Der Wahlkampf ist zu Ende. Endlich! Es war unerträglich!

Ich habe fünf Präsidentschaftswahlen in den USA erlebt. Und nicht gedacht, dass es noch schmutziger geht als in den Jahren zuvor. Ich habe mich getäuscht.

80 Prozent der US-Bürger fanden den Wahlkampf „widerlich“ – Recht haben sie!

Noch nie wurde beim Kampf um das White House so viel gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Fakten verdreht und die Wähler verarscht. Melanie Trump will sich als First Lady gegen Mobbing im Internet einsetzen. Spätestens danach hätte es auch dem letzten US-Bürger auffallen müssen, dass er für dumm verkauft wird.

Hillary Clinton ist an der Schlammschlacht nicht unschuldig. Auch sie hat kräftig ausgeteilt. Auch sie hat in Debatten gelogen, Halbwahrheiten verbreitet, Dinge zu ihrem Gunsten zurechtgebogen. Doch dass es so schlimm werden sollte, hat Donald Trump zu verantworten.

Es hat noch nie einen Präsidentschaftskandidaten gegeben, der so viele Gruppen an Menschen seines eigenen Landes diffamiert und beleidigt hat: Mexikaner, Moslems, Behinderte, Kriegshelden und Frauen.

Wer das leugnet, lebt in einer anderen, in einer Trump-Welt.

Die Wähler sind angewidert und wenden sich von der Politik ab. Wer will sich in einem Umfeld, wo es längst nicht mehr um Fakten geht oder um bessere Argumente, noch engagieren?

Die Sorge, dass eine immer kleinere Politkaste die Dinge bestimmt, wird sich weiter verstärken. Für eine Demokratie ist das auf Dauer tödlich. Die Radikalen werden das nutzen.

Am Dienstag wird einer an Schmutz hoffentlich nie mehr zu überbietender Wahlkampf einen Gewinner hervorbringen. Ich glaube nicht an einen knappen Sieg, an Nachzählungen, die sich über Wochen hinziehen werden. Es wird eine klare Entscheidung geben.

Eine sehr optimistische Prognose der LA Times

Eine sehr optimistische, letzte Prognose der Los Angeles Times. Danach gewinnt Clinton mit Ohio, Florida und North Carolina alle drei der wichtigsten Swing States. Erstaunlich: Das Blatt hatte in seinen nationalen Umfragen in den vergangenen Wochen immer Trump vor Clinton, zuletzt noch am Montag mit 48%-43% (Screenshot: LA Times)

Doch egal ob es Hillary Clinton schafft oder Donald Trump eine Sensation gelingt. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Spätestens in drei Jahren geht es wieder los. Ein kaum zu ertragender Gedanke!

Donald Trump wird die Wahl nicht anerkennen – die Republikaner sich weiter spalten. Wird House-Sprecher Paul Ryan zurücktreten?

Donald Trump wird das Ergebnis nicht akzeptieren. Er wird von „rigged Election“ sprechen, von „manipulierten Wahlen“. Ein Demokrat und Patriot würde sich anders verhalten.

Einige Enttäuschte werden durchdrehen. Am Ende werden aber die Milizen des Landes nur heiße Luft versprühen. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein paar Wahnsinnige in Tarnkleidung aus Georgia, von denen die New York Times berichtet, Washington angreifen wird.

Die Republikaner werden sich weiter spalten: In Trump-Anhänger und Gegner. House-Sprecher Paul Ryan wird die Partei nicht zusammenhalten können. Und am Ende zurücktreten? Er wollte den Posten ohnehin nie.

Der Rücktritt von FBI-Chef James Comey ist überfällig

Die Trumpisten und Falken unter den Republikanern werden Hillary jagen. Die E-Mail-Affäre wird sie bis ins Oval Office verfolgen. Es wird weitere Posts geben, vielleicht sogar neue Ermittlungen. Allerdings nicht von FBI-Chef James Comey. Nach seinem aktiven Eingreifen in den Wahlkampf ist sein Rücktritt überfällig.

Die Republikaner werden Untersuchungsausschüsse einrichten, es wird Vorladungen geben, Zeugenbefragungen. Sie werden versuchen, Hillary zum Rücktritt zu zwingen. Nur ein Sieg der Demokraten im Senat könnte ein Impeachment-Verfahren verhindern.

Hillary geht geschwächt ins Oval Office. Eine zweite Amtszeit wird es nicht geben

Hillary selbst wird angeschlagen ins Oval Office einziehen. Die Hälfte der Amerikaner traut ihr nicht. Die E-Mail-Affäre, so klein sie bisher im Vergleich zu Nixons Watergate oder Reagans Iran-Contra-Affäre auch ist, hat dieses Misstrauen nur verstärkt. Viele haben Hillary nur gewählt, weil sie Trump verhindern wollten. Das ist ein ehrbares Motiv. Ein Vertrauensbeweis ist es nicht.

Eine zweite Amtszeit wird es für Hillary Clinton nicht geben. Das Land hat genug von ihr und dem Clinton-Clan. Und wenn doch noch E-Mails auftauchen, in denen sie Staatsgeheimnisse verschickt hat, ist Hillary Clinton ohnehin nicht zu halten. Dann muss sie zurücktreten. Das wissen auch ihre Anhänger.

Amerika stehen schlimme vier Jahre bevor. Egal wer am Ende gewinnt. Hoffen wir auf ein Wunder.

Hillary wackelt: Hat Donald Trump doch noch eine Chance?

Neue Hoffnung für Donald Trump?

Zehn Tage vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November scheint der Kampf um das White House doch noch einmal spannend zu werden. Grund ist nicht Trump, die neuentdeckte Liebe der US-Bürger für den „Bully der Fifth Avenue“, der Frauen, Latinos und Behinderte diffamiert. Es ist die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton, die ihren Wahlkampf von Anfang an überschattet hatte und in der es neue Beweise geben soll.

FBI-Direktor James Comey, ein Republikaner, will auf einem Computer „Tausende von E-Mails“ gefunden haben, die bei den Ermittlungen gegen Hillary Clinton wegen möglichem Geheimnisverrat in ihrer Zeit als Außenministerin relevant sein könnten.

FBI-Chef James Comey: Entcheidet er die Wahl?

E-Mail Affäre: FBI-Chef James Comey ermittelt gegen Hillary Clinton: Entscheidet er damit auch die Präsidentschaftswahlen?

Eine Meldung, die in Washington wie eine politische Bombe einschlug und im Trump-Camp zu Freudentänzen führte.

Zweite „Lifeline“ für Donald Trump

Die Hillary-E-Mails sind bereits die zweite „Lifeline“ für den eigentlich längst geschlagenen Trump. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung eingestehen müssen, dass die von den Republikanern verhasste Krankenversicherung im kommenden Jahr für jeden im Schnitt um 25 Prozent teurer werde. Trump, der „Obamacare“ ablehnt und in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit abschaffen will, fühlte sich bestätigt und machte den Wahlkampf zu einem Referendum zu „Obamacare“. Die mehr als 20 Millionen US-Bürger, die durch den „Affordable Care Act“ endlich eine Krankenversicherung bekommen haben, müssen jetzt wieder zittern.

Die Hillary E-Mails hatten politisch aber eine ganz andere Sprengkraft. Es war die Oktober-Überraschung, auf die Trump gehofft hatte und die sein Einpeitscher Rudy Giuliani im Fernsehen angekündigt hatte. Wusste er etwa davon?

Doch um was geht es eigentlich? Bekannt ist bisher, dass die E-Mails nicht von Hillary Clinton selbst geschrieben wurden, sondern von ihrer engsten Beraterin Huma Abedin. Die hatte dafür den Computer ihres Noch-Mannes, Anthony Weiner, benutzt. Und genau hier wird die Geschichte für Hillary im wahrsten Sinne „schlüpfrig“.

Hillarys Albtraum-Kombination: E-Mail, FBI und Weiner

Denn Anthony Weiner ist der zurückgetretene, demokratische Kongressabgeordnete, der auf seine Manneskraft so stolz zu sein scheint, dass er regelmäßig Fotos von sich in Unterhose an andere Frauen twittern muss. Gegen ihn ermittelt das FBI. Eine seiner Bilder-Empfängerinnen war erst 15 Jahre alt.

E-Mail, FBI und Weiner – viel schlimmer hätte es für Hillary Clinton nicht werden können. Dass sie in allem unschuldig sein könnte, ist Nebensache. Wahlkampf hat viel mit Psychologie zu tun. Und mit Vertrauen. Die Mehrheit der US-Bürger traut Hillary nicht über den Weg. Das hat sie allerdings mit Donald Trump gemein.

Werden die Hillary-E-Mails jetzt auch den Wahlausgang entscheiden?

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die E-Mail Affäre Trump doch noch zum Präsidenten machen könnte. Doch selbst wenn Hillary Clinton ihren deutlichen Vorsprung in den aktuellen Umfragen ins Ziel rettet. Was passiert dann? Die Ermittlungen des FBI werden auch nach der Wahl weitergehen, vielleicht bis zu ihrer Vereidigung im Januar 2017. Vielleicht sogar darüber hinaus, wenn Hillary bereits im Oval Office sitzt! Und dann?

Nehmen wir einmal an, Hillary hat auf ihrem privaten E-Mail-Server in ihrer Zeit als Außenministerin keine Geheimnisse ausgeplaudert. Die Republikaner wird das nicht wirklich interessieren. Sie werden neue Untersuchungsausschüsse einberufen und nicht davor zurückschrecken, Hillary auch als Präsidentin vorzuladen.

Egal ob Hillary oder Trump? Amerika steht vor einer ungewissen Zukunft

Und was ist, wenn das FBI tatsächlich einen Geheimnisverrat in den neuen E-Mails findet. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Hillary Clinton als Präsidentin wäre dann zumindest nicht mehr zu halten. Das sollten auch ihre Anhänger wissen.

Amerika stehen turbulente Zeiten bevor. Donald Trump als Präsident wäre für das Land und die Welt eine Katastrophe. Und Hillary? Sie wäre als erste weibliche White House Chefin vom ersten Tag an angeschlagen. Viele Reformen wird sie aus dieser Position der Schwäche kaum durchsetzen können. Die Republikaner werden sie blockieren, sie jagen und das FBI wird weiter gegen sie ermitteln. Rosige Aussichten für Amerika sind das nicht.

Donald Trump: Wahlkampf mit der Angst

Eine Nation am Abgrund – politisch und wirtschaftlich, bedroht durch steigende Kriminalität, dem Zustrom von Immigranten und Terroristen. Donald Trump prophezeite nichts Gutes für Amerika. Und es könnte noch finsterer werden. Dann, wenn Hillary Clinton Präsidentin wird.

Donald Trump: Wahlkampf mit der Angst

Doch Trump wäre nicht „The Donald“ wenn er keine einfache Lösung hätte. Ihn selbst natürlich. Ein Mann für „Recht und Ordnung“, der eine Mauer an der Grenze zu Mexiko baut, Millionen illegaler Einwanderer deportiert und Muslime rauswirft oder gar nicht erst ins Land lässt. Einer, der Amerika wieder sicher macht, ISIS zerstört („schnell“), der Wohlstand, Millionen neue Jobs bringt und vor allem Frieden. Einer, der die Nation stolz macht und wieder groß. „America first“.

Es gab nur wenige Plattitüden, die Donald „Make America Great Again“ Trump in seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland ausließ. Wie er das angeblich untergehende „Land of the Free“ allerdings retten will, welche Ideen, Rezepte er hat, verschwieg er den 2500 republikanischen Delegierten. „Glaubt mir einfach!

Doch wer tut das? Die Mehrheit der Amerikaner? Wohl kaum. Selbst die Republikaner sind sich nicht sicher. Der Parteitag hätte es nicht deutlicher zeigen können. Wäre es nicht seine eigene Krönungzeremonie gewesen, Trump selbst hätte Cleveland vermutlich als „Debakel“, als das „größte Desaster in der Geschichte der GOP, der Grand Old Party“ bezeichnet. Er liebt historische Superlative. Und er hätte diesmal sogar einmal Recht gehabt!

Die Republikaner sind so tief gespalten wie lange nicht mehr.

Am ersten Tag gab es Tumulte auf dem Arena-Parkett und den Versuch, Trump doch noch zu verhindern.

Top-Leute der GOP wie die Bushs, John McCain, Mitt Romney, Lindsey Graham und 18 von 40 republikanischen Senatoren kamen erst gar nicht nach Cleveland. Einer, Jeff Falke aus Arizona, entschuldigte sich, dass er seinen Rasen mähen müsse. Dabei hat er überhaupt keinen.

Fast 30 Prozent (!) der Delegierten stimmten am Ende nicht für die Nominierung von Trump als Präsidentschaftskandidat.

Auch Ted Cruz verweigerte die Gefolgschaft, trotz Buh-Rufen aus dem Publikum. „Lying“ Ted wie Trump Cruz bei den Primaries als notorischen Lügner beschimpfte, spekuliert auf 2020, wenn sich Hillary zur Wiederwahl stellt. Den Urnengang im November hat er abgeschrieben, wie viele in der Partei.

Einig waren sich nur die Einpeitscher der Partei: Angstmacher Rudy Giuliani, der mit seinen düsteren Auftritten immer mehr an Darth Vader erinnert als an einen New Yorker Bürgermeister, der die Stadt während der Terroranschläge von 9/11 zusammenhielt. Er prophezeite brüllend den Untergang Amerikas durch eine Präsidentin Hillary Clinton.

Und natürlich Chris Christie. Der „Looser“ bei Trumps Vize-Präsidentenwahl. Dass „Bridgegate“ Christie Hillary in seiner Rede wegen „ihrer Verbrechen“ anklagte und vom Publikum ein „schuldig“ forderte, war an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten und ein weiterer Grund Trump zu verhindern. Christie soll Justizminister werden.

Hillary Clinton, das Feindbild, das die Republikaner zusammenhält

Aber auch die Hetzer bekamen ihre Plattform auf diesem Parteitag. Präsident Obama als Moslem zu bezeichnen wurde dabei genauso bejubelt wie die Forderung Hillary Clinton ins Gefängnis zu werfen.

Ein Trump-Berater für Amerikas Veteranen wollte Hillary gleich zum Tode verurteilen lassen und vor ein Erschießungskommando stellen. Der Secret Service fand das gar nicht witzig und hat Ermittlungen aufgenommen.

Und dann gab es auch noch die Peinlichkeit um die Rede von Melania Trump, die in Teilen von Michelle Obama abgeschrieben wurde. Drei Tage lang versuchten die Trump-Strategen vergeblich das Plagiat zu leugnen oder kleinzureden – eine PR-Katastrophe.

Was blieb am Ende des Parteitags-Desasters? Die Demokraten, genauer Hillary Clinton. Sie ist der kleinste gemeinsame Nenner von Donald Trump und der GOP und das Feindbild, das die Republikaner zumindest ein bisschen zusammenhält. Für viele ist sie das einzige Argument für eine Wahl von Donald Trump.

Für einen Sieg im November wird das nicht reichen. Hoffentlich!

US-Präsident Obama: „Ich bin wirklich gut im Töten von Menschen“

Time-Journalist Mark Halperin und sein Kollege John Heilemann haben ein neues Buch geschrieben. „Double Down“ heißt das Werk, das eine Fortsetzung ihres grandiosen „Game Change“ aus dem Jahr 2010 ist.

Während der erste Teil hinter die Kulissen von Obamas ersten Wahlkampf gegen John McCain im Jahr 2008 blickte und dabei unter anderem die völlig überforderte Sarah Palin entzauberte, geht es diesmal um den Kampf um das White House im Jahr 2012 zwischen Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney.

Das Buch gibt dabei erneut brisante Einblicke hinter die Wahlkampf-Kulissen. Es stellt Obama als einen kühlen und teilweise zynischen Machtpolitiker dar, der nicht nur stolz auf sein umstrittenes Drohnen-Programm ist, sondern auch bereit war, seinen Vize-Präsidenten Joe Biden aus rein taktischen Gründen durch Hillary Clinton zu ersetzen.

Präsident Obama lobt Drohnen-Programm, will Vize Biden durch Hillary ersetzen

Hier die wichtigsten Punkte aus dem Buch von Halperin und Heilemann, das am Dienstag in den USA erscheinen wird.

  • Als Obama 2011 über seine Erfolge seiner dreijährigen Präsidentschaft nachdachte, lobte er sich selbst für seine umstrittene Drohnen-Politik, mit der er wie kein anderer US-Commander-in-Chief zuvor auf Terroristenjagd gegangen war und noch heute geht. „Wie sich herausstellte, bin ich wirklich gut im Töten von Menschen“, soll Obama als Erfolg aufgeschrieben haben. „Ich dachte nicht, dass das einmal eine meiner Stärken werden würde.“
  • Als Obama sich in den Umfragen mit Mitt Romney ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, soll er ernsthaft erwogen haben, den eher blassen Vize-Präsidenten Joe Biden, einfach vor die Tür zu setzen. Hillary Clinton sollte seinen Posten übernehmen und damit die Wiederwahl sichern. Als das Obama-Wahlkampfteam allerdings bei Probe-Umfragen mit Hillary als Vize-Chefin keine spürbare Verbesserung der Zahlen erkennen konnte, wurde die Idee wieder fallengelassen.
  • Obama und Bill Clinton gerieten während des Wahlkampfes offenbar mehrmals aneinander. Eine Golfrunde der beiden wurde mitten im Spiel abgebrochen. Clinton forderte von Obama, dass er Hillarys Schulden aus den Vorwahlen übernehmen sollte. Dafür wollte er auf dem Parteitag auch eine positive Rede halten. Die vielgelobte Ansprache, die der Ex-Präsident am Ende hielt, war nicht vom Obama-Team abgestimmt. Clinton hatte Obama zwar eine 3279 Worte lange Rede zum Lesen gegeben. Am Ende waren seine Ausführungen allerdings mit 5888 Worten fast doppelt so lang und hatten mit dem ursprünglichen Manuskript nur noch wenig gemein.

Romney nennt Christie „Pufferfisch“, Clint Eastwood „schweren Autounfall“

Neben Obama schreiben die beiden Autoren auch detailliert über den Wahlkampf von Mitt Romney:

  • So soll Romney bei der Suche nach seinem Vize den potentiellen Kandidaten Fischnamen gegeben haben. Bei der Operation „Goldfisch“ wurde der übergewichtige Chris Christie zu einem aufgeblasenen „Pufferfisch“. Christie fiel am Ende wegen seiner Köperfülle durch.
  • Auf Christie war Romney nach dessen Rede auf dem Parteitag in Tampa, Florida,  stinksauer. Sein Manager Matt Rhoades soll Christie später in einem Telefonat angebrüllt haben und das „in einer Sprache, die man nicht wiedergeben kann“.
  • Clint Eastwoods Rede auf dem Parteitag wurde vom Team-Romney als „schwerer Autounfall“ bezeichnet. Der Romney-Berater Stuart Stevens war so sauer, dass er „mit Dingen warf, Eastwood verfluchte und am Ende völlig fertig zusammengebrochen sein soll“.

7 Gründe, warum Präsident Obama gewinnt, 7 Gründe, warum Mitt Romney gewinnt

Barack Obama gegen Mitt Romney – die Schlacht ist geschlagen. Jetzt haben etwas mehr als 200 Millionen wahlberechtigte US-Bürger die Wahl, wer in den kommenden vier Jahren das Land führen darf. Bleibt es Präsident Obama oder wird Herausforderer Mitt Romney Amerikas neuer Commander-in-Chief.

Die letzten Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bundesweit liegen Obama und Romney mit 49 zu 49 Prozent (CNN) gleich auf. In den neun wichtigen Swing States allerdings hat Obama einen leichten Vorteil, er führt in acht von neun Schlüssel-Staaten vor Romney.

Sieben Gründe, warum Obama Präsident bleiben wird:

  • Obama hat den eindeutig leichteren Weg die notwendigen 270 Wählmänner zu gewinnen. Er hatte während des gesamten Wahlkampfes in den meisten der acht wichtigsten Swing States die Nase vorn. Und so lange der Top-Swinger“, Ohio, Obama-Land bleibt, bleibt er auch Präsident.
  • Hurrikan Sandy hat Obama geholfen. Acht von zehn Amerikaner sind mit seiner Arbeit als Krisenmanager der Nation zufrieden. Noch wichtiger: Die Katastrophe hat das Stimmungshoch von Romney gestoppt.
  • Am Ende des Wahlkampfes hat Obama in Umfragen bundesweit doch noch fast 50 Prozent der Wähler hinter sich. Alles unter 48 Prozent wäre für jeden amtierenden Präsidenten kritisch.
  • Obama ist der Kandidat der Demokraten, daran gab es nie Zweifel. Romney blieb bis zuletzt der ungeliebte Kandidat in seiner eigenen Partei. Wer Obama wählt, will tatsächlich einen Präsidenten Obama. Wer Romney wählt, stimmt gegen Obama und nicht unbedingt für Romney. Um eine Wahl zu gewinnen, ist das zu wenig.
  • Die Arbeitslosenquote ist am Ende doch noch zwei Monate in Folge unter acht Prozent geblieben. Die letzten Zahlen von 171.000 neuen Jobs im Oktober haben Obama geholfen.
  • Obamas Wahlkampf ist besser organisiert als der seines Gegners. Er hat mehr Freiwillige, mehr Büros in den einzelnen Staaten und mehr junge, engagierte Leute hinter sich. Und auch im Internet hat er einen großen Vorteil gegenüber Romney.
  • Obama hat eine Zweidrittel-Mehrheit unter der Gruppe der Latinos. Bei den Frauen konnte Obama ebenfalls seinen Vorsprung halten.

Und sieben Gründe, warum Romney neuer Präsident wird:

  • Noch nie in der Geschichte der USA (Ausnahme ist nur Franklin D. Roosevelt 1936) ist ein Präsident mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 7.4 Prozent wieder gewählt worden. Die aktuelle Quote liegt bei 7.9 Prozent.
  • Eine Mehrheit (51 Prozent) der Amerikaner ist mit der Wirtschaftspolitik von Obama unzufrieden. Romney als Geschäftsmann liegt hier, bei einer weiterhin schwachen US-Wirtschaft, mit fünf Prozent (54 Prozent) vor dem Präsidenten.
  • Das oberste Ziel der Konservativen ist es, Obama abzuwählen und ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Die Wahlbeteiligung unter den Republikaner wird deshalb höher sein als noch vor vier Jahren.
  • Romney hat über den Wahlkampf hinweg eine Mehrheit unter den Partei-Unabhängigen halten können. Eine Gruppe, die die Wahlen entscheiden kann.
  • Obama hat die Wahl durch seinen desaströsen Auftritt in der ersten Debatte am Ende doch noch verloren. Romney konnte sich als wirkliche Alternative präsentieren.
  • Die Dominanz der Weißen unter den Wählern ist am Ende doch höher als die der Latinos und der Frauen.
  • Die Umfragen in den Swing States sind – wie Republikaner behaupten – falsch oder parteiisch und es gibt am Wahlabend eine große Überraschung.

US-Politik direkt im Digitalen Quartett zu den Präsidentschafts-Wahlen in den USA

Für alle, die keine Gelegenheit hatten, die Sendung des „Digitalen Quartetts“ am Sonntag live mitzuverfolgen, können das mit einem Klick auf den YouTube Clip nachholen  

Die US-Präsidentschafts-Wahlen bestimmten am Sonntagabend auch das Digitale Quartett“ mit Hörfunkjournalist Daniel Fiene von Antenne Düsseldorf, bei dem ich mit meinem Blog „US-Politik direkt“zum ersten Mal mit dabei sein durfte.

Es war eine ungemein spannende, sachliche und sehr anregende Diskusion mit den Kollegen Richard Gutjahr (Blogger tagesschau.de), Tim Rahman (zurzeit US-Wahlbeobachter für WirtschaftsWoche Online), Ulrike Langer (freie Journalistin und Bloggerin, medialdigital.de) sowie Franziska Bluhm, Chefredakteurin WirtschaftsWoche Online.

Die Themen des Abends waren der zu Ende gehende US-Wahlkampf, der Einfuss sozialer Netzwerke, Hurrikan Sandy und die Wahlen, Themen, die beim Kampf um das White House keine Rolle gespielt haben (Umweltschautz, Armut) und natürlich die Frage, die alle bewegt: Wer wird am Dienstagabend Präsident der USA? Bleibt es Barack Obama oder wird Herausforderer Mitt Romney der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Endspurt im US-Wahlkampf

Drei Tage, neun Staaten – jetzt geht es um alles. Präsident Obama und Mitt Romney versuchen auf den letzten Metern ihres Wahlkampf-Marathons auch noch die letzten Stimmen für sich einzusammeln.

Der Reise-Plan der beiden Kandidaten ist brutal, vor allem der von Obama. Der Präsident wird am Ende eines jeden Tages wohl kaum noch wissen, wo er sich gerade befindet.

Verzweiflung oder Chance? Romney plant Wahlkampf in Pennsylvania

Und eins ist auch klar: Es geht nur noch um die acht oder neun wichtigsten Schlüsselstaaten, die Swing States, die die Wahl am Dienstag entscheiden werden.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Romney für Sonntag einen Event in einem Außenbezirk von Philadelphia, Pennsylvania, angekündigt hat. Dass der „Obama-Staat“ in letzter Minute doch noch zu Romney kippen könnte, ist eher unwahrscheinlich (im Schnitt aller Umfragen führt Obama hier mit 4.6 Prozent).

Präsident Obama mit First Lady Michelle Obama und Bruce Springsteen

Hier die letzten, bisher geplanten Wahlkampf-Events:

Obama:

  • Samstag: Ohio, Wisconsin, Iowa, Virginia
  • Sonntag: New Hampshire, Florida, Ohio, Colorado
  • Montag: Wisconsin, Ohio, Iowa

Vor allem am Tag vor der Wahl am Montag, bietet Obama noch einmal alles auf, was er hat. In Ohio will Obama gleich zweimal (Madison und Columbus) mit Bruce „The Boss“ Springsteen auftreten. In Columbus kommt sogar noch Superstar Jay-Z dazu. Seinen Wahlkampf beenden wird Obama in Des Moines, Iowa, mit First Lady Michelle Obama und erneut Springsteen.

Romney ist ebenfalls auf den letzten Wahlkampf-Metern unterwegs.

Hier seine letzten Termine:

  • Samstag: Iowa, New Hampshire, Colorado
  • Sonntag: Iowa, Ohio, Pennsylvania, Virginia
  • Montag: Florida, Virginia, Ohio, New Hampshire

Den Wahlabend will Obama übrigens nicht im White House, sondern zusammen mit Michelle und den Kinder Sasha und Malia sowie den engsten Beratern und Freunden „Zuhause“ in Chicago verfolgen. Mitt Romney dagegen plant eine Wahlparty in Boston.

Radio-Interview mit US-Politik direkt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

für alle, die keine Gelegenheit hatten, mich in der DRadio Wissen Sendung „Was mit Medien“ (http://wissen.dradio.de) zum Thema „US-Wahlkampf – kein Hype mehr um Obama“ zu hören, hier noch einmal der Link zum anklicken:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/11/01/drw_201211011803_redaktionskonferenz_-_kein_hype_n_f66a2aed.mp3

Ich habe im zweiten Teil der Sendung (ab ca. Minute 21 – im ersten Teil berichtet der DAF-Korrespondent Manuel Koch von seiner Arbeit an der Wall Street nach Hurrikan Sandy.) mit den Moderatoren Daniel Fiene und Herrn Pähler über Hurrikan Sandy sowie die anstehende US-Präsidentschafts-Wahlen zwischen Barack Obama und Mitt Romney diskutiert.

Und am Ende der Sendung habe ich dann noch von meinen Reisen als Mitglied des White House Press Corps mit Präsident Obama erzählt.

Wahlkampf nach Hurrikan Sandy: Romney startet Schmutzkampagne gegen Obama

Game on! Zwei Tage nach Hurrikan Sandy herrscht zumindest politisch wieder Alltag in den USA. Präsident Obama hat seinen nach der Naturkatastrophe unterbrochenen Wahlkampf mit einem Marathon durch drei Bundesstaaten wieder aufgenommen. Mitt Romney, der selbst am Tag nach Sandy mit einem getarnten „Sturm-Hilfe“-Event im kritischen Bundesstaat Ohio auf Stimmenfang war, setzte seinen Kampf um das White House am Donnerstag fort.

Obama: Krisenmanager in der Luft, Wahlkämpfer am Boden

Präsident Obama steckt dabei in einer schwierigen Doppelrolle. Er muss weiterhin Führung und Stärke als oberster Krisenmanager des Landes zeigen, gleichzeitig aber auch als Wahlkämpfer Swing States wie Wisconsin, Nevada, Colorado und Ohio für sich gewinnen.

So sprach Obama auf dem Flug zu seinem Wahlkampf-Event in Green Bay, Wisconsin, von Air Force One aus mit der Zivilschutzbehörde FEMA über die Aufräumarbeiten und telefonierte mit den Gouverneuren der von Sandy heimgesuchten Bundesstaaten Connecticut und West Virginia. Nach der Landung in Green Bay bewarb er sich dann auf einem Event für vier weitere Jahre als White House Chef. Obama – Krisenmanager in der Luft und Wahlkämpfer am Boden.

Mitt Romney mit Schmutzkampagne in Florida und Ohio

Mitt Romney dagegen, der seinen Wahlkampf trotz der Sandy-Katastrophe eigentlich nicht unterbrochen hatte, tourte am Donnerstag durch Virginia. Seine versprochene Zurückhaltung nach der Hurrikan-Katastrophe legte der Herausforderer dabei schnell ab und griff Obama nicht nur für seine laut Romney verfehlte Wirtschaftspolitik direkt an, sondern eröffnete gleich an zwei Fronten eine für Obama gefährliche und ernstzunehmende Schmutzkampagne.

Im Swing State Florida lässt Romney TV-Anzeigen in spanisch schalten, in denen er die wichtige Wählergruppe der Latinos mit einer Angst-Kampagne vor einem Sozialistenfreund Obama warnt. Romney bringt dabei den Präsidenten mit Fidel Castro, Hugo Chavez und Che Guevara in Verbindung, die laut Werbe-Clip alle Obama wählen würden!

Und auch in Ohio zeichnet Romney in TV-Anzeigen ein Schreckens-Szenario falls Obama wieder gewählt würde. Romney behauptet, Obama sei mit der Rettung der US-Autokonzerne gescheitert. General Motors und Chrysler würden US-Arbeitsplätze nach China verlegen und dort unter anderem den Jeep, Symbol des amerikanischen Autos, bauen lassen. Die Unternehmen bezeichneten das als Unsinn. Das Gegenteil sei richtig. Chrysler erklärte, es wolle 1100 neue Arbeitsplätze in ihrer Fabrik in Toledo, Ohio, schaffen.

Nachtrag: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sprach sich am Donnerstag für die Wiederwahl von Obama aus. Er begründete das mit der Klimapolitik des Amtsinhabers. (Anm. Obama kennt den von Menschen verursachten Klimawandel an, Romney hat Zweifel). Bloombergs Stimme ist ein wichtiger Sieg für den Präsidenten.

„Sandy“ wirbelt Wahlkampf durcheinander

Alles Neu, alles Anders. Eine Woche vor den Präsidentschafts-Wahlen hat Hurrikan Sandy den Kampf um das White House kräftig durcheinander gewirbelt. Innerhalb weniger Stunden mutierte Obama vom Wahlkämpfer zum obersten Katastrophen-Manager der Nation. Der Amtsinhaber sagte alle Auftritte am Dienstag und Mittwoch in den wichtigen Swing States Florida, Virginia und Ohio kurzfristig ab und koordinierte mit seinem Krisenstab in Washington die Rettungs- und Aufräumarbeiten nach Hurrikan „Sandy“.

Krisen-Manager Obama – Romney trotz „Sandy“-Krise auf Wahlkampftour

Und Mitt Romney? Dem Herausforderer bleibt beim Thema „Sandy‘ zurzeit nur die undankbare Rolle des Zuschauers. Seinen Wahlkampf hat der 65-jährige Romney im Gegensatz zu Obama jedoch nicht gänzlich suspendiert, sondern nur ein wenig zurückgefahren. Denn während der Präsident in Washington den Krisen-Manager gab, ging Romney am Dienstag in Ohio und Florida weiter auf Stimmenfang. Seine Wahlkampf-Auftritte tarnte Romney dabei geschickt als „Sturm-Hilfe-Aktion“ und ließ sich beim Einpacken von Suppendosen fotografieren.

Obama muss dagegen in der Stunde der Krise Stärke und Führungskraft zeigen. Gelingt dem Amtsinhaber das, könnte ihn „Sandy“ ins White House fegen. Versagt er wie 2005 George W. Bush bei der Hurrikan Katrina Katastrophe in New Orleans (1800 Tote) kostet ihn das die Präsidentschaft.

Vergangenheit holt Romney ein: Er wollte Zivilschutzbehörde privatisieren

Obama weiß, dass er mit Sandy gewinnen aber auch alles verlieren kann. Er hat Recht mit seiner Aussage, dass die „Wahl nächste Woche schon von selbst stattfinden“ werde und es jetzt darum gehe „Leben zu retten“. Doch so ganz hat er die Präsidentschafts-Wahlen natürlich nicht aus den Augen verloren. Obama schickt seinen Vize-Kandidaten und Hoffnungsträger Joe Biden (am Dienstag in Ohio, am Mittwoch in Florida) und seine beiden besten Wahlkämpfer Michelle Obama (in Iowa und Florida) sowie Bill Clinton (in Minnesota und Ohio) ins Rennen. Auch seinen Vorteil gegenüber Romney im Internet wird Obama nutzen, um seine Wähler zu mobilisieren.

Mitt Romney dagegen wird durch „Sandy“ kurz vor der Wahl von seiner Vergangenheit eingeholt. Der Obama-Gegner hatte bei den Vorwahlen der Republikaner angekündigt, die Zivilschutzbehörde FEMA aufzulösen und deren Aufgaben künftig auf Privatfirmen zu übertragen. Dabei zeigt „Sandy“ gerade erneut wie wichtig eine koordinierte Hilfe zwischen Bund und den einzelnen US-Staaten ist.

Aber es ist nicht nur FEMA, die Romney das Leben in den nächsten Tagen erschweren wird. Der Herausforderer darf „Sandy“ nicht politisieren und sollte auch nicht auf zu vielen Wahlkampf-Events seinen Konkurrenten Obama angreifen. Amerika steht bei Katastrophen zusammen und in seiner Mehrheit hinter dem Präsidenten. Obama jetzt zu kritisieren, nur mit dem Ziel Stimmen zu sammeln, könnte für Romney genau das Gegenteil bewirken.