Electoral Votes: So funktioniert das US-Wahlsystem

Es ist alles gesagt. Jetzt wird gewählt. Und ausgezählt. Doch wie funktioniert das US-Wahlsystem eigentlich?unnamed Eine Erklärung.

Wer in den USA Präsident werden will, braucht bundesweit nicht die meisten Wählerstimmen zu gewinnen. Auch eine Minderheit kann eine Hillary Clinton oder einen Donald Trump ins White House bringen.

George W. Buhs reichte Minderheit an Stimmen, um Präsident zu werden

Zuletzt schaffte das George W. Bush im Jahr 2000. Damals stimmten nur 50.456.062 US-Bürger für den Republikaner, mehr als eine halbe Million weniger als für seinen Konkurrenten Al Gore (50.996.582).

Doch George W. Bush gewann in einer denkwürdigen Wahl die meisten Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten, 271 so genannte Electoral Votes. Al Gore brachte es nur auf 265. Auch ein wochenlanges Nachzählen der Stimmen im umstrittenen Florida halfen Gore damals nicht. Am Ende gestand der Demokrat seine Niederlage ein, obwohl er vor Gericht die Wahl hätte anfechten können.

Electoral Votes: Wählmänner der einzelnen Bundesstaaten entscheiden die Wahl

Auch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump entscheiden die Electoral Votes der Bundesstaaten darüber, wer im Januar 2017 ins White House einziehen wird.

Dabei gewinnt nach dem Mehrheitswahlrecht derjenige alle Wahlmänner, der auch die meisten Stimmen in dem jeweiligen Bundesstaat gewinnt. Dabei gilt: The Winner takes it all! Eine Aufteilung der Wahlmänner gibt es bis auf zwei kleine Ausnahmen nicht. Insgesamt braucht ein Kandidat 270 Electoral Votes!

Hillary Clinton ist nach den letzten Analysen klare Favoritin

Und so sieht es nach den letzten Umfragen aus.

Hillary Clinton ist in allen drei ausgewählten Analysen Favoritin. Der Weg von Donald Trump, die erforderlichen 270 Wahlmänner zu gewinnen, ist deutlich schwerer und eigentlich nur theoretisch möglich. Hillarys “Wand von blauen Staaten”, also Bundesstaaten, die demokratisch und für sie wählen, hält. Trump muss sich dagegen sogar um einige seiner “roten Staaten”, wo traditionell republikanisch gewählt wird, sorgen.

Nate Silver, FiveThirtyEight.com

Letzte Analyse Nate Silver

Die Analyse des Daten Gurus Nate Silver. Screenshot: FifeThirtyEight.com

Geht es nach Nate Silver, dem Daten-Guru der letzten Jahre, hat Hillary Clinton eine 71,4 Prozent Chance die nächste Präsidentin zu werden. Donald Trump liegt abgeschlagen bei nur 28,6 Prozent. Silver geht davon aus, dass alle wichtigen Swing States (Nevada, Florida, North Carolina und New Hampshire) von Hillary gewonnen werden. Einen Weg für einen Trump-Sieg sieht der Mann von FiveThirtyEight. com nicht.

RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screetshot: RealClearPolitics.com

Knappes Rennen: Screenshot: RealClearPolitics.com

Die letzte Electoral Vote Karte von RealClearPolitics.com, eine Seite, die aus allen Umfragen einen Durchschnitt errechnet, sieht Hillary Clinton knapp in Front. Danach wird sie 272 Electoral Votes gewinnen, Donald Trump schafft 266. New Hampshire mit seinen nur vier Wahlmännern macht Hillary dabei zur Präsidentin.

Die letzte Umfrage der Los Angeles Times.

Eine sehr positive Prognose der Los Angeles Times

Eine sehr positive Prognose kommt von der Los Angeles Times. Erstaunlich: Das Blatt sah in seinen nationalen Umfragen Trump fast immer vor Hillary, zuletzt am Montag mit 48-43 Prozent.

Ein Hillary-Sieg von 352 zu 186 Electoral Votes, den die Los Angeles Times errechnet hat, würde für Clinton einem Erdrutschsieg gleichkommen. Donald Trump hätte Mühe, diese klare Niederlage anzuzweifeln und sie mit „rigged Election“, also „manipulierten Wahlen“ zu rechtfertigen.

Der Wahlkampf ist zu Ende. Endlich! Es war unerträglich!

Ich habe fünf Präsidentschaftswahlen in den USA erlebt. Und nicht gedacht, dass es noch schmutziger geht als in den Jahren zuvor. Ich habe mich getäuscht.

80 Prozent der US-Bürger fanden den Wahlkampf „widerlich“ – Recht haben sie!

Noch nie wurde beim Kampf um das White House so viel gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Fakten verdreht und die Wähler verarscht. Melanie Trump will sich als First Lady gegen Mobbing im Internet einsetzen. Spätestens danach hätte es auch dem letzten US-Bürger auffallen müssen, dass er für dumm verkauft wird.

Hillary Clinton ist an der Schlammschlacht nicht unschuldig. Auch sie hat kräftig ausgeteilt. Auch sie hat in Debatten gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Dinge zu ihrem Gunsten zurechtgebogen. Doch dass es so schlimm werden sollte, hat Donald Trump zu verantworten.

Es hat noch nie einen Präsidentschaftskandidaten gegeben, der so viele Gruppen an Menschen seines eigenen Landes diffamiert und beleidigt hat: Mexikaner, Moslems, Behinderte, Kriegshelden und Frauen.

Wer das leugnet, lebt in einer anderen, in einer Trump-Welt.

Die Wähler sind angewidert und wenden sich von der Politik ab. Wer will sich in einem Umfeld, wo es längst nicht mehr um Fakten geht oder um bessere Argumente, noch engagieren?

Die Sorge, dass eine immer kleinere Politkaste die Dinge bestimmt, wird sich weiter verstärken. Für eine Demokratie ist das auf Dauer tödlich. Die Radikalen werden das nutzen.

Am Dienstag wird einer an Schmutz hoffentlich nie mehr zu überbietender Wahlkampf einen Gewinner hervorbringen. Ich glaube nicht an einen knappen Sieg, an Nachzählungen, die sich über Wochen hinziehen werden. Es wird eine klare Entscheidung geben.

Eine sehr optimistische Prognose der LA Times

Eine sehr optimistische, letzte Prognose der Los Angeles Times. Danach gewinnt Clinton mit Ohio, Florida und North Carolina alle drei der wichtigsten Swing States. Erstaunlich: Das Blatt hatte in seinen nationalen Umfragen in den vergangenen Wochen immer Trump vor Clinton, zuletzt noch am Montag mit 48%-43% (Screenshot: LA Times)

Doch egal ob es Hillary Clinton schafft oder Donald Trump eine Sensation gelingt. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Spätestens in drei Jahren geht es wieder los. Ein kaum zu ertragender Gedanke!

Donald Trump wird die Wahl nicht anerkennen – die Republikaner sich weiter spalten. Wird House-Sprecher Paul Ryan zurücktreten?

Donald Trump wird das Ergebnis nicht akzeptieren. Er wird von „rigged Election“ sprechen, von „manipulierten Wahlen“. Ein Demokrat und Patriot würde sich anders verhalten.

Einige Enttäuschte werden durchdrehen. Am Ende werden aber die Milizen des Landes nur heiße Luft versprühen. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein paar Wahnsinnige in Tarnkleidung aus Georgia, von denen die New York Times berichtet, Washington angreifen wird.

Die Republikaner werden sich weiter spalten: In Trump-Anhänger und Gegner. House-Sprecher Paul Ryan wird die Partei nicht zusammenhalten können. Und am Ende zurücktreten? Er wollte den Posten ohnehin nie.

Der Rücktritt von FBI-Chef James Comey ist überfällig

Die Trumpisten und Falken unter den Republikanern werden Hillary jagen. Die E-Mail-Affäre wird sie bis ins Oval Office verfolgen. Es wird weitere Posts geben, vielleicht sogar neue Ermittlungen. Allerdings nicht von FBI-Chef James Comey. Nach seinem aktiven Eingreifen in den Wahlkampf ist sein Rücktritt überfällig.

Die Republikaner werden Untersuchungsausschüsse einrichten, es wird Vorladungen geben, Zeugenbefragungen. Sie werden versuchen, Hillary zum Rücktritt zu zwingen. Nur ein Sieg der Demokraten im Senat könnte ein Impeachment-Verfahren verhindern.

Hillary geht geschwächt ins Oval Office. Eine zweite Amtszeit wird es nicht geben

Hillary selbst wird angeschlagen ins Oval Office einziehen. Die Hälfte der Amerikaner traut ihr nicht. Die E-Mail-Affäre, so klein sie bisher im Vergleich zu Nixons Watergate oder Reagans Iran-Contra-Affäre auch ist, hat dieses Misstrauen nur verstärkt. Viele haben Hillary nur gewählt, weil sie Trump verhindern wollten. Das ist ein ehrbares Motiv. Ein Vertrauensbeweis ist es nicht.

Eine zweite Amtszeit wird es für Hillary Clinton nicht geben. Das Land hat genug von ihr und dem Clinton-Clan. Und wenn doch noch E-Mails auftauchen, in denen sie Staatsgeheimnisse verschickt hat, ist Hillary Clinton ohnehin nicht zu halten. Dann muss sie zurücktreten. Das wissen auch ihre Anhänger.

Amerika stehen schlimme vier Jahre bevor. Egal wer am Ende gewinnt. Hoffen wir auf ein Wunder.

Immer locker bleiben, Hillary Clinton!

Und auf einmal ist alles ganz anders.

Aus einem sicher geglaubten Sieg für Hillary Clinton ist eine bittere Niederlage geworden. Wirklich?

Wenn man die Nachrichten verfolgt, könnte man das eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen glauben. Das Rennen ist gelaufen! Mal wieder, muss man sagen. So wie nach dem Prahlhans-Video von Trump, als “The Donald” damit angab, Frauen ungefragt und ungestraft in den Schritt fassen und küssen zu dürfen, nur weil er ein Star ist.

Schon vergessen? Davon erholt sich Trump nicht mehr, waren sich die Kommentatoren einig. Glückwunsch Madame President Hillary Clinton!

Das war vor knapp drei Wochen. Und heute? Auf einmal ist der “Bullie der Fifth Avenue” auf dem sicheren Weg ins White House. Donald Trump führt in den Umfragen, lauten die neuesten Prognosen. Und die Medien stürzen sich darauf wie Hyänen auf einen von einem Löwen erlegten und zurückgelassenen Büffel. Eine Kombination aus E-Mail-Affäre, neuen Ermittlungen von FBI-Chef James Comey (Republikaner), die Hillary Vertraute Huma Abedin und ihr krankhafter Sexting-Ehemann Anthony Weiner haben die Wende gebracht.

Hillary Clinton hat weiterhin eine deutliche Mehrheit bei den Swing States

Doch ist das wirklich so? Tatsache ist doch: Der Weg von Donald Trump ins White House ist und bleibt nicht nur schwer, er ist eigentlich unmöglich. In den entscheidenden Swing States kann Trump nicht genügend Electoral Votes sammeln, um die Wahlen für sich zu entscheiden. Daran hat sich bisher nichts geändert.

Nate Silver

Donald Trump hat trotz Hillarys E-Mail-Affäre in den so genannten Swing States keine Mehrheit der Electoral Votes. Vorhersage am 1. 11.2016 von Statistik-Guru Nate Silver, Screenshot @ http://fivethirtyeight.com

In New Hampshire, North Carolina, Colorado und Nevada liegt Hillary weiterhin in Führung. Auch in Florida ist es ein Kopf an Kopf Rennen. Trump muss diese Bundesstaaten ALLE gewinnen, um Präsident zu werden. Und dazu noch einen “blauen, demokratischen Staat” in Republikaner-Land verwandeln. Ach ja, und Texas, Arizona und Georgia muss er halten, genauso wie Utah, wo ein Unabhängiger mit Trump fast gleich aufliegt. Ist das alles möglich? Vielleicht. Wahrscheinlich? Nein.

E-Mail Affäre ist Hillarys Chance die „Never-Trump“ Wähler zu motivieren

Die neuen Ermittlungen in der E-Mail-Affäre waren für Hillary Clinton ein schwerer Schlag  und haben Donald Trump eine neue Lifeline beschert. Für Hillary bedeuten die FBI Untersuchungen aber nicht gleich eine Niederlage. Sie sollte sie als Chance verstehen, um ihre Anhänger und die vielen Trump-Gegner neu zu motivieren.

Nach dem Prahlhans-Skandal dachten viele, das Rennen um das White House ist gelaufen und die eigene Stimme sei am 8. November nicht mehr wichtig. Donald Trump hat auf diese Nicht-Wähler nicht nur gehofft. Es war lange seine Taktik: Seine eigene, treue Anhängerschaft bei Laune halten und die Hillary-Wähler von der Urne fernhalten.

Diese Rechnung könnte für den Republikaner am Ende nicht mehr aufgeben. Denn die Angst, dass Trump doch noch gewinnt, wird viele Hillary- und “Never-Trump”-Wähler am kommenden Dienstag doch noch dazu bewegen ihre Stimme abzugeben.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Im Moment gibt es für Hillary Clinton wohl keine wichtigere Wahlkämpferin als Michelle Obama. Ihr Mann Bill ist angeschlagen, ihren Vize Tim Kaine kennt außerhalb von Virginia kaum jemand, Al Gore ist Vergangenheit und kann als steter Warner vor einer Klimakatastrophe vielleicht ein paar Stimmen am grünen politischen Rand einsammeln. Und auch Präsident Obama hat nicht die Beliebtheit, den Einfluss, den seine Frau zurzeit hat.

Michelle Obama: „When they go low, we go high“.

Hillary Clinton weiß das. Den Spruch von Michelle Obama nach Größe, wenn andere unter die Gürtellinie schlagen („When they go low, we go high“) hat sie längst übernommen. Es ist zu einem Gewinnerslogan geworden. So wie Obamas „Yes, we can.“

Hillary weiß um die Stärke der First Lady. Sie setzt sie gezielt dort ein, wo es wichtig, wo es knapp werden könnte. Wie vergangene Woche in New Hampshire, einem der Swing States, den Hillary gewinnen will. Nach jüngsten Umfragen liegt sie im Schnitt 3,6 Prozent vor Trump. Knapp genug, um ihren Wahlkampf-Joker an die Ostküste zu schicken.

Und Michelle Obama enttäuschte nicht. Es war ein emotionaler Auftritt. Selten hat man sie so wütend gesehen. „Ich kann nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken“, gestand die First Lady. Die Kommentare seien „schockierend und erniedrigend“. „Ein Affront gegen alle Frauen, Eltern und Bürger der Vereinigten Staaten.“ Solche Sprüche dürften nicht „als Gespräche unter Männern in der Umkleidekabine“ verharmlost werden.

Michelle Obama: „Es reicht!“

Den Namen des Mannes, der Michelle Obama „bis ins Innerste erschütterte“, nannte die First Lady bei ihrem Auftritt nicht. Das hat sie auch schon in der Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia nicht getan. Und damit großen Erfolg gehabt. Doch jeder wusste, wen die 52-Jährige meinte. Und vor allem über was sie sprach.

Das Angeber-Video, in dem Donald Trump damit prahlt, er könne Frauen ohne zu Fragen ungestraft küssen und in den Schritt fassen, ist auch an Michelle Obama nicht spurlos vorbeigegangen.

„Ich kann es nicht fassen, dass jemand, der sich um das Amt des Präsidenten bewirbt, mit sexuellen Übergriffen auf Frauen angibt“, sagte sie und ihre Stimme schien vor wütendem Entsetzen fast wegzubrechen. Ja, es sei Wahlkampf. „Aber es geht hier nicht mehr um Politik. Hier geht es um menschlichen Anstand. Keine Frau hat es verdient, so behandelt zu werden.“

Und dann sagte Michelle Obama das, was viele in Amerika schon lange denken: „Es reicht!“

TV-Debatte: Hat Hillary wirklich gewonnen?

Hillary Clinton gewinnt die erste Debatte gegen Donald Trump. 62 zu 27 Prozent, hat CNN in einer Umfrage ermittelt. Einige Kommentatoren sprechen von einer „schweren Niederlage für Trump“, gar von einem „Knockout“.

Wirklich?

Hillary total überlegen aber Trump gewinnt wichtige Punkte

Hillary Clinton war Donald Trump intellektuell überlegen. Sie war besser vorbereitet, kannte die Fakten, wusste, worüber sie sprach. Daran gab es keinen Zweifel. Bei „The Donald“, konnte man sich da nicht so sicher sein. Er war eindeutig schlecht vorbereitet, schwamm häufig, schniefte und griff nervös zum Wasserglas. Dass er Hillary ständig ins Wort fiel, war neben seinen schlechten Manieren sicherlich auch kein Zeichen von Souveränität.

Nur hat Trump die Debatte dadurch wirklich so hoch verloren wie einige, vor allem liberale Kommentatoren meinen? Vielleicht sogar schon die Wahl? Oder spielt da bei vielen auch Wunschdenken mit? Ein Trump kann und darf nicht Präsident werden – so einer nicht.

Dabei hat „Donald“ wie ihn Hillary immer wieder provozierend nannte – Trump möchte mit Mister Trump angesprochen werden und nicht mit seinem Vornamen – auch wichtige Punkte während der Debatte für sich gewonnen.

Insbesondere als es über das Handelsabkommen NAFTA ging und Trump fast schon „präsidial“ auftrat. In den strukturschwachen Gegenden von Pennsylvania, Ohio und Michigan, drei wichtige Swing-States, die Trump immer wieder erwähnte und gewinnen muss, kommt Kritik an NAFTA gut an. Viele glauben, dass ihnen das Abkommen die Jobs weggenommen hat. Und die Clintons, Bill als US-Präsident und Unterzeichner des Vertrages, und Hillary, sind dafür verantwortlich.

Konservative: Eindeutiger Debatten-Sieger Donald Trump

Trump dagegen will NAFTA neu verhandeln und damit die Jobs zurückbringen – der „Retter der Vergessenen“. Dass das eine Illusion ist und Trump keinen Plan hat, interessiert vielleicht Wahlbeobachter in New York, Washington und Los Angeles. In Ohio und Michigan dagegen kaum jemanden. Dort will auch keiner die Steuererklärung von Trump sehen, sondern neue Jobs. Die Hoffnung stirbt als Letztes.

Hillary musste sich von Trump dagegen den Vorwurf der „typischen Politikerin“ gefallen lassen, die in den vergangenen 30 Jahren viel geredet aber wenig getan hat. Ein populistischer, inhaltsloser Spruch, der aber nicht nur bei Trump-Anhängern gut ankommt. Konservative Medien wie der Drudge Report, Breitband oder CNBC sehen deshalb auch Trump als wahren Sieger der Debatte. In ihren Umfragen lag der Immobilientycoon klar (80-20% Drudge, 75-24% Breitband, 61-39% CNBC) vor der Demokratin.

Hillary Clinton hat es bei aller Überlegenheit versäumt, ihrem Konkurrenten in der Debatte den entscheidenden Schlag zu versetzen. Gelegenheiten hatte sie genug. Trumps Planlosigkeit bei der Wirtschaft, im Kampf gegen die ISIS, seine Beleidigungen gegenüber Frauen, Latinos, Moslems, Behinderte und vor allem bei der „Birther“-Frage.

„Birther Frage“: Hillary vertane Chance eines Knockouts

Trumps vor Jahren angezettelte, rassistische Debatte, Barack Obama sei in Kenia geboren und könne als Nicht-Amerikaner gar nicht Präsident sein, ist das Fundament seines politischen Erfolgs. Ohne diese Behauptung, die er bis vor wenigen Wochen noch vertreten hat, hätte es Trump als Präsidentschaftskandidat nie gegeben. Hillary hätte ihn hier nicht so leicht vom Haken lassen dürfen.

Zwei Fernsehdebatten hat Hillary Clinton noch, Trump vor knapp 100 Millionen TV-Zuschauern einen „politischen Knockout“ zu versetzen und ihre Wahl endgültig zu sichern. Sie sollte sie nutzen. Nicht, dass es am 8. November doch noch eine böse Überraschung geben sollte.

Donald Trump: Schon am Ende?

Warst das schon für Donald Trump?

Nach dem Parteitag der Demokraten hat Hillary Clinton ihren Vorsprung in den nationalen Umfragen auf sieben Punkte ausgeweitet.

Noch wichtiger: In den umkämpften Swing States liegt die Demokratin deutlich vor dem ungeliebten Kandidaten der Republikaner. In Pennsylvania, Michigan, Virginia und Wisconsin sind es im Schnitt fünf Prozent, in Colorado gar beachtliche acht Punkte. Gut sieht es in New Hampshire aus, wo Hillary fast vier Prozent Vorsprung hat, in North Carolina sind es zumindest zwei.

Nur in Ohio und Iowa ist es knapp. Genauso wie in Florida wo „The Donald“ im Schnitt gleichauf ist mit Clinton. Eine Umfrage von NBC sieht Hillary aber auch hier deutlich vorne. Ein Schock für Trump dürften die Zahlen aus dem bisher sicheren Republikaner-Staat Georgia sein. Dort wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen gemeldet.

Skandal um muslimischen US-Kriegshelden könnte Trump die Wahl kosten

Doch es könnte alles noch schlimmer kommen. Der Skandal um die Familie des im Irak getöteten muslimischen US-Kriegshelden Humayun Khan kostet ihm selbst bei treuen Anhängern Sympathien und Stimmen.

Trump hat Mexikaner diffamiert, Frauen beleidigt, Behinderte veralbert und damit zu einem Aufschrei nicht nur bei seinen Gegnern gesorgt. Doch mit seinen Angriffen auf die Familie eines Kriegshelden hat er eine Grenze überschritten.

Amerikas Kriegsveteranen fordern von Trump eine öffentliche Entschuldigung für die Beleidigungen, die die Eltern des toten US-Soldaten seit ihrem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten über sich ergehen lassen mussten. Bisher denkt Trump nicht daran. Im Gegenteil: Er heizt das Thema weiter an.

„Don’t boo, vote“- Warum Hillary Clinton die Wahlen verlieren kann

War es das also für Trump? Es sind noch mehr als drei Monate bis zu den Wahlen. Da kann viel passieren. Wer hätte gedacht, dass Trump überhaupt der Kandidat der Republikaner werde.

Doch der Trend spricht eindeutig gegen Trump. Er weiß das und bereitet knapp 100 Tage vor den Wahlen seine Anhänger auf eine Niederlage vor. Schon spricht er von „rigged elections“, von manipulierten Wahlen, die er nicht gewinnen kann. Auch hinter den TV-Debatten im September vermutet er eine Clinton-Verschwörung. Will Trump aussteigen und sich Hillary im Fernsehen nicht mehr stellen.

Die größte Gefahr für Hillary Clinton ist im Moment, dass viele ihrer Anhänger bereits denken, sie wird schon gewinnen und dabei vergessen zur Wahl zu gehen. „Don’t boo, vote“ hatte US-Präsident Barack Obama die Demokraten auf dem Parteitag aufgefordert. Denn sonst kann es am Ende doch noch zu einer bösen Überraschung kommen.

Realität und Wunschdenken, Teil 2

Mitt Romney hat wirklich an den Wahlsieg geglaubt!

Video aus dem Wahlkampf-Flugzeug von Mitt Romney auf dem Weg nach Boston: „Ich habe meine Siegesrede bereits geschrieben, sie ist um die 1100 Wörter lang.“ Wenige Stunden später wurde Romney unsanft und völlig unvorbereitet aus den Träumen gerissen und von der brutalen Wirklichkeit eingeholt.

Die Niederlage traf Romney, dessen Familie und Team wie ein Blitzeinschlag. Am Abend zuvor hatten sie noch ein internes Papier lanciert, das Romney als Sieger in Ohio und in Pennsylvania ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhersagte. Sie lagen total falsch!

Romney hatte für die Wahlnacht bereits Raketen und Böller für ein acht Minuten langes Feuerwerk (Kosten 25.000 Dollar) im Hafen von Boston aufstellen lassen. Irgendwann zwischen 19.00 und 0.30 Uhr sollte das Spektakel beginnen.

Selbst am Wahlabend hatte das Team Romney lange die Hoffnung, dass Pennsylvania bis in die späte Nacht ein enges Rennen und Ohio frühzeitig an ihn gehen würde. Und das obwohl die ersten Exit Polls eher eine Niederlage vorhersagten. Selbst als ein Swing State nacheinander an Obama ging, träumte man weiter vom Wahlsieg. Karl Rove, der Architekt des Erfolges von George W. Bush, gab ihnen Hoffnung. Er faselte auf Fox News noch immer von einem Romney-Sieg in Ohio. „Das Hirn“ lag total falsch!

Erst als Colorado verloren ging und Florida zu Obama tendierte, musste sich auch Romney die Niederlage eingestehen. „Es ist vorbei“, soll ein fassungsloser Herausforderer gesagt haben.

Romney schien im Angesicht der schweren Niederlage „völlig verstört und zutiefst erschüttert“, berichtet der TV-Sender CBS. Romneys Frau Ann, die später bei der Rede ihres Mannes sichtlich angeschlagen aussah, soll die ganze Zeit „heftig geweint“ haben. Und auch Running Mate Paul Ryan, der trotz der Niederlage seinen Kongress-Sitz verteidigen konnte, war „geschockt“. Dessen Frau Janna habe „leise vor sich hingeweint“.

Präsident Obama: Der mächtigste Mann der Welt mit Tränen in den Augen

Tränen gab es auch beim wiedergewählten Präsidenten Barack Obama. Bevor er am Mittwoch ins White House zurückkehrte, bedankte er sich persönlich bei seinem engsten Team in der Wahlkampfzentrale in Chicago.

„Ich bin stolz auf euch“, sagte Obama. „Was ihr erreicht habt, wird in die Annalen der Geschichte eingehen.“ Als seine Helfer applaudierten, konnte auch der mächtigste Mann der Welt seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

US-Politik direkt LIVE: So lief die Wahlnacht

Das Protokoll der US-Wahlnacht bis zur Entscheidung

23.20 Uhr: Obama gewinnt Ohio und damit mehr als 270 Wahlmännerstimmen. Wenn die restlichen Staaten auch noch dazukommen, wird es doch noch ein Erdrutsch-Sieg. Und wie erklärt das Romney-Camp diese deutliche Niederlage?

23.18 Uhr: CNN: Präsident gewinnt die Wahlen gegen Mitt Romney!!!!

23.15 Uhr: Oregon geht an Obama. Almost done. 256 Stimmen für Obama, offiziell fehlen ihm nur noch 14 Stimmen. Die Wahl ist gelaufen!

US-Politik direkt: Präsident Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!!!!!

23.12 Uhr: Auch New Mexico bleibt Obama Land. Das war allerdings erwartet. Chicago feiert.

23.10 Uhr: CNN: Obama gewinnt Iowa. Die Wahl ist entschieden. Nur noch ein Wunder kann Romney jetzt noch retten.

23.09 Uhr: Die Denver Post gibt Colorado an Obama. Ein großer Sieg.

23.05 Uhr: Die Demokraten halten ihre Mehrheit im Senat. Mit der Mehrheit der Republikaner im Abgeordnetenhaus ist der nächste Kongress gespalten. Das Regieren für den nächsten Präsidenten wird damit erneut extrem schwierig.

23.03 Uhr: Nun also doch: CNN gibt Wisconsin an Obama. North Carolina geht an Romney. Stand: 238 zu 191.

23.00 Uhr: Obama gewinnt Kalifornien, Washington und einen seiner Heimatstaaten Hawaii. Keine Überraschung. Aktueller Stand der Wahlmänner: 228 zu 176.

22.50 Uhr: Auch CNN gibt Minnesota an Obama.

22.46 Uhr: Welche Bundesstaaten kann Romney noch gewinnen, um Präsident zu werden? Viele Optionen hat er nicht mehr. Wenn Florida oder Ohio an Obama geht, ist die Wahl vorbei.

22.39 Uhr: NBC, CBS News und ABC News geben Minnesota an Obama. Wieder ein Staat, auf den Romney gehofft hatte, geht an den Präsidenten. Schon jetzt ist klar: Karl Rove, das „Hirn“ von George W. Bush, lag mit seiner Prognose voll daneben. Rove glaubte, Romney gewinne mit einem Vorsprung von 32 Wahlmänner.

22.29 Uhr: CNN hat in Wisconsin immer noch Romney vorne. NBC und Fox News haben den Staat des Romney Vizes, Paul Ryan, schon lange an Obama gegeben. Hält CNN den Staat künstlich offen?

22.24 Uhr: Zweiter Abtreibungs-Schwachkopf abgewählt. Todd Akin, der Senator aus Missouri, der glaubt, der „weibliche Körper könne abschalten, um eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung zu verhindern“, verliert das Rennen gegen die Demokratin Claire McCaskill. Die Demokraten gewinnen den „War on Women“.

22.18 Uhr: Alex Castellanos, Republikaner und Kommentator auf CNN, hat den Glauben an Romney verloren. Florida – im Moment noch sehr knapp – scheint am Ende des Abends an Obama zu gehen. Die noch nicht ausgezählten Distrikte im Sonnenstaat sind „heftig demokratisch“, sagt Castellanos.

22.04 Uhr: CNN gibt genauso wie NBC New Hampshire an Obama. Nur vier Stimmen aber SEHR wichtig. New Hampshire, ein anderer „Heimatstaat“ von Romney war eigentlich ein Muss.

22.01 Uhr: In CNN Exit Polls führt Obama in Nevada (51-45) und Iowa (52-46).

21.57 Uhr: In drei Minuten: Nevada und Iowa, beide super wichtig für Obama.

21.52 Uhr: NBC gibt New Hampshire an Obama. Bleibt es dabei, gewinnt Obama den ersten der acht wichtigsten Swing States für Obama. Für Romney wird es jetzt schon eng.

21.47 Uhr: Richard Mourdock, der Senator, der eine „Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung als Geschenk Gottes“ sieht, verliert seinen Sitz im Senat an den Demokraten Joe Donnelly.

21.42 Uhr: PENNSYLVANIA (20 Stimmen) für Obama!!!!!! Ein großer Schritt in Richtung Präsidentschaft. Obamas Chef-Berater David Axelrod darf seinen Bart behalten. Er wollte ihn abrasieren, falls Obama Pennsylvania verliert.

21.40 Uhr: Obama gewinnt Wisconsin! (18 Stimmen) Auch Fox News gibt den Staat an den Präsidenten. Romney/Ryan verlieren ihre Heimatstaaten!

21.37 Uhr: NBC gibt Wisconsin an Obama. CNN hält sich noch zurück. Es wäre ein wichtiger Sieg für Obama. Die Midwest-Firewall scheint zu halten.

21.15 Uhr: Auf Twitter gibt es bereits einen hashtag #stayinline für all die, die in Virginia und Florida in langen Schlangen noch vor den Wahllokalen stehen.

21.09 Uhr: Ganz nebenbei eine andere wichtige Entscheidung: Die Republikaner werden die Mehrheit im Repräsentantenhaus halten können, der Ausgang für den Senat ist noch offen, mit Tendenz für die Demokraten. Ein geteilter Kongress für den nächsten Präsidenten.

21.05 Uhr: CNN Exit Polls für Wisconsin: 52 zu 46 Prozent für Obama. Gute Zahlen für Obama. Romneys Running Mate Paul Ryan, der aus Wisconsin kommt, hatte in seinem Heimatstaat einen Dauer-Wahlkampf geführt, um den Staat zu drehen.

21.00 Uhr: Michigan geht an Obama! Romney hatte auf eine Überraschung gehofft. Sein Vater war hier Gouverneur, er ist dort aufgewachsen. Doch der Auto-Staat bleibt Obama-Land. Ein wichtiger Sieg für Obama aber es wird die Wahl nicht entscheiden.

20.53 Uhr: In sieben Minuten: u.a. Wisconsin und den Swing State Colorado. Gibt es jetzt einen Trend?

20.48 Uhr: Auch in Virginia gibt es immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen obwohl sie offiziell geschlossen sein müssten. Angeblich bleiben sie jetzt vier Stunden länger auf. Warum gibt es eigentlich immer dieses Chaos und immer in umkämpften Staaten?

20.42 Uhr: Romney gewinnt die Südstaaten Alabama und Georgia. Keine Überraschung. Warten auf Virginia, Florida und OHIO.

20.38 Uhr: In Florida gibt es immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen, obwohl sie bereits geschlossen sein müssten. Fast 60 Prozent der Stimmen sind dort bereits ausgezählt und Obama hat aktuell einen knappen Vorsprung.

20.05 Uhr: Zwei Stunden Wahlabend und bisher keine wirkliche wichtige Entscheidung. Enttäuschend.

20.00 Uhr: Obama gewinnt Connecticut, Delaware, Washington DC, Illinois, Maryland, Maine, Massachusetts (Heimatstaat von Romney), Rhode Island – alles keine Überraschung. Und Romney gewinnt Oklahoma. Aktueller Stand: 64-40 für Obama bei den Wahlmännerstimmen.

19.55 Uhr: In fünf Minuten: Pennsylvania, New Hampshire und vielleicht eine erste wichtige Entscheidung in Florida.

19.35 Uhr: Email vom Obama-Team: „Dringend: Bitte telefonieren. Wir brauchen noch Stimmen in den umkämpften Staaten.“

19.30 Uhr: CNN Exit Polls: Ohio: 51 Prozent Obama, 48 Prozent Romney. North Carolina: 49-49. Guten Zahlen für Obama bisher.

Ohio, Ohio, Ohio, Ohio

19.25 Uhr: Spannung. In fünf Minuten schließen West Virginia, North Carolina und OHIO.

New York Empire States Building zählt live Wahlmännerstimmen mit blauen (Obama) und roten (Romney) Lichter auf der Spitze.

Auch Romney soll eine Siegesrede geschrieben haben. Nicht klar, ob es auch eine Rede im Falle einer Niederlage gibt.

19.18 Uhr: MSNBC gibt Indiana (11) und Kentucky (8) an Romney. Das war zu erwarten.

19.10 Uhr: Erste Zahlen aus Florida: Obama 55 Prozent, Romney 45 Prozent (allerdings erst vier Prozent ausgezählt). Florida könnte eine Vorentscheidung für Obama bringen. Romney lag in den letzten Umfragen immer in Front. Ein Muss-Staat für Romney.

19.02 Uhr: Virginia: 49 zu 49 Prozent – Exit Poll (Wählerumfrage nach Stimmabgabe) von CNN.

19.01 Uhr: CNN gibt Vermont (3 Stimmen) an Obama, Kentucky (8) an Romney. Keine wirkliche Überraschung.

19.00 Uhr: Die Wahllokale in Georgia, South Carolina, Vermont, Teilen Floridas und Virginia schließen. Interessant ist hier nur der erste wichtige Swing State Virginia.

18.50 Uhr: Erster Höhepunkt des Wahlabends. Eine Prognose für den Swing State Virginia – in 10 Minuten.

Präsident Obama soll bereits am Morgen seines Siegesrede geschrieben haben. Und wenn er verliert? Dafür soll es keine Rede geben.

18.15 Uhr: Erster Ärger in Pennsylvania mit Wahlmaschinen. Bei mindestens zwei leuchtete der Name Rommey auf, obwohl für Obama gestimmt wurde.

18.09 Uhr: Die erste Zahl kommt aus Kentucky. Romney 74 Prozent, Obama 24 Prozent (aber erst ein Prozent der Stimmen ausgezählt). Keine wirkliche Überraschung.

18.00 Uhr: Los geht es!

Die ersten Wahlkokale in Indiana und Kentucky schließen. Beide Staaten sind „rot“ und diesmal fest in der Hand der Republikaner. Eine Überraschung ist nicht zu erwarten. Die insgesamt 19 Wahlmännerstimmen werden wohl an Herausforderer Mitt Romney gehen.

Interessant wird es erst in einer Stunde, wenn auch Virginia gewählt hat. Zum Ende des Wahlkampfes konnte Obama hier in Umfragen doch noch zu Romney aufschließen oder ihn gar knapp überholen.

Der Top-Swinger jedoch kommt 30 Minuten nach Virginia, OHIO. Wer hier gewinnt, dürfte auch Präsident werden. Obama hatte bis zuletzt in den Umfragen eine sichere Mehrheit in dem heftig umkämpften Ohio.

Noch am Wahltag ging Romney und sein Running Mate, Paul Ryan, hier in Cleveland auf Stimmenfang. Die Herausforderer wissen, worum es geht: Noch nie gewann ein Republikaner ohne die 18 Wahlmänner aus Ohio die Präsidentschaft. Präsident Obama dagegen blieb am Dienstag cool und spielte mit Freunden und NBA-Champion Scottie Pippen Basketball. Eine Tradition, die ihm bisher Glück gebracht hat.

Neben Ohio schließen um 19.30 auch West Virginia (tief rot) und der Swing States North Carolina, wo Romney im Vorteil ist, ihre Wahllokale. Neben der Top-Trophäe des Abends Ohio könnte auch North Carolina einen Trend, vielleicht sogar eine Vorentscheidung bringen.

Und um 20.00 Uhr folgen bereits die nächsten wichtigen Staaten: Pennsylvania, ein muss für Obama, und die beiden Swing States Florida und New Hampshire. Ist danach die Wahl bereits gelaufen?

7 Gründe, warum Präsident Obama gewinnt, 7 Gründe, warum Mitt Romney gewinnt

Barack Obama gegen Mitt Romney – die Schlacht ist geschlagen. Jetzt haben etwas mehr als 200 Millionen wahlberechtigte US-Bürger die Wahl, wer in den kommenden vier Jahren das Land führen darf. Bleibt es Präsident Obama oder wird Herausforderer Mitt Romney Amerikas neuer Commander-in-Chief.

Die letzten Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bundesweit liegen Obama und Romney mit 49 zu 49 Prozent (CNN) gleich auf. In den neun wichtigen Swing States allerdings hat Obama einen leichten Vorteil, er führt in acht von neun Schlüssel-Staaten vor Romney.

Sieben Gründe, warum Obama Präsident bleiben wird:

  • Obama hat den eindeutig leichteren Weg die notwendigen 270 Wählmänner zu gewinnen. Er hatte während des gesamten Wahlkampfes in den meisten der acht wichtigsten Swing States die Nase vorn. Und so lange der Top-Swinger“, Ohio, Obama-Land bleibt, bleibt er auch Präsident.
  • Hurrikan Sandy hat Obama geholfen. Acht von zehn Amerikaner sind mit seiner Arbeit als Krisenmanager der Nation zufrieden. Noch wichtiger: Die Katastrophe hat das Stimmungshoch von Romney gestoppt.
  • Am Ende des Wahlkampfes hat Obama in Umfragen bundesweit doch noch fast 50 Prozent der Wähler hinter sich. Alles unter 48 Prozent wäre für jeden amtierenden Präsidenten kritisch.
  • Obama ist der Kandidat der Demokraten, daran gab es nie Zweifel. Romney blieb bis zuletzt der ungeliebte Kandidat in seiner eigenen Partei. Wer Obama wählt, will tatsächlich einen Präsidenten Obama. Wer Romney wählt, stimmt gegen Obama und nicht unbedingt für Romney. Um eine Wahl zu gewinnen, ist das zu wenig.
  • Die Arbeitslosenquote ist am Ende doch noch zwei Monate in Folge unter acht Prozent geblieben. Die letzten Zahlen von 171.000 neuen Jobs im Oktober haben Obama geholfen.
  • Obamas Wahlkampf ist besser organisiert als der seines Gegners. Er hat mehr Freiwillige, mehr Büros in den einzelnen Staaten und mehr junge, engagierte Leute hinter sich. Und auch im Internet hat er einen großen Vorteil gegenüber Romney.
  • Obama hat eine Zweidrittel-Mehrheit unter der Gruppe der Latinos. Bei den Frauen konnte Obama ebenfalls seinen Vorsprung halten.

Und sieben Gründe, warum Romney neuer Präsident wird:

  • Noch nie in der Geschichte der USA (Ausnahme ist nur Franklin D. Roosevelt 1936) ist ein Präsident mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 7.4 Prozent wieder gewählt worden. Die aktuelle Quote liegt bei 7.9 Prozent.
  • Eine Mehrheit (51 Prozent) der Amerikaner ist mit der Wirtschaftspolitik von Obama unzufrieden. Romney als Geschäftsmann liegt hier, bei einer weiterhin schwachen US-Wirtschaft, mit fünf Prozent (54 Prozent) vor dem Präsidenten.
  • Das oberste Ziel der Konservativen ist es, Obama abzuwählen und ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Die Wahlbeteiligung unter den Republikaner wird deshalb höher sein als noch vor vier Jahren.
  • Romney hat über den Wahlkampf hinweg eine Mehrheit unter den Partei-Unabhängigen halten können. Eine Gruppe, die die Wahlen entscheiden kann.
  • Obama hat die Wahl durch seinen desaströsen Auftritt in der ersten Debatte am Ende doch noch verloren. Romney konnte sich als wirkliche Alternative präsentieren.
  • Die Dominanz der Weißen unter den Wählern ist am Ende doch höher als die der Latinos und der Frauen.
  • Die Umfragen in den Swing States sind – wie Republikaner behaupten – falsch oder parteiisch und es gibt am Wahlabend eine große Überraschung.

Endspurt im US-Wahlkampf

Drei Tage, neun Staaten – jetzt geht es um alles. Präsident Obama und Mitt Romney versuchen auf den letzten Metern ihres Wahlkampf-Marathons auch noch die letzten Stimmen für sich einzusammeln.

Der Reise-Plan der beiden Kandidaten ist brutal, vor allem der von Obama. Der Präsident wird am Ende eines jeden Tages wohl kaum noch wissen, wo er sich gerade befindet.

Verzweiflung oder Chance? Romney plant Wahlkampf in Pennsylvania

Und eins ist auch klar: Es geht nur noch um die acht oder neun wichtigsten Schlüsselstaaten, die Swing States, die die Wahl am Dienstag entscheiden werden.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Romney für Sonntag einen Event in einem Außenbezirk von Philadelphia, Pennsylvania, angekündigt hat. Dass der „Obama-Staat“ in letzter Minute doch noch zu Romney kippen könnte, ist eher unwahrscheinlich (im Schnitt aller Umfragen führt Obama hier mit 4.6 Prozent).

Präsident Obama mit First Lady Michelle Obama und Bruce Springsteen

Hier die letzten, bisher geplanten Wahlkampf-Events:

Obama:

  • Samstag: Ohio, Wisconsin, Iowa, Virginia
  • Sonntag: New Hampshire, Florida, Ohio, Colorado
  • Montag: Wisconsin, Ohio, Iowa

Vor allem am Tag vor der Wahl am Montag, bietet Obama noch einmal alles auf, was er hat. In Ohio will Obama gleich zweimal (Madison und Columbus) mit Bruce „The Boss“ Springsteen auftreten. In Columbus kommt sogar noch Superstar Jay-Z dazu. Seinen Wahlkampf beenden wird Obama in Des Moines, Iowa, mit First Lady Michelle Obama und erneut Springsteen.

Romney ist ebenfalls auf den letzten Wahlkampf-Metern unterwegs.

Hier seine letzten Termine:

  • Samstag: Iowa, New Hampshire, Colorado
  • Sonntag: Iowa, Ohio, Pennsylvania, Virginia
  • Montag: Florida, Virginia, Ohio, New Hampshire

Den Wahlabend will Obama übrigens nicht im White House, sondern zusammen mit Michelle und den Kinder Sasha und Malia sowie den engsten Beratern und Freunden „Zuhause“ in Chicago verfolgen. Mitt Romney dagegen plant eine Wahlparty in Boston.