7 Gründe, warum Präsident Obama gewinnt, 7 Gründe, warum Mitt Romney gewinnt

Barack Obama gegen Mitt Romney – die Schlacht ist geschlagen. Jetzt haben etwas mehr als 200 Millionen wahlberechtigte US-Bürger die Wahl, wer in den kommenden vier Jahren das Land führen darf. Bleibt es Präsident Obama oder wird Herausforderer Mitt Romney Amerikas neuer Commander-in-Chief.

Die letzten Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bundesweit liegen Obama und Romney mit 49 zu 49 Prozent (CNN) gleich auf. In den neun wichtigen Swing States allerdings hat Obama einen leichten Vorteil, er führt in acht von neun Schlüssel-Staaten vor Romney.

Sieben Gründe, warum Obama Präsident bleiben wird:

  • Obama hat den eindeutig leichteren Weg die notwendigen 270 Wählmänner zu gewinnen. Er hatte während des gesamten Wahlkampfes in den meisten der acht wichtigsten Swing States die Nase vorn. Und so lange der Top-Swinger“, Ohio, Obama-Land bleibt, bleibt er auch Präsident.
  • Hurrikan Sandy hat Obama geholfen. Acht von zehn Amerikaner sind mit seiner Arbeit als Krisenmanager der Nation zufrieden. Noch wichtiger: Die Katastrophe hat das Stimmungshoch von Romney gestoppt.
  • Am Ende des Wahlkampfes hat Obama in Umfragen bundesweit doch noch fast 50 Prozent der Wähler hinter sich. Alles unter 48 Prozent wäre für jeden amtierenden Präsidenten kritisch.
  • Obama ist der Kandidat der Demokraten, daran gab es nie Zweifel. Romney blieb bis zuletzt der ungeliebte Kandidat in seiner eigenen Partei. Wer Obama wählt, will tatsächlich einen Präsidenten Obama. Wer Romney wählt, stimmt gegen Obama und nicht unbedingt für Romney. Um eine Wahl zu gewinnen, ist das zu wenig.
  • Die Arbeitslosenquote ist am Ende doch noch zwei Monate in Folge unter acht Prozent geblieben. Die letzten Zahlen von 171.000 neuen Jobs im Oktober haben Obama geholfen.
  • Obamas Wahlkampf ist besser organisiert als der seines Gegners. Er hat mehr Freiwillige, mehr Büros in den einzelnen Staaten und mehr junge, engagierte Leute hinter sich. Und auch im Internet hat er einen großen Vorteil gegenüber Romney.
  • Obama hat eine Zweidrittel-Mehrheit unter der Gruppe der Latinos. Bei den Frauen konnte Obama ebenfalls seinen Vorsprung halten.

Und sieben Gründe, warum Romney neuer Präsident wird:

  • Noch nie in der Geschichte der USA (Ausnahme ist nur Franklin D. Roosevelt 1936) ist ein Präsident mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 7.4 Prozent wieder gewählt worden. Die aktuelle Quote liegt bei 7.9 Prozent.
  • Eine Mehrheit (51 Prozent) der Amerikaner ist mit der Wirtschaftspolitik von Obama unzufrieden. Romney als Geschäftsmann liegt hier, bei einer weiterhin schwachen US-Wirtschaft, mit fünf Prozent (54 Prozent) vor dem Präsidenten.
  • Das oberste Ziel der Konservativen ist es, Obama abzuwählen und ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Die Wahlbeteiligung unter den Republikaner wird deshalb höher sein als noch vor vier Jahren.
  • Romney hat über den Wahlkampf hinweg eine Mehrheit unter den Partei-Unabhängigen halten können. Eine Gruppe, die die Wahlen entscheiden kann.
  • Obama hat die Wahl durch seinen desaströsen Auftritt in der ersten Debatte am Ende doch noch verloren. Romney konnte sich als wirkliche Alternative präsentieren.
  • Die Dominanz der Weißen unter den Wählern ist am Ende doch höher als die der Latinos und der Frauen.
  • Die Umfragen in den Swing States sind – wie Republikaner behaupten – falsch oder parteiisch und es gibt am Wahlabend eine große Überraschung.

US-Politik direkt Leser-Umfrage: 70 Prozent glauben, Obama wird erneut US-Präsident!

Obama gewinnt seine Wiederwahl und wird erneut US-Präsident! Herausforderer Mitt Romney kann die Wahl nicht gewinnen und liegt abgeschlagen hinter dem Amtsinhaber.

Umfrage: 70 Prozent für Obama, 29 Prozent für Romney

Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage des Blogs „US-Politik direkt“. Danach glauben wenige Tage vor den Wahlen mehr als 70 Prozent der Leser an einen Sieg von Präsident Obama. Etwas weniger als jeder Dritte (29 Prozent) dagegen sieht den Republikaner Mitt Romney als neuen Chef im White House.

 

Am Dienstag haben dann etwa 207 Millionen wahlberechtigte US-Bürger die Qual der Wahl. Sie werden entscheiden müssen, wer Amerika in den kommenden vier Jahren führen darf. Nach letzten Umfragen scheint es bis zum letzten Tag ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney zu bleiben.

Ich bedanke mich bei meinen zahlreichen Lesern, die sich an der Umfrage von „US-Politik direkt“ beteiligt haben.

Der „Thrilla in Boca“ – die dritte und entscheidende Debatte in Florida

Runde drei im Fernseh-Duell zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney.  Am heutigen Montag (21.00 Uhr Ortszeit) kommt es in Boca Raton, Florida, zum “Thrilla in Boca”. Die wichtigte und für viele Beobachter wahlentscheidende Debatte im Präsidentschaftswahlkampf 2012. „Do or Die“, punkten oder sterben, lautet die Devise nach dem 1:1 aus den letzten beiden Debatten diesmal für die Kandidaten.

Nach dem desaströsen Auftritt von Obama beim ersten Showdown in Denver und seinem überzeugenden Sieg im zweiten TV-Duell (Gallup gibt die zweite Debatte mit 51 zu 38 Prozent an Obama), gilt es für beide den entscheidenden Treffer zum 2:1 Gesamtsieg zu landen.  Das Thema ist diesmal die Außenpolitik. Obama ist da eigentlich im Vorteil. Doch trotz seiner Erfolge ist es auch ein gefährliches Plaster für ihn.

Einerseits kann der Präsident mit dem Ende des Irak-Kriegs, dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und der geglückten Militär-Aktion gegen Osama bin Laden seine Stärke zeigen, anderseits ist er durch den immer noch nicht geklärten Anschlag in Libyen mit vier toten US-Diplomaten, sein Nicht-Treffen mit Israels Primeminister Benjamin Netanyahu bei der UN in New York sowie seine für viele Amerikaner lasche Iran-Politik angreifbar.

Obama gegen Romney – noch nie waren Debatten so wichtig wie im Wahlkampf 2012

Mitt Romney dagegen dürfte wegen seiner peinlichen Auftritte auf seiner einzigen Europa-Reise während des Wahlkampfes genügend Angriffsfläche für Obama bieten. Dazu wird ihn der Amtsinhaber auf Details seiner Iran-Politik (will Romney einen Krieg?) sowie seiner Stellung zu Afghanistan und China festnageln.

Beide Lager bereiten sich erneut seit Samstag in Boot-Camp-Manier auf das Duell vor. Obama in Camp David, Romney in Boca Raton, Florida. Und das mit gutem Grund. Nie zuvor haben Debatten eine so wichtige und entscheidende Rolle gespielt wie in diesem Wahljahr. Lag Obama vor dem ersten TV-Duell scheinbar uneinholbar vorne, drehte sich das Blatt plötzlich nach dem überzeugenden Auftritt von Mitt Romney. Obama konnte die Schmach von Denver erst eine Woche später bei der zweiten Debatte in Hempstead, New York, wieder wettmachen.

Wahlkampf: Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum letzten Tag

Seinen großen Vorsprung jedoch scheint Obama durch das Denver-Desaster verloren zu haben. Laut Gallup lag Romney Mitte der Woche sogar bundesweit mit 51 zu 45 Prozent in Front. Eine Umfrage von Rasmussen korrigierte diese deutlich Führung jedoch einen Tag später: Danach lag Romney nur noch mit einem Prozent (49 zu 48 Prozent) in Front. Und am Wochenende sah Reuters/Ipsos Obama wieder mit 46 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer.

Etwas entspannter für Obama scheint die Situation in den wichtigen Swing States Iowa, Wisconsin, Nevada und Ohio (Staaten, die ihn zum Präsidenten machen würden) zu sein, wo der Amtsinhaber seine Führung ausbauen oder verteidigen kann. Doch alles in allem ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Jeder Fehler bei der dritten Debatte könnte die Entscheidung auf der Zielgerade des Wahlkampfes bringen. Der “Thrilla in Boca” ist wirklich ein Gänsehaut-Kampf.

Kann Obama die Wahl verlieren?

Das Obama-Desaster: In Anlehnung an die Stuhl-Nummer von Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner spottet das Magazin „The New Yorker“ auf seinem aktuellen Titel über den Auftritt von Präsident Obama im ersten TV-Duell mit Herausforderer Mitt Romney.

Panik im Obama-Lager!

Das Debatten-Desaster scheint für Obama verheerende Folgen zu haben. Der sicher geglaubte Sieg am 6. November ist wieder in Frage gestellt. Die Umfragen haben sich gedreht. Nicht mehr der Amtsinhaber liegt deutlich vorne, sondern Herausforderer Mitt Romney. Verunsicherte Präsidenten-Anhänger fragen bereits: Kann Obama die Wahl verlieren?

Yes, he can! Insgesamt 49 Prozent der „wahrscheinlichen US-Wähler“ (likely voters) wollen aktuell Mitt Romney ihre Stimme geben aber nur noch 45 Prozent Obama. Das haben die Meinungsforscher des Pew Research Center ermittelt. Vor der TV-Duell-Katastrophe führte Obama noch mit 51 zu 43 Prozent. Und auch CNN sieht Romney in seinen Befragungen vorne, mit 48 zu 47 Prozent jedoch denkbar knapp. Doch es ist ein Kreuz mit den Umfragen. Unter „allen registrierten Wählern“ hat Obama laut CNN noch immer einen Vorsprung von 49 zu 46 Prozent. Ein Hoffnungsschimmer für die Demokraten?

Diese bundesweiten Zahlen sind bisher nur ein Trend. Entschieden wird bekanntlich in den Swing States und da sieht es etwas besser aus für Obama, auch wenn er auch hier seine deutliche Führung verloren hat. In Ohio führt Obama noch mit vier, in Virginia mit drei und in Wisconsin mit zwei Punkten. In Florida und North Carolina hat dagegen Romney mit zwei, respektive sieben Punkten die Nase vorn. Noch allerdings reicht es für Obama. Noch!

Im Moment spricht der Trend gegen Obama. Doch Grund zum Verzweifeln wie Newsweek Autor und Obama-Fan, Andrew Sullivan („Niederschmetternd“), gibt es eigentlich noch nicht. Am Donnerstag steigt Vize-Präsident Joe Biden gegen Romneys Stellvertreter Paul Ryan in den Debatten-Ring. Da kann sich die Stimmung schon wieder drehen.

Am 16. Oktober und 22. Oktober kommt es dann zum zweiten und dritten Showdown zwischen Obama und Romney. Zwei TV-Duelle, in denen der Präsident die Schmach von Denver wieder wettmachen kann. Diese Chancen sollte er allerdings nutzen, ansonsten gibt es wirklich Grund zur Panik. Denn geht Obama auch bei diesen beiden Debatten unter, kann ihn vermutlich nur noch Big Bird retten.

Hoffnungträger Joe Biden

Nach dem Obama-Desaster beim ersten Fernseh-Duell mit einem überzeugendem Herausforderer Mitt Romney hofft der US-Präsident jetzt auf seinen Vize: Joe Biden soll es richten. Ausgerechnet Joe Biden!

Amerikas Vize-Präsident gilt gemeinhin als Unsicherheitsfaktor im Wahlkampf und wird nicht selten zur unfreiwilligen Geheimwaffe der Gegenseite. Der 69-Jährige ist beliebt aber auch bekannt als “Plappermaul” und immer gut für einen echten Klopper. Zuletzt “beerdigte” Biden in einer Rede die “Mittelklasse”, vergaß dabei aber die Republikaner als Schuldige anzuprangern.

Nun also Biden. An diesem Donnerstag trifft sich der Obama-Stellvertreter zum ersten und einzigen Fernseh-Duell mit dem Romney Vize-Kandidaten Paul Ryan in Danville, Kentucky. Der Druck auf die beiden ist enorm: Biden muss seinen schwachen Chef Obama aus dem Stimmungstief rausholen und das Romney-Ryan Ticket als Katastrophe für das Land anprangern. Ryans Ziel dagegen ist es, einen zweiten Sieg für die Republikaner einzufahren.

Joe Biden und Paul Ryan: Intensives Trainingscamp für TV-Debatte

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

“Ich möchte sicher gehen, das mein Gegenüber nicht sagt, dass seine Position auf einmal nicht mehr seine Position ist”, begründete der Polit-Profi Biden seine Vorbereitung. Romney wurde nach der Debatte vorgeworfen, seine Positionen einfach geändert und Obama damit aus dem Konzept gebracht zu haben. Wahlkampf-Lügen schimpften die Romney-Gegner.

Ein Sieg von Joe Biden gegen Paul Ryan ist bitter nötig

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung. Rücksicht wie gegen Palin muss Biden diesmal nicht nehmen. Niemand wird Mitleid für Ryan empfinden, wenn ihn der Vize-Präsident an die Wand spielen würde.

Ein Erfolg von Biden ist für das Obama-Lager sehr wichtig geworden. Durch Obamas desaströsen Auftritt am 3. Oktober ist der schon sicher geglaubte Sieg des Obama-Biden Tickets wieder in Gefahr. Bundesweit hat Obama nach einer Blitzumfrage nach der Debatte seinen klaren Vorsprung fast komplett eingebüßt. Der Amtsinhaber führt nur noch mit 47 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Und auch in den wichtigen Swing States ist der deutliche Vorsprung dahin. In Ohio führt Obama nur noch mit zwei und in Colorado mit noch einem Punkt. In Virginia sind die beiden gleich auf. Aber in Florida hat Romney mit einem Punkt und in North Carolina sogar mit drei Punkten jetzt die Nase vorne.

Obama gegen Romney – können Fernseh-Duelle die Wahl wirklich entscheiden?

TV-Duell: Obama gegen Romney. Was alles bei den Präsidentschafts-Debatten passieren kann. Die besten Momente aus den Jahren 1960 bis 2004 von CNN, AC 360.

Die Kommentatoren sind sich einig: Die erste Fernseh-Debatte zwischen Präsident Obama und Mitt Romney könnte eine der letzten Chancen für den Herausforderer sein. „Do or die“! heißt es für Romney. Entweder er gewinnt oder er ist erledigt.

Doch können TV-Duelle die Wahl wirklich entscheiden? Nach einer Gallup-Studie haben das zwischen 1960 und 2000 statistisch gesehen nur zwei geschafft: Die erste Fernseh-Debatte überhaupt, 1960 zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon, sowie im Jahr 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush.

Kennedy konnte dabei durch sein jugendliches Auftreten gegen den nervösen und schwitzenden Nixon das Fernsehen zu seinem Vorteil nutzen. Vor der Debatte waren beide in Umfragen noch gleich auf, danach lag JFK vier Punkte in Front und gab seine Führung nicht mehr ab. Im Jahr 2000 dagegen führte Gore mit acht Punkten vor George W. Bush und verlor durch die drei Debatten seinen Vorsprung. Gore zeigte sich als Besserwisser (was er vermutlich sogar war), rollte seine Augen und stöhnte hörbar genervt über die Antworten von Bush.

TV-Duelle: Die Verlierer und Gewinner

Doch es gab andere denkwürdige Momente. Als Gerald Ford 1976 in der Debatte gegen George Bush Senior eine „russische Vorherrschaft in Osteuropa“ leugnete, kostete ihn dieser Klopper letztendlich die Wahl. Bush Senior dagegen strauchelte als er bei seinem Duell mit Bill Clinton und Ross Perot demonstrativ auf seine Uhr schaute. Und auch für Michael Dukakis war eine Debatte das Ende seiner Träume. Als er gefragt wurde, ob er die Todesstrafe fordern würde, wenn seine Frau vergewaltigt und ermordet würde, antworte der Todesstrafengegner Dukakis aus seiner Überzeugung heraus mit nein. Die TV-Zuschauer legten ihm das als kalt und herzlos aus.

Ronald Reagan der Meister der Fernseh-Debatten

Doch es gibt auch ein positives Beispiel: Ronald Reagan. Als Jimmy Carter 1980 versuchte, Reagan als Extremisten darzustellen, konterte dieser mit den Worten: „There you go again.“ (Geht das schon wieder los). Und bei seinem zweiten Duell 1984 gegen Walter Mondale (56) reagierte der 73-jährige Reagan auf die Frage seines Alters selbstbewusst: „Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners aus rein politischen Motiven heraus nicht zum Thema machen.“ Reagan gewann beide Debatten und beide Wahlen.

US-Wahlen: Das Kreuz mit den Umfragen

Wenigstens bei den Farben sind sie sich einig – blau und hellblau für Obama, rot und hellrot für Romney sowie gelb für Swing States und „noch nicht entschieden“. Doch ansonsten scheint die Huffington Post und Karl Rove bei ihren Umfragen unterschiedliche Wählergruppen zu befragen. Oder?

Wie sonst sind die gravierenden Unterschiede der beiden Polls zu erklären. Oder hat es etwa mit der politischen Richtung der beiden Internetportale zu tun? Die HuffPo eher links, Karl Rove ganz sicher rechts! Sind Umfragen nicht wissenschaftlich durchgeführte Befragungen? Oder interviewt Rove ganz gezielt nur oder zumindest mehrheitlich Konservative und die HuffPo nur Liberale und Linke?

Wahl-Umfragen als Stimmungmache

Schauen wir uns einmal die beiden Umfragen an. Nach der HuffPo darf sich Obama mit 332 Wahlmännerstimmen (270 sind nur für den Sieg nötig) auf einen Erdrutschsieg freuen. Romney mit bescheidenen 191 Stimmen wird dagegen eine der schwersten Niederlagen in der Geschichte der Republikaner erleiden. Swing States findet man bei der HuffPo kaum noch, einzig North Carolina ist übrig geblieben.

Erdrutschsieg für Präsident Obama (332 Wahlmänner aus den blauen und hellblauen Staaten) und eine schwere Niederlage für Mitt Romney (191 Stimmen aus den roten und hellroten Staaten)? So sieht die Huffington Post den aktuellen Stand bei den Umfragen. Nur noch North Carolina (gelb) ist ein Swing States. (Screenshot Huffington Post, Stand 27.09.12)

Ganz anders dagegen Karl Rove, einst George W. Bushs Wahlkampf-Manager und ein Genie in Sachen Umfragen. Hat er seine einstige Begabung, Wahlen halbwegs korrekt vorherzusagen noch oder sind seine Ergebnisse nur so rot eingefärbt, um die Hoffnung für Romney hochzuhalten?

Der Wahlausgang ist noch völlig offen? Karl Rove glaubt laut seinen Umfragen noch an acht Swing States mit 100 Wahlmänner-Stimmen (gelb), die Mitt Romney gewinnen kann. Damit könnte er Präsident Obama doch noch schlagen. Wunschdenken eines Konservativen oder die Genialität eines erfolgreichen Ex-Wahlkampf-Managers? (Foto: www.rove.com, Stand 27.09.12)

Dabei hatte Rove vor ein paar Monaten für Romney noch ein ziemlich düsteres Bild gemalt. Das scheint sich geändert zu haben, obwohl selbst ein Rove eingestehen muss, dass Romney deutlich zurückliegt. Doch „Bushs Hirn“ macht auf positiv und hofft noch auf insgesamt acht Swing States.

Roves Kommentar zu seiner aktuellen Wahlmänner-Karte: „Sieben Staaten haben sich in der vergangenen Woche verändert, vier in die Richtung von Romney aber nur drei zu Obama. Obama hat nur noch 196 sichere Wahlmänner mit vier Staaten (51 Stimmen), die zu Obama tendieren. Romney hat seine sicheren Stimmen auf 159 erhöht und hat 32 Stimmen, die wahrscheinlich zu ihm gehen werden.“

Wie gesagt, Rove macht in Optimismus. Rechnet man die Stimmen der sicheren und eigentlich sicheren aber einmal zusammen (Obama 247, Romney 191) sieht es auch bei Karl Rove eher düster für den Herausforderer aus. Obama fehlen nur noch 23 Stimmen (Florida würde zum Sieg reichen) Rommey dagegen 79. Der Republikaner müsste schon die Karte der Swing States fast komplett abräumen. Aber ist das zu erwarten?

US-Politik direkt Umfrage: Republikaner Romney ohne Chancen auf den Wahlsieg

Es war keine gute Woche für Mitt Romney. Erst kritisierten Amerikas Konservative ihren eigenen Kandidaten wegen dessen Wahlkampfführung und der vorschnellen Schelte an Obamas Nahost-Politik. Und dann trat der Herausforderer auch noch in den „47 Prozent Fettnapf“.

In einem heimlich gefilmten Video hatte Romney 47 Prozent der US-Bürger als „Schmarotzer“ beschimpft und behauptet, dass sich diese als „Opfer“ fühlten, vom Staat abhängig seien und entsprechend Obama wählen müssten. Ein Video, das ihn selbst nach Meinung vieler seiner Parteifreunde die Wahl kosten könnte.

US-Politik direkt Umfrage: Romney ist bereits geschlagen

Auch die Leser von „US-Politik direkt“ glauben nach einer Umfrage mehrheitlich (55 Prozent), dass Romney wegen des Videos bei den Präsidentschafts-Wahlen „keine Chance mehr hat“. Nur knapp jeder Zehnte ist der Meinung, dass der Kandidat „noch die Wende schafft“, während 33 Prozent denken, dass „das Video keinen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen“ haben wird. Keine guten Zahlen also für Romney.

 

Wie schlecht es im Moment um den Obama-Herausforderer steht, zeigen auch die jüngsten Umfragen. Selbst der Romney freundliche TV-Sender FoxNews sieht den Kandidaten deutlich hinter Obama. In sechs wichtigen und wahlentscheidenden Swing States hat der Präsident (+5 in Florida, +7 in Ohio, +7 in Virginia, +8 in Iowa, +5 in Colorado und +5 Prozent in Wisconsin) einen deutlichen Vorsprung vor Romney.

Schon fürchten Amerikas Konservative um ihr Minimalziel, die Abwahl von Obama. Sie sind unzufrieden, schimpfen und halten sich mit Kritik an Romney nicht mehr zurück. Die Republikaner fordern mehr Kampfeswillen und mehr Einsatz ihres Kandidaten. Der verspricht zwar Besserung, doch bei kaum noch 40 Tagen bis zur Wahl könnte es für Romney bereits zu spät sein.

Die Stimmung ist gegen Romney. Daran konnte auch die seit langem geforderte Herausgabe seiner Steuererklärung von 2011 nichts ändern. Als Romney seine Abgaben an den Fiskus veröffentlichte (knapp 14 Prozent), gab es gleich wieder eine Peinlichkeit. Denn um nicht unter einen Steuersatz von 13 Prozent zu fallen, hatte Romney nicht alle Abschreibungen, die ihm zustanden, angegeben. Seine Gegner kritisierten das sofort als „Fälschung“. Aber auch die eigenen Parteifreunde verstanden die Trickserei nicht.

Romney steckt in einem Tief, aus dem er sich nur schwer wieder herausziehen kann. In einer weiteren Umfrage vom Wochenende erklärten „50 Prozent der Wähler“, dass sie den Kandidaten der Republikaner „nicht mögen“. Romney ist damit der unbeliebteste Kandidat seit Mike Dukakis 1988.

US-Politik direkt-Umfrage: Clinton deutlich vor Michelle und Barack Obama

Ex-Präsident Bill Clinton hat auf dem Parteitag der Demokraten die beste Rede gehalten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von „US-Politik direkt“. Auf Platz zwei landete First Lady Michelle Obama noch vor ihrem Mann, Präsident Barack Obama.

Das Ergebnis fiel deutlich aus. Mehr als 54 Prozent der Leserinnen und Leser votierten für die brillante und politische Rede von Clinton. Die First Lady bekam für ihre Herzensansprache 36 Prozent der Stimmen, während Präsident Obama abgeschlagen mit nur knapp neun Prozent auf dem dritten und damit letzten Platz landete.

Doch der eher schwache Auftritt von Obama, den 35,7 Millionen Zuschauer (vor vier Jahren waren es noch 38,4 Millionen) live verfolgt hatten, scheint dem US-Präsidenten nicht geschadet zu haben. In einer Gallup-Blitzumfrage, die nach dem Parteitag durchgeführt wurde, legte der Präsident bundesweit deutlich zu und führt jetzt mit 48 zu 45 Prozent vor seinem Herausforderer Romney. Vor dem Parteitag waren sie noch gleichauf. Ein Trend, den auch die Meinungsforscher von Ipsos bestätigen. Danach liegt der Amtsinhaber mit 46 zu 44 Prozent vor dem Kandidaten der Republikaner.

Noch deutlicher wird der Erfolg bei der Frage, wie sehr man mit der Arbeit von Obama zufrieden sei. Hier konnte der Präsident sogar einen Sprung von sieben Prozent machen. 52 Prozent der Amerikaner sind mit ihm zufrieden, vor der Convention in Charlotte waren es nur 45 Prozent. Zuletzt bekam Obama solche Werte nach der Tötung von Osama bin Laden. Herausforderer Romney liegt bei 43 Prozent und damit neun Punkte zurück.

Der Grund für die guten Zahlen ist sicherlich der Parteitag der Demokraten, der von Kommentatoren als Riesenerfolg bewertet wird. Auch die eher magere Obama-Rede konnte an dem positiven Eindruck nichts ändern.

Ist die Wahl damit entschieden? Das wohl nicht. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen waren für Obama nicht gut. Und mit einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent ist in Amerika noch kein Präsident wiedergewählt wurde.

Obama muss weiter kämpfen – nächster Großschauplatz sind die drei TV-Debatten im Herbst. Spätestens dann entscheidet sich die Wahl.

Obamas Angst vor den Couch Potatoes

Jetzt mache ich mir doch ein wenig Sorgen um die Wiederwahl von Obama. Nicht, dass der Präsident einen schweren Fehler gemacht oder Romney auf einmal seine Farblosigkeit mit Inspiration und sprühendem Enthusiasmus getauscht hat. Nein, es sind die jüngsten Umfragen, die mich nachdenklich machen. Sind sind einfach viel zu gut für Obama!

Knapp 90 Tage vor der Wahl im November hat der Amtsinhaber gegenüber seinem republikanischen Konkurrenten einen Vorsprung von bundesweit zwischen sieben und neun Prozent. 52 Prozent der US-Bürger würden laut einer CNN-Umfrage für Obama stimmen und nur noch 45 Prozent für Romney. Selbst Fox News, die nun wirklich alles versuchen, um Romney zum Präsidenten zu machen, sieht ihren Kandidaten zurzeit ohne Chance. 49 zu 40 Prozent lautet das vernichtende Urteil des konservativen TV-Senders.

Besonders deutlich ist der Vorsprung bei der wahlentscheidenden Gruppe der Unabhängigen. Dort liegt Obama mit 53 zu 42 Prozent gleich mit elf Prozent (CNN und Fox News) in Front. Nicht, dass die bundesweiten Zahlen am Ende entscheidend sein werden. Die Wahl wird bekanntlich in den einzelnen Bundesstaaten entschieden. Doch auch bei diesem Vergleich hat Obama klar die Nase vor. In sieben der wichtigsten acht Swing States, darunter Ohio, Virginia und Florida, führt Obama. Nur in North Carolina liegt Romney vorne. Noch.

Die Zahlen machen nervös. So früh im Wahlkampf ein so deutlicher Vorsprung, kann schnell den Eindruck vermitteln, der Kampf ums White House sei bereits entschieden. Die Demokraten und vor allem die, die von Obama enttäuscht sind, könnten zu dem falschen Schluss kommen, dass sie am 5. November nicht mehr zur Wahl gehen müssen. Ganz nach dem Motto: „Obama braucht meine Stimme nicht, er gewinnt auch ohne sie.“ Es wäre eine fatale Entwicklung, denn die Republikaner sind trotz ihres schwachen Kandidaten motiviert genug, Obama abzuwählen.

Die Umfragewerte sind gut und gleichzeitig nicht gut für Obama. Auch im White House dürften die Alarmglocken geläutet haben. Die Angst vor den Stubenhockern, den Couch Potatoes ist groß. Es wäre besser, wenn es bis zur Wahl eher knapp bleiben würde. Sonst verliert Obama noch, nur weil seine Anhänger sich zu sicher sind und lieber Zuhause bleiben.