Donald Trump ist eine politische Katastrophe für Amerika und die Welt

Präsident Donald Trump. Drei Worte, an die ich mich gewöhnen muss.

Ich habe zu keinem Zeitpunkt geglaubt, dass dieses Wahlergebnis möglich ist. Ich dachte Amerika sei besser. Ich habe mich getäuscht.

Nach einem schwarzen Mann, eine Frau zur Präsidentin zu wählen, war offenbar zu viel Fortschritt für das Land.

Als Demokrat muss und werde ich die Wahl anerkennen. Ich weigere mich aber, mir jetzt die positiven Seiten von Donald Trump herauszupicken, wie es einige Kommentatoren machen.

Haben wir schon alles vergessen, was Donald Trump gesagt hat. Er hat Mexikaner als Vergewaltiger und Drogendealer diffamiert, Moslems mit Terroristen gleichgesetzt, Kriegshelden beleidigt, sich über Behinderte lustig gemacht und Frauen zu Sex-Objekten degradiert. Ein Präsident für alle Bürger? Nun wirklich nicht.

Die Wahl von Donald Trump ist eine Katastrophe und eine Schande für Amerika.

Eine Demokratie kontrolliert sich selbst, beruhigen mich viele. Richtig. Aber wie? Trump ist nicht nur Präsident, er hat eine Mehrheit in beiden Kammern des Kongress. Etwas, was Präsident Obama nicht hatte.

Wahlergebnis

Vorläufiges Endergebnis. Auch ohne Michigan und New Hampshire, die noch nicht entschieden sind, hat Donald Trump die Mehrheit des Electoral College und damit die Präsidentschaft gewonnen. Auch in den beiden Kammern des Kongress verfügt der neue Commander-in-Chief über eine Mehrheit. Screenshot: RealClearPolitics.com

Trump kann durchregieren. Wer will ihn aufhalten? Die Demokraten sind in Senat und im Repräsentantenhaus in der Minderheit. Moderate Republikaner? Eine schwache Hoffnung. Was bleibt ist die Presse, die vierte Gewalt wie es heißt. Doch die hat schon während des Wahlkampfes versagt. Und die Bürger. Erste Demonstrationen gibt es gegen Trump. Es werden nicht die letzten bleiben.

Präsident Donald Trump: Wird alles viel schlimmer als man heute denkt?

Das war doch alles nur Wahlkampf, höre ich jetzt. Trump hat das alles nicht so gemeint. Wirklich? Woher nimmt man diese Erkenntnis?

Rudy Giuliani (72) soll außenpolitischer Berater oder Justizminister werden, alternativ auch Chris Christie, gegen den gerade Ermittlungen laufen. Newt Gingrich (73) wird Außenminister, Sarah Palin bekommt das Innenressort. Saraaaaah Palin!!!! Es wäre ein Horrorkabinett, wenn sich diese ersten Berichte bestätigen sollten.

Es wird schon nicht so schlimm werden, sagen einige. Ist das so? Hat man das nach der Wahl von George W. Bush nicht auch gesagt? Wo hat das geendet: Irak-Krieg, Wirtschaftsdepression.

Warum soll es bei Trump nicht so schlimm werden? Ich sehe keine Anzeichen. Ich befürchte eher das Gegenteil.

Trump will Obamacare abschaffen. Er wird es tun. Mehr als 20 Millionen Menschen verlieren ihre Krankenversicherung. Wer wegen eines Notfalls in den Emergency Room muss, weiß, was das bedeutet. Dort sitzen all die, die sich keinen Arzt leisten können.

Mindestlohn? Kann man vergessen. Steuererleichterungen für das “obere eine Prozent”, die Top-Verdiener? Ganz sicher. Bessere Waffengesetze? Eher das Gegenteil. Abschiebung illegaler Einwanderer? Darauf kann man wetten, auch wenn es aus logistischen Gründen nicht elf Millionen sein werden.

Angst macht auch die angekündigte „Starker-Mann“ Außenpolitik. TTIP-Handelsabkommen? Am Ende. NAFTA? Neu verhandeln. Handelskrieg mit China? Wird man sehen. ISIS? Wegbomben. Syrien? Keine Idee. Eine Bromance mit Putin muss helfen. Überhaupt dürfte Russlands Präsident mit der US-Wahl zufrieden sein.

Konservative Revolution durch neuen Supreme Court

Trump will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen, Umweltauflagen in den USA lockern, wenn nicht ganz aufheben. Ein Mann, der glaubt, dass der Klimawandel Quatsch und “eine Zeitungsente” ist, wird das machen. Trumps möglicher Kandidat für die US-Umweltbehörde EPA glaubt nicht an einen von Menschen verursachten Klimawandel.

Eine konservative Revolution könnte die Neubesetzung des Supreme Courts auslösen. Das Recht der Frauen auf Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehen, die Stärkung der Rechte der LGBT-Gemeinde, der Angestellten und Arbeiter stehen auf dem Spiel. Trump wird bald einen neuen Richter nominieren und ihn im Gegensatz zu Obama auch im Kongress durchbekommen. Es wird ein Konservativer sein.

Noch reicht das nicht für eine Kehrtwende. Doch zwei weitere liberale Richter sind 83 und 78 Jahre alt und wollen in den Ruhestand gehen. Das würde dem Land auf Jahrzehnte einen konservativen Supreme Court beschweren.

Was bleibt also? Viel mehr als Hoffnung ist es nicht. Die Hoffnung, dass ich mich erneut täusche. So wie beim Ausgang der Wahl.

Gesundheit, Mister Präsident!

„Ich schätze mal, dass sie heute Nacht im White House nicht besonders gut schlafen werden.“ 

(Ein zuversichtlicher Mitt Romney am Tag vor der Supreme Court Entscheidung zu Obamas Gesundheitsreform)

Die Entscheidung des Obersten Gerichts der USA, die Gesundheitsreform für verfassungskonform zu erklären, ist ein Riesenerfolg für Präsident Obama und vor allem für 44 Millionen Amerikaner (!), darunter neun Millionen Kinder (!!), die im Krankenfall keinen Versicherungsschutz einer Krankenkasse genießen.

Für Mitt Romney und seine republikanischen Freunde ist es ein Schlag ins Gesicht. Sie wollten „Obamacare“ stürzen und den Erfinder gleich mit dazu. Daraus wird wohl erst einmal nichts, auch wenn man sicher sein kann, dass die Konservativen und vor allem die radikalen Tea Party Anhänger des Landes bei diesem Thema nicht locker lassen werden.

Ich muss zugeben, dass ich selbst überrascht bin über die Entscheidung. Positiv. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Kern von „Obamacare“, das „individual mandate“, das jeden Amerikaner zwingt, eine Krankenversicherung abzuschließen, Bestand haben sollte.

Doch ausgerechnet der konservative Chef des Supreme Court, John G. Roberts (der Mann, der sich 2008 bei der Vereidigung von Obama vor dem Capitol versprochen hatte und im White House später noch mal nachvereidigen musste) stimmte mit den mehr progressiven Richtern des politisch geteilten US Supreme Court. Das Ergebnis des Obersten Gerichts von 5 zu 4 Stimmen ist deshalb eine wirkliche Sensation, hatte Präsident George W. Bush während seiner Amtszeit doch Roberts eingesetzt, damit solche „Zwangsgesetze“ keine Chance in Zukunft mehr haben sollten.

Amerika hat jetzt die Möglichkeit eine Gesundheitsreform zu etablieren, die ihren Namen auch verdient. Denn bisher zumindest waren Krankenkassen nicht unbedingt für Kranke, sondern eher für Gesunde, die kein Geld kosten, da.

Was das konkret für Betroffene bedeutet, erzählte mir erst vor ein paar Tagen mein Metzger. Er ist ein älterer Herr und gefühlt eher konservativ.  „Ich zahle jeden Monat für mich und meinen Sohn 5000 Dollar (!!) an Krankenversicherung“, wetterte er. „Und jetzt wollen sie meine Rate um weitere 25 Prozent erhören. Es geht hier doch nicht um meine Gesundheit, es geht nur um ihren Profit.“

Mitt Romney hat nach der Entscheidung des Supreme Court ein wichtiges Wahlkampfthema verloren. Viele sind ihm ohnehin nicht geblieben, nachdem auch der Ölpreis fällt und damit zumindest in den USA auch die hohen Benzinpreise (daran war laut Romney natürlich auch Obama schuld).

Wie der Obama-Herausforderer heute Nacht schlafen wird, kann ich nur erraten. Schlecht vermutlich. Vielleicht sollte er sich mal mit meinem Metzger unterhalten! Der schläft auch nicht gut.