Internet-Wahlkampf: Entscheiden Twitter, Facebook, Tumblr und Co. die Wahl?

Der Kampf um das White House bleibt bis zum Wahltag spannend. Aktuelle Umfragen sprechen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. In acht Swing States fällt die Entscheidung. Interessant: Drei dieser “Unentschlossenen” sind Florida, Virginia und New Hampshire. Staaten, die Hurrikan “Sandy” diese Woche fest im Griff haben wird. Welchen Einfluss wird die „Oktober-Überraschung“ am Ende über Sieg und Niederlage haben?

Obama gegen Romney: Der Wahlkampf im Internet wird immer wichtiger.

Beiden Kandidaten werden es knapp eine Woche vor den Wahlen in den Swing States der Ostküste schwer haben, ihre Botschaft loszuwerden. Romney hat seine Termine in Virginia bereits absagen müssen und auch Obama hat seine Pläne geändert. Er muss das „Sandy-Zielgebiet“ bereits am Montag wieder verlassen.

Da die Kandidaten vorerst nicht mehr persönlich auftreten können, wird jetzt der Wahlkampf im Internet immer wichtiger. Denn während Obama und Romney im „Sandy“-sicheren Hinterland unterwegs sein müssen, springen Twitter, Facebook, Tumblr und Co. an der Ostküste als digitale Stellvertreter ein. Die “Jungwähler aus den sozialen Netzwerken” sind für Obama ohnehin eine wichtige Säule seiner Wiederwahl.

2008 wählten ihn mehr als 66 Prozent der Wähler zwischen 18 und 29 Jahren ins White House. Und auch wenn er diese Traumquote dieses Mal nicht erreichen wird (aktuell kann er auf 55 Prozent setzen), baut er neben der Wählergruppe der Frauen und Latinos, vor allem auf die “Jungen” und damit auf die Internetnutzer.

Dabei hat Obama im Netz einen riesigen Vorteil gegenüber Romney. Auf Facebook folgen ihm 31,4 Millionen Fans, bei seinem Herausforderer sind es nur bescheidene 11 Millionen. Bei Twitter ist das Verhältnis noch extremer: 21,4 Millionen Followers (Obama) zu 1,6 Millionen (Romney). Dazu kommt eine klare Überlegenheit auf Twitter von Michelle Obama (1,98 Followers) gegenüber Ann Romney (155.000). Auf Facebook liegt die First Lady sogar mit 8,6 Millionen zu 401.000 Fans in Front. Alle Internet-Fans erhalten nicht nur pausenlos die Botschaften ihrer Kandidaten. Sie können sie auch noch im Netz über ihre Freunde und Followers um ein Vielfaches weiterverbreiten.

Der Republikaner Romney hat zwar gegenüber dem Wahlkampf 2008 von John McCain auch digital deutlich zugelegt, doch der Abstand zu Obama bleibt gigantisch. Ohnehin scheint den Republikanern noch immer eine Internet-Strategie zu fehlen: Während Obama digital für 100 Millionen Dollar Werbung schaltet, schafft es Romney bisher nur auf bescheidene fünf Millionen Dollar.

Entscheidet die Internet-Dominanz von Obama die Wahl gegen Romney?

Dabei zeigen die Twitter-Zahlen bei den drei Debatten wie wichtig die sozialen Netzwerke geworden sind. Bei dem desaströsen Auftreten von Obama in Denver twitcherten insgesamt 10,3 Millionen Tweets durchs Netz, bei seinem Comeback in Hempstead waren es 7,2 Millionen Kurzmeldungen und selbst bei der für Amerikaner eher unwichtigen „Thrilla in Boca“ Debatte über die Außenpolitik in Boca Raton zählte Twitter 6,5 Millionen Tweets. Dabei waren bei allen drei Debatten die Obama-Twitterer wesentlich aktiver als die der Konkurrenz. Sie machten Romney mit so genannten hashtags zu “Big Bird”, „Ordner voller Frauen“ und “Pferde und Bajonette” zum Gespött.

Im Schlussspurt des Wahlkampfes hat Obama im Netz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, der sich durch die Naturgewalt “Sandy” noch verstärken wird. Wenn Obama und Romney nicht vor Ort für sich werben können, müssen das Twitter, Facebook, Tumblr und Co übernehmen. Und bei dem erwartet knappen Ausgang könnte die Obama Dominanz im Netz am Ende die Wahl entscheiden.

Palin, Trump und Co. werfen Romneys Wahlkampf-Maschine aus der Bahn

Es war kein guter Tag für Mitt Romney. Anstatt Wahlkampf zu führen, musste sich der Obama-Herausforderer vom republikanischen Schwachsinn seiner „Helfer“ und Parteifreunde distanzieren.

Erst schockierte der Senats-Kandidat der Republikaner in Indiana, Richard Mourdock, mit folgender Aussage die Amerikaner. „Eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung sei so etwas wie ein Geschenk Gottes.“ Deshalb könne er auch in diesem Fall eine Abtreibung nicht befürworten.

Mourdock, ein strikter Abtreibungsgegner, ist nicht der erste Republikaner, der mitten im Romney-Wahlkampf mit dem Thema Abtreibung Schockwellen durch das Land schickte. Im August hatte Todd Akin, der in Missouri als Senats-Kandidat für die Republikaner antritt, behauptet, dass der „weibliche Körper bei einer ‚wirklichen Vergewaltigung‘ die Möglichkeit habe abzuschalten, um so eine Schwangerschaft zu verhindern“.

Sarah Palin mit rassistischem Vorwurf an die Obama-Regierung

Doch es waren nicht nur die Abtreibungsgegner der Partei, die Romney das Leben schwer machten. Sarah Palin, immer gut für eine peinliche Bemerkung, sorgte diesmal mit einem rassistischen Vorwurf gegen die Obama-Regierung für Zündstoff.

Die Ex-Vize-Kandidatin der Republikaner behauptete, „Obama würde beim Angriff auf das libysche US-Konsulat in Bengazi lügen und das Land an der Nase herumführen“. Palin benutzte dabei die rassistischen Begriffe „shuck and jive“. Wörter, die bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Damals wurde „shuck and jive“ benutzt um „lügende, täuschende und herumclownende“ Afro-Amerikaner (damals hießen sie noch Negros) zu diffamieren.

Polit-Clown Donald Trump zweifelt weiter an Obamas Nationalität und schädigt damit den Romney-Wahlkampf

Ja, und dann kam auch noch der Polit-Clown aus New York, dessen Name man gar nicht mehr in den Mund nehmen möchte. Donald Trump, „Ober-Birther, der einfach nicht glauben will, dass Obama in den USA geboren wurde, kündigte „Gigantisches“ an. „Eine Bombe“, die den Wahlausgang beeinflussen könne.

Was es war, wollte der Mann mit dem ungewöhnlichen Haarschnitt nicht verraten. Mit Absicht. Der Selbstdarsteller der Nation wollte Spekulationen auslösen, was ihm auch gelang. Die Ehe von Barack und Michelle Obama sei im Eimer und Trump habe die Scheidungspapiere, lautete ein Gerücht. Dann wurde kolportiert, Obama habe während seines Studiums mit Kokain gehandelt. Wo der Schmutz herkam, keiner wusste es.

Trump freute sich über seine kurzweilig geglückte Diffamierungs-Aktion. Dann erklärte er erneut per Twitter, das „alles falsch“ sei und er um 12.00 Uhr mittags eine Erklärung rausgeben werde. Die kam dann tatsächlich in Form eines Youtube-Video und machte Trump erneut zum Clown, zum Gespött.

Der Immobilien-Milliardär bot Obama einen scheinheiligen Deal an. Er, der Präsident, solle alle persönlichen Dokumente wie Reisepässe und Uni-Abschlüsse rausgeben und er, Trump, werde dann fünf Millionen Dollar an eine gemeinnützige Organisation spenden. Es war ein billiger und durchsichtiger Versuch, erneut Zweifel an Obamas Geburtsort und Nationalität zu streuen.

Wie gesagt, kein guter Tag für Mitt Romney. Mourdock, Palin und Trump ließen seine gutgeölte Wahlkampf-Maschinerie heute kurzfristig entgleisen.

Kann Obama die Wahl verlieren?

Das Obama-Desaster: In Anlehnung an die Stuhl-Nummer von Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner spottet das Magazin „The New Yorker“ auf seinem aktuellen Titel über den Auftritt von Präsident Obama im ersten TV-Duell mit Herausforderer Mitt Romney.

Panik im Obama-Lager!

Das Debatten-Desaster scheint für Obama verheerende Folgen zu haben. Der sicher geglaubte Sieg am 6. November ist wieder in Frage gestellt. Die Umfragen haben sich gedreht. Nicht mehr der Amtsinhaber liegt deutlich vorne, sondern Herausforderer Mitt Romney. Verunsicherte Präsidenten-Anhänger fragen bereits: Kann Obama die Wahl verlieren?

Yes, he can! Insgesamt 49 Prozent der „wahrscheinlichen US-Wähler“ (likely voters) wollen aktuell Mitt Romney ihre Stimme geben aber nur noch 45 Prozent Obama. Das haben die Meinungsforscher des Pew Research Center ermittelt. Vor der TV-Duell-Katastrophe führte Obama noch mit 51 zu 43 Prozent. Und auch CNN sieht Romney in seinen Befragungen vorne, mit 48 zu 47 Prozent jedoch denkbar knapp. Doch es ist ein Kreuz mit den Umfragen. Unter „allen registrierten Wählern“ hat Obama laut CNN noch immer einen Vorsprung von 49 zu 46 Prozent. Ein Hoffnungsschimmer für die Demokraten?

Diese bundesweiten Zahlen sind bisher nur ein Trend. Entschieden wird bekanntlich in den Swing States und da sieht es etwas besser aus für Obama, auch wenn er auch hier seine deutliche Führung verloren hat. In Ohio führt Obama noch mit vier, in Virginia mit drei und in Wisconsin mit zwei Punkten. In Florida und North Carolina hat dagegen Romney mit zwei, respektive sieben Punkten die Nase vorn. Noch allerdings reicht es für Obama. Noch!

Im Moment spricht der Trend gegen Obama. Doch Grund zum Verzweifeln wie Newsweek Autor und Obama-Fan, Andrew Sullivan („Niederschmetternd“), gibt es eigentlich noch nicht. Am Donnerstag steigt Vize-Präsident Joe Biden gegen Romneys Stellvertreter Paul Ryan in den Debatten-Ring. Da kann sich die Stimmung schon wieder drehen.

Am 16. Oktober und 22. Oktober kommt es dann zum zweiten und dritten Showdown zwischen Obama und Romney. Zwei TV-Duelle, in denen der Präsident die Schmach von Denver wieder wettmachen kann. Diese Chancen sollte er allerdings nutzen, ansonsten gibt es wirklich Grund zur Panik. Denn geht Obama auch bei diesen beiden Debatten unter, kann ihn vermutlich nur noch Big Bird retten.

Dream Team: Obama-Big Bird

TV-Spot: Big Bird und Präsident Obama gegen Herausforderer Romney

Big Bird, übernehme!

Eine Woche nach seinem katastrophalen Auftritt in der ersten Fernseh-Debatte mit Mitt Romney hat Präsident Obama einen neuen, unerwarteten Verbündeten: Big Bird. Der beliebte gelbe Vogel aus der Sesamstraße ist ins Fadenkreuz der Republikaner geraten. Obama Herausforderer Mitt Romney will zur Sanierung des US-Haushaltes Big Bird nicht nur rupfen, sondern gleich ganz schlachten.

„Es tut mir leid. Ich werde die Subventionen für PBS streichen“, verkündete Mitt Romney vor 67 Millionen TV-Zuschauern in der 90-Minute-Debatte am vergangenen Mittwoch. „Ich mag PBS und ich liebe Big Bird. Aber ich werde mir nicht mehr Geld aus China leihen für Dinge, die wir nicht brauchen.“ Big Bird und der öffentliche TV-Sender PBS als Retter des defizitären US-Budgets?

Das neue Dream Team im US-Wahlkampf: Obama und Big Bird!

Romneys Gegner nahmen den Spruch dankbar auf und starteten im Internet eine Blitz-Kampagne. Motto: Rettet Big Bird! Und auch Obama sah eine Chance die Schmach von Denver wettzumachen und verbündete sich mit der Sesamstraße. „Elmo, pass nur auf“, scherzte Obama bei einem Wahlkampfauftritt. „Sie sind auch hinter dir her.“

Mittlerweile ist aus dem Spaß politischer Ernst geworden. In einem TV-Werbespot greift das neue Dream Team, Obama-Big Bird, Romney scharf an: „Ein Mann hat den Mut, seinen Namen endlich auszusprechen“, heißt es in dem Clip und zeigt dabei die verurteilten Wall Street Verbrecher Bernie Madoff, Ken Lay und Dennis Kozlowski. „Wer ist das teuflische Genie hinter diesen Kriminellen. Es ist Big Bird, Big Bird, Big Bird.“

„Groß, gelb und eine Bedrohung für unsere Wirtschaft“ heißt es weiter. „Mitt Romney weiß, es ist nicht Wall Street, über die man sich Sorgen machen muss, es ist die Sesamstraße.“ Am Ende zeigt der Spot Big Bird mit einem Teddybären in seinem Nest. „Mitt Romney stellt sich unseren Feinden, egal wo sie ihr Nest haben.“

PS: Die Subventionen für PBS und Big Bird betragen 0,001 Prozents des US-Haushaltes! Allein das US-Verteidigungsministerium verschlingt in etwa sechs Stunden mehr als PBS und Big Bird in einem Jahr!

Das Fernseh-Duell: Obama gegen Romney

It’s Showtime im US-Wahlkampf. Zum ersten Mal treffen Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney an diesem Mittwoch in Denver, Colorado, aufeinander. Ein direktes Duell, Auge in Auge in alter Westernmanier, nur ohne geladene Pistolen. Die Waffen der Kandidaten sind ihre Argumente.

Amerika liebt dieses TV-Spektakel. Vermutlich 50 bis 60 Millionen Zuschauern werden das 90 Minuten Duell verfolgen, bei dem sich Obama und Romney an Stehpulten und nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüberstehen werden. Gastgeber ist die TV-Legende Jim Lehrer (78), der seit 1992 in jedem Wahlkampf mindestens eine Präsidentschafts-Debatte moderiert hat.

Das Aufeinandertreffen ist das erste von insgesamt drei TV-Duellen. Und es ist vermutlich das wichtigste. Romney muss zeigen, dass er nach dem Video-Debakel doch noch die Wende im Wahlkampf schaffen kann. Gelingt dem 65-Jährigen das nicht, braucht er am 6. November zur Wahl nicht mehr antreten.

Romney gewinnt mit einem Unentschieden gegen den Favoriten Obama

Doch der Druck lastet nicht nur auf Romney, sondern auch auf Amtsinhaber Obama. Der Präsident gilt als haushoher Favorit der TV-Debatte und genau das ist sein Problem. Niemand erwartet einen glanzvollen Auftritt von Romney und einen Sieg über Obama. Ein Unentschieden reicht dem Republikaner, um Obama zu schlagen. Ein ähnliches Problem hatte Vize-Kandidat und Politprofi Joe Biden 2004 bei seinem Duell mit der unerfahrenen Sarah Palin. Mitleid für den Außenseiter ist tödlich für den Favoriten.

Wie wichtig die Debatte ist, zeigen auch die Vorbereitungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mitt Romney hat sich seit Tagen schon in ein Haus eines Freundes nach Vermont zurückgezogen und probt dort die Diskussion. Sein Obama-Sparringspartner ist Rob Portman, Senator aus Ohio, ein Weißer, der auch als Romneys Vize-Kandidat im Gespräch war.

Obama, der sich seit Sonntag drei Tage lang in Henderson, Nevada, vorbereiten will, hat sich John Kerry als „Gegner“ ausgesucht. Der Senator ähnelt dem Herausforderer (groß, steif, viel und dichtes Haar) und kennt Romney aus Massachusetts. Kerry kann Romney nicht leiden. Außerdem winkt ihm als Dankeschön nach einem Obama-Wahlsieg der Posten von Hillary Clinton als Außenminister.

Obama gegen Romney – Fehler werden bei TV-Debatten nicht verziehen.

Sieg oder Niederlage? Darüber entscheiden bei solchen Debatten oft Kleinigkeiten: Wer wirkt mehr wie ein Präsident, wer hat die besseren Argumente, ohne den Zuschauer mit langen Erläuterungen zu langweilen, wer hat den besseren Witz gemacht oder ganz einfach und subjektiv: Wer wirkt sympathischer und wem vertraut der Wähler mehr.

Nur eins ist sicher: Fehler werden nicht verziehen. Als George Bush Senior in seiner Debatte mit Bill Clinton und Ross Perot 1992 gelangweilt auf seine Uhr schaute, war die Präsidentschaft für ihn gelaufen. Ein Schnitzer, der heute nicht mehr passieren kann: Die Wahlkampfmanager nehmen zur Vorsicht ihren Kandidaten vor der Debatte die Uhren ab.

Das Romney-Video: „Arrogant und dumm“

Das heimlich gefilmte Video von Mitt Romney ist auch am Tag nach seiner Veröffentlichung das Top-Thema in den USA. Viele Kommentatoren sind sich einig, dass Romney mit der Beleidigung von „47 Prozent“ der US-Bürger als Schmarotzer einen schweren Fehler gemacht hat, der ihn die Präsidentschaft kosten könnte.

Zum Romney-Video auch aktuell die „US-Politik direkt“ Umfrage: Hat Romney seine Chancen auf den Wahlsieg verspielt oder schafft der Kandidat noch die Wende?

Republikaner Mitt Romney: Reaktionen auf das Schock-Video

„Diese Video hat den Wahlkampf auf den Kopf gestellt“, kommentierte NBC-Anchor Brian Williams. „Ein politisches Erdbeben im Präsidentschafts-Wahlkampf“, sagte TV-Ikone Dianne Sawyer von ABC World News. „Mir fällt nichts ein, was ihn hätte mehr schaden können als dieses Video“, erklärte CBS-Nachrichten-Veteran Bob Schieffer.

Nur einige wenige konservative Einpeitscher wie Radio-Talker Rush Limbaugh und Laura Ingraham applaudieren Romney für seine „Ehrlichkeit“. Andere Parteifreunde schüttelten dagegen nur den Kopf und gingen auf Distanz mit ihrem eigenen Kandidaten:

  • „Mitt Romney hat sich den schlimmsten Wahlkampf-Patzer geleistet seit Gerald Fords Bemerkung von 1976, dass es keine Vorherrschaft der Sowjetunion über Osteuropa gebe“. (David Frum, Ex-Redenschreiber von George W. Bush und heute Kolumnist von The Daily Beast)
  • Romneys Aussagen sind „dumm und arrogant“. (Bill Kristol, Chefredakteur vom „The Weekly Standard“, dem inoffiziellen „Parteiorgan“ der Konservativen)
  • „Mitt Romney hat seinen Wahlkampf zerstört.“ (Joe Scarborough, konservativer Anchor des TV-Senders MSNBC)
  • „So spricht kein großer Führer. So sprechen Wahlkampfleute aus den unteren Reihen. Man sollte sich eingestehen, dass der Romney Wahlkampf ein inkompetenter ist. Es ist an der Zeit durchzugreifen.“ (Peggy Noonan vom Wall Street Journal)
  • Mitt Romney hat es „total vermasselt“. (Charles Krauthammer, angesehener konservativer Kommentator auf FoxNews)
  • „Es ist eine moralische Beleidigung, Menschen als Schmarotzer zu beschimpfen.“ (David Brooks, konservativer Kommentator in der New York Times)
  • „Das soziale Sicherheitsnetz ist eine gute Sache“, distanzierte sich New Mexico Gouverneurin Susana Martinez von ihrem Parteikollegen. Sie hatte auf dem Parteitag der Republikaner noch für Romney geworben.

Willkommen bei den Waltons – wie die Republikaner die Zeit zurückdrehen wollen

Weniger Staat, mehr persönliche Verantwortung, starkes Militär.

Das ist vereinfacht gesagt die Grund-Philosophie der Republikaner, die sich diese Woche in Tampa, Florida, auf dem Krönungs-Parteitag für ihren Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney treffen.

Die Grand Old Party (GOP)-Convention wird zeigen, wie sehr sich die Republikaner in den vergangenen Jahren verändert haben. Die Partei wird zurzeit von den extremen Positionen der erzkonservativen Tea-Party Anhänger bestimmt, von einer Mehrheit, die wissenschaflich belegte Theorien wie Evolution und Klimawandel ablehnt.  Laut einer Umfrage glauben 58 Prozent der Republikaner, dass “Gott den Menschen in seiner heutigen Form innerhalb der vergangenen 10.000 Jahre erschaffen hat!”

Wie konservativ die GOP geworden ist, zeigt das 60 Seiten lange Parteiprogramm, das die 2286 Delegierten am Montag absegnen wollten. Hurrikan Isaac hat das um mindestens einen Tag verschoben. Es steht aber zu befürchten, dass weder ein Wirbelturm, noch Romney die umstrittenen Punkte verhindern können. Der Obama-Herausforderer, der sich nach Außen hin als modern und liberal zeigt, darf seine konservative Basis nicht enttäuschen.

Hier die strittigen Punkte des für viele “konservativsten Parteiprogramms in der Geschichte der GOP”:

  • Abtreibung

Abtreibung soll in allen Fällen auch bei Vergewaltigung, Inzest und selbst wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, verboten werden. Der radikale Todd Akin scheint keine Einzel-Meinung, sondern die Mehrheit zu repräsentieren. Das “Recht auf Leben” soll in der Verfassung verankert werden.

Romney widerspricht beim Thema Abtreibung – im Gegensatz zu seinem Vize Paul Ryan –  seiner Partei und würde Ausnahmen zulassen. Gleichzeitig will er aber das Urteil Roe gegen Wade von 1973, das das Recht auf Abteibung festlegt, abschaffen.

  • Gleichgeschlechtliche Ehe

Eine Ehe ist grundsätzlich nur zwischen einem Mann und einer Frau legal. Gleichgeschlechtliche Ehen sollen durch die Verfassung verboten werden.

  • Waffenkontrollen

Republikaner sind gegen schärfere Gesetze. Das gilt für den Kauf von Munition, Pistolen und selbst Sturmgewehren. Anekdote am Rande: Die Stadt Tampa hat Demonstranten das Tragen von Wasserspritzpistolen, Gasmasken, Stangen und Seilen verboten. Schusswaffen hingegen sind erlaubt – Floridas Gouverneur Rick Scott, ein Republikaner, überstimmte ein früheres Verbot.

  • Einwanderung

Der Bau eines Zaunes zwischen Mexiko und den USA soll fertiggestellt werden. Der Dream-Akt, der jungen illegalen Einwanderern, die seit ihrer Kindheit in den USA leben, eine Aufenthaltsberechtigung gibt, wird abgelehnt. Illegale sollen verschärft abgeschoben werden.

Wie kommentierte doch die New York Times: „The Republican Party has moved so far to the right that the extreme is now the mainstream.

„Obama-Imitator“ als Romneys Vize?

Wer wird Mitt Romney Running Mate? Eine Frau, ein Gouverneur, ein Senator, ein Kongressabgeordneter oder nichts von dem. Vielleicht eine ganz große Überraschung?

Knapp 20 Personen sollen auf Romneys Liste stehen, zwei bis vier seien in der engeren Auswahl, heißt es. Der Vize soll dann auf einem eigens dafür erstellten App veröffentlicht werden. Ende der Woche, wenn Romney drei Tage durch Swing States tourt, soll die Nummer zwei angeblich bereits an seiner Seite stehen. Nur, wer wird es? Alle spekulieren, keiner weiß es. Auch ich nicht. Bleibt nur der Versuch, sich in das Denken von Romney zu versetzen.

1. Romney kann und will keinen Star als seine Nummer 2 haben. Das würde Romneys Blässe erst richtig zum Scheinen bringen. Condoleezza Rice, Jeb Bush und Chris Christie scheiden damit schon mal aus. Und auch Marco Rubio, der neue Star der Republikaner ist nicht geeignet, auch wenn er Romney in Florida mit den Stimmen der Latinos helfen könnte.

2. Romney müsste eigentlich seine Basis, die religiöse Rechte, aktivieren. Diese Gruppe ist weiterhin zerstritten, ob der „liberale Konservative“ der richtige Kandidat ist. Doch will Romney das wirklich? Der Mormone versucht die Wahl in der Mitte, bei den Unabhängigen, zu gewinnen. Also: Rand Paul, Mike Huckabee, Rick Santorum und eigentlich auch Paul Ryan fallen weg.

3. Ann Romney wünscht sich wohl eine Frau als Vize. Doch reicht ihr Einfluss? Vielleicht. Nikki Haley, die Gouverneurin von South Carolina hätte eine Chance, genauso wie Kelly Ayotte, Senatorin aus New Hampshire. Letzere könnte helfen den Swing State mit seinen vier Wahlmännern für Romney zu gewinnen. Ich glaube jedoch: Nach dem Sarah Palin Desaster 2004 wird es keine Frau werden.

Was bleibt sind die „sicheren“ oder für viele auch „langweiligen“ Kandidaten. Das würde zu Romney passen, der bisher in seinem Wahlkampf auf „Nummer sicher“ gegangen ist. Keine Kontroversen, immer stoisch die kriselnde „Obama-Wirtschaft“ in den Vordergrund stellen. Was passiert, wenn Romney kritisch wird oder gar eine Meinung äußert, hat er auf seiner Auslandsreise gezeigt. Was als PR gedacht war, um das außenpolitische Profil zu stärken, wurde in London, Israel und Polen zum Pannentrip.

Also mein Tip: Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana, Tim Pawlenty, Ex-Gouverneur aus Minnesota oder Senator Rob Portman aus Ohio. Alle drei gelten als „nicht besonders inspirierend“ und dürften dem Wahlkampf auch kaum einen neuen Schub geben. Für Romney wären sie dennoch die idealen Partner. Keiner der drei würde am Stuhl der Nummer 1 im Team rütteln und da keiner für Kontroversen bekannt ist, könnte Romney seinen „Sicherheits-Wahlkampf“ weiterführen.

Müsste ich mich für einen Running Mate entscheiden, wäre es wohl Rob Portman. Der hat zumindest noch ein wenig Unterhaltungswert. Portman hat während des Wahlkampfes 2004 den „Obama gemacht“. Bei den Vorbereitungen von John McCain auf die TV-Debatten imitierte der 56-Jährige den Präsidenten. Portman wäre damit der Vize-Kandidat, der auf den Kampf gegen Obama am besten vorbereitet wäre. Außerdem könnte Portman helfen, den wichtigen Swing State Ohio für Romney zu gewinnen.

Oder gibt es doch noch eine Überraschung? Ich würde mich freuen. Warten wir es ab und hoffen.

Olympia als Wahlkampfhilfe

„Hallo London“, Obama gratuliert US-Olympioniken / Official White House Photo by Pete Souza

Olympia als willkommene Wahlkampf-Hilfe.

US-Präsident Obama lässt sich von seinem Team laufend über die aktuellen Ergebnisse aus London informieren. Gibt es einen Sieg zu feiern, greift der „Gratulierer-in-Chief“ selbst in Air Force One schnell zum abhörsicheren Telefon und beglückwünscht direkt aus der Präsidentenmaschine die Athleten. Bilder, die natürlich auch bei der Wiederwahl helfen sollen.

Obama hat unter anderem Michael Phelps oder das Frauen-Turn-Team USA zu ihrem Olympia-Sieg gratuliert (Foto). Telefonate, die offenbar auch den Sportlern helfen können. Der Präsident unterstützt eine Initiative von Senator Marco Rubio aus Florida, die Medaillen der Olympia-Sieger von der Steuer zu befreien. Ein Demokrat und ein Republikaner arbeiten zusammen – das schafft in Washington nur Olympia.

Für das Finanzamt sind Gold-, Silber-, und Bronze-Medaillen Mehrwerte und müssen entsprechend versteuert werden. So kassiert die IRS 8986 Dollar an Steuern für Gold, 5385 für Silber und immerhin noch 3502 Dollar für Bronze. Für Schwimm-Star Michael Phelps wird Olympia dadurch zu einem teurem Vergnügen: Seine insgesamt 22 Medaillen von Athen, Peking und jetzt London kosten ihn insgesamt 181.405 Dollar an Steuern. Ein Gespräch mit Obama kann da nur helfen.

Countdown – 100 Tage bis zur Wahl: Warum Obama US-Präsident bleibt!

Die „Electoral College“ Karte von Karl Rove. Auch das einstige „Hirn von George W. Bush“ sieht Obama nach seinen jüngsten Umfragen vom 16. Juli 2012 deutlich vorne. (Grafik: Rove.com)
Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen. Noch 100 Tage dann werden die Amerikaner über ihren künftigen Präsidenten entscheiden: Bleibt Barack Obama auch eine zweite Amtszeit im White House oder gewinnt der republikanische Herausforderer Mitt Romney?

Diese Frage bekomme auch ich immer wieder gestellt. Wer wird der nächste Präsident der USA? Meine klare Antwort: Barack Obama.

Diese Meinung hat sich seit den Vorwahlen der Republikaner nicht verändert, im Gegenteil. Heute bin ich mehr und mehr davon überzeugt, dass Obama deutlich gewinnen wird. Mitt Romney bleibt der unbeliebte Kandidat der Konservativen. Viele, vor allem die religiöse Rechte, die Basis der Republikaner, will nicht geschlossen für Romney stimmen. So lange sich das nicht ändert, wird es für Romney nicht reichen.

Wunschdenken? Vielleicht. Ich kann mit Obama als Präsident besser leben als mit Romney, auch wenn ich der Meinung bin, dass der Republikaner das Land ebenso regieren könnte. Ein Auswandern nach Kanada ist also nicht notwendig. Die Frage ist allerdings, wie würde Romney das Land regieren. Als Vorstandvorsitzender eines Konzerns namens USA oder als Staatsmann? Ich habe lieber einen Staatsmann als einen CEO wie Romney es vermutlich wäre.

Ich hatte Mitt Romney schon vor vier Jahren bei den Vorwahlen in New Hampshire live erlebt und dachte damals, dass er die Kandidatur der Republikaner gewinnen könnte. Doch mit dem Kriegsveteranen John McCain hatten die Partei 2008 eine wirkliche Alternative. Diesmal gab es die nicht, Romney gewann die Primaries, doch so richtig gewollt war er von der Grand Old Party nicht.

“Alles ist besser als Obama”, heißt das Motto bei den Republikanern. Reicht das um die Wahlen zu gewinnen? Ich denke nicht.

Es ist aber nicht nur die fehlende Unterstützung in den eigenen Reihen. Der farblose Romney selbst ist das Problem. Bisher spielt er auf Nummer sicher, keine kontroversen Meinungen und am besten überhaupt keine. Doch umso heißer der Wahlkampf wird, umso schwieriger wird es, diese Taktik weiter zu fahren. Amerika verlangt Antworten auf brennende Fragen und nicht rhetorisch auspfeilte Nicht-Meinungen. Wirtschaft und Jobs spielen dabei die wichtigste aber nicht einzige Rolle. Romneys Auswahl seines Vize-Präsidenten könnte einen Hinweis darauf geben, ob der Kandidat aus seiner Deckung herauskommt oder nicht.

Bleibt der Blick auf die Umfagen. Sie sprechen weiterhin nicht für den Herausforderer. Obama und Romney liegen Kopf-an-Kopf in den nationalen Umfragen. Doch welche Aussage haben diese Polls: Keine!

Entscheidend ist weiterhin das “Electoral College”, also die Wahlmänner aus den einzelnen Bundesstaaten. Und hier liegt Obama in allen Umfragen unverändert deutlich vor Romney. Die liberale Huffington Post sieht Obama mit 290 (270 braucht er nur) zu 191 Stimmen klar auf Siegkurs – vielleicht ein wenig zu optimistisch.

Doch selbst der konservative Karl Rove, das einstige “Hirn von Bush” und brillianter Umfragen- und Wahlanalyst muss sich schon viel Mühe geben, um positive Stimmung für Romney zu machen.  Auf seiner Electoral College Karte (siehe Foto) liegt Obama mit 194 zu 101 vorne. Zusätzlich sieht er 43 Stimmen, die zu Obama und 71, die zu Romney tendieren. Zusammen würde das bedeuten: 237 zu 171 – eine deutliche Führung für Obama.

Zu den umkämpften Swing States rechnet Rove insgesamt zehn Bundesstaaten. Darunter auch Michigan, Colorado und New Hampshire. Glaubt das Rove wirklich? Ich denke, dass die drei Staaten mit insgesamt 29 Stimmen für Obama sicher sein sollten. Damit hätte Obama 266 Stimmen und es fehlten ihm nur noch vier. Romney kann sich dann keine Niederlage mehr erlauben, muss also alles gewinnen: Ohio, Florida, Virginia, North und South Carolina, Missouri und Iowa. Ich halte das für ausgeschlossen.

Es sind noch 100 Tage bis zum Wahltag, da kann noch eine Menge passieren. Bricht die US-Wirtschaft zusammen, der Euro, der auch Auswirkungen auf die USA haben würde, oder gibt es andere schwere Krisen in den USA oder in der Welt, kann die Stimmung des Landes sehr schnell in die eine oder die andere Richtung kippen. Doch so lange es solche Katastrophen nicht geben wird, bleibe ich dabei:

Mitt Romney kann die Präsidentschaftswahlen nicht gewinnen, Barack Obama kann nur verlieren!