Geheimdienste-Bashing: Wie Donald Trump die Sicherheit Amerikas gefährdet

Russlands Präsident Wladimir Putin hat „massiv in den US-Wahlkampf eingegriffen“. Er hat „persönlich angeordnet, den demokratischen Prozess der USA zu untergraben“, die Moskau kritische Hillary Clinton „zu verunglimpfen“ und „ihre Wahlchancen sowie ihre erwartete Präsidentschaft zu beschädigen“.

Julian Assange als williger Helfer von Putin

Auf dessen Webseite Wikileaks wurden von russischen Hackern gestohlene Emails der Demokraten sowie von Clintons Wahlkampfmanager John Potesta veröffentlicht. Putin hatte eine „klare Präferenz für Trump über Clinton“.

Das ist das übereinstimmende Ergebnis der amerikanischen Geheimdienste von CIA, FBI und NSA. (Der deklassifizierte Bericht hier: https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf)

Geheimdienste CIA, FBI, NSA

Amerikas Geheimdienste CIA, FBI und NSA sind sich einig: Russlands Präsident Wladimir Putin hat „massiv in den US-Wahlkampf eingegriffen“ und „persönlich angeordnet, den demokratischen Prozess der USA zu untergraben“.

Zweifel an den Ergebnisse gibt es eigentlich nicht. Die Geheimdienste sprechen von „hoher Sicherheit“. Trump, Assange, Putin wollen den Bericht dennoch nicht glauben. Ein fragwürdiges Dreigestirn, dem einige mehr Vertrauen schenken als den drei Geheimdienstorganisationen der USA. Und das nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Was ist da passiert? Ukraine, Krim, Kriegsverbrechen in Syrien – hat man Putins Taten schon vergessen?

Eingriff von Putin in die US-Wahlen stellt Präsidentschaft von Trump in Frage

Trump muss den Bericht der Geheimdienste anzweifeln und herunterspielen. Das liegt im eigenen Interesse. Der massive Eingriff des Autokraten Putins auf die Wahl stellt seine Präsidentschaft in Frage! Eine Angst, die Trump, so schnell nicht loslassen wird.

Trump, der mehr auf seine Meinung wert legt als auf Fakten, lechzt nach Anerkennung, auch von seinen Gegnern. Es muss ihn täglich auf Tiefste verletzten, dass er sie nicht bekommt.

Dass der künftige Präsident aber seit Tagen CIA, FBI und NSA in seinen Tweets öffentlich als politisch motivierte Deppen darstellt und von einer „Hexenjagd gegen Russland“ spricht, geht über ein gekränktes Ego hinaus. Geheimdienste Bashing ist gefährlich.

Warum sollten sich die Agenten von CIA, FBI und NSA, die nicht selten bei ihren Einsätzen ihr Leben riskieren, bei ihrer Arbeit noch engagieren, wenn ihr Commander-in-Chief sie nicht ernst nimmt und ohnehin alles besser weiß. Hatte Trump nicht für den vergangenen Dienstag „neue Enthüllungen“ über die russische Cyberattacke angekündigt? Wo sind die geblieben? Alles heiße Luft! Wieder einmal.

Geheimdienste Bashing: Trump gefährdet die Sicherheit Amerikas

Der ehemalige CIA-Direktor Michael Morell erwartet aufgrund der Trump Diffamierungen bereits jetzt „eine Welle von Kündigungen“ und damit eine auf Jahre anhaltende Schwächung der Geheimdienste.

In Zeiten des weltweiten agierenden Terrorismus der IS und Al-Qaida eine gefährliche Entwicklung. Wer warnt Trump vor einem neuen 9/11? Was ist, wenn der CIA tatsächlich Hinweise auf einen neuen Anschlag hat? Wird Trump sie ernst nehmen oder will er dann möglicherweise wieder mehr wissen, als die Geheimdienste?

Und was ist mit Nord-Korea, die an dem Bau einer Atomrakete basteln will, die die USA schon bald erreichen könnte? Oder dem Iran mit seinem Streben nach eigenen Atomwaffen? Und Russland? Bei Twitter wird Trump nicht erfahren, was die Terroristen und Diktatoren dieser Welt planen.

Trump schwächt mit seinen fortlaufenden Attacken die Geheimdienste. Und am Ende gefährdet er die Sicherheit Amerikas und der Welt.

Generäle, Milliardäre, Twitter. Und Romney? Wie Donald Trump regieren will

„Man sollte Donald Trump eine Chance geben. Es wird schon nicht so schlimm werden.“ Einer meiner Leser empfahl mir nach meinem Kommentar zum neuen US-Präsidenten sogar mit der „Klugscheißerei“ aufzuhören und erst einmal „sechs Monate in den Urlaub zu gehen“.

Vier Wochen später wissen wir schon mehr darüber wie Trump denkt, wie er regieren will. Einen Grund zur Entwarnung gibt es nicht!

Stimmungsmache auf Twitter

Trump spricht selbst nach seinem Sieg weiterhin von „manipulierten Wahlen“, von zwei Millionen illegalen Stimmen für Hillary Clinton. Ohne die hätte er nicht nur das Electoral College der Bundesstaaten gewonnen, sondern auch die Mehrheit der „popular vote“. Beweise hat Trump nicht. Aber es ärgert ihn, dass Hillary mehr als 2,6 Millionen Wähler mehr gewonnen hat als er.

Auch über die „Lügenpresse“ schimpft Trump weiter, über die New York Times, CNN, generell über alle unliebsamen Journalisten. Wollen die, die von „Lügenpresse“ sprechen, nicht einen anderen Staat?

Konsequenzen fordert Trump in einem Tweet für Demonstranten, die die US-Flagge verbrennen. Er droht, sie ins Gefängnis zu werfen, ihnen die Staatsbürgerschaft wegzunehmen. Er stellt sich damit gegen den Supreme Court und die Verfassung. Das Oberste Gericht erlaubt diesen Protest als freie Meinungsäußerung. Und Amerikanern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, verstößt gegen die US-Constitution.

Alt_pruasdienten schauen Nachfolger

Entsetzen: Amerikas Präsidenten John F. Kennedy, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt, George Washington und Franklin. D. Roosevelt verfolgen im Fernsehen ihren „Nachfolger“ Donald Trump. Quelle: Titelblatt The New Yorker, Februar 2016

Trump-Chefstratege: Leninist, Nationalist, Rechtsextremist

Deutliche Zeichen setzt Donald Trump auch bei der Besetzung der wichtigsten Posten seiner Regierung.

Der gefürchtetste unter ihnen ist Trumps Chefstratege Steve Bannon. Ein Harvard-Absolvent, der die Internetplattform Breitbart zum Sammelbecken der „Alternativen Rechten“ gemacht hat. Rechtsradikale, Neo-Nazis, Antisemiten und Rassisten haben hier ihre Heimat gefunden und feierten Bannons Ernennung mit Hitler-Gruß.

„Ich bin kein weißer Nationalist. Ich bin ein Nationalist“, sagt Bannon über sich selbst. „Finsternis ist gut. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.“ Manchmal vergleicht er sich mit Lenin – einer, der die Regierung von innen zerstören will. „Amerika, fürchte dich“, warnen selbst Republikaner vor Bannon.

Trump-Regierung: Generäle, Milliardäre und ein durchgeknallter Rechter

Hartliner besetzen auch die wichtigsten Ministerposten. Nur beim Außenminister zögert Trump noch. Vier-Sterne-General David Petraeus, Rudy Giuliani und Mitt Romney sind im Gespräch. Letzterer, einst ein erbitterter Trump-Gegner, scheint sich jetzt ins Amt buckeln und kriechen zu wollen. Selbst öffentliche Demütigungen von Trumps Sprecherin können Romneys Anstand und Ehre nicht erschüttern.

David Petraeus wäre der dritte General unter Trump. Auch der künftige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn trägt drei Sterne und gilt als Falke. Der 57-Jährige musste 2014 wegen seines Führungsstils als Chef des Militärgeheimdienstes zurücktreten. Den Islam verallgemeinerte Flynn „als einen Krebs, der sich hinter dem Label einer Religion versteckt“. Mit Russland dagegen pflegt der General dubiose Geschäftsbeziehungen. Während des Wahlkampfes hatte Flynn falsche Nachrichten (Fake-News) und Verschwörungstheorien über Hillary im Internet gestreut. Außenminister Colin Powell, ein Republikaner, nennt Flynn „einen durchgeknallten Rechten“.

General als Verteidigungsminister: „Es macht Spaß, ein paar Leute zu erledigen.“

Im Pentagon setzt Trump auf einen Marine (Slogan: The Few, The Proud – die Wenigen, die Stolzen). Verteidigungsminister James Mattis nennen sie „Mad Dog“, einen „verrücktet Hund“. Der erste General an der Spitze des Pentagons seit George Marshall im Jahr 1950.

Macht es nicht Sinn, die weltweit größte und stärkste Militärmacht von einem Zivilisten führen und kontrollieren zu lassen? Für den Pentagon-General muss sogar das Gesetz umgangen werden. Das schreibt vor, dass Militärs erst sieben Jahre nach ihrem Ausscheiden einen zivilen Regierungsposten einnehmen dürfen. Mattis ist 2013 in Pension gegangen.

Davor leitete der General Kriegseinsätze in Afghanistan und im Irak. Berühmt ist Mattis für Sätze wie: „Es macht Spaß, ein paar Leute zu erledigen.“ Oder: „Sei freundlich, professionell aber habe einen Plan jeden zu erschießen, den du triffst.“ Eine Friedenstaube ist Mattis wirklich nicht.

An Trumps Kabinettstisch sitzt ein Vermögen von 35 Milliarden Dollar

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Ein Titel mit Seltenheitswert

Ein Titel

Ein Titel mit Seltenheitswert. Die New York Post mit einer positiven Meldung zu Michelle Obama. Hat es das überhaupt schon einmal gegeben?

„Yes, Michelle“. Einen solchen Titel der New York Post hat es vermutlich in den gesamten sechs Amtsjahren der Obama-Regierung noch nicht gegeben – eine positive Geschichte über Michelle Obama!

Dabei galt bisher: Post und Obama und die First  Lady – drei Dinge, die einfach nicht zusammen passen. Denn das konservative Blatt zählt zu den härtesten Gegnern der Obama-Regierung und auch der First Lady. Ihre Initiative „Let’s move“, gegen Übergewicht und die steigende Fettsucht unter Kindern in den USA, wird von der Post als Eingriff in das Leben der US-Bürger kritisiert.

Doch die Entführung von mindestens 267 Mädchen im afrikanischen Nigeria durch die radikalislamistische Terrorgruppe Boko Haram hat nicht nur international zur Solidarität mit den Gekidnappten geführt. Auch die Post konnte einmal über ihren Schatten springen und sich mit Michelle Obama verbünden.

MichelleObamaGirlsDas Titelfoto der Post zeigt dabei das Bild, das Michelle Obama am Mittwoch auf ihrem Twitter Account gepostet hatte (links) und bisher mehr als 46.000 Mal retweetet wurde. Die First Lady beteiligt sich mit ihrem Tweet unter dem Hashtag #BringBackOurGirls# an einem internationalen Aufruf, die Mädchen wieder freizulassen.

Twitter-König Obama

Präsident Obama hat 2012 nicht nur das Rennen um das White House gewonnen. Der wiedergewählte US-Commander-in-Chief war auch auf Twitter in diesem Jahr nicht zu schlagen.

Das Foto von Obama und seiner Frau Michelle Obama nach dem Wahlsieg am 6. November mit der Überschrift „Four more Years“ gewann mit großem Abstand in der Kategorie der „am meisten verbreiteten Tweets“. Und das galt nicht nur für das Jahr 2012, sondern in der Geschichte des Kurznachrichten-Dienstes!

Twitter-Rangliste: Präsident Obama vor Justin Bieber und Footballer TJ Land

Mehr als 810.000 Mal wurde das Obama-Sieges-Foto „zurück-gezwitschert“, in den USA und in insgesamt mindestens 200 Ländern. Das Bild wurde zusätzlich mehr als 300.000 Mal als „favorites“ angeklickt.

Four more Years – das Foto, das die meisten Retweets im Jahr 2012 und in der Geschichte des Kurznachrichten-Dienstes Twitter bekam. Mehr als 800.000 Mal wurde das Bild in mehr als 200 Ländern „zurück-gezwitschert“. (Foto: @BarackObama, Twitter)

An zweiter Stelle in der Twitter-Rangliste kam das Foto von Justin Bieber mit der krebskranken Avalanna Routh. Das sechs Jahre alte Mädchen war ein großer Bieber Fan und hatte das Glück ihren Traum auch persönlich zu treffen. Als das Mädchen im September starb, twitterte Superstar Bieber das Foto mit der Überschrift „RIP Avalanna. i love you“. Mehr als 220.000 Retweets zählte Twitter zu diesem Bild und mehr als 100.000 Favorites.

Dritter auf der Twitter-Rangliste wurde der Footballer TJ Lang, der seinen Frust über seine Geldstrafe in weniger als 140 Zeichen zum Ausdruck bringen konnte. Sein Foto mit der Headline „Fuck it NFL. „Fine me and use the money to pay the regular refs.“ hatte 98.000 retweets und 28.000 favorites.

Realität und Wunschdenken

Realität

So sehen Sieger aus: Der wiedergewählte Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama schickten nach ihrem Wahlsieg dieses Foto über Twitter raus. (Foto: @Barack Obama). Es ist Obamas Dankeschön an seine Frau. Das Foto ging um die Welt und wurde bis heute mehr als 794.000 Mal retweeted – Weltrekord!

Und Wunschdenken!

Zu früh gefeiert. Dieses Fotos eines siegreichen Mitt Romney stellte sein Team noch vor der Wahlentscheidung auf die Webseite des Obama-Herausforderers. Taegon Goddard vom Internet-Magazin „Politico“ konnte einen Screenshot machen bevor der möchtegern „President Elect“ Mitt Romney das Foto von seiner Webseite nehmen ließ. Dumm gelaufen! (Foto: Politico)

Internet-Wahlkampf: Entscheiden Twitter, Facebook, Tumblr und Co. die Wahl?

Der Kampf um das White House bleibt bis zum Wahltag spannend. Aktuelle Umfragen sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. In acht Swing States fällt die Entscheidung. Interessant: Drei dieser “Unentschlossenen” sind Florida, Virginia und New Hampshire. Staaten, die Hurrikan “Sandy” diese Woche fest im Griff haben wird. Welchen Einfluss wird die „Oktober-Überraschung“ am Ende über Sieg und Niederlage haben?

Obama gegen Romney: Der Wahlkampf im Internet wird immer wichtiger.

Beiden Kandidaten werden es knapp eine Woche vor den Wahlen in den Swing States der Ostküste schwer haben, ihre Botschaft loszuwerden. Romney hat seine Termine in Virginia bereits absagen müssen und auch Obama hat seine Pläne geändert. Er muss das „Sandy-Zielgebiet“ bereits am Montag wieder verlassen.

Da die Kandidaten vorerst nicht mehr persönlich auftreten können, wird jetzt der Wahlkampf im Internet immer wichtiger. Denn während Obama und Romney im „Sandy“-sicheren Hinterland unterwegs sein müssen, springen Twitter, Facebook, Tumblr und Co. an der Ostküste als digitale Stellvertreter ein. Die “Jungwähler aus den sozialen Netzwerken” sind für Obama ohnehin eine wichtige Säule seiner Wiederwahl.

2008 wählten ihn mehr als 66 Prozent der Wähler zwischen 18 und 29 Jahren ins White House. Und auch wenn er diese Traumquote dieses Mal nicht erreichen wird (aktuell kann er auf 55 Prozent setzen), baut er neben der Wählergruppe der Frauen und Latinos, vor allem auf die “Jungen” und damit auf die Internetnutzer.

Dabei hat Obama im Netz einen riesigen Vorteil gegenüber Romney. Auf Facebook folgen ihm 31,4 Millionen Fans, bei seinem Herausforderer sind es nur bescheidene 11 Millionen. Bei Twitter ist das Verhältnis noch extremer: 21,4 Millionen Followers (Obama) zu 1,6 Millionen (Romney). Dazu kommt eine klare Überlegenheit auf Twitter von Michelle Obama (1,98 Followers) gegenüber Ann Romney (155.000). Auf Facebook liegt die First Lady sogar mit 8,6 Millionen zu 401.000 Fans in Front. Alle Internet-Fans erhalten nicht nur pausenlos die Botschaften ihrer Kandidaten. Sie können sie auch noch im Netz über ihre Freunde und Followers um ein Vielfaches weiterverbreiten.

Der Republikaner Romney hat zwar gegenüber dem Wahlkampf 2008 von John McCain auch digital deutlich zugelegt, doch der Abstand zu Obama bleibt gigantisch. Ohnehin scheint den Republikanern noch immer eine Internet-Strategie zu fehlen: Während Obama digital für 100 Millionen Dollar Werbung schaltet, schafft es Romney bisher nur auf bescheidene fünf Millionen Dollar.

Entscheidet die Internet-Dominanz von Obama die Wahl gegen Romney?

Dabei zeigen die Twitter-Zahlen bei den drei Debatten wie wichtig die sozialen Netzwerke geworden sind. Bei dem desaströsen Auftreten von Obama in Denver twitcherten insgesamt 10,3 Millionen Tweets durchs Netz, bei seinem Comeback in Hempstead waren es 7,2 Millionen Kurzmeldungen und selbst bei der für Amerikaner eher unwichtigen „Thrilla in Boca“ Debatte über die Außenpolitik in Boca Raton zählte Twitter 6,5 Millionen Tweets. Dabei waren bei allen drei Debatten die Obama-Twitterer wesentlich aktiver als die der Konkurrenz. Sie machten Romney mit so genannten hashtags zu “Big Bird”, „Ordner voller Frauen“ und “Pferde und Bajonette” zum Gespött.

Im Schlussspurt des Wahlkampfes hat Obama im Netz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, der sich durch die Naturgewalt “Sandy” noch verstärken wird. Wenn Obama und Romney nicht vor Ort für sich werben können, müssen das Twitter, Facebook, Tumblr und Co übernehmen. Und bei dem erwartet knappen Ausgang könnte die Obama Dominanz im Netz am Ende die Wahl entscheiden.

Palin, Trump und Co. werfen Romneys Wahlkampf-Maschine aus der Bahn

Es war kein guter Tag für Mitt Romney. Anstatt Wahlkampf zu führen, musste sich der Obama-Herausforderer vom republikanischen Schwachsinn seiner „Helfer“ und Parteifreunde distanzieren.

Erst schockierte der Senats-Kandidat der Republikaner in Indiana, Richard Mourdock, mit folgender Aussage die Amerikaner. „Eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung sei so etwas wie ein Geschenk Gottes.“ Deshalb könne er auch in diesem Fall eine Abtreibung nicht befürworten.

Mourdock, ein strikter Abtreibungsgegner, ist nicht der erste Republikaner, der mitten im Romney-Wahlkampf mit dem Thema Abtreibung Schockwellen durch das Land schickte. Im August hatte Todd Akin, der in Missouri als Senats-Kandidat für die Republikaner antritt, behauptet, dass der „weibliche Körper bei einer ‚wirklichen Vergewaltigung‘ die Möglichkeit habe abzuschalten, um so eine Schwangerschaft zu verhindern“.

Sarah Palin mit rassistischem Vorwurf an die Obama-Regierung

Doch es waren nicht nur die Abtreibungsgegner der Partei, die Romney das Leben schwer machten. Sarah Palin, immer gut für eine peinliche Bemerkung, sorgte diesmal mit einem rassistischen Vorwurf gegen die Obama-Regierung für Zündstoff.

Die Ex-Vize-Kandidatin der Republikaner behauptete, „Obama würde beim Angriff auf das libysche US-Konsulat in Bengazi lügen und das Land an der Nase herumführen“. Palin benutzte dabei die rassistischen Begriffe „shuck and jive“. Wörter, die bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Damals wurde „shuck and jive“ benutzt um „lügende, täuschende und herumclownende“ Afro-Amerikaner (damals hießen sie noch Negros) zu diffamieren.

Polit-Clown Donald Trump zweifelt weiter an Obamas Nationalität und schädigt damit den Romney-Wahlkampf

Ja, und dann kam auch noch der Polit-Clown aus New York, dessen Name man gar nicht mehr in den Mund nehmen möchte. Donald Trump, „Ober-Birther, der einfach nicht glauben will, dass Obama in den USA geboren wurde, kündigte „Gigantisches“ an. „Eine Bombe“, die den Wahlausgang beeinflussen könne.

Was es war, wollte der Mann mit dem ungewöhnlichen Haarschnitt nicht verraten. Mit Absicht. Der Selbstdarsteller der Nation wollte Spekulationen auslösen, was ihm auch gelang. Die Ehe von Barack und Michelle Obama sei im Eimer und Trump habe die Scheidungspapiere, lautete ein Gerücht. Dann wurde kolportiert, Obama habe während seines Studiums mit Kokain gehandelt. Wo der Schmutz herkam, keiner wusste es.

Trump freute sich über seine kurzweilig geglückte Diffamierungs-Aktion. Dann erklärte er erneut per Twitter, das „alles falsch“ sei und er um 12.00 Uhr mittags eine Erklärung rausgeben werde. Die kam dann tatsächlich in Form eines Youtube-Video und machte Trump erneut zum Clown, zum Gespött.

Der Immobilien-Milliardär bot Obama einen scheinheiligen Deal an. Er, der Präsident, solle alle persönlichen Dokumente wie Reisepässe und Uni-Abschlüsse rausgeben und er, Trump, werde dann fünf Millionen Dollar an eine gemeinnützige Organisation spenden. Es war ein billiger und durchsichtiger Versuch, erneut Zweifel an Obamas Geburtsort und Nationalität zu streuen.

Wie gesagt, kein guter Tag für Mitt Romney. Mourdock, Palin und Trump ließen seine gutgeölte Wahlkampf-Maschinerie heute kurzfristig entgleisen.

„Thrilla in Boca“ – Analysen zur dritten Debatte. Romney wird zum Twitter-Gespött

Obama hat die dritte Debatte (59.2 Millionen TV-Zuschauer) gewonnen. Daran dürfte es kaum Zweifel geben. Ob es dem Präsidenten aber bei der Wiederwahl helfen wird, ist fraglich. Romney hat keine großen Fehler gemacht, aber auch nicht geglänzt wie in der ersten Debatte. Er hat auf Nummer sicher gespielt.

Was bleibt am Ende hängen von diesem Abend an der Lynn Universität in Boca Raton, Florida: Romneys fehlende Erdkunde-Kenntnisse? Seine Versprecher Irak/Iran oder Assad/Kofi Annan oder doch eher Obamas spöttische Belehrung an Romney, das Militär habe sich verändert und es gebe heute „weniger Pferde und Bajonette“?

Mit dem Spruch des Abends machte Obama Romney gleich wieder zum Gespött in der Twitter-Welt. Nach seinem „Big Bird Angriff“, seinem „Ordner voller Frauen“und jetzt den „horses and bayonets“ steht eins bereits fest: Romney und Twitter werden bis zur Wahl keine Freunde mehr werden!

Obama gegen Romney: Stimmen zum „Thrilla in Boca“:

„Romney hatte nichts Substantielles zur Außenpolitik zu sagen und wirkte oft verloren. Romney klang, als ob er unterstrichene Stellen eines Infos-Textes oder ein Buch für Anfänger über Weltgeschichte gelesen hatte.“ (New York Times)

„Mit 65 hat Romney offenbar gedacht, er müsse nichts mehr lernen. Doch Präsident Obama hat ihn in Sachen Außenpolitik auf die Schulbank gesetzt und unterrichtet. Romney war nicht schlecht, aber er war immer in der Defensive.“ (Robert Simon, Politico.com)

„Obama hat seine Basis bedient. Er war deutlich besser in der Substanz. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sein Auftritt die Wahl entscheiden wird. Romney hat sein Ziel erreicht, für die US-Wähler eine wirkliche Alternative zu sein. Wertung für beide: B+“ (Mark Halperin, Time)

„Nach der episch schwachen Vorstellung in Denver hat sich Obama mit den beiden folgenden Debatten wieder aus dem Loch gezogen. Sein Vorteil in der Außenpolitik wird nicht verschwinden, es wird ihn stärken.“ (Andrew Sullivan, Newsweek)

„Wenn es einen Unterschied zwischen Obama und Romney in ihrer Außenpolitik gegeben hat, habe ich das verpasst.“ (Arianna Huffington)

„Romney wollte nur ‚akzeptabel‘ sein. Er hat keinen Grund gesehen, auf Kritik zu antworten und Alternativen in der Außenpolitik aufzuzeigen.“ (Chuck Todd, MSNBC)

„Wer hätte gedacht, dass die Kandidaten in der dritten Debatte so oft übereinstimmen würden.“ (Washington Post)

Konservative kritisieren Debatten-Auftritt von Romney

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„Einen Ordner voller Frauen“

„Binders full of Women – Wie Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ zum Gespött im Netz wurde. Foto via Twitter

Für die Internetgemeinde gab es nach der zweiten Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney an der Hofstra Universität in Hempstead, New York, nur ein Thema: „Einen Ordner voller Frauen.“ Es war Romneys unbedachte und unglückliche Bemerkung wie er als Gouverneur von Massachusetts bei der Besetzung von Kabinetts-Posten Frauen gesucht hatte.

Auf Twitter überschlugen sich die Tweets und es gab in kurzer Zeit einen so genannten Hashtag, ein Top-Thema (#bindersfullofwomen). Und auch auf Facebook wurde der Republikaner schnell zum Gespött der Netzgemeinde.

Konservative Kommentatoren geben Obama den Sieg über Romney

Doch hatte Romney mit seinem „Ordner voller Frauen“ auch die weiblichen Wähler wieder verloren, die er sich nach der ersten Debatte in Denver gerade erst mühsam erkämpft hatte? Eher nicht.

Dennoch, Romney hat die zweite Debatte (65.6 Millionen Zuschauer) gegen einen angriffslustigen Obama verloren. Darüber waren sich nicht nur die Obama-Anhänger einig, auch die konservativen Kommentatoren gaben die Debatte an Obama. Allerdings knapp.

Charles Krauthammer, Kolumnist: „Wenn wir alle Punkte zusammenzählen, hat Obama nach Punkten gewonnen.“

David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush: „Obama hat gewonnen, aber die Mittelklasse hat verloren.“

Mark Halperin, Time: „Niemand kann sagen, Romney habe diese Debatte gewonnen.

Fred Barnes, Weekly Standard: „Obama zeigte Stärke, aber wird es ihm auch reichen? Ich denke, die erste Debatte ist immer noch die entscheidende.“

Joe Scarborough, MSNBC: „Romney stolperte durch das Thema Libyen. Wenn man bedenkt, wie schlecht Obama das heikle Thema behandelt hat, überrascht mich das. Romney hätte Libyen beherrschen müssen.“

Ron Fournier, National Journal: „Obama hat die Debatte gewonnen, aber ob er auch die unabhängigen Wähler erreicht hat, ist eine andere Frage. Romney konnte kontern und wickelte die miserable Wirtschaft Obama um den Hals.“

Ein 1:1 Unentschieden nach der zweiten Debatte. Das dritte und letzte TV-Duell, „The Thrilla in Boca“, am kommenden Montag in Boca Raton, Florida, muss nun die Entscheidung bringen.

Obama wählt Obama

Michelle Obama und ihr Wahlbrief, den sie bereits drei Wochen vor der Wahl am Montag abgeschickt hat. Foto: Twitter @MichelleObama

Präsidentschafts-Wahlen am 6. November? First Lady Michelle Obama konnte offenbar nicht abwarten, ihre Stimme ihrem Mann zu geben. Am Montag wählte sie Präsident Barack Obama per Brief-Wahl für eine zweite Amtszeit. Obama wählt Obama!

Und damit auch jeder von ihrer Entscheidung erfahren konnte, twitscherte die First Lady auf Twitter ihren 1,84 Millionen Followers diese Botschaft:

Auch Präsident Obama will nicht bis zum letzten Tag warten. Er kündigte ebenfalls über Twitter (20,9 Mio. Followers) an, Michelles Beispiel zu folgen und bereits am 25. Oktober seine Stimme per Briefwahl abzugeben.