the Ville“ – Reaktionen auf die Debatten-Schlacht zwischen Biden und Ryan

Die Schlacht ist geschlagen. Doch wer hat das TV-Duell (51,4 Millionen Zuschauer) gewonnen? Laut CNN lag Paul Ryan mit 48 zu 44 Prozent vorne. CBS dagegen sieht Vize-Präsident Joe Biden mit 50 Prozent klar vor Ryan mit 31 Punkten (Unentschieden: 19 Prozent). Kommentare und Analysen nach dem „Thrill in the Ville“ in Danville, Kentucky.

New York Times: Knallharte Kampflinien in einem Generationen-Duell. Die Debatte war einer der besten seit vielen Jahren und hat gezeigt, dass man mit Leidenschaft, Wut, Lachen und Substanz unterschiedliche Meinungen vertreten kann.

Washington Post: Biden wirkte, als ob er die Obama-Schmach wettmachen wollte.

Wall Street Journal: Knallharte Haken bestimmten die Debatte. Biden war gut für die Basis und half, das Obama-Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Ryan wehrte sich erfolgreich gegen jeden Vorwurf. Ein solide Vorstellung auch in der Außenpolitik.

New York Daily News: Ein lächelnder Joe beißt zurück. Biden schwingt wilde Haken. Ryan bleibt cool und attackiert die Politik des Präsidenten.

Mark Halperin, Time: Ryan hat mit einem kleinen Vorsprung gewonnen. Aber nur, weil viele Leute das Verhalten des Vize-Präsidenten missbilligten. Biden zeigte nicht genug Anstand und zu wenig von seiner positiven Seite. Meine Wertung: Ryan: B; Biden: B-

Paul Begala, Ex-Berater von Bill Clinton: Biden hat Romney vor Gericht gezogen und der Basis der Demokraten neues Leben eingehaucht.

Alex Castellanos, republikanischer Analyst: Biden war auf einer Mission. Er hat die Basis neu motiviert. Ryan war sehr selbstsicher, auch in der Außenpolitik. Ich würde sagen, es war ein unentschieden.

John King, CNN: Beide sind glückliche Krieger, die lieben, was sie tun. Sie waren bei eigentlich allen Themen völlig anderer Meinung. Biden hat seinem Boss gezeigt wie Debatte geht.

Verbitterter Joe Biden gegen einen freundlichen Paul Ryan

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Joe Biden gegen Paul Ryan: Die Rede-Schlacht der Vize-Kandidaten

Das Poster zum Fernsehduell zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Paul Ryan, dem Running Mate von Obama-Herausforderer Mitt Romney. „Thrill in the Ville II“ ist eine Anspielung auf den legendären „Thrilla in Manila“ Boxkampf zwischen den beiden Champions Muhammad Ali und Joe Frazier im Jahr 1975.

Thrill in the Ville – das Plakat zum TV-Duell hatte nicht zu viel versprochen. Die einzige Fernseh-Debatte zwischen Vize-Präsident Joe Biden und Romneys Running Mate Paul Ryan war eine wahre (Rede)-Schlacht.

Mehr als 90 Minuten bekriegten sich die beiden Stellvertreter. Die Themen: Außen- und Sicherheitspolitik. Aber auch die US-Wirtschaft, Religion und Abtreibung wurden diskutiert. Ein Duell, das niemals langweilig wurde. Und eine Debatte, die ihren Namen verdiente. Zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, die austeilen und einstecken konnten. Kein Vergleich zum desaströsen Auftritt von Obama in seinem Duell gegen Mitt Romney, als der Präsident wie er sagte „zu freundlich“ war.

Joe Biden attackiert, Paul Ryan verteidigt erfolgreich

Biden war ganz sicher nicht freundlich, eher im Gegenteil. Der 69-Jährige war aggressiv, direkt und schien von Anfang an ein Ziel zu haben: Die Schmach seines Chefs, Barack Obama, wieder wett zu machen.

Von der ersten Minute an attackierte Biden Ryan und vor allem dessen Chef Mitt Romney. „Das ist doch alles Quatsch“, schimpfte er über angeblich falsche Fakten der Konkurrenz. Und nur 24 Minuten brauchte Biden, um Romney mit dessen „47 Prozent Video“ zu konfrontieren, auf dem er knapp die Hälfte der US-Bürger als Schmarotzer diffamierte. Ein linker Haken, den man auch gerne von Obama gesehen hätte.“

Doch Biden machte auch Fehler. Im Stil. Der Obama Vize schüttelte ständig den Kopf, lachte und verdrehte die Augen über die Aussagen von Ryan. Er nannte ihn mehrfach fast schon oberlehrerhaft „Freund“ und fiel ihm ständig ins Wort. Insgesamt 82 Mal soll Biden nach einer Zählung der Republikaner Ryan unterbrochen haben.

CNN-Blitzumfrage: Ryan gewinnt Debatte gegen Biden

Paul Ryan blieb dagegen gelassen und versuchte zu kontern, wo er nur konnte. Damit gewann er wichtige Punkte. Selbst in der Außen- und Sicherheitspolitik konnte der 42-Jährige mit dem Experten Biden mithalten, ohne allerdings wirklich Lösungen für Krisenherde wie den Iran, Syrien oder Afghanistan zu haben.

Fazit: Biden bestimmte die Debatte und konnte das Obama-Debakel zumindest für einen Abend vergessen lassen. Und auch die verunsicherte Basis der Demokraten dürfte Biden mit seinem Auftritt neu motiviert haben.

Ob Biden allerdings auch die Debatte gewonnen hat, wird sich noch zeigen müssen. Sein Stil und seine Aggressivität könnte viele Amerikaner abgeschreckt haben. Das zeigt auch eine Blitzumfrage von CNN: Danach hat Paul Ryan mit 48 zu 44 Prozent die Debatte gegen Joe Biden gewonnen.

Hoffnungträger Joe Biden

Nach dem Obama-Desaster beim ersten Fernseh-Duell mit einem überzeugendem Herausforderer Mitt Romney hofft der US-Präsident jetzt auf seinen Vize: Joe Biden soll es richten. Ausgerechnet Joe Biden!

Amerikas Vize-Präsident gilt gemeinhin als Unsicherheitsfaktor im Wahlkampf und wird nicht selten zur unfreiwilligen Geheimwaffe der Gegenseite. Der 69-Jährige ist beliebt aber auch bekannt als “Plappermaul” und immer gut für einen echten Klopper. Zuletzt “beerdigte” Biden in einer Rede die “Mittelklasse”, vergaß dabei aber die Republikaner als Schuldige anzuprangern.

Nun also Biden. An diesem Donnerstag trifft sich der Obama-Stellvertreter zum ersten und einzigen Fernseh-Duell mit dem Romney Vize-Kandidaten Paul Ryan in Danville, Kentucky. Der Druck auf die beiden ist enorm: Biden muss seinen schwachen Chef Obama aus dem Stimmungstief rausholen und das Romney-Ryan Ticket als Katastrophe für das Land anprangern. Ryans Ziel dagegen ist es, einen zweiten Sieg für die Republikaner einzufahren.

Joe Biden und Paul Ryan: Intensives Trainingscamp für TV-Debatte

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

“Ich möchte sicher gehen, das mein Gegenüber nicht sagt, dass seine Position auf einmal nicht mehr seine Position ist”, begründete der Polit-Profi Biden seine Vorbereitung. Romney wurde nach der Debatte vorgeworfen, seine Positionen einfach geändert und Obama damit aus dem Konzept gebracht zu haben. Wahlkampf-Lügen schimpften die Romney-Gegner.

Ein Sieg von Joe Biden gegen Paul Ryan ist bitter nötig

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung. Rücksicht wie gegen Palin muss Biden diesmal nicht nehmen. Niemand wird Mitleid für Ryan empfinden, wenn ihn der Vize-Präsident an die Wand spielen würde.

Ein Erfolg von Biden ist für das Obama-Lager sehr wichtig geworden. Durch Obamas desaströsen Auftritt am 3. Oktober ist der schon sicher geglaubte Sieg des Obama-Biden Tickets wieder in Gefahr. Bundesweit hat Obama nach einer Blitzumfrage nach der Debatte seinen klaren Vorsprung fast komplett eingebüßt. Der Amtsinhaber führt nur noch mit 47 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Und auch in den wichtigen Swing States ist der deutliche Vorsprung dahin. In Ohio führt Obama nur noch mit zwei und in Colorado mit noch einem Punkt. In Virginia sind die beiden gleich auf. Aber in Florida hat Romney mit einem Punkt und in North Carolina sogar mit drei Punkten jetzt die Nase vorne.

US-Wahl-Countdown: Nur noch 50 Tage. Obama ist der Sieg kaum noch zu nehmen!

Der Countdown läuft. Noch 50 Tage bis zu den Präsidentschafts-Wahlen am 6. November. Und alles deutet auf einen klaren Sieg von Präsident Obama hin. Herausforderer Mitt Romney scheint hoffnungslos abgeschlagen. Also, alles klar in Obama-Land??

Sieben Wochen in der Politik können eine Ewigkeit sein. Das Pulverfass Nahost, die Spannungen mit dem Iran und auch die weiterhin schwächelnde US-Wirtschaft mit ihren schwachen Arbeitsmarktzahlen können die Stimmung schnell drehen. Selbst der anhaltende Lehrerstreik in Obamas Heimatstadt Chicago kann die Wahl beeinflussen.

Im Moment sprechen nicht nur die Umfragen klar für Obama. Der Präsident hat bundesweit seinen Vorsprung gegenüber Romney auf vier Punkte (49 – 45 Prozent) ausgebaut (bisher waren sie fast gleichauf). Und auch in den acht wichtigsten Swing States führt Obama deutlich ( u.a. Florida und Virginia +5 Prozent, Ohio +7 Prozent).

Wirklich katastrophal für den Herausforderer ist allerdings eine andere Zahl: 47 Prozent der US-Bürger trauen in Sachen Wirtschaft Obama mehr zu als Romney (45 Prozent)! Und das bei einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, mit der seit 1948 noch kein US-Präsident wiedergewählt wurde.

Der Grund für eine mögliche Vorentscheidung im Wahlkampf 2012 liegt in der Schwäche des Obama-Gegners. Romney hatte sich zuletzt mit seinen unbedachten Bemerkungen zu den Angriffen auf die US-Botschaften in Ägypten und Libyen als außenpolitischer Anfänger entpuppt. Selbst in den eigenen Reihen schüttelte man bei so viel Dilettantismus nur den Kopf.

Der Republikaner Romney hat ein Problem mit der eigenen Partei

Für große Teile der Konservativen, blieb Romney bis heute der ungeliebte Kandidat. Nur die Berufung „ihres Lieblings“ Paul Ryan hat sie versöhnt. Doch auch der „Kennedy der Rechten“ hat keine Wende gebracht. Heute wirkt der Running Mate mit seinem gefühlten Dauerwahlkampf in Wisconsin ohnehin wie einer, der Gouverneur seines Heimatstaates werden will, aber nicht Vize-Präsident.

Amerikas Konservative sind wütend, enttäuscht und scheinen offenbar selbst nicht mehr an ihren Kandidaten glauben zu können. Sie fordern

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Angst vor Wahl-Schlappe: Amerikas Konservative kritisieren Romney

Keine zwei Monate mehr bis zur Wahl im November und im Romney-Lager ist die Panik ausgebrochen. Ein Schreckgespenst geht um: Eine Wahl-Niederlage gegen Präsident Barack Obama.

Wie groß die Angst vor einer Schlappe ist, zeigt die wieder stärker werdende Kritik von Amerikas Konservativen an ihrem eigenen Kandidaten. Auslöser sind dabei auch seine umstrittenen Äußerungen zu den tödlichen Angriffen auf die US-Botschaft in Libyen und die Attacke in Ägypten.

„Der Versuch mit dem Tod eines US-Diplomaten politisch zu punkten, sei würdelos und dumm“, schimpfte David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush. „Es ist schlimm und eine Schande“, wütete ein früherer Berater von John McCain. Seine Vorwürfe seien „ein gewaltiger Fehler gewesen“, analysierte Matthew Dowd, Ex-Berater von George W. Bush. „Es fühlt sich an, als würde ihn Sarah Palin beraten.“ Und ein anderer Republikaner brachte es auf den Punkt: „Romney ist nicht bereit für das Amt des Präsidenten.“

Die überstürzten Vorwürfe an Obama, „außenpolitisch Schwäche“ zu zeigen, kommen jedoch nicht durch Zufall. Romney versucht verzweifelt seiner Basis zu gefallen.

Seit Tagen schimpfen die Konservativen des Landes wieder über ihren Kandidaten. Sie werfen ihm vor, bei seinem Wahlkampf erneut nur „auf Nummer gehen zu wollen“. Eine Kritik, die nach der Nominierung von Paul Ryan am 11. August eigentlich verstummt war. Damals applaudierte Amerikas Rechte über „den Liebling der Konservativen“ und schwieg seitdem über die Schwächen ihres ungeliebten Kandidaten.

Doch die grundlegende Kritik der Republikaner an Romney ist geblieben

„Es ist nicht genug ein Schmetterling zu sein“, schimpfte der angesehene konservative Kommentator Bill Kristol. „Du musst zustechen wie eine Biene. Ohne Stiche, kein Sieg.“ Kristol: „Wenn man schon untergehe dann wenigstens in einem Kampf.“

Ähnlich frustriert meckerte auch die konservative Talkshow-Gastgeberin Laura Ingraham: „Wenn man Barack Obama mit dessen Bilanz nicht schlagen kann dann gute Nacht. Dann macht doch die Partei gleich zu. Startet neu und mit neuen Leuten.“ Und ihr Kollege George Will ergänzte: Romneys Problem sei, er „ist nicht als Konservativer geboren worden. Für ihn bleibt das seine zweite Sprache und er muss noch viel lernen“.

„Ich denke wir sind wieder in der Vor-Ryan Phase“, spottete auch Stephen Hayes, Kolumnist des Weekly Standard, dem Zentralorgan der Konservativen. „Wir spielen wieder auf Nummer sicher. Aber warum haben wir dann Ryan ausgewählt, wenn wir nicht kämpfen wollen.“

Radio-Einpeitscher Rush Limbaugh und noch nie ein großer Fan von Romney scheint den Glauben an den Kandidaten bereits restlos verloren zu haben: „Wir wählen nur noch gegen Obama. Es ist mir egal, wer gegen ihn Antritt. Das Ziel ist, Obama abzuwählen.“